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Erstklassig positioniert

Von Karl Obermann Topsolid’CAM vom französischen Hersteller Missler Software ist prädestiniert für alle Bearbeitungen im Bereich Drehen, Fräsen, Bohren und Drahterodieren und deren Kombinationen (Millturn) und somit gut geeignet für den Werkzeug- und Formenbau. Über die neuesten Entwicklungen in 2007 und 2008 sprach Special Tooling mit dem Entwicklungsleiter der CAM-Software, Jean-Pierre Lugarini in Evry, dem Stammsitz des Unternehmens.

Herr Lugarini, bevor wir zu den aktuellen Neuerungen des Systems kommen, möchten wir Sie bitten, einige Sätze zu der grundsätzlichen Positionierung von Topsolid’CAM zu sagen.

Gut, ich fasse das einmal kurz zusammen, was Topsolid’CAM aus unserer Sicht charakterisiert: Der erste Punkt ist, dass unser System auf Solids basiert. Damit ist der volle Zugriff auf jede Art von Geometrie gewährleistet. Zum zweiten können die Anwender alle möglichen Technologien einsetzen, von der 2D-Bearbeitung über die 3D-Bearbeitung bis hin zur 5-Achs-Bearbeitung und zur kombinierten Bearbeitung in modernen Fräs-/Drehzentren. Das System verfügt über eine automatische Feature-Erkennung und –weiterverarbeitung. Topsolid’CAM führt eine exakte Kontrolle des Bauteils nach jedem Arbeitsgang durch und aktualisiert die Geometrie, so dass stets auf der aktuellen Geometrie weiter gearbeitet wird. Das vermeidet Kollisionen und führt zu optimalen Werkzeugbahnen. Unser System beinhaltet eine umfangreiche Datenbank mit Werkzeugen bekannter Hersteller, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Desgleichen verfügen wir über eine große Datenbank mit Postprozessoren für alle möglichen Maschinen-Steuerungskombinationen. So viel vielleicht über das System selbst.

Welche Bearbeitungsarten können mit Topsolid’CAM programmiert werden?

Drehen, Bohren, Fräsen und deren Kombination sowie Drahtschneiden.

Wo sehen Sie selbst die Stärken von Topsolid’CAM, warum sollte man dieses System kaufen?

Heute dreht sich am Markt sehr vieles um die Multifunktionsbearbeitung, Stichwort: Fräs-/Drehen. Solche Maschinen haben eine hohe Anzahl von NC-Achsen. Sie kollisionsfrei und dennoch produktiv zu programmieren ist nicht einfach. Darin ist unser CAM-System stark, nicht zuletzt wegen der sehr guten Simulationsmöglichkeiten. Ein gut simuliertes NC-Programm reduziert nicht zuletzt die Einfahrzeiten enorm. Eine weitere Stärke sehe ich in unseren 5-Achs-Fähigkeiten. Diese sind nicht nur sehr nützlich für echte 5-Achs-Teile, wie sie zum Beispiel im Flugzeugbau vorkommen, sondern auch, um 3-Achs-Teile effektiver, sprich mit kürzeren Werkzeugen bearbeiten zu können. Eine Möglichkeit, die gerade dem Werkzeug- und Formenbau zugute kommt.

Schnüren Sie mit Topsolid’CAM auch Branchenpakete, zum Beispiel für die Herstellung von Turbinenschaufeln, für den Maschinenbau, für den Werkzeug- und Formenbau usw., oder ist das System ein großer Werkzeugkasten, in dem einfach alles drin ist?

Nein, es ist nicht der große, unübersichtliche Werkzeugkasten. Wir haben drei Pakete: Das erste Paket ist für Einsteiger, die im wesentlichen 2D-Bearbeitungen machen. Als nächstes kommt das 3D-Paket, das sehr häufig im Werkzeug- und Formenbau eingesetzt wird und das dritte Paket beinhaltet die Fähigkeiten der 5-Achs-Programmierung. Ein Upgrading von einem Paket zum anderen ist problemlos möglich.

Sie teilen Ihre Software also horizontal auf, über alle Branchen hinweg und schnüren keine vertikalen Pakete für einzelne Anwendungsfelder?

So ist es.

Was hat Topsolid’CAM speziell für den Formen- und Werkzeugbau zu bieten?

Das ist schwierig zu beantworten, ganz besonders im Vergleich zum Wettbewerb, weil im Prinzip alle die gleichen 3D-Strategien und die gleichen Bearbeitungszyklen anwenden. Wo ich für uns einen Vorteil sehe, ist, dass man 2D- und 3D-Operationen gleichzeitig durchführen kann. Viele Werkzeug- und Formenhersteller – zumindest in Frankreich – haben das getrennt und auf unterschiedlichen Maschinen ausgeführt. Topsolid’CAM erlaubt die wirtschaftliche Komplettbearbeitung aller dieser Teile. Davon abgesehen hat Topsolid’CAM alle Fähigkeiten, die Werkzeug- und Formenbauer brauchen, von einer komfortablen Datenübernahme über die Programmierung aller Bearbeitungsverfahren bis zum Postprocessing. Dinge, wie die Bearbeitung tiefer Kavitäten und steiler Wände, trochoide Bearbeitung, Tauchschruppen, Schlichten mit konstanter Rautiefe usw. sind natürlich vorhanden.

Wie gut ist die Integration in Topsolid’Mold?

Beide Pakete basieren auf dem gleichen Kern, insofern ist die Integration hervorragend. Was der Konstrukteur vorgibt, in Form und Abmessung, wird von Topsolid’CAM automatisch in ein passendes NC-Programm umgesetzt. Ein Hebel dafür ist ganz klar die Feature-Technologie.

Wie sieht die Kopplung an andere CAD-Systeme aus?

Zu allen CAD-Systemen kann eine Kopplung über Standardschnittstellen hergestellt werden. Komfortabler wird die Kopplung dann schon mit Direktschnittstellen, wie wir sie beispielsweise zu Solidedge haben. Noch einen Schritt weiter gehen wir mit einer Software-Kopplung, die es uns dann erlaubt, auch wieder die CAD-Features im CAM-System zu verarbeiten. So etwas haben wir mittlerweile mit Solidworks realisiert. Missler hat ein spezielles Team auf die Beine gestellt, das sich nur um die Erarbeitung von Schnittstellen zu externen CAD-Systemen kümmert. Nach Solidworks werden andere folgen, wie Catia, Solidedge usw.

Welche wesentlichen Neuerungen hat es in Topsolid’CAM 2007 gegeben?

Verbesserungen gab es im Grunde genommen auf allen Ebenen von Topsolid’CAM. Dazu gehören zum Beispiel die Änderungen von Anfahr- und Rückzugswegen ohne Neuberechnung der Werkzeugwege. Es gibt eine neue automatische Kollisionskontrolle für die 5-Achs-Simultanbearbeitung. Wir haben eine Verschleißverwaltung für Wendeschneidplatten eingeführt, die besonders den Bearbeitern von harten Materialien zugute kommt. Wir können jetzt die Restmaterialbearbeitung durchführen, auch wenn die Geometrie nur durch einen Profilzug definiert ist. Und im 2D-Bereich hat das System eine Multitaschenfunktion erhalten.

Wird es zur EuroMold in diesem Jahr noch weitere Neuerungen geben, die darüber hi-nausgehen?

Natürlich bleibt unsere Entwicklung nicht stehen und auch in der Version 2008 darf man wieder mit einer Reihe von Verbesserungen rechnen. Beispielsweise gibt es Teile, die sich von anderen Teilen deutlich unterschieden, jedoch der Weg, sie zu fertigen, ist der gleiche. Für solche Fälle haben wir ein Tool entwickelt, den Fertigungsweg zu kopieren und zu übertragen, woraus eine deutliche Zeiteinsparung resultiert. Ferner wird Topsolid’CAM interaktiver. Viele erfahrene Anwender wünschen sich mehr Eingriffsmöglichkeiten, beispielsweise um Sonderfälle abzudecken, die im System nicht vorgedacht sind. Wir entsprechen dem. Als drittes möchte ich noch die verbesserte Möglichkeit nennen, planare Flächen auf unterschiedlichen Ebenen zu fertigen, dabei kann die Reihenfolge so gewählt werden, dass Teile, insbesondere dünne Teile, nicht beschädigt werden oder gar brechen. Es kann zum Beispiel sehr sinnvoll sein, eine dünne Wand zuerst oben fertig zu fräsen und dann erst Flächen zum Boden hin zu bearbeiten. Macht man es umgekehrt, kann die Wand oder die Rippe brechen. Diese Anforderung haben speziell japanische Werkzeug- und Formenbauer an uns gestellt.

Wie weit ist Topsolid’CAM bei der Simulation kompletter Maschinen?

Wie ich schon ausgeführt habe, ist die Simulation ein sehr wichtiger Teil von Topsolid’CAM. Darum haben wir uns schon seit Jahren darum bemüht, bei der Simulation kompletter Maschinen immer besser zu werden. Heute kann ich sagen, wir simulieren jede Art von Werkzeugmaschine.

In diesem Sinne: Wie gut ist denn die Zusammenarbeit mit den Werkzeugmaschinenherstellern?

Wir versuchen, eng mit den Werkzeugmaschinenherstellern zu kooperieren. Die Betonung liegt auf versuchen. Mal gelingt es besser, mal schlechter. Manche Hersteller geben uns das 3D-Modell der Maschine, andere tun es nicht. Wenn wir gar nichts bekommen, fahren wir tatsächlich zu den Kunden selbst und messen die Maschinen händisch ab, damit wir dennoch zu einem 3D-Modell kommen, das wir dann für die Simulation nutzen können. Warum sich die Werkzeugmaschinenhersteller so unterschiedlich verhalten, wissen wir nicht. Die Tendenz für die Zukunft ist aber, dass die 3D-Modelle immer mehr frei verfügbar gemacht werden. Das hilft letztendlich allen. Abgesehen davon gibt es aber mit einer Reihe von Werkzeugmaschinenherstellern enge Kooperationen, die sicherstellen, dass man gegenseitig nicht aneinander vorbei entwickelt. Was nützen denn exzellente neue Maschinenfunktionen, wenn man sie dann nicht programmieren kann? Und umgekehrt können vielleicht bessere Funktionen entwickelt werden, wenn man die neuesten Möglichkeiten der CAM-Software kennt. Wir befruchten uns gegenseitig.

Ähnlich notwendig ist die Zusammenarbeit in Hinsicht auf die Postprozessoren.

Da haben Sie Recht. Deswegen haben wir auch seit rund einem Jahr ein spezielles Team, das nichts anderes tut, als den Kontakt mit den Maschinenherstellern zu halten und für bestmögliche Postprozessoren zu sorgen.

Entwickelt Missler Software auch die Postprozessoren für seine Kunden?

Ja, immer dann, wenn es sich um komplexe Maschinen handelt, ist es einfach nötig, das Know-how von Missler Software einzusetzen, um zu einer optimalen Lösung zu kommen. Daran ist der Kunde dann auch gebunden. Bei einfachen Standardmaschinen sieht es ein wenig anders aus. Hier möchten Anwender oft ihre speziellen Belange auch im Postprozessor abgebildet sehen. Dafür haben wir Fachleute, die diese Wünsche in die jeweiligen Postprozessoren umsetzen.

www.topsolid.de



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