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Selbst der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Diese Erfahrung machte auch der Werkzeugbau Büchler bei der Umstellung von Kupfer- auf Grafitelektroden. Mit den HSC-Fräsmaschinen 600 und 650 sowie der Senkerodiermaschine Gantry 1200 von OPS-Ingersoll hat man zwar inzwischen Durchgängigkeit geschaffen. Das reicht den Verantwortlichen allerdings noch nicht.
Bei der Büchler Werkzeugbau AG im schweizerischen Flawil wurden bereits 1977 CNC, 1979 CAM, 1986 CAD und 1991 3D eingeführt. Als einer der ersten Schweizer Werkzeugbauer stellte Büchler 2001 von Kupfer- auf Grafitelektroden um. Diese Tatsache ist deshalb besonders erwähnenswert, weil bis heute in der Schweiz kaum mit Grafit gearbeitet wird. Damals noch 100-prozentige Tochter der Geberit AG, ebneten die Werkzeuge für Spülkästen den Einstieg in die Grafitthematik. Zunächst wurde hierfür in die Fräsmaschine OPS 600 investiert. 2006 folgten die OPS 650 und die Senkerodiermaschine Gantry 1200. Damit hatte man die Durchgängigkeit im Grafitbereich geschaffen und diesen Schritt bis heute nicht bereut.
Bei Werkzeugen bis 8,5 Tonnen ist es nach Auskunft von Inhaber und Geschäftsführer Andreas Scherrer ein großer Vorteil, mit Grafit zu arbeiten: „Es ging zwar zunächst um diese Spülkästen, aber wir waren nicht gezwungen, Grafit einzusetzen. Bei unserer ersten Begegnung mit dem Werkstoff war jedoch schnell klar, dass unsere alten Maschinen dafür nicht geeignet waren. Heute lässt sich klar sagen, dass wir, bezogen auf einige Werkzeuge, Zeit- und Kosten sparen. Unabhängig davon haben wir Werkzeuge mit wirklich komplexen Formen, die ohne Grafitelektroden nicht herstellbar wären.“ Bevor es soweit war, musste OPS-Ingersoll aber ein Leistungsverzeichnis hinsichtlich der Gantry 1200 abgeben. Die Anforderungen waren unter anderem, dass über eine längere Maschinenlaufzeit eine absolute Positioniergenauigkeit, kleiner ein hundertstel Millimeter, erzielt wird. Weiter waren das Verschleißverhalten zwecks der Konturgenauigkeit, die unterschiedlichen Oberflächenklassen 21, 24 und 27 sowie die Temperaturgänge über einen längeren Zeitraum Themen. Bei letzteren ist eine Gantry mit einer Raumtemperatur-geführten Kühlung nahezu ideal. Berücksichtigt werden musste aber auch die Tischfläche zu den Achsen und die Zugänglichkeit. Von der Genauigkeit der Pinole war man in Flawil begeistert, denn die lag sogar über den geforderten Werten.
Die Qualität ist in der Gesamtheit vergleichbar mit kleineren Maschinen wie der Gantry 400 oder 500. Speziell bei den Spülkästen kommt den Verantwortlichen diese Präzision sehr entgegen. Durch die Tiefe des Werkzeugs war es bislang immer ein enormer Aufwand, anschließend zu polieren. Heute geht das mit der Gantry und Grafit ohne Übergänge. Derart große Verfahrwege mit der Qualität einer kleineren Maschine haben für Andreas Scherrer aber noch andere Vorteile: „Es ist doch traumhaft, wenn man eine solche Maschine mit entsprechend großen Teilen bestücken kann. Andererseits bietet sie mir dennoch die Möglichkeit, mehrere kleine Teile zu bearbeiten, ohne durch Umspannen eventuelle Fehler beim Einrichten etc. zu riskieren.“
Bei der Investition in die HSC-Fräsmaschine 650 dagegen war man sich über die Auswirkungen anscheinend nicht im Klaren, denn sie wurde zunächst mit nur drei Achsen bestellt. Wegen der guten Auftragslage wurde die Maschine aber schnell um eine vierte und fünfte Achse erweitert. Nachdem die Verantwortlichen sahen, dass dieser Bereich noch weiter ausbaubar ist, hat man die Fräsmaschine mit dem Handlingsystem Workmaster WMT 150 kg von System 3R ergänzt. OPS-Ingersoll hat den Vorteil, dass Schnittstellen kundenspezifisch bedient werden können. Mittlerweile hat man begonnen, Workmaster ebenfalls mit den Grafitelektroden zu verknüpfen und auch das Hartfräsen soll weiter automatisiert werden.
Nächstes Ziel wird sein, eine neue Senkerodiermaschine vom Handlingsystem Workmaster bestücken zu lassen. Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Situation ist das sicherlich schwierig, laut Andreas Scherrer aber unbedingt notwendig: „Wir müssen unseren Kupferanteil, der momentan noch bei zirka 70 Prozent liegt, weiter zu Gunsten des Grafits abbauen. Nur so können wir – zumindest hier in der Schweiz – den konstanten Vorsprung im Wettbewerb halten.“