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Der Kunststoffverarbeiter Gassmann und der Produktentwickler LFt Concept haben sich in einer Kooperationsinitiative zusammengeschlossen, die die gesamte Fertigungskette von der Produktentwicklung bis zur Serienfertigung abdeckt. Kompetenzbündelung und die Möglichkeit, Standardproduktionen in die Slowakei auszulagern, führten zu einer drastischen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und tragen zur Sicherung des Standorts Deutschland bei.
Die beiden Mittelständler Gassmann GmbH Kunststofftechnik, Obermichelbach, und LFt Concept GmbH, Erlangen, entwickelten eine Kooperationsinitiative, die Produktentwicklung und Serienfertigung miteinander vereint und so dem Kunden ein komplettes und kostengünstiges System zur Verfügung stellt. Dazu Andreas Munkert, Geschäftsführer bei Gassmann: ¿Der Kunde bekommt bei uns alles aus einer Hand, von Produktentwicklung über Produktion und Montage bis hin zu Fertigungsmöglichkeiten in Osteuropa."
Dabei liegt der Mehrwert für den Kunden in der Regel nicht in der Konstruktion von Einfachteilen, sondern in der Entwicklung von Hightech-Produkten in Zusammenarbeit mit einem Spritzgießer, der die Teile fertigt und montiert. Die beiden Partner denken in der Entwicklungsphase schon an die Serienproduktion. ¿Wir bieten die gesamte Fertigungskette an, übernehmen aber auch Teilbereiche, zum Beispiel die Umsetzung eines vom Kunden vorentwickelten Produkts oder die Integration beigestellter Bauteile in eine Gesamtlösung", so Munkert. Die gegenwärtige Koexistenz von Verarbeitern und Produktentwicklern betrachten beide Unternehmen kritisch, da es immer wieder zu zeit- und kostenintensiven Reibungsverlusten zwischen den Schnittstellen kommt.
Reinhard Felch, Geschäftsführer bei LFt Concept, erläutert an einem Praxisbeispiel, wie sinnvoll es ist, frühzeitig in der Produktentwicklung auf den Serienstandard einzugehen. Es wurde für die Siemens VDO AG ein Biometrisches Fingerprint-Modul entwickelt, das im Audi A8 eine Zugangsfunktion über den Fingerabdruck ausübt. ¿Wir wurden mit der mechanischen Konstruktion der Taste und der Integration in die Mittelkonsole betraut", so Felch. Der Kunststoff verarbeitende Betrieb wurde frühzeitig eingebunden, und es entstand ein innovatives und kostengüns-tiges Produkt.
Anders hingegen bei der Entwicklung einer relativ unkomplizierten elektronischen Wegfahrsperre. In der letzten Phase der Produktentwicklung, als das Design klar war, wurde der Spritzgießer erst ins Boot geholt. Der Hersteller wurde mit einem fertig detaillierten Produkt konfrontiert. Dieser konnte auf den definierten, niedrigen Teilepreis durch ein optimales Formenkonzept nicht ohne Rückwirkungen auf das Produktdesign reagieren. ¿Im letzten Entwicklungsjahr hätten wir durch frühzeitiges Einbinden eines Spritzgießers im Gesamtprojekt eine Zeiteinsparung von 20 bis 25 Prozent beziehungsweise 50.000 Euro erreichen können", so Felch.
Als ganz wesentlichen Vorteil der Kooperation sehen Felch und Munkert dementsprechend die Möglichkeit, Simulationsergebnisse aus der Entwicklungsphase mit Erfahrungen aus der Produktion abzugleichen. Entwickelt LFt beispielsweise Kunststoffbaugruppen, in denen mehrere Teile zusammenpassen müssen, sich also nicht verziehen dürfen, kann Gassmann diesen Prozess mit einer Moldflow-Studie unterstützten, die zum Beispiel die Druckverhältnisse im Formteil darstellt, und die Ergebnisse in das Simulations-Tool von LFt zurückschreiben. So lässt sich zum Beispiel über die Anpassung von Wandstärken das Verzugsverhalten beeinflussen. Felch fasst zusammen: ¿Ob Abspritz- und Druckverhalten, Anschnitt und Befestigungspunkte, das Zusammenspiel verschiedener Materialien oder Haptik ¿ simuliert wird im Prinzip immer das fertige Teil. Deswegen ist es sehr wichtig, dass ein erfahrener Verarbeiter bei der Entwicklung mit im Boot ist." Beide Partner sehen in der Kooperation Vorteile für das eigene Unternehmenswachstum. Felch erläutert: ¿LFt ist ein eher kleines Unternehmen. Der Schritt in Richtung Produktion ist für uns wichtig. Zudem sind wir im Kunden- und Produktspektrum kompatibel mit unserem Partner Gassmann. Dieses Spektrum werden wir gemeinsam erweitern und unser Kompetenz ¿von der Produktentwicklung bis zur Serie' deutschlandweit anbieten." ¿Die Kooperation bietet uns die Möglichkeit einer schnellen Weiterentwicklung", ergänzt Munkert und verweist auf einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren, die es dauern würde, wenn Gassmann jetzt anfinge, Entwicklungskompetenz und LFt Fertigungskompetenz aufzubauen.Grenzen für eine Produktion in Deutschland sehen Felch und Munkert immer dann, wenn die technischen Anforderungen gering sind und der Lohnanteil sehr hoch ist. Zur Sicherung der Innenfinanzierungskraft nutzt der Verarbeiter dementsprechend die Möglichkeit, lohnintensive Standardproduktionen an einen Kooperationspartner in der Slowakei auszulagern. Daneben ist eine Fertigung in Osteuropa aber auch noch aus anderen Gründen sinnvoll: ¿Unsere Key accounts haben Entwicklungs- und Fertigungsstandorte in Osteuropa", erläutert Munkert, ¿und erwarten von uns, dass wir auch von Osteuropa nach Osteuropa liefern." Für alle anderen Fälle verweist er auf die Wichtigkeit der geografischen Nähe zum Kunden: ¿Je anspruchsvoller ein Auftrag ist, umso näher müssen Sie an den Kunden heranrücken. Beide Kooperationspartner blicken überzeugt in die Zukunft.