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Bis vor wenigen Monaten hatte Rainer Schweikert, Geschäftsführer und Inhaber der Schweikert GmbH in Lehrensteinsfeld, ein echtes Problem. Wenn er Umform- oder Beschnittwerkzeuge zu fertigen hatte, die über das Maß von vier mal zwei Metern hinausgingen, musste er entweder passen oder mit viel Phantasie und noch mehr Improvisationstalent mit dem vorhandenen Maschinenpark seines Werkzeugbaus zu Recht kommen. Mit der Investition in eine Portalfräsmaschine der F. Zimmermann GmbH sind diese Zeiten vorbei. Mit der neuen Maschine kam zudem die High-Speed-Bearbeitung nach Lehrensteinsfeld. Das optimale Preis-Leistungsverhältnis sowie die unmittelbare Verfügbarkeit dieser so genannten “Vorratsmaschine” waren für ihn die Beweggründe, in eine FZ 37 zu investieren.
Als Systemlieferant für den kompletten Bereich der Blechverarbeitung ist die Schweikert GmbH eine feste Größe der Automobil-Zuliefer-Szene. Der Fertigungsalltag bei Schweikert zielt auf die technische Abdeckung des kompletten Fertigungsprozesses. Dieser reicht von der Konzept- und Serienentwicklung über die Entwicklung und Herstellung der zur Serienfertigung benötig-ten Presswerkzeuge und Zusammenbauvorrichtungen bis hin zur Produktionsplanung und Serienfertigung von Pressteilen sowie Schweißbaugruppen, inklusive eventueller Oberflächenveredelungen. Zwei mit Robotern verkettete Presslinien sind derzeit das Herz des Presswerks, aus dem Struktur- aber auch Außenhautteile für Automobilkarossen hunderttausendfach produziert werden. Bis zur kompletten Seitenwand reicht dabei das Spektrum. Die Wurzeln des bereits 1949 gegründeten Unternehmens lagen im Werkzeugbau, der noch heute – bei allem Erfolg als Systemlieferant in der Blechumformung – gut die Hälfte der Unternehmensaktivitäten beschreibt. 60 der insgesamt 120 Mitarbeiter sind dort tätig. Rainer Schweikert führt das Unternehmen seit dem Jahr 2000 als alleiniger Inhaber.
Vom ursprünglichen Reparaturbetrieb für Traktoren, Motorräder und Autos kam man bereits Mitte der 50er Jahre zur Herstellung von Drehteilen, Vorrichtungen und Werkzeugen. Heute, in der dritten Generation der Firmengeschichte, hat sich das Unternehmen zu einem weltweit geschätzten Partner der Automobilindustrie entwickelt. Ob als Lieferant für Serienteile, Entwicklungspartner für Prototyp-Teile und -Werkzeuge oder als Serienwerkzeugbauer – das Unternehmen atmet mit der Automobilindustrie. Was übrigens im Moment gar nicht so schlecht ist, wie Rainer Schweikert bemerkt: „Derzeit geht es uns wirklich sehr gut. Die Automobilhersteller stoßen aufgrund neuer Modelle und Varianten an ihre eigenen Kapazitätsgrenzen, so dass wir im Moment sehr gefragt sind. Sowohl das Presswerk als auch der Werkzeugbau.” Das war nicht immer so – mit den Zyklen der “Automotive-Welt” zu leben, will gelernt sein. Und Schweikert gesteht dann auch: „Auch wir haben die Talsohle der Werkzeug- und Formenbaubranche gespürt und uns Gedanken gemacht. Es gab bei uns in der Tat schon Überlegungen, auf nur ein Standbein, nämlich das Presswerk, zu setzen und den Werkzeugbau zurück zu fahren.”
Davon kann heute freilich keine Rede mehr sein – man erkennt in Lehrensteinsfeld mehr denn je, dass der Werkzeugbau die Seele des Unternehmens ist und den Erfolg des Presswerks erst ermöglicht. Hinter den mehrfachen Auszeichnungen als “Zulieferer des Jahres”, die Rainer Schweikert von den großen Namen der Automobilbranche in der Vergangenheit schon erhalten hat, steht auch die Leistung des Werkzeugbaus.
Dort kann das Unternehmen Presswerkzeuge bis zu einem Stückgewicht von 40 Tonnen und bis zu einer Länge von 5.000 mm herstellen. Dazu gehören auch Vorrichtungen und Kontrolllehren, welche zur anschließenden Baugruppenfertigung benötigt werden. Durch den Einsatz von neuesten Fertigungstechnologien, Engineering-Know-how, die Simulation und die Durchgängigkeit der CAD/CAM-Fertigung ist Schweikert in der Lage, auch komplexeste Projekte termingerecht zu bewältigen. Maschinentechnisch ist alles zu finden, was ein anständiger Werkzeugbauer braucht, und die Tatsache, dass mehrere Maschinen von Bohner und Köhle in den Hallen zu finden sind, führt uns thematisch zur FZ 37 von Zimmermann, die seit kurzer Zeit dort steht.
Rudolf Gänzle, geschäftsführender Gesellschafter der F. Zimmermann GmbH, begleitete uns bei unserem Firmenbesuch und wies uns auf die Besonderheiten gerade dieser Maschine hin. „Diese FZ 37 ist eine so genannte Vorratsmaschine. Wir haben in der Vergangenheit alle Maschinen kundenspezifisch gebaut und das eine oder andere Mal einen Auftrag verloren, weil die Lieferzeiten zu lang waren. Also riskieren wir es ab und an, solche Vorratsmaschinen zu bauen, die unmittelbar zur Verfügung stehen.” Da müssen natürlich Entscheidungen getroffen werden, was Größe und Ausstattung betrifft, und so war das Profil der besagten FZ 37 festgelegt: What you see is what you get!
Man hat damit aber offensichtlich genau das Maschinen-Profil etabliert, das zu Schweikert passte. Die Portalfräsmaschine FZ 37 mit oben fahrendem Gantry basiert auf einem modularen Maschinenkonzept, bei dem eine Vielzahl von Ausführungen mit unterschiedlichen Verfahrwegen und Antriebstechniken realisierbar ist – sicherlich ließe sich unter Nutzung aller Optionen eine superausgestattete, aber dann auch superteure Maschine zusammenstellen. Ein mittelständischer Unternehmer wie Rainer Schweikert, weiß aber sehr genau was er will und braucht: „Wenn ich eine Maschine bekomme, die mir 95% der Anforderungen abdecken kann, ist das schon mehr als gut. Es muss also wohl überlegt sein, für die restlichen 5% einen deutlichen Investitionsmehraufwand in Kauf nehmen zu wollen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist letztlich das, was zählt.“ Die Lieferzeit war für ihn ein weiteres wichtiges Kriterium. Schweikert dazu: „Ich kaufe eine Maschine dann, wenn ich sie brauche – und wenn ich sie brauche, muss es auch schnell gehen.“
In Lehrensteinsfeld kann man sehr gut damit leben, dass die neue Maschine über keinen automatischen Spindelwechsel verfügt (Zimmermann wechselt ja nicht die Köpfe, sondern die Spindel) – das geht auch manuell. Und die Siemens-Steuerung (Schweikert hatte bislang ausschließlich Fidia im Hause) bekam man auch sehr schnell in den Griff. Ansonsten bietet die Maschine alles, was man von einer FZ erwarten darf. Sie ist für die hoch dynamische Bearbeitung von allen zerspanbaren Werkstoffen bis hin zum HSC-Schruppen von Guss und Stahl ausgelegt. Zwar empfiehlt sich diese Maschine hauptsächlich zum Vor- und Feinschlichten, aber Schweikert nutzt sie durchaus zum Schruppen: „Wir plagen die Maschine schon!“ Was Rudolf Gänzle beim Anblick einiger in Lehrensteinsfeld eingesetzten Schruppfräser mit gemischten Gefühlen sieht: “Für die Komplettbearbeitung bieten wir eigentlich unsere FZ 42 an, die in Sachen Steifigkeit und Leistung eine Stufe höher liegt. Wenn es bei der FZ 37 über leichtere Schrupparbeiten hinausgeht, sehen wir das schon ein Stück weit kritisch.“ Rainer Schweikert stimmt zu: „Man muss natürlich mit der Zustellung aufpassen, mehr als 3 mm werden wir sicherlich nie gehen.“ Und außerdem: Für die richtige Schwerzerspanung hält sich Schweikert nach wie vor seine Klassiker von Bohner Köhle.
Dynamik beim Schlichten, das ist die Stärke der FZ 37. Voraussetzung für die im modernen Formen- und Modellbau unabdingbare optimale Oberflächenqualität ist eine extrem steife Maschinenstruktur, und die ist gegeben. Außerdem sind weitere entscheidende Kriterien wie etwa die Maschinengenauigkeit, die erreichbare Vorschubgeschwindigkeit auf der Kontur und nicht zuletzt die Standzeit der Werkzeuge direkt von der Steifigkeit der Maschine abhängig.
Die Einhaltung dieser hohen Qualitätsanforderungen erreicht die FZ 37 unter anderem durch Doppelführungen in der X-Achse. Diese Konstruktion sorgt für eine ausgezeichnete Geradlinigkeit des Portals. Die Linearachsen X, Y und Z sind somit über den gesamten Verfahrbereich exakt rechtwinklig. Insbesondere bei Maschinen mit großen Verfahrwegen ist dies wichtig, da Winkelfehler von keiner CNC Steuerung kompensiert werden können.
„Uns hat immer die Großmaschine gefehlt – das haben wir mit der FZ 37 geändert.“ Wobei Rainer Schweikert jedoch bemerkt, dass sie fast noch zu klein wäre: “Wir sehen mehr und mehr, dass wir eigentlich 6 m x 4 m bräuchten. Bei den großen Seitenwand-Werkzeugen müssen wir ab und an mit langen Werkzeugen beziehungsweise Verlängerungen arbeiten. Hier ist ab und zu der Kopf im Wege.” Kaum gesagt, nimmt er seine neue Portalfräsmaschine jedoch gleich wieder in Schutz: „Im Vergleich zu den Wettbewerbsmaschinen, die wir uns natürlich alle angesehen haben, ist der Kopf relativ schlank.“
Die FZ 37 brachte auch das Thema HSC, also einiges an Veränderungen in das Unternehmen, etwa was die Frässtrategien betrifft, zudem brauchte man andere Werkzeuge. Dass die Maschine auch im Zuge einer Umstellung des CAM-Systems nach Lehrensteinsfeld kam, tat ihr Übriges dazu. Die notwendige Lernkurve haben die Werker allerdings sehr schnell in den Griff bekommen und die ersten positiven Auswirkungen sind spürbar. Dazu Rainer Schweikert: “Wir sind durch die Portalmaschine in der ganzen Prozesskette schneller geworden, indem wir die Nacharbeit reduzieren konnten. Wir müssen sehr viel weniger tuschieren oder polieren. Weniger in der Fräszeit selbst, als vielmehr in der Reduzierung der gesamten Produktionszeit haben wir einen großen Sprung gemacht.”
Unterm Strich ist Rainer Schweikert mit seiner Portalfräsmaschine mehr als zufrieden. Seine Kaufentscheidung ist ein Beispiel für einen Kompromiss im besten Sinne. Es spielen eben immer viele Faktoren mit, wenn es darum geht, das für sich Richtige aus der Vielfalt des Angebotenen zu finden. Das weiß auch Rudolf Gänzle: „Man kann nicht isoliert sagen, diese oder jene Maschine ist die Ideallösung für einen Kunden, ohne Kenntnis dessen, wie der vorhandene Maschinenpark aussieht, wie die Aufträge aussehen oder wie das Unternehmen organisiert ist. Und selbstredend spielt auch das Budget eine wichtige Rolle.“ In diesem Spannungsfeld scheint es auf den ersten Blick ein Risiko zu sein, eine “Vorratsmaschine” aufzulegen. Das Beispiel der Schweikert GmbH zeigt aber, dass gerade eine solche Option die Bedürfnisse eines erfolgreichen Mittelständlers trifft.
www.schweikert-gmbh.de
www.f-zimmermann.com