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von Harald Klieber „Vollmer ist guter, deutscher Mittelstand, ein Familienunternehmen. Darauf sind wir stolz – und so soll es auch bleiben“, sagt Vollmer Geschäftsführer Dr.-Ing. Stefan Brand. Dafür seien vor allem in den vergangenen sechs Jahren umfangreiche Investitionen getätigt worden. Ergebnis ist zum 100-jährigen Bestehen die Eröffnung des Technologie- und Dienstleis-tungszentrums (TDZ) in Biberach. Special tooling zeigt, was Werkzeug- und Formenbauer davon erwarten können.
Mehr als 6 Mio. Euro haben die Vollmer Werke in das neue TDZ investiert. Dienen soll es vor allem der Aus- und Weiterbildung von Kunden, aber auch zur Schulung der eigenen Belegschaft. „Wir haben äußerst erklärungsbedürftige Produkte. Und wir haben so viel Wissen im Unternehmen, das wir weitergeben wollen. Deshalb sehen wir das TDZ als eine langfristige Investition in die Ausbildung und unsere Zukunft“, erklärt Stefan Brand. Insgesamt sind gut 30 Maschinen aus dem aktuell rund 60 Maschinen umfassenden Portfolio ständig und betriebsbereit. „Meine Vision ist, ein solches TDZ auch noch in unseren Kernmärkten Asien und Amerika, also Südamerika, einzurichten“, fügt er hinzu. Bestärkt in seinen Plänen hat ihn zudem die Tatsache, dass Vollmer derzeit weltweit rund 30 Fachmessen mit mehr oder minder großem Erfolg beschickt. Das soll künftig auf wenige Events gestrafft werden. Wichtig sind Vollmer vor allem im europäischen Raum die Fachmessen Ligna, Grindtec, EMO und AMB.
„Keiner schleift und erodiert so präzise wie Vollmer – wenn es um das Schärfen von Werkzeugen in der Produktion und im Service geht“, sagt Stefan Brand und nach seiner Einschätzung sind die Vollmer Werke unangefochtene Marktführer und verfügen über modernste Schleif- und Erodiermaschinen für die Holz und Metall verarbeitende Industrie. Weltweit mehr als 700 Mitarbeiter steigerten noch im Vorjahr den Umsatz um zirka 50% auf 103 Mio. Euro. 8% gehen davon in F&E. „Das sieht dieses Jahr natürlich anders aus. Auch wir leiden unter der Krise. Auch wir machen Montag und Freitag Kurzarbeit. Aber wir nutzen die Zeit und haben beispielsweise unsere Entwicklungszeiten in den vergangenen Jahren auf 18 Monate verkürzt“, beziffert Stefan Brand einen der Optimierungseffekte von Vollmer an Maschinen, Verfahren und Fertigungstechnologien.
Dass Technologie- und Marktführerschaft nicht aus der Luft gegriffen ist, belegt der Geschäftsführer nicht nur mit der Tatsache, dass Volmer allein rund 80 Mitarbeiter für F&E abgestellt hat, sondern auch kurz davor ist, den Laser in den Serienmaschinen zu integrieren: „Als Technologieführer stellen wir uns allen neuen Entwicklungen. Aber nicht der kurzfristige Ertrag ist unsere Strategie. Mit ‚High Quality for you’ ist es Philosophie von Vollmer, keine Bananenprodukte auf den Markt zu bringen, die dann erst beim Anwender ausreifen.“ Deshalb vertröstet Stefan Brand die Laser-Interessenten mit Sicherheit ins Jahr 2010 nach der Grindtec, um ein absolut einsatzfähiges Produkt vorstellen zu können. „Der Laser wird keine Substitution für den Schleif- und Erodierprozess an den Schneidkanten sein, aber eine Ergänzung“, kommentiert Stefan Brand die Zielrichtung – und denkt dabei nicht nur an die Spanleitstufen-Bearbeitung. „Letztlich kommt es aber vor allem auf das Ergebnis an: Und die Präzision erhalten Sie nicht nur durch das richtige Spannwerkzeug, sondern in erster Linie ist dafür die Schneide verantwortlich“, unterstreicht Stefan Brand. Besonders spannend seien wörtlich die werkstoffseitigen Zukunftsthemen Glasfaser und CFK, für die derzeit noch effizientere Werkzeuge entwickelt würden. „Für solche hochfesten Bauteile zum Einsatz in Flugzeugen und Automobilen brauchen Sie nicht nur hochfeste Schneidmaterialien. Sie müssen auch die Einsätze hochfest fixieren, also mehr als löten“, reißt Stefan Brand die Hochtemperatur-Problematik an, bei der während der Zerspanung die Werkzeugeinsätze zwar nicht zerstört, aber doch regelmäßig quasi entlötet werden. „Wir sind mit Werkzeugherstellern daran, die Einsätze einzusintern, was deren Hochtemperatur-Beständigkeit – und damit die Lebensdauer des Werkzeuges – revolutionär um ganze Faktoren nach oben katapultieren wird“, kommentiert Stefan Brand den Entwicklungsschritt, bei dem Vollmer auch die entsprechenden Werkzeughersteller mit seinem Know-how für die Schneide nicht ganz uneigennützig sehr eng begleitet.
In puncto Absatz und Krise spürt Vollmer derzeit schon eine leichte Erholung. Stefan Brand macht dafür aber nicht schon die geplanten effizienten Werkzeuge für Glasfaser und CFK verantwortlich. Denn Vollmer, dem nach Angaben von Stefan Brand weltweit absoluten Marktführer für Diamantwerkzeug-Schärfmaschinen, registriert mittlerweile vor allem bei den Trendthemen Umwelt und Energie erhöhtes Interesse und teils schon wieder Nachfrage. „Konjunkturell erwarte ich gerade von der Automobilbranche in den USA schon bald Impulse. Unsere Maschinen sind dafür seit Jahren nicht nur perfekt automatisiert, sondern auch in Sachen Energie- und Ressourceneffizienz mit Ruheschaltungen oder Stand-by schon längst auf dem technologischen Punkt“, sagt Stefan Brand. Vollmer hat sich zum Ziel gesetzt, die Märkte Asien und Osteuropa mit den Schwerpunkten China und Russland weiter zu erschließen. Weitere Potenziale sieht der schwäbische Mittelständler beim Schärfen von Rotations- und Flachwerkzeugen, was zunehmend in Asien und in Amerika nachgefragt wird.
„Mit dem TDZ haben wir die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Wir werden uns vom Produktions- zum Technologie- und Dienstleistungsunternehmen entwickeln und werden dann für unsere Kunden alle Phasen des Produktlebenszykluses abdecken“, ist sich Wolfgang Miller sicher. Der Bereichsleiter für Dienstleistungen bei Vollmer begründet diesen Schritt mit der Tatsache, dass der Kundendienst besonders bei den Vollmer Produkten schon längst nicht mehr ausreicht. „Aus- und Weiterbildung sind die Erfolgsformel für jedes Unternehmen – auch für uns“, ergänzt er. Demnach bieten die Vollmer Dienstleistungen vor allem natürlich die produktbezogenen Maschinenschulungen in den drei Kategorien Basis, Aufbau und Service mit dem starken praktischen Part im TDZ. Zentraler Punkt sind nach Erfahrung von Wolfgang Miller auch die Technologieschulungen für die Sägewerkstechnik oder die Anwender von Hartmetallwerkzeugen: „Wir nutzen diese Weiterbildungsmöglichkeiten aber auch intern. Unsere Servicetechniker bringen wir so drei Mal pro Jahr auf den neuesten technischen Stand.“
Wie leistungsfähig Vollmer heute bereits ist, untermauert Vertriebsleiter Jürgen Hauger: „Wir sind als Spezialist für Schleif- und Erodiermaschinen zur Werkzeugproduktion und Instandhaltung bereits Komplettanbieter und in den meisten Märkten absolut technologisch führend.“ Mit weltweit 4 Produktionsstätten, 10 Niederlassung und weiteren Vertretungen in über 30 Ländern ist Vollmer derzeit vertreten. Aufgebaut wird aktuell die Niederlassung im indischen Bangalore. Der 103-Mio.-Euro-Umsatz konzentriert sich zu fast 70% auf Europa, knapp 20% auf Asien und gut 10% auf Amerika. Wachsen will Vollmer künftig vor allem in Asien und in Nord- und Südamerika, auf dem Metallsektor und im OEM-Geschäft mit Sägewerken, in der Stahl-, Automobil- und Flugzeugindustrie. Highlight in der Firmengeschichte war zuletzt das weltweit größte Sägewerks-Projekt in Russland: „Wir haben dort die Ausstattung für das sibirische Hochleistungs-Sägewerk LKD Igirma geliefert, das derzeit jährlich rund 850.000 Festmeter Holz verarbeitet. „Diese weltweit modernste Sägewerksanlage hat auch uns alles abverlangt“, kommentiert Jürgen Hauger die technologischen Herausforderungen, die bei -45°C im Februar am Eingang des Schärfraums auftreten.
„Die Werkzeuge müssen besonders in diesen Breiten durchschnittlich mehr Eis als Holz sägen, was die Sache bei Vorschubgeschwindigkeiten von 150 m/min und Zopfdurchmessern von rund 45 cm nicht leichter macht.“ Unterm Strich ist das Hochleistungssägewerk bereits das neunte Werk in 20 Jahren, das Vollmer in Russland ausgestattet hat. Technologisches Highlight ist dort die Spaner-Kreissägelinie und der Schärfraum, der erstmals in Russland mit ölgekühlten Maschinen ausgestattet ist. Konkret lieferte Vollmer eine CHD 251 R2 mit Vorbereitung für ein Handlingsystem sowie je eine CHPeco, CHFeco, Transor-Reinigungsanlage, Messerschleifmaschine, Sägenwaschmaschine, Lötmaschine und diverse Mess- und Richtwerkzeuge. Die Bauzeit betrug bis Februar dieses Jahres rund 16 Monate. Dort arbeiten knapp 300 Mann, die für die Absatzmärkte Japan, China und Europa in knapp einer Woche durchschnittlich rund 20.000 fm durchschleusen.