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Wissen, wo der Schuh drückt

Von Franz J. Gruber „Das ist etwas für den Werkzeug- und Formenbau, aber weniger für die echte Fertigung!“ Kaum zu glauben, aber selbst im Jahr 2007 hat das Erodieren noch mit solchen Vorurteilen zu kämpfen. Dabei gibt es in der Präzisionsfertigung seit jeher anspruchsvolle Aufgaben, die ohne Erodieren schlichtweg nicht machbar sind. Zum anderen sind EDM-Maschinen längst hochproduktive Fertigungsmittel geworden. Die Hermsdorfer eropräzisa GmbH ist als Dienstleister im Präzisionsbereich einen Schritt weiter: Optische Industrie, Präzisionsmechanik, Automobilindustrie, Kraftwerkstechnik, Medizintechnik – aber auch der Werkzeug- und Formenbau – nutzen das Angebot der Hermsdorfer Erodier-Spezialisten. Anspruchsvolle Kleinserienfertigung ist deren Metier.

Für die beiden Ingenieure Thomas Richter und Thomas Hennig ist die EDM-Technologie schon sehr lange beruflicher Inhalt. Beide waren in ihrem vorigen Berufsleben für Hahn+Kolb in Vertrieb und Service tätig. Und nicht zuletzt aus dieser Zeit kennen sie fast jede EDM-Maschine in den neuen Bundesländern, denn Erodieren hieß damals in erster Linie Agie. Die Schweizer hatten bis zur und auch unmittelbar nach der Wende den ganzen Markt fast für sich alleine. Heute sind es Produkte von Mitsubishi Electric und OPS Ingersoll, die für beide im Mittelpunkt ihres Tuns stehen: Die Handelsvertretung Richter+Hennig ist vor Jahren angetreten, die Marktanteile beider Marken in den neuen Bundesländern auszubauen. Und das mit Erfolg: Das Know-how der beiden EDM-Praktiker, gepaart mit den hochwertigen Produkten von Mitsubishi Electric und OPS Ingersoll, das scheint immer mehr Kunden zu überzeugen. Es kann aber auch daran liegen, dass die beiden mit der eropräzisa GmbH ein zusätzliches Ass im Ärmel haben. Die eropräzisa ist ein echter Fertigungsbetrieb in dem die beiden Geschäftsführer ihren Praxisbezug leben können: Beide sind eigentlich keine Verkäufer, sondern echte Praktiker, die wissen, wo die Kunden der Schuh drückt. Thomas Hennig formuliert das so: „Die eropräzisa hat das Gesamtpaket im Auge und ist spezialisiert auf 3D-CAD/CAM, HSC-Fräsen, Draht- und Senkerosion sowie die Präzisionsteilefertigung im High-End-Bereich. Wir haben das technische Know-how des Anwenders, was natürlich dem Maschinengeschäft hilft.“ Und Thomas Richter ergänzt: „Das ist eben genau der Unterschied zu einem Applikations- oder Vorführzentrum. Wir leben den Fertigungsalltag mit allen seinen Facetten.“ Um die Synergien größtmöglich zu nutzen, wurde bei eropräzisa in einen aktuellen Maschinenpark investiert; nur insofern gilt auch der Begriff Vorführzentrum. Folgendes Equipment steht zur Verfügung: Drei HSC-Maschinen, nämlich eine OPS 650 HSC, die fünfachsige OPS 550 HSC sowie eine Digma 300 HSC. Die Senkerosion stützt sich in Hermsdorf auf eine Mitsubishi EA 12 V und eine Ingersoll Gantry 800. Zum Drahterodieren steht schließlich eine Armada von Mitsubishi-Maschinen zur Verfügung: eine PA20, eine FA10E, eine FA20, eine FA20-S sowie eine RA90. Damit lässt sich ohne Zweifel präzise arbeiten; die Fertigung zylindrischer oder konischer Regelgeometrien an Präzisionsteilen (mit Drahtdurchmessern von 0,05 - 0,30 mm) bei Oberflächenqualitäten von Ra 0,1 ist in Hermsdorf Alltag. Getreu der alten Produktioner-Regel „was man nicht messen kann, kann man auch nicht fertigen“ wurde selbstredend auch in Messtechnik investiert. Gemessen wird mit einem Werth Profilprojektor Optimus 300, einer EROWA ARES CNC und einem ToolTEC Kamera-Mess-System. Für ein durchgängiges CAD/CAM-Konzept in 2D, vor allem aber in 3D, sorgen Produkte von Think3, Delcam, OpenMind, D-CAM und MASTERPROG. Alleine die genannte Ausstattung unterstreicht, was Richter und Hennig meinen, wenn sie vom kompletten Rundum-Paket sprechen: Nicht die profane verlängerte Werkbank ist das Geschäft der eropräzisa, sondern die kundenspezifische Problemlösung, inklusive Engineering, bis hin zum fertigen (Klein-)Serienteil. Aber unterm Strich eben echte Serienfertigung! Tatsächlich liegen die Ursprünge der eropräzisa in dem Wunsch der beiden Ingenieure für das Unternehmen Richter+Hennig ein respektables Vorführzentrum zu etablieren. Thomas Richter erinnert sich: „Vertriebsunterstützung für die drei Technologien Drahterosion, Senken und HSC-Fräsen war der ursprüngliche Ansatz. Wir haben aber sehr schnell gemerkt, dass so etwas überhaupt nicht bezahlbar ist. Also haben wir den Weg gewählt, die eropräzisa als GmbH zu etablieren und ins Dienstleistungsgeschäft einzusteigen.“ So ganz nebenbei konnte das Unternehmen von Beginn an als Vorführzentrum genutzt werden. Zwei Fliegen mit einer Klappe also, aber kommt man mit dem eigenen Fertigungsbetrieb nicht zu sehr in Konkurrenz zu seinen Kunden im Maschinengeschäft? Thomas Hennig dazu: „Theoretisch besteht diese Gefahr natürlich. Es ist so, dass wir uns mehr und mehr aus dem Werkzeug- und Formenbau herausbewegen und ganz bewusst den Weg Richtung Teilefertigung gehen. Es gibt nicht allzu viele reine Dienstleister, die Ähnliches tun wie wir und wir werden uns bei eventuellen Konflikten bestimmt zurücknehmen.“ Und Thomas Richter ergänzt: „Unsere Kompetenz sind komplexe, meist filigrane 3D-Teile – mehr als 50% unseres Umsatzes bestreiten wir mit 3D-Teilen, die im Übrigen in den Werkzeug- und Formenbau gehen, etwa in Form von komplexen Formeinsätzen. Des weiteren setzen wir auch materialseitig auf Dinge, die anderswo nicht so ohne weiteres zu haben sind. Die Bearbeitung moderner Hochleistungswerkstoffe wie Hartmetall, Titan, Wolfram, Hasteloy oder Inconel gehört bei uns zum Alltag. Diesbezüglich arbeiten wir sehr viel für die Medizintechnik, die optische Industrie, den Motorrennsport, die Präzisionsmechanik oder den Prototypenbau.“ Thomas Hennig und Thomas Richter haben es offensichtlich verstanden das Maschinengeschäft und das Dienstleistungsgeschäft erfolgreich in Einklang zu bringen: Sie verkaufen in der Handelsvertretung nicht in erster Linie Maschinen, sondern Technologie – genauso wie sie mit der eropräzisa nicht vordergründig Serienteile sondern eben auch Technologie verkaufen. Die Kunden aus beiden Geschäftsfeldern haben dies offensichtlich verstanden und schätzen die Hermsdorfer Kompetenz. Dass mittlerweile ein gutes Drittel des Maschinengeschäftes in der Dienstleistung seinen Anfang nahm, ist für die beiden Geschäftsführer Lohn ihres Erfolgskonzeptes. Thomas Richter ergänzt: „Wir haben es zwar mit den selben Inhalten, nämlich EDM- und HSC-Technik, aber mit völlig unterschiedlichen Märkten zu tun. Während das Dienstleistungsgeschäft ein wachsender Markt ist, haben wir im Maschinengeschäft mit einem Verdrängungswettbewerb zu kämpfen.“ Dass man aber auch in stagnierenden Märkten wachsen kann, das haben die Hermsdorfer bewiesen: In den letzten Jahren haben sie den Marktanteil in den neuen Bundesländern für Mitsubishi- und OPS Ingersoll-Produkte erfreulich ausbauen können. Die Märkte müssen nach Ansicht von Thomas Hennig überdies sehr viel differenzierter betrachtet werden: „Das Drahterodieren bleibt weiterhin auf Wachstumskurs und das auf relativ konstantem Niveau.“ Das Senken, hat da schon mehr Probleme, wie er bemerkt. Aber nicht, weil es weniger für die Senkerosion zu tun gäbe oder die HSC-Technik dem Senken so vieles wegnehmen würde – das währe nur die halbe Wahrheit. Hennig: „Diese Technologie ist nach wie vor sehr wichtig und wird auch gebraucht, mehr und mehr wird bei Kunststoffteilen sogar eine Erodierstruktur gewünscht. Das Senkerodieren ist aber sehr viel schneller und effektiver geworden. Wenn man früher schon mit 2500 Stunden Maschinenlaufzeit ganz glücklich war, so kommt man heute mit entsprechender Automatisierung gut und gerne auf 6000 Stunden.“ Grafit ist dabei natürlich das große Thema: Es kann schneller erodiert werden, mehrere Elektroden können zusammengefasst werden und schließlich können auch die Grafitelektroden schneller gefräst werden. Last but not least wird per HSC mehr in der Form selbst gefräst – die ganze Prozesskette wird schneller. Thomas Richter: „HSC-Fräsen plus Senken in Grafit – das ist die Formel für Produktivität. Wer heute in eine leistungsstarke Grafitmaschine investiert, kann mehrere Kupfer-Maschinen ersetzen.“ Die Kehrseite von der Medaille bekommen die beiden Geschäftsführer in ihrem eigenen Fertigungsbetrieb zu spüren: Hohe Produktivität, gepaart mit immer komplexer werdenden Geometrien – da wird der Programmieraufwand deutlich höher. So erklärt sich auch das Engagement, das eropräzisa in Sachen CAD/CAM an den Tag legt. Hennig kommt wieder auf das Gesamtpaket der Problemlösung zu sprechen: „Wir haben die selben Praxisprobleme, wie unsere Kunden im Maschinengeschäft und wenn wir diese Probleme für uns in den Griff bekommen, nützt das auch unseren Kunden.“ Hier hört man wieder den roten Faden der Technologie-Kompetenz heraus, der einem in Hermsdorf auf Schritt und Tritt begegnet. Dass man bei der Lösung von Kundenproblemen nicht immer bis ins letzte auf die Kalkulation achtet, kann einem bei eropräzisa schon passieren, wie Thomas Richter bemerkt: „Wir sind der Meinung, dass jeder Kunde einen gewissen Service verdient hat. Da darf man nicht immer haarklein nachrechnen. Wenn ein Kunde in Not ist, muss man eben mal ein Teil von der Maschine nehmen und das Kundenteil präferieren.“ Solche Vorgehensweisen werden von Kunden geschätzt und wer weiß, vielleicht erinnern sie sich bei der nächsten Maschineninvestition daran, dass eropräzisa eine Schwesterfirma hat, die genau damit dienen kann. Thomas Hennig fasst die Inhalte der eropräzisa zusammen: „Wir sind nicht scharf darauf, ein klassischer Lohnerodierer zu sein, da gibt es einige, die das genauso gut können. Wir sind so strukturiert, dass wir von der Konstruktion, über die Arbeitsvorbereitung bis hin zu EDM- und HSC-Bearbeitung den 3D-Bereich leben. Wir können jedes beliebige Teil, das aus Metall ist, aus einem 3D-Datensatz heraus herstellen. Am liebsten ist es uns dabei, wenn es um Teile geht, wo alle drei Technologien zum Einsatz kommen können.“ Sein Kollege Thomas Richter ergänzt diese Aussage: „Wir wollen nicht das Alltägliche machen, sondern trauen uns sehr hohe Präzision zu. In den Dingen, wo andere Drahterodierer die Hände heben, sehen wir unser Geschäft.“ Dabei verweist er auf die Mitsubishi PA20, auf der auch Drähte mit 5 Hundertsteln Durchmesser zum Einsatz kommen können: „Mit solchen hochwertigen Maschinen sind wir in der Lage extreme Herausforderungen anzugehen, die sich im Übrigen auch in ganz anderen Preissituationen bewegen.“ Und das möglichst in Stückzahlen um die 50 – das ist so der Schnitt im Hermsdorfer Fertigungsalltag, wobei es Ausreißer nach oben (200) und nach unten (Einzelfertigung) natürlich auch gibt. Dass ein hoher Qualitätsanspruch auch seine Tücken haben kann, ist für Thomas Richter und Thomas Hennig auch gelebte Erfahrung, wie sie offen zugeben: „Wir setzen auch regelmäßig Sachen in den Sand – darüber lernt man aber auch dazu.“ Ganz normale High-end-Fertigung eben!

www.eropraezisa.de

 



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