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Eine Investition in Wissen bringt laut Benjamin Franklin „immer noch die besten Zinsen“. Lothar Schmale erklärt, welche Verzinsung seine neue Wissensdatenbank dem Werkzeug- und Formenbau bringt.
Herr Schmale, bisher kann der Anwender ihrer Software Kosten für Werkzeuge und Formen entweder schnell oder sehr genau ermitteln. Welche Rolle spielt ihre neue Wissensdatenbank?
Lothar Schmale: Der Anwender kann Werte aus der Nachkalkulation verwenden. Das Unternehmen kann also nicht nur angeben, wie viel ein Werkzeug gekostet hat, sondern er kann im Idealfall sagen: Für das Werkzeug haben ich einen bestimmten Preis erhalten.
Was kann der Anwender mit diesen Daten anfangen?
Lothar Schmale: Er kann sie modifizieren, um auf einen neuen Angebotspreis zu kommen. Die Ergebnisse des neuen Auftrags fließen dann als Nachkalkulation wieder in die Wissensdatenbank. Das Ergebnis der Kalkulationsläufe fällt also mit jedem neuen abgewickeltem Auftrag immer besser aus.
Wie arbeitet der Anwender mit der Datenbank?
Lothar Schmale: Es gibt bestimmte Filter, mit denen er beispielsweise nach Kunden, Bauteilen, Projekten und Technologie auswählen kann. Technologie-Filter könnte also heißen: Suche bitte nach allen Press- und Spritzgießwerkzeugen.
Wie geht es weiter?
Lothar Schmale: Nach dem Anklicken erscheint die Kalkulation in Kurzform - gegliedert unter anderem nach Technologie, Größe und Kosten. Der Bediener sieht also auf einen Blick, wie das Werkzeug aufgebaut ist. Der Anwender sieht jetzt beispielsweise Kalkulationen, die er 2005, 2006 und 2007 gemacht hat – mit unterschiedlichen Kaufteilen und Materialkosten.
Wie kann er diese Kalkulationen denn dann miteinander vergleichen?
Lothar Schmale: Das Programm aktualisiert diese Kalkulationen auf Mausklick auf den heutigen Stand. Das heißt: Das Werkzeug wird erneut berechnet mit den aktuellen Kosten zum Beispiel für Kaufteile, Material und Stundensätze.
Es wird also berechnet, was die Fertigung der Werkzeuge heute aktuell kosten würde?
Lothar Schmale: Genau. Und in diesem wichtigen Punkt unterscheiden wir uns von allen anderen Systemen. Diese Eigenschaft besitzt nur unsere Software.
Was passiert mit den früheren Daten?
Lothar Schmale: Es handelt sich im Prinzip um eine Rangierlokomotive, die eine neue Preisliste wie einen Waggon an einen Zug anhängt und die alte auf ein Abstellgleis deponiert. Das heißt; die alten Waggons stehen aber weiterhin zur Verfügung. Die Software dokumentiert derartige Vorgänge sehr sauber und nachvollziehbar.
Wie gingen Formenbauer bisher mit den Werten von Nachkalkulationen vor?
Lothar Schmale: Sie nahmen ältere Werte und passten sie mit Zuschlägen an.
Was macht der Anwender mit ihrer aktualisierten Nachkalkulation?
Lothar Schmale: Zunächst noch eine Bemerkung zur Visualisierung: Wir haben die Software auch grafisch überarbeitet. Der Anwender sieht beispielsweise mit Hilfe von Balkendiagrammen auf einen Blick, wie sich die Kosten verteilen. Er geht dann zum Beispiel in die aktualisierte Nachkalkulation eines Werkzeuges: Nun passt er die neue Kalkulation an, in dem er abweichende Daten und Fakten wie Stahlsorte oder Wegfall von zwei Schiebern eingibt. So erhält er auf die Schnelle einen korrigierten Preis, aber anhand von echten, bereits validierten und nun aktualisierten Werten.
Aber wie erkennt jemand, an welchen Stellen sich Kennwerte geändert haben?
Lothar Schmale: Anhand von kleinen Häkchen vor den betreffenden Positionen. Wenn der Programmbediener beispielsweise den früher eingesetzten Stahl durch eine neue Sorte ersetzt, verschwindet an dieser Stelle der Haken. Jeder autorisierte Bediener sieht nun auf einen Blick, wer was wann geändert hat.
Gibt es weitere Spielarten?
Lothar Schmale: Ja, die Geschäftsleitung kann beispielsweise außer den avisierten Verkaufs- auch Grenzkosten eingeben. Damit erhält der Anwender Verhandlungsspielraum.
Was bringt die Grenzkostenkalkulation?
Lothar Schmale: Der Formenbauer erkennt sehr schnell, ob sich die Eigenfertigung überhaupt noch lohnt. Er sieht über die aktualisierte Nachkalkulation auf einen Blick, wo die finanzielle Grenze liegt. Der Unternehmer hat dann immer noch die Möglichkeiten, den Auftrag aus ‚politischen Gründen’ anzunehmen, ihn abzulehnen oder aber Teile kostengünstiger extern fertigen zu lassen.
Wie kommen denn galoppierende Kosten beispielsweise für Energie oder Rohstoffe in die Wissensdatenbank?
Lothar Schmale: Wenn die Daten sich schnell ändern, dann kann der Anwender auch für eine entsprechende Aktualisierung in kürzeren Abständen sorgen. Der Formenbauer kann die Zeitabstände der Aktualisierung flexibel anpassen.
Wie sieht es mit der Aktualisierung durch Ihr Unternehmen aus?
Lothar Schmale: Wir aktualisieren drei bis viermal pro Jahr. Wenn aber eine Nachfrage nach häufiger Aktualisierung entsteht, lässt sich das dank der sauberen Trennung von Programm und Daten schnell verwirklichen.
Wie haben Sie die Wirkungsweise der Wissensdatenbank getestet?
Lothar Schmale: Wir haben mit einem Automobilhersteller die Anbauteile eines Fahrzeugs komplett durchgerechnet. Wenn der Mitarbeiter des Unternehmens nun beispielsweise das Bild ‚Seitenwandrahmen’ anklickt, erhält er sofort die aktualisierten Kosten für das Werkzeug. Von einem anderen Fahrzeugproduzenten erhielten wir den Auftrag, für Prototypen-Werkzeuge 140 Kalkulationen durchzuführen und diese Zielpreise in die Datenbank einzugeben. Der Hersteller kann sich anhand dieser Daten relativ schnell die Werte für Prototypen- und Serienwerkzeuge eines neuen Fahrzeugtyps ausrechnen.
Wie kommen sonst die Daten und Fakten in die Wissensdatenbank?
Lothar Schmale: Der Anwender kann sie entweder manuell eingeben oder sie automatisch einbinden - wenn es sich um eine Nachkalkulation handelt, die mit Schmale-Software erstellt wurde.
Wie fiel die Reaktion auf die Wissensdatenbank aus?
Lothar Schmale: Bei Automobilherstellern und –zuliefern absolut positiv. Anders sah es zunächst bei den Werkzeugbauern aus, die uns fast immer sagten: Eigentlich wollen wir uns eine derartige Datenbank selbst erstellen, doch wir scheuten bisher wegen des enormen Aufwandes davor zurück. Wir erhalten nun sicherlich den Zuschlag, weil wir ihnen die Freiheitsgrade lassen, wie sie diese Datenbank füllen und an ihre Belange anpassen.
Was sehen Sie als das Alleinstellungsmerkmal dieser Datenbank an?
Lothar Schmale: Der Anwender kann auch nach den Materialkosten filtern, um sich die Werkzeuge mit einem sehr hohen Materialkostenanteil anzeigen zu lassen. Bei diesen Werkzeugen kann er dann die Rohstoffpreise häufiger aktualisieren.
Wie ist jetzt der Stand der Dinge bei der Wissensdatenbank?
Lothar Schmale: Wir haben Sie mit namhaften Kunden getestet und validiert: Der Anwender kann Sie sofort zusammen mit Schmale-Software oder als Ergänzung kaufen.
Was verbirgt sich hinter dem weiteren Programmbaustein namens Lexikon?
Lothar Schmale: Es handelt sich um ein Nachschlagewerk, das Einsteiger in den Werkzeug- und Formenbau einführt. Es geht dabei nicht nur um die Beschreibung von Begriffen, sondern auch um Anleitungen zu den wichtigsten Vorgängen. Es handelt sich um einen Service, denn wir mit dem Programmpaket automatisch mit liefern.
Das Interview führte Nikolaus Fecht