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von Jürgen Kromberg Ein schon seinerzeit sehr fortschrittlicher Werkzeug- und Formenbauer machte den Anfang als er sich sagte, dass das, was für ihn beim Einsatz von Senk-Elektroden schon selbstverständlich war, doch auch bei ihrer Fertigung möglich sein müsse: also das selbsttätige Be- und Entladen von Fräsmaschinen und somit gleichfalls (wie beim Senk-Erodieren) der aufsichtslose Betrieb während der mannlosen Nachtschicht. Diese Idee markiert den Beginn einer besonderen Beziehung – nämlich der zwischen der Fehlmann AG aus Seon und der Erowa Ltd aus Büron.
Die damals ungewöhnliche Anfrage kam von Phoenix Contact aus Blomberg: der innovative Marktführer vor allem von industrieller Verbindungstechnik und von elektronischen Interface-Systemen zielte mit ihr auf höhere Effizienz in seinem Formenbau – die Senk-Elektroden sollten nicht nur (wie bislang schon) bedienerlos eingesetzt, sondern gleichfalls ohne Aufsicht hergestellt werden. Also war (anfänglich) eine Fräsmaschine durch ein Speicher- und Handling-System (ähnlich wie beim Senk-Erodieren bekannt) zu automatisieren. So erinnert Geschäftsführer Frank Fehlmann: „Das war 1992 – also in der Zeit der CIM-Euphorie – für uns die erste derartige Anfrage überhaupt, aber Phoenix Contact rannte damit bei uns schon offene Türen ein, denn uns war durchaus klar, dass sich für die werkstückseitige Automation zunehmend Bedarf entwickeln würde, und da wollten wir gleich mit dabei sein.“ Dabei war das die Fehlmann AG zumindest als Anwender längst: „Bereits 1991 hatten wir für den eigenen Bedarf eine palettierte Produktionsanlage in Betrieb genommen und wussten also schon, wie stark man die Stückkosten durch die zusätzliche unbeaufsichtigte dritte Schicht gegenüber dem bedienten Zwei-Schichtbetrieb senken kann – wenn denn solch ein FFS auch wirklich ausgelastet ist.“ Dabei lag die Idee der Automation auch beim Elektroden-Fräsen ja nahe – hatte doch Erowa die ersten Senk-Erodiermaschinen schon Ende 1988 mit Speicher- und Handlingsystemen bestückt. Und einer der ersten Anwender war eben die Phoenix Contact, die im Gegensatz zu den meisten andren jedoch sehr bald die werkstückseitige Automation auch bei der Elektroden-Herstellung und somit bei ihrer Fräs-Bearbeitung realisiert wissen wollte. Kommentiert Fehlmann: „Die waren schon damals ihrer Zeit weit voraus.“ Doch der Unterschied zwischen Elektroden-Einsatz und –Herstellung ist auch klar: misst sich die Zykluszeit beim Senk-Erodieren in Stunden, sind es beim Fräsen nur Minuten. Betont Bernhard Steiger, bei der Erowa Ltd Key Account Manager: „Das bedingt natürlich vor allem größere Speicherkapazität und kürzere Handling-Intervalle, also schnellere Wechsel-Zyklen.“ Ist das eine recht leicht zu realisieren, gilt das fürs andere nicht. Beides aber war zunächst nicht so vordringlich… …denn Priorität für Phoenix Contact als dem ersten Fehlmann-Kunden für die werkstückseitige Automation beim Fräsen war zunächst, dass es überhaupt funktioniert – und da war sicher hilfreich, mit Fehlmann und Erowa beide Wunsch-Lieferanten zu kennen: den einen vom bedienten Fräsen, den andren von der Automation des Senk-Erodierens. Fehlmann andererseits hatte (wohl zurecht) aus Eigen- wie aus Kunden-Interesse andere und hoch ambitionierte Prioritäten. So schildert uns Frank Fehlmann: „Unser Ziel war von Beginn an, unseren Kunden ein System aus einer Hand und also auch mit einer Verantwortung und mit nur einer Zuständigkeit liefern zu können.“ Im Klartext heißt das nicht weniger, dass sich da ein Werkzeugmaschinen-Hersteller anheischig machte, erstens auch für Service und Support einer (mechanisch durchaus komplexen) Zukauf-Komponente kompetent zu sein und zweitens zudem in eigener Regie die Steuerung des adaptierten Speicher- und Handling-Systems zu übernehmen – und Frank Fehlmann begründet, warum sein Unternehmen seinerzeit für fremde Automations-Hardware mit dem ,MillingCenter-Manager’ eine eigene Automations-Software entwickelte: „Es liegt doch eindeutig im Interesse der Anwender, wenn sie lediglich einen wirklich kompetenten Ansprechpartner für einfach alles haben“, und Jürg Solenthaler, bei Fehlmann Verkaufsleiter Schweiz, ergänzt: „Außerdem braucht es speziell beim Fräsen von Elektroden eine andere Software als bei ihrem Einsatz“, und erläutert uns: „So sollen ja etwa auf der Basis eines NC-Programms für Schrupp- und Schlicht-Elektroden möglichst einfach unterschiedliche Aufmasse gefräst werden können – das beispielsweise haben wir bei unserem ,MillingCenter-Manager berücksichtigt.“ Und Bernhard Steiger ergänzt: „Wie der Name ja schon sagt, ist der ,MillingCenter-Manager’ von Fehlmann ganz und allein auf das Fräsen/Bohren zugeschnitten, während unser ,JobManagement-System’ zwangsläufig breiter und vielseitiger angelegt ist“, und setzt glaubwürdig nach: „Aber wir haben kein Problem damit, dass unsere Robot-Hardware über eine Fehlmann-Software kontrolliert wird“, und ergänzt: „Fehlmann ist von unseren WZM-OEMs übrigens der einzige mit eigener Robot-Steuerung und Auftrags-Verwaltung – das macht niemand sonst mit dieser Verlagerung der Schnittstelle zwischen BAZ- und Robot-Hersteller.“ Aber das passt zu Fehlmann: ist es doch Politik, bei ungewöhnlich hoher Fertigungstiefe möglichst viel Wertschöpfung im eigenen Haus zu haben – so baut ja Fehlmann (bis zur 26 000er-Grenze) alle Spindeln selbst sowie auch den ,ATS’-Rund/Schwenktisch als 4. und 5. (Rotations-)Achsen. Dass nun die Zusammenarbeit Fehlmann/Erowa seit 15 Jahren zum Wohl aller beteiligten (also auch der Kunden) funktioniert, hat gute Gründe: so fokussiert sich Fehlmann beim Automatisieren seiner Bearbeitungszentren seit Beginn an konsequent auf die Robot-Systeme von Erowa. Begründet Frank Fehlmann: „Dadurch sind wir mit den Robot-Systemen von Erowa natürlich voll vertraut und erreichen denkbar hohe Zuverlässigkeit.“ (Gleiches gilt übrigens auch für die prinzipiell adaptierten ,TNC’s von Heidenhain – mit dem Vorteil relativ geringen Dokumentations- und Schulungs-Aufwands.) Und außerdem haben Fehlmann und Erowa einen Weg gefunden (weitestgehend) ohne Missverständnisse und Fehl-Interpretationen zusammenzuarbeiten: so gibt es zwischen beiden nur eine Kommunikations-Schnittstelle, über die alle Informationen laufen. So betonen Frank Fehlmann und Bernhard Steiger unisono: „Da hilft nur, flache, einfache Strukturen zu schaffen – und die haben wir.“ Und zudem ist sicher hilfreich, dass Seon und Büron (vice versa) nur 25 Autominuten auseinander liegen. Nun gibt es gewiss Werkzeugmaschinen-Hersteller, an die Erowa im Lauf der Jahre deutlich mehr Robot-Systeme geliefert hat – aber die sind auch sehr deutlich größer als die Seoner mit ihren 170 Mitarbeitern. Qualifiziert Steiger: „Alles in allem haben Fehlmann und Erowa (wie geschildert) sicher so etwas wie eine besondere Beziehung entwickelt, aber man kann auch zurecht sagen, dass – natürlich nur relativ betrachtet und nicht am absoluten Umsatz gemessen – Fehlmann für Erowa einer der großen Kunden ist.“ Das einhundertste Robot-System übrigens wurde kürzlich – adaptiert an eine ,Picomax 90-M’ - an die Amsler & Frey AG ausgeliefert, die exakt die gleiche Konfiguration bereits ein Jahr zuvor installiert hatte; dabei ist dieser Anwender (weil Kunststoff-Verarbeiter) gar kein ,typischer’ Fehlmann-Kunde – geht doch der weit überwiegende Teil der BAZs und Fräsmaschinen von Fehlmann (natürlich) in die Metall verarbeitende Industrie: aber Amsler & Frey hat identische Anforderungen wie sie – nämlich (abgesehen von Top-Zuverlässigkeit) hohe Präzision und hohe Oberflächengüte. Wirbt Frank Fehlmann: „Dafür sind wir bekannt – ob nun mit oder ohne Erowa-Robot.“