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Von Franz J. Gruber Die Gasser Kunststofftechnik aus Mengen zählt zu den Formen- und Werkzeugbauern, die ihren Erfolg einer konsequenten Vorwärtsstrategie verdanken. Einerseits geht man dort den Weg hin zum Komplettanbieter – es wird versucht, alles aus einer Hand zu bieten, bis hin zu den eigenen Heißkanalsystemen. Andererseits scheut man sich in Mengen nicht, zu investieren und setzt auf einen umfassenden und exzellenten Maschinenpark. Das jüngste 5-Achsen-Bearbeitungszentrum C 40 UP dynamic von Hermle dokumentiert dabei eindrucksvoll, wo die Richtung hin geht: 125 Werkzeugplätze und ein 7-fach-Palettenbahnhof unterstreichen, dass Automatisierung in Mengen längst Alltag ist.
Zwei Jahre sind es noch, dann kann das Unternehmen Gasser Kunststofftechnik auf 40 Jahre Firmengeschichte zurückblicken. Seit 1969 versteht sich der Mengener Formenbauer als kompetenter Partner für die Automobil- und Kunststoffindustrie. Spezialität sind 2-K- und 3-K-Werkzeuge, wenn irgendwie machbar in Sperrschiebertechnik. Wenn es um Wasserkästen, Luftführungen oder Einstiegsverkleidungen geht, sieht die Automobilindustrie (und deren Zulieferer) in der Bussenstraße in Mengen eine der so genannten „ersten Adressen“. Knapp 50 Werkzeuge für Wasserkästen gingen beispielsweise bislang von Mengen aus zu den Kunden – bis hin nach Mexiko oder in die USA. Unternehmensgründer Kurt Gasser hat sich Anfang diesen Jahres offiziell aus dem Unternehmen zurückgezogen und die Geschicke des Unternehmens in die Hände seiner beiden Söhne gelegt: Rafael Gasser ist für die technische Leitung zuständig und Roger Gasser übernimmt den kaufmännischen Part. Allerdings wollen die beiden Brüder auf die langjährigen Kontakte des Vaters so schnell nicht verzichten, so dass Kurt Gasser nach wie vor im Unternehmen präsent ist. In Mengen ist nichts zu spüren von der im Werkzeug- und Formenbau zuweilen auftretenden Depression bezüglich der übermächtigen globalen Konkurrenz, vornehmlich aus China. Im Gegenteil, wie Rafael Gasser bemerkt: „Seit zwei Jahren spüren wir so etwas wie einen Aufwärts-trend und ich denke, auch das Preisniveau hat sich wieder eingependelt. Es ist viel Arbeit auf dem Markt und das regelt auch wieder die Preise. Überdies glauben wir nicht, dass alles nach China geht.“ Es muss aber gesehen werden, dass Gasser auch etwas dafür tut, um im Spiel zu bleiben. Rafael Gasser: „Die Lohnkosten sind in Deutschland sicherlich ein bestimmender Faktor, verglichen mit Asien – aber mit moderner Technik, Know-how und Innovation können wir im globalen Wettbewerb bestehen. Genauigkeit und Präzision, gepaart mit Automatisierung und möglichst mannarmen Schichten – das sind die Rezepte, um wieder Marktanteile zu generieren.“ Zwanzig Jahre Erfahrung mit der 2-K-Technik und komplexen Etagenwerkzeugen sind dafür sicherlich hilfreich. Wenn man es also schafft, mit Hilfe moderner Technik und entsprechenden Organisationsstrukturen, dass sich die Kunden auch preislich gut aufgehoben fühlen, ist man auf der sicheren Seite. Zumal Gasser noch einen Schritt weiter geht und seinen Kunden das Gesamtpaket offeriert, bis hin zur Nullserie. Aber auch das hat in Mengen gewisse Tradition. Schon sehr früh ist man zum Hersteller von Heißkanalsystemen avanciert; zusammen mit dem Partner Prinz Engineering entwickelt und fertigt Gasser maßgeschneiderte Lösungen für die Werkzeuge. Rafael Gasser: „Es muss nicht lange mit einem externen Heißkanalhersteller diskutiert werden, welche Angebotsvarianten letztlich zum Einsatz kommen. Wir bieten alles aus einer Hand. Hinzu kommt, dass viele Heißkanalanbieter unserer Meinung nach zuviel Bauraum beanspruchen und so unter Umständen die Kavität geschwächt wird.“ Mit der maßgeschneiderten Eigenlösung unterstreicht Gasser sein Selbstverständnis als Spezialist für anspruchsvolle Teile. Rückgrat dieser Philosophie ist, wie fast in jedem Formenbau, die Fertigung, also letztlich der Maschinenpark – und der ist stattlich in Mengen. Auch deshalb, weil das Spektrum an zu fertigenden Serien-Werkzeugen zwischen einer und 14 Tonnen liegt. Mit drei großen Bettfräsmaschinen (zweimal Soraluce, einmal Huron), und weiteren 10 Fräsmaschinen bzw. Bearbeitungszentren – fast alle jüngeren Datums – ist man in Sachen Fräsen gut aufgestellt. Die Zahl der Erodiermaschinen hat dagegen in den letzten Jahren abgenommen: Lediglich eine Walter Exeron zum Senken und eine Agie zum Schneiden sind in Mengen noch zu finden. Eine Koordinatenschleifmaschine, vier Flachschleifmaschinen und eine Tuschierpresse runden das Bild ab. Eine stattliche Ausstattung, die den derzeit 39 Mitarbeitern in Mengen zur Verfügung steht. Ein erster Blick auf den Maschinenpark macht deutlich: Hermle scheint in Mengen gut im Geschäft zu sein. Und in der Tat gibt es zu den Gosheimern eine besondere Beziehung. Kurt Gasser stellt von vornherein klar, weshalb das so ist: „Abgesehen von den Leistungsdaten der Maschinen selbst, fühlt man sich in jeder Beziehung gut aufgehoben, vor allem was den Service betrifft. Hier kann sich jeder Maschinenhersteller von den Gosheimern eine Scheibe abschneiden.“ Deutliche Worte, die bei der langjährigen Erfahrung Gassers noch mehr an Gewicht bekommen. Die erste Hermle kam 1981 zu Gasser und leistet heute noch in der Lehrwerkstatt gute Dienste. Einen gewaltigen Sprung für das Unternehmen brachte nach Aussage von Kurt Gasser Mitte der Neunziger die HSC-Technologie, ebenfalls in Form einer Hermle-Maschine. Kurt Gasser erinnert sich: „Das war damals die dritte Maschine dieser Art überhaupt, jedenfalls die erste, die an einen Formenbauer ging.“ Und weiter: „Obwohl es uns damals vordergründig gar nicht in erster Linie um HSC ging, sondern vielmehr um den automatischen Werkzeugwechsler.“ Werkzeugwechsler sind auch in Mengen längst Standard und mit der neuen C 40 UP wurde das Thema Automation um einen 7-fach-Palettenwechsler ergänzt. Mit dem Palettenwechsler zeigt Hermle neue Wege beim hauptzeitparallelen Rüsten seiner hochdynamischen 5-Achs-Maschinen auf. Mit zwei CNC-Achsen für die Schwenk- und Drehbewegung ermöglicht er ein ruckfreies Beschleunigen und Abbremsen bei voller Tischbelastung mit einer hohen Genauigkeit. Die Zugänglichkeit zum Arbeitsraum der C 40 wird mit dem System nicht eingeschränkt. Weit öffnende Drehtüren bieten eine gute Zugänglichkeit des Rüstplatzes. Eine Belademöglichkeit auch großer und schwerer Werkstücke mittels Kran am Rüstplatz ist hierdurch möglich – in Mengen der Normalfall. Der modulare Aufbau des Palettenwechslers in bewährter Mineralgussbauweise verhindert zudem beim Werkstücktransport auf die Bearbeitungsmaschine die Übertragung von Schwingungen, schließlich soll die hohe Grundgenauigkeit der Maschine nicht leiden. In Mengen wird vorwiegend mit Magnetspannplatten gearbeitet, um die Rüstzeiten noch weiter zu drücken. Mit sieben Palettenplätzen kommt die neue C 40 UP dem Ideal der mannarmen Bearbeitung schon sehr nahe. Einerseits kommen viele Langläufer auf die Maschine, so dass man sie über längere Zeit alleine arbeiten lassen kann. Andererseits schätzt man in Mengen auch die Flexibilität der 5-Achsbearbeitung. Rafael Gasser dazu. „Wir machen auf der Maschine auch viele kleinere Bearbeitungen, etwa Schieber, die wir zuvor via Mehrfachspannung abgearbeitet haben. Wir fräsen zwar nicht simultan, nutzen aber die Vorteile der fünf Achsen, etwa durch angestelltes Fräsen mit kürzeren Werkzeugen in einer Aufspannung.“ Er gibt ein Beispiel: „Kleinere Schieber, die wir früher mit Vorbearbeiten, mehrmaligem Umspannen, Schleifen und so weiter acht Stunden kalkuliert haben, fräsen wir heute in zwei Stunden – bei wesentlich höherer Genauigkeit.“ Dieser Produktivitätsgewinn lässt sich auch anders ausdrücken: Es werden nach Aussage des Geschäftsführers 1,5 Programmierer gebraucht, alleine um diese Maschine mit NC-Programmen zu füttern. Um noch einige Details zu nennen: Die Paletten schaffen maximal 800 kg, die Wiederholgenauigkeit der Paletten liegt unter einem Hundertstel und in gut 20 Sekunden ist eine Palette gewechselt. Erst im letzten Jahr wurde in Mengen eine neue Halle gebaut und die Betriebsfläche um 1200 m2 erweitert. Rund um die C 40 UP ist noch Platz für weitere neue Maschinen. So wurde erst ein Mori Seiki Dreh-Fräszentrum (ZT 1500 YB) und eine 800-t-Kraus Maffei 2-K-Spritzgießmaschine für Bemusterung und Nullserien angeschafft. Auch das ist vor dem Hintergrund der Komplettanbieterstrategie zu sehen. Zudem verschafft die eigene Inhouse-Maschine ein gehöriges Maß an zusätzlicher Flexibilität. Rafael Gasser: „Mit eigenen Kapazitäten sind wir flexibler und jederzeit für den Kunden präsent. Wir sehen unseren größten Wettbewerbsvorteil darin, das ganze Spektrum abzudecken – da gehört das Spritzen dazu.“ Und noch ein Argument für die eigene Anlage schiebt er nach: „Wenn Sie für Bemusterung und Nullserien im Jahr mehr als 100.000,- Euro für externe Lieferanten ausgeben, denken Sie schnell über die eigene Maschine nach.“ Aber auch beim Fräsen soll es weiter gehen. Und da haben die Mengener auch ganz konkrete Wünsche an ihren Lieblingslieferanten aus Gosheim. Rafael Gasser: „Es wäre schön für uns, wenn Hermle den Schritt hin zu größeren Maschinen macht. Wir hätten beispielsweise gerne eine 2-Meter-Maschine von Hermle.“ Nachdem Gasser diesen Wunsch ausgesprochen hat, wird er bereits wieder konkreter: „Die C 50 ist eine Maschine, die bei uns sicherlich demnächst stehen wird.“ Man kennt sich gut und lange, und Kurt Gasser, der vor langer Zeit das „Hermle-Zeitalter“ in Mengen eingeläutet hat, setzt noch eins drauf: „Eine Hermle kann man ungesehen kaufen. Das können Sie ruhig schreiben.“ Na denn!