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Wichtigste Ressource: „Mensch und Idee“

von Tim Bartl Umwelt, Klima und Ressourcen – keiner kann sich diesem Spannungsdreieck entziehen. Auch die Werkzeug- und Formenbauer müssen versuchen, eine gesamthafte Balance zu schaffen, die sowohl wirtschaftlichem Wachstum und dessen Wohlstandsansprüchen sowie den individuellen und kollektiven Bedürfnissen gerecht wird. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen wird die Frage laut, was die Zukunft wohl bringen wird und inwiefern der Mensch darauf Einfluss nehmen kann. Ingenieurwissenschaften und Produktionstechnik spielen eine Schlüsselrolle in der Beantwortung dieser Frage. Professor Dr. Ing. Fritz Klocke vom Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH-Aachen weiß: „Menschen brauchen Zukunft und Zukunft braucht Produktion“

Auf alle Bereiche, die den Menschen bewegen, also Fragen bezüglich Energie und Gesundheit, Mobilität und Kommunikation sowie Umwelt und Sicherheit nehmen die Ingenieurswissenschaften und die Produktionstechnik Einfluss. Neben der Senkung der Energiekos-ten beim Betreiben der Werkzeugmaschinen sind für den Werkzeug- und Formenbau speziell die Aspekte der umweltschonenden Produktion von wirtschaftlicher Bedeutung. Stichwort Ressourceneffizienz und –einsatz sowie deren Wiederverwertung spielen eine entscheidende Rolle, wenn es in Zeiten einer wirtschaftlichen Krise um Kostenoptimierung geht. Trockenbearbeitung, kombinierte Bearbeitungszentren oder nachwachsende Materialien für Schmierstoffe sind neben der wichtigsten Ressource, dem Menschen und der Idee, Schwerpunkte, wenn es darum geht, im Rahmen der Produktion Kosten einzusparen. Auch dem Aspekt der Kommunikation, sei es nun zwischen Mensch und Mensch oder zwischen Mensch und Maschine, wird durch die Entwicklung neuer Schnittstellen Lösungen zur Optimierung des Produktionsprozesses aufgezeigt. Entwicklungs- und Produktionszeiten können verkürzt werden und helfen, Produktionskosten zu senken. Um allerdings zu positiven Ergebnissen zu gelangen, fordert Professor Klocken eine „Steigerung des Vertrauens in die Fachleute“, welches auf allen Forschungs- und Entwicklungsebenen wieder hergestellt werden muss. Leider fehlen, so Professor Klocke, die „Ingenieure als Innovationsträger“ und thematisiert speziell die „Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte als entscheidenden Faktor für die Leistungsfähigkeit des Innovationsstandortes Deutschland“. Auch die Sicherung des Industriestandorts Deutschland spricht Professor Klocke an. Out-, Home- und In-Sourcing-Aspekte zur Standortwahl zeigen, dass die Motivation zur Verlagerung der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen ansteigt. Jährlich sind etwa 4.500 Arbeitsplätze davon betroffen. Professor Klocke betont die zentrale Bedeutung der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen für die Innovationsfähigkeit der Betriebe und verweist auf die rückläufigen Zahlen in der Produktionsverlagerung. Flexibilitäts- und Liefereinbußen sind die häufigsten Gründe für Rückverlagerungen, dicht gefolgt von den Qualitätsverlusten. Um einer Standortverlagerung und einemVerlust von Arbeitsplätzen vorzubeugen, setzt das RWTH-Aachen auf neue Forschungskooperationen und macht sich stark für eine enge Symbiose zwischen Industrie und Hochschule, von der alle profitieren.Während auf Seiten der Industrie die Forschungsrisiken reduziert und der Mangel an qualifizierten Fachleuten durch den gesicherten Zugang zu Wissen, Ressourcen und Studenten kompensiert wird, profitieren die Hochschulen von der Möglichkeit zur Forschung an Top-Themen und intensiver Interaktion mit der Industrie sowie einem Zugang zu privaten Finanzmitteln. Die Stadt Aachen als Pilotstandort kann durch diese Zusammenarbeit auf ein breites Spektrum an Arbeitsplätzen in Zukunftssektoren zurückgreifen und gilt als Internationale Wissenschaftsstadt. Und auch die Ergebnisse sprechen für sich. Sei es nun die Konzeption einer durchgängigen Prozesskette zur Herstellung von mikrostrukturierten Werkzeugen, in dem die Vorteile des Mikrofräsens und des Laserstrukturierens in einem Maschinenkonzept vereinigt werden, oder sogenanntes Displacement Mapping, also digtale Strukturübertragung von der CAD Struktur direkt auf das Bauteill. Die Vorteile dieser Symbiose liegen auf der Hand. Vor allem die Nutzung der Krisenzeiten zur Prozessoptimierung steht im Vordergrund der Forschung. Produktlebenszyklus und Ressourceneffizienz haben maßgeblichen Einfluss auf die Wertschöpfungskette des Unternehmens und diese steht im betriebswirtschaftlichen Handlungsfokus.Die Schonung der Ressourcen innerhalb der Produktion gehört zu den wichtigsten Möglichkeiten der Gewinn-optimierung. Die Handlungsfelder zur energieeffizienten Ausrichtung liegen in der Steigerung der Prozesssicherheit- und Qualität, einer Verbesserung der Material- und Enegieeffizienz sowie geschlossenen Ressourcenkreisläufen in allen Prozessketten und Systemen. Des Weiteren werden eine Ressourcenvernetzung der Produktionssysteme und ein verlustfreier Infrastrukturbetrieb angestrebt. Ziel ist es, durch entsprechende Prozessmodifikationen nachhaltige Ressourceneinsparungen zu erreichen. Über die Entwicklung des „TEC – Total Efficiency Control“ soll mittels einer ganzheitlichen Kennzahlensystematik der Technologieeinsatz im Werkzeugbau bewert- und somit vergleichbar gemacht werden. Die TEC-Kennzahlen setzen sich zusammen aus den Kennzahlsystemen der Werkzeugfertigung und des Werkzeugeinsatzes und erlaubt ein technologisches Benchmark. Die Symbiose zwischen Industrie und Hochschule ist durch ihre Forschungsarbeit in der Lage, auch in schlechten Zeiten Lösungswege aufzuzeigen, die den Wertschöpfungsprozess der Unternehmen optimieren und gleichzeitig den Industriestandort Deutschland attraktiv mitgestalten kann.

www.rwth-aachen.de



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