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Wie bei vielen mittelständischen Formen- und Werkzeugbauern ist bei der Wünsch GmbH in Deggendorf die Automobilindustrie der wichtigste Kunde. Das Unternehmen entwickelt und fertigt entweder direkt für einen
Hersteller, wie es bei Porsche, Audi und VW der Fall ist. Oder die Aufträge kommen von Zulieferbetrieben, die unter anderem für Daimler-Chrysler, BMW oder Opel arbeiten. Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen auf den Bereich Kunststoff- und Gummibearbeitung spezialisiert und verfügt neben seinem Know-how über eine mit modernen Bearbeitungszentren ausgestattete Werkstatt und Konstruktions- und Programmierarbeitsplätze mit der leistungsfähigen CAD/CAM-Software VISI-Series.
Das Kerngeschäft der Wünsch GmbH sind Spritzwerkzeuge für Kunststoff und Gummi sowie Gummipresswerkzeuge. Die maximale Größe für ein Werkzeug liegt bei 1000 mm x 1000 mm und einem Gewicht von zwei Tonnen.
Spritzformen für Behälter machen den Großteil der Werkzeuge für die Kunststoffverarbeitung aus, mit denen unter anderem Kühlwasserausgleichsbehälter, Wasserkästen für Kühler oder Bremsflüssigkeitsbehälter produziert werden. Auf der Basis der vom Autohersteller übermittelten 3D-Daten für das jeweilige Teil konstruiert Wünsch zuerst Versuchsformen für die Herstellung der Prototypen. Diese Werk-zeuge entsprechen aber schon weitgehend den Serienwerkzeugen, es lassen sich zwischen 1000 und 1500 Teile mit jeder Versuchsform herstellen.
Rund ein halbes Jahr dauert der Test, dem sich die Vorserienbehälter in den Testfahrzeugen unterziehen müssen. Hier kommt es vor allem darauf an, dass die für den sicheren Fahrzeugbetrieb notwendigen Durchflussmengen unter allen Einsatzbedingungen eingehalten werden. Anhand der endgültigen Spezifikationen entstehen dann die Serienwerkzeuge.
Seit drei Jahren stellt Wünsch aber nicht nur Werkzeuge anhand der vom Autohersteller übermittelten CAD-Daten her, sondern entwi-ckelt selbst Schmutzfänger für Fahrzeugmodelle von Audi (u.a. dem neuen A3), Porsche und VW. Für diese werden dann auch die entsprechenden Werkzeuge gefertigt. Was sich zuerst nach einer einfachen Angelegenheit anhört, zeigt sich in der Praxis aber als trickreiche Konstruktionsaufgabe. Denn Schmutzfänger sind schon lange keine einfach an das Fahrzeug montierten „Gummilappen“ mehr, sondern aerodynamisch ausgefeilte Anbauteile, die zu-dem verschiedenen gesetzlichen Vorgaben entsprechen müssen. Ohne moderne Konstruktions- und Fertigungssoftware wäre ein Unternehmen wie Wünsch nicht vorstellbar. Sowohl für die eigene Entwicklungsarbeit als auch zur Konstruktion der Werkzeuge und zur Erstellung der Maschinenprogramme setzt der Betrieb VISI-Series der Firma Vero International ein. Die modular aufgebaute und speziell auf die Bedürfnisse des Werkzeug- und Formenbaus zugeschnittene CAD/CAM-Software basiert auf dem von der britischen Firma Electronic Data Systems entwickelten Parasolid-3D-Kern, der auch in vielen anderen CAD-Programmen zum Einsatz kommt.
Vier Arbeitsplätze sind mit VISI-Series ausgestattet, wobei handels-übliche PCs mit Pentium-IV-Prozessor zum Einsatz kommen. Ein Arbeits-platz dient ausschließlich dem Datenimport und der Angebotserstellung. Mit Hilfe der CATIA-Schnittstelle der VISI-Series lassen sich die 3D-Daten der Hersteller problemlos in das CAD-Programm übernehmen, je nach Komplexität der Bauteile umfassen sie zwischen 15 MB und 60 MB. Anhand dieser Daten erfolgt dann die Konstruktion des jeweiligen Werk-zeugs. Bei den Schmutzfängern erhält Wünsch vom Hersteller die Konstruktionsdaten der Anschlussbauteile ebenfalls im CATIA-Format.
Auf den drei anderen Arbeitsplätzen wird entwickelt und konstruiert, außerdem entstehen dort die Maschinenprogramme. Zur Entwicklung der Schmutzfänger setzt der Konstrukteur das Modul VISI-Modelling ein, mit dessen Hilfe die 3D-Modelle und die 2D-Ableitungen entstehen, wobei man jederzeit zwischen Volumen- und Flächenfunktionen wechseln kann. Nach Prüfung und Freigabe der Schmutzfänger durch den Auftraggeber geht es dann an die Werkzeugkonstruktion.
Diese wird zusätzlich durch die Module VISI-Mould und VISI-Split unterstützt. VISI-Mould ist auf die 3D-Konstruktion von Spritzgießwerkzeugen spezialisiert und verfügt unter anderem auch über Funktionen für Schieber und Kühlungen. 2D-Ansichten und Schnitte lassen sich automatisch aus dem Modell ableiten, der integrierte Assembly-Manager erstellt die Stück-listen. VISI-Split analysiert das jeweilige Bauteil und errechnet, wie es am besten entformt werden kann und wo Schieber notwendig sind. Die Entformung lässt sich inklusive der Schieber in der Software simulieren, so dass man schon bei der Angebotserstellung wichtige Daten ermitteln kann. VISI-Series umfasst außer den Entwicklungs- und Konstruktionswerkzeugen mehrere Module zur NC-Programmierung. Dadurch können alle Arbeitsschritte von der Konstruktion bis zur Maschinenprogrammierung unter einer einheitlichen Programmoberfläche erfolgen. Es wird jeweils auf denselben Datenbestand zugegriffen, ohne dass ein Export oder ein Import von Daten notwendig ist.
Die Programme für die Bearbeitungsmaschinen entstehen bei Wünsch mit Hilfe des 3D- und des 2D-Moduls von VISI-Machining. Sie sorgen für die Auslastung der sieben Bearbeitungszentren und Fräsen, die den Hauptteil der Maschinenausstattung darstellen. Darunter als modernste Vertreter ein 5-Achsen-Bearbeitungs-zentrum DMV 100 T und ein Bearbeitungszentrum DMC 100 V von Deckel. Für die Elektroden-Erzeu-gung ist das Modul VISI-Elektrode zuständig.
Alle Maschinenprogramme lassen sich an den Arbeitsstationen von einem zentralen Server abrufen, mit dem sie über Ethernet vernetzt sind. Die Maschinen laufen rund um die Uhr, neben der normalen Tagesschicht gibt es einen Nachtlauf ohne Beaufsichtigung. Bei großem Arbeitsanfall wird auch mit zwei Schichten und einem Nachtlauf gearbeitet.
Die Zusammenfassung aller Module von der 3D-Konstruktion bis hin zur NC-Programmierung in einem Produkt sowie die spezifische Aus-richtung auf die Bedürfnisse des Formenbaus wa-ren für den Geschäfts- führer der Wünsch GmbH, Martin Speiseder, die we-sentlichsten Gründe für die Anschaffung von VISI-Series vor rund fünf Jahren. Zudem biete die Software im Vergleich zu anderen Lösungen ein sehr gutes Preis-Leis-tungs-Verhältnis und lasse sich leicht erlernen.
Bisher hat kein Mitarbeiter von Wünsch das komplette, 13-tägige Trainingsprogramm beim deutschen VISI-Distributor MECADAT durchlaufen müssen, um mit der Software zu arbeiten. Nur spezielle Schulungen für einzelne Module waren notwendig. Für die NC-Programmierung wurde sogar gar keine Einweisung in das Programm in Anspruch genommen, da sich der dafür zuständige Programmierer prob-lemlos im Programm zu-rechtgefunden hat. An- dererseits haben sich die Mitarbeiter von Wünsch als Beta-Tester für die aktuelle Version 10 von VISI-Series betätigt. Auf Fehlermeldungen und Änderungsvorschläge wurde dabei von MECADAT schnell reagiert, betont Martin Speiseder, der sich auch sonst bei auftretenden Fragen nie alleine gelassen fühlt und die gute Zusammenarbeit mit dem Distributor lobt.
www.mecadat.de
VISI-Series
Die auf dem 3D-Parasolid-Kern aufbauende CAD/CAM-Lösung umfasst Module für die Konstruktion, den Formen- und den Werkzeugbau sowie für die NC-Programmierung. Unterstützt werden die Betriebssysteme Windows 2000 und Windows XP Professional. Die VISI-Module lassen sich je nach Bedarf zusammenstellen und jederzeit durch weitere Elemente erweitern. Zu den Kernmodulen zählen:
VISI-Design - 2D-Konstruktion
VISI-Modelling - Flächen- und Volumenmodellierung
VISI-Mould - 3D-Konstruktion von Spritzgießwerkzeugen
VISI-Split - Entformungsanalyse und Simulation
VISI-Elektrode - Elektrodenerzeugung für die Senkerodierung
VISI-Progress - 3D-Konstruktion von Schnitt- und Stanzwerkzeugen
VISI-Machining 2D - 2,5-Achsen Fräsen und Bohren
VISI-Machining 3D - 3-5 Achsen Fräsen
VISI-Wire - 2- und 4-Achsen Drahterodieren
Darüber hinaus bietet VISI-Series Schnittstellen zu allen wichtigen Datenformaten wie CATIA, UG, Pro E, STEP und SAT, die ebenfalls als einzelne Module erhältlich sind. VISI-Series ist ein Produkt von VERO International. Das 1988 gegründete Unternehmen hat seinen Firmensitz in Romano Canavese in Italien. Weltweit sind momentan rund 16000 Arbeitsplätze mit VISI-Series ausgestattet, darunter etwa 1000 in Deutschland. Distributor für den deutschsprachigen Raum ist die Firma MECADAT mit Sitz in Langenbach bei Freising. Außerhalb von Bayern, wo Vertrieb und Support direkt erfolgen, arbeitet MECADAT mit Vertriebspartnern zusammen.