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„Komplette Werkzeugstahlkette aus einer Hand.“

Die Stahlindustrie ist ständig in Bewegung. Auch auf dem Werkzeugstahlmarkt hat sich das Kräfteverhältnis verändert: Seit dem 1. Februar 2007 heißt der weltweit führende Produzent von Werkzeugstahl Schmolz + Bickenbach AG. In unserem Interview gibt CEO Benedikt Niemeyer einen Einblick in die für den Formen- und Werkzeugbau relevanten Konzernstrategien und Dienstleistungen und erläutert, warum auch kleine Werkzeugbauer für den Konzern eine große Bedeutung haben.

Herr Niemeyer, mit der Übernahme der amerikanischen Finkl & Sons-Gruppe fokussiert Schmolz + Bickenbach die Produktion von Werkzeugstahl. Welche Strategie liegt dieser Entwicklung zugrunde? Schmolz + Bickenbach ist einer der weltweit führenden Anbieter für spezielle Lösungen im Bereich hochwertiger Stähle. Im Rahmen unseres gesamten Erzeugungsspektrums von zirka zwei Millionen Jahrestonnen ist die Fertigung von Werkzeugstahl mit 250.000 Tonnen ein wichtiger Teilbereich. Unser Anspruch ist es, jedem Kunden exakt die Spezialstahllösung zu bieten, die er für seinen Unternehmenserfolg benötigt. Des Weiteren ist der Werkzeugstahlmarkt auch deshalb so interessant für uns, weil insbesondere der Formenbau ein wachsender Markt ist. Denken Sie allein an die Automobilindustrie, die in immer kürzeren Abständen neue Modelle fertigt. Auf dem Markt für Werkzeugstahl gibt es einen starken Wettbewerb. Warum sollten Formen- und Werkzeugbauer bei Schmolz + Bickenbach kaufen? Wissen Sie, unser Ansatz ist es, unseren Kunden ein besonders hochwertiges Produkt in einer sehr hohen Servicequalität weltweit zur Verfügung zu stellen. Um dies zu gewährleisten, setzen wir auf eine einfache, aber hocheffektive Strategie: Bei uns erhalten Sie alle Leistungen aus einer Hand. Das heißt, wir decken die komplette Werkzeugstahlkette – von der Stahl-erschmelzung über die Schmiede bis zur Härterei und zu weiteren Servicedienstleistungen – in konzerneigenen Betrieben ab. Unser Material geht beispielsweise nicht in fremde Betriebe, um dort wärmebehandelt zu werden. Daher können wir auch die Wertschöpfungsprozesse lückenlos rückverfolgen, was insbesondere bei Reklamationen, die natürlich durch dieses Konzept spürbar vermindert werden, besonders wichtig ist. Diese All-in-one-Lösung schafft nicht nur zahlreiche Synergieeffekte, sondern ermöglicht es uns auch, jedes Produkt individuell auf die kundenspezifischen Anforderungen zuzuschneiden. Darüber hinaus garantieren wir auf diese Weise einen sehr hohen Grad der Qualitätssicherung. Sie sprachen eben von konzernintern realisierten Servicedienstleistungen, die über Wärme- oder Oberflächenbehandlungen hi-nausgehen. Welche sind das? Wir bieten unseren Kunden eine ganze Palette unterschiedlichster Servicedienstleistungen und verlängern damit konsequent die Wertschöpfungskette. Neben der Stahlproduktion und Verarbeitung ist dieser Servicebereich die dritte tragende Säule des Konzerns. Für den Formen- und Werkzeugbau bedeutet das ganz konkret, dass wir weiterführende Bearbeitungsschritte wie Anarbeitungsleistungen realisieren. Bspw. liefern unsere Servicebetriebe vorgearbeitete Formen, bei denen der entsprechende Formenbauer nur noch den Feinschliff umsetzt. Auf welche Werkzeugstähle ist Schmolz + Bickenbach spezialisiert? Wir decken das komplette Angebotsspektrum von niedrig- bis zu hochlegierten Werkzeugstählen in den unterschiedlichsten Abmessungen ab – die gesamte Palette. Unser Schwerpunkt liegt auf der Fertigung von legiertem und hochlegiertem Werkzeugstahl. Dies beginnt bei wenigen Millimetern Durchmesser bei den Rundabmessungen oder bei Flachmaterial. Nach oben sind hier kaum Grenzen gesetzt. In Deutschland schmieden wir beispielsweise Blöcke bis zu einem Maximalgewicht von 30 Tonnen, in den USA bis zu einem Gewicht von 110 Tonnen. Diese werden zum Beispiel bei Anwendungen im Energiemaschinenbau benötigt oder auch im Bereich der Luft- und Raumfahrtindustrie. Das Beispiel lässt vermuten, dass die Kundenstruktur von Schmolz + Bickenbach durch Konzerne und große Mittelständler geprägt ist. Kleine und mittlere Kunden machen bei uns sicherlich mehr als 50 Prozent des gesamten Umsatzes aus. Ich denke, dies zeigt sehr deutlich, dass wir einen kleinen Werkzeugbauer in Südbaden ebenso gerne bedienen wie auch größere Kunden. Genau das ist übrigens eine der großen Stärken von Schmolz + Bickenbach. Unser flächendeckendes Distributionsnetz ist in der Lage, jedes Unternehmen an jedem Standort mit dem passenden Material zu versorgen – auch in sehr kleinen Losgrößen. Mit „flächendeckend“ meine ich übrigens weltweit. Wir haben ein globales Netz, um Kunden überall auf der Welt innerhalb kürzester Zeit zu bedienen. Welchen Stellenwert nimmt die Werkstoffentwicklung in Ihrem Unternehmen ein? Die Werkstoffentwicklung, die wir oftmals in Zusammenarbeit mit unseren Kunden realisieren, hat einen enorm hohen Stellenwert. Schließlich nehmen die Marktanforderungen ständig zu. Um wieder ein Beispiel aus dem Formen- und Werkzeugbau zu wählen: Wie Sie wissen, werden hier oftmals besonders harte und formstabile Werkzeugstähle benötigt, die sich gleichzeitig sehr gut bearbeiten lassen. Dies erfordert natürlich die Entwicklung besonderer Legierungen und Herstellungsverfahren. Hier reicht es nicht, dem Zug der Zeit zu folgen. Vielmehr ist es der Anspruch von Schmolz + Bickenbach, selbst Trendsetter zu sein. Aus diesem Grund werden wärmebehandelte Werkzeugstähle bei uns schon seit geraumer Zeit in unterschiedlichsten Legierungen produziert. Und unsere Werkstoffentwicklungsexperten treiben deren Weiterentwicklung sowie die Entwicklung vollkommen neuartiger Stähle kontinuierlich voran.

www.schmolz-bickenbach.com

 



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