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Es ist nun einmal so, dass die Automobilindustrie für die Werkzeug- und Formenbauer den weitaus größten Markt darstellt. Kein Wunder also, wenn man sich als special tooler interessiert zeigt an dem, was tagtäglich in den Wirtschafsteilen der Tageszeitungen über die Daimlers, BMWs, Audis oder Volkwagens zu lesen ist. Bereits zum Frühstück können wir beim Studium der Aktienkurse und Strategie-Verlautbarungen Rückschlüsse auf unser eigenes Geschäft ziehen und – je nachdem – optimistisch oder betrübt an unser Tagwerk gehen.
Wenn es nur nicht so schwierig wäre, aus den Meldungen schlau zu werden. Nicht immer bringt man gleichzeitige Meldungen über Rekordgewinne, Produktionsverlagerungen oder Personalabbau unter einen Hut. Noch schlimmer wird´s, wenn Meldungen über Rekord-Absätze einhergehen, mit, in schönstem McKinsey-deutsch formulierten, Untergangs-Szenarien für die hiesige Automobilszene. Da werden zum Teil die höchsten Gewinne der Unternehmensgeschichte eingefahren – und das mit einer im internationalen Wettbewerb chancenlosen, weil viel zu teueren Produktionsstruktur. „Respekt!“ – möchte man sagen!
Sie mögen mich für einen einfachen Geist halten, meinetwegen, aber ich gebe offen zu: Ich versteh´s nicht!
Also suche ich mir andere Quellen, um mir meine eigenen Prog-nosen zu stricken. Mir genügt dabei ein Blick in die einschlägigen Automobilzeitschriften oder auch nur in die auflagenstärkste Zeitschrift überhaupt – die meines Automobilclubs. Wenn ich dort über die Modell-Politik der Automobilhersteller lese, dann wird mir schon sehr viel wohler: In nahezu jeder Automobilklasse wird es noch mehr Diversifizierung geben. Kein Segment kommt mehr ohne Kombi, Cabriolet, VAN, Mini-Van, SUV, Mini-SUV, Coupè, Roadster oder was auch immer, aus. Glaubt man den Modell-Strategen, wird diese bunte Vielfalt in Zukunft noch sehr viel größer werden. Es kann schlichtweg nicht sein, dass diese Entwicklung am Werkzeug- und Formenbau vorbei geht – und kommen Sie mir jetzt nicht mit China. Wir müssen unser Geld hier verdienen – und wenn wir das nicht schaffen, haben wir etwas falsch gemacht. Sehen Sie die Dinge so, und machen Sie einfach alles richtig. So einfach kann die Welt sein.
Sicherlich, ich übertreibe ein bisschen. Aber ich bin überzeugt davon, dass es uns allen gut täte, auf den Boden der Tatsachen zurück zu kehren und aus dem Überfluss unterschiedlichster Informationen das heraus zu filtern, was wirklich dahinter steckt und uns auch nützt. Wir lassen uns nur allzu gerne und allzu oft von Worthülsen beeindrucken, also füge ich eine hinzu: „Normal Thinking“ ist angesagt – sich einfach um das zu kümmern, was Sache ist. Ich will die grundsätzlichen Probleme des hiesigen Werkzeug- und Formenbaus nicht wegdiskutieren, aber ich weiß auch, dass an der Lösung dieser Probleme gearbeitet werden kann. Fakt ist aber: Im Moment schaut es gar nicht schlecht aus für die hiesige Werkzeugbau-Szene.
Erfreut haben mich in diesem Zusammenhang einige Besuche bei Werkzeug- und Formenbauern, auch überwiegend für die Automobilindustrie tätig, die durchweg Positives zu vermelden hatten. „Uns geht es wirklich sehr gut!“ Wann hat man das so eindeutig in letzter Zeit gehört?
Allerbeste Voraussetzungen also, um sich auf eine bevorstehende EuroMold zu freuen.
Franz J. Gruber