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Unerhört stabil

Von Franz J. Gruber Die neue FZ 42 von Zimmermann ist ohne Zweifel eine High-Quality-Offerte für den Werkzeug- und Formenbau. Qualität und Dynamik bei der Bearbeitung großer Teile sind die Stichworte. Die Mag-tec in Deggingen, wo hier zu Lande die erste FZ 42 steht, öffnete uns die Türen, um das extrem steife Portal live unter die Lupe zu nehmen. Allerdings agiert das junge schwäbische Zulieferunternehmen weit ab vom Umfeld des Werkzeug- und Formenbaus – hier fokussiert sich das Core-Business auf die Schwerzerspanung großer Teile. Aber auch das ist ja durchaus ein „Special-Tooler“-Thema.

Fräsen, Fräsen und, last but not least, Fräsen! – so bringt Martin Gansloser, Gründer, Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Mag-tec die drei Kompetenzschwerpunkte seines Unternehmens augenzwinkernd auf den Punkt. Mit einer derart deutlichen Aussage trifft er damit gleich das Thema unseres Besuches im schwäbischen Deggingen, nämlich die FZ 42. Wir kommen aber nicht umhin, zuvor die mag-tec GmbH selbst zu beleuchten – ein junges Zuliefer-Unternehmen mit einer ungewöhnlichen Erfolgsstory: 2001 aus kleinsten Anfängen heraus gegründet, muss man heute schon von einer Firmengruppe sprechen, mit mehreren Produktionsstandorten. Im Firmennamen mag-tec finden sich die Initialen von Unternehmensgründer Martin Gansloser wieder, aber auch ein versteckter Hinweis auf sein Vorleben in der Maschinenfabrik Geislingen beziehungsweise bei der Heidelberger Druckmaschinen AG. Als dort nach Neuinvestitionen in die Fertigung zwei große Bearbeitungszentren zur Disposition standen und verkauft werden sollten, noch dazu inklusive eines Auftragspolsters in Form von Zulieferteilen, war für Martin Gansloser der Schritt zum eigenen Unternehmen nur noch Formsache. Er kommt aus einer Unternehmerfamilie und die Entscheidung, künftig eigenverantwortlich als verlängerte Werkbank für die Druckmaschinenbranche zu agieren, war für ihn schon von daher kein ungewöhnlicher Schritt. Nach einem geglückten Start – fast von Anfang an musste im Mehrschichtbetrieb gearbeitet werden – kam 2002 in gewisser Weise ein Neustart: die Druckmaschinenbranche kriselte und Gansloser war gezwungen sich nach anderen Großteilen umzusehen. Er konnte neue Branchen für sich gewinnen, teilweise auch durch die Übernahme weiterer Firmen. So brachte die Akquisition der mgm-Lorch GmbH das Unternehmen auf einen Schlag als Automobilzulieferer ins Spiel. Zudem verstärkte er mit Admire Cerimi die Geschäftsführung der Firmengruppe. Frau Cerimi ist mitttlerweile auch Mitgesellschafterin und hat neben der Verantwortung in der Gesamtgruppe ebenso die Betriebsleitung der Unternehmenstochter mag-tec bigparts Ltd. unter sich. Heute sind es neben den Druckmaschinenteilen, vor allem der Maschinenbau, die Automobilindustrie, die Textilindustrie und der Heizungs- und Lüftungsbau, die in Deggingen CNC-Dienstleistungen ordern. Selbst Drehmaschinen werden komplett von der mag-tec im Lohnauftrag gefertigt beziehungsweise montiert. Zerspanung von Maschinen-, Motor- und Getriebebauteilen ist die grobe Headline für das aktuelle und zentrale Geschäft der mag-tec GmbH. Von der Nockenwelle, über Wärmetauscher und Schweißtische bis hin zu Maschinenbetten von Werkzeugmaschinen reicht das Portfolio der zu zerspanenden Bauteile. Es gibt die Einzelteilfertigung in Deggingen ebenso wie die Hunderttausender-Stückzahlen – in der eigentlichen Kernkompetenz, nämlich der Zerspanung großer Teile, liegt das Losgrößenspektrum aber in der Regel zwischen 10 und 100. Martin Gansloser: „Unser Ziel muss es sein, über das gesamte Produktspektrum hinweg, Serienfertigung zu machen. Selbst bei der Stückzahl Eins muss der Serienfertigungs-Gedanke zum Tragen kommen.“ Es ist wohl eine der größten Herausforderungen bei der mag-tec, die ungeheure Vielfalt wirtschaftlich zu bewältigen. Die Formel „kleine Teile gleich große Stückzahl und große Teile gleich kleine Losgröße“ beschreibt nur einen schmalbandigen Auszug des Fertigungsalltags – es sind immer wieder die Ausnahmen, die das Unternehmen fordern. Beispielsweise die Schweißtische, die von der mag-tec gefertigt werden. Sie gehören sicherlich zu den Vertretern der Großteile-Fraktion, werden aber in der Größenordnung um 1.500 Stück pro Jahr in Deggingen geordert. Das klingt nach Spanvolumen – und das klingt nach großen, stabilen Maschinen. Ähnliches gilt für die großen Drehmaschinenteile, die mag-tec für Boehringer fertigt. Gerade diese beiden Beispiele sind es, die für Martin Gansloser den Ausschlag für die Investition in die FZ 42 gegeben haben. Seit das Portal im Februar dieses Jahres nach Deggingen kam, hat sie kaum andere Großbauteile gesehen, sie wurde explizit für die Schwerzerspanung von Drehmaschinenteilen und Schweißtischen angeschafft. Martin Gansloser: „Für das nächste Jahr ist die Maschine damit bereits ausgelastet.“ Und das rund um die Uhr. In Deggingen wird zwar in zwei Schichten gearbeitet, aber im so genannten „schwäbischen Zweischichtbetrieb“, also zwei mal zwölf Stunden. Vier Gründe nennt Martin Gansloser, um zu unterstreichen, weshalb es gerade dieses Portal sein musste: „Raumkonzept, Leistung und Stabilität. Vierter Punkt ist schließlich die räumliche Nähe zu Zimmermann. Einerseits kaufe ich bevorzugt in der Region, andererseits ist Nähe in Bezug auf den Service immer von Vorteil.“ Während die außerordentliche Stabilität der FZ 42 auch bei hochdynamischer HSC-Bearbeitung Qualität verspricht, ist andererseits die selbe Steifigkeit ein dicker Pluspunkt bei der Schwerzerpanung. Bei Zimmermann hat man aber auch einiges getan, um eine wirklich stabile Maschine zu bieten. Die FZ 42 ist mit einem deutlich verstärkten, struktursteifen Portal ausgerüstet. Das Portal läuft über doppelte Führungen an jeder Seite und ist beidseitig angetrieben. Zusätzlich werden die Seitenständer der FZ 42 mit einem betonähnlichen, faserverstärkten Verbundwerkstoff ausgegossen. Die Maschine erhält damit mehr Masse und kann Schwingungen, die etwa bei dynamischen Wechsellasten entstehen, besser abdämpfen. Die Maschinengeometrie wird dadurch steifer. Gleichzeitig wird durch den Spezialbeton eine hohe thermische Stabilität erreicht. Die Steifigkeit der FZ 42 wird noch weiter erhöht, indem die Maschinenständer nach unten hin trapezförmig verbreitert und die Standflächen vergrößert werden. Die dadurch erreichte extreme Standfestigkeit kann kein noch so schneller Vorschub erschüttern und kein Lastwechsel in Schwingung versetzen. Das macht die FZ 42 grundsätzlich zum Allrounder, was ja vor allem von den Werkzeugbauern geschätzt wird. Bei Martin Gansloser geht es aber ausschließlich um die Schwerzerpanung, also weniger um hohe Drehzahlen als vielmehr um hohes Drehmoment. „Einfach um schneller zu arbeiten beziehungsweise höhere Spanvolumina zu erzielen,“ wie Gansloser unterstreicht. Aus diesem Grund soll in Kürze eine neue Spindel zum Einsatz kommen, die, anstatt 200 Nm wie bislang, ein Drehmoment von 344 Nm bietet. Apropos Spindelwechsel, was ja beim VH6-Kopf kein Problem darstellt: In Deggingen schöpft man diese Option nicht aus – es werden fast ausschließlich Guss- und Stahlwerkstoffe gefräst und man arbeitet durchweg mit einer Spindel, wenn auch demnächst mit einer drehmomentstärkeren. Der VH 6-Fräskopf sorgt mit spielfreien Torque-Motoren nicht nur für maximale Dynamik und Agilität, sondern auch für pure Kraft. Die Eigenentwicklung von Zimmermann ist ebenfalls ein Allrounder und steht diesbezüglich der Maschine in nichts nach – er ist ein Fräs-kopf für die 5-Seiten-Bearbeitung vom Schruppen bis zur Superfeinbearbeitung aller Materialien – und das extrem wirtschaftlich in nur einer Aufspannung. Realisiert wird diese Flexibilität mit der innovativen Multiple Spindle Technology (MuST) von Zimmermann, welches einen vollautomatischen Wechsel von verschiedenen Spindeln ermöglicht. Um relativ geringe Kopfabmessungen realisieren zu können, ist der Torque-Antrieb mit einer Getriebestufe untersetzt. Ergebnis ist ein schlanker Kopf mit einer im unteren Bereich kleinen Störkontur. In Deggingen wird sehr viel mit einer adaptiven Vielspindeltechnologie gearbeitet, vornehmlich zum Bohren oder auch zum Senken. Wenn man bedenkt, dass die schon angesprochenen Schweißtische bis zu 750 Bohrungen aufweisen, leuchtet das Produktivitätspotenzial einer solchen Lösung ein. So findet sich im Arbeitsraum ein „Bahnhof“ für mehrere Mehrfachköpfe, die automatisch eingewechselt werden können. Martin Gansloser will den Einsatz der Vielspindeltechnologie sukzessive optimieren und ausbauen. Auch das gehört zu seinem Vorsatz, selbst die Stückzahl eins unter Serienbedingungen fertigen zu können. Wie auch der Werkzeugwechsler der FZ 42, für den Firmenchef fast das wichtigste Extra des Portals. Die meisten Großbauteile haben lange Lebenszyklen, das heißt, dass sie über Monate oder gar Jahre hinweg unverändert gebaut werden. Hat man also einmal den Datensatz für die CNC-Bearbeitung hinterlegt und zudem alle Werkzeuge im 120-fach-Werkzeugwechsler zur Verfügung, steht einer automatisierten Serienfertigung nichts im Wege – auch bei Minimal-Losgrößen. Die FZ 42 hat mit ihrer Stabilität selbst Martin Gansloser überrascht, der doch alle Facetten des Fräsens seit Jahren bestens kennt. Mehrere horizontale Bearbeitungszentren, aber auch Portalsysteme gehören schon länger zum umfangreichen Maschinenpark, und wenn er der Zimmermann unterm Strich das Prädikat „qualitativ hochwertige Maschine“ bescheinigt, hat dies durchaus Gewicht. Gansloser: „Nach den Erfahrungen mit unseren Fahrständermaschinen haben wir dem Thema Portal in Sachen Stabilität und Qualität irgendwie weniger zugetraut. Da hat uns die FZ 42 eines besseren belehrt.“

www.mag-tec.de

www.f-zimmermann.com



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