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Von Harald Klieber SolidWorks-Gründer Jon Hirschtick hatte seine ultimative 3D-CAD-Software ‚Light-Switch’ schon 2007 beschrieben in der Fachzeitschrift Konstruktion & Entwicklung. Auf der letzten Anwender-Tagung in San Diego verfeinerte er die Zukunftsgedanken. Der neue CEO Jeff Ray schloss aber eine kostenlose Web-Version aus, Marketing-Chef Rainer Gawlick skizzierte die Schwerpunkte der 2009er-Version und der neue Europa-Chef Ken Manoff erklärte die hohen Ziele in Deutschland, wo der Werkzeug- und Formenbau gut 10% der Lizenzen beansprucht.
To fall in love with your own technology is important for your R&D-Team“, verriet der neue SolidWorks-Chef Jeff Ray seine Erfolgsformel, nach der auch der Marktführer im 3D-Desktop-Markt agiert. Um zu wissen, was genau der Maschinenbau, Designer oder die Werkzeug- und Formenbauer brauchen, veranstaltet SolidWorks jährlich eine Anwenderkonferenz. Ende Januar trafen sich dazu rund 4.700 SolidWorks-Anwender, Partner und Händler sowie Pressevertreter zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch. SolidWorks nutzt das Event, um vor allem die Informationen zu bekommen, die die Dassault-Tochter braucht, um ihre Produkte Jahr für Jahr wieder ein Stück zu verbessern. Zwar werde man auch in Zukunft keine Dassault-Produkte über das SolidWorks-Händlernetz verkaufen, betonte Jeff Ray, dennoch werden aber vor allem die Entwicklungsabteilungen noch intensiver zusammenarbeiten. Hauptgrund sei, dass auch die Konstrukteure von Maschinen, Anlagen und Komponenten die Vorteile des Product-Lifecycle-Management in der Konstruktion noch besser nutzen sollten und da könne man von Dassault und deren starker Entwicklungsmannschaft nur profitieren, so Jeff Ray. Eine klare Absage erteilte der CEO aber kostenlos aus dem Web beziehbaren Lightversionen. Die werde es von SolidWorks nicht geben, so Jeff Ray. Die Fortsetzung des Wachstums und der Profitabilität müsste auf jeden Fall sichergestellt sein (zuletzt 218 Mio. Euro Umsatz mit gut 700 Mitarbeitern), und das sei eben nur mit dem Verkauf von Nutzungsrechten zu machen, so der Nachfolger von John McEleney. Die neue Version SolidWorks 2009, die in allen Einzelheiten Anfang Oktober vorgestellt wird und dann bezogen werden kann, fokussiert nach ersten Prophezeiungen von Technologie-Leiter Austin O´Malley vor allem das Design und nicht das CAD. So soll die neue Version besonders das Designen besserer Produkte fördern sowie noch mehr auf den Anwendernutzen und Bedarf zugeschnitten sein. Im Mittelpunkt stehen High Performance, einfaches Entwickeln und Managen, Produktivitätsoptimierung, Handling. Zudem soll die Cosmos-Analyse noch früher im Produktentstehungszyklus einsetzbar sein und dort integriert werden. Weitere Schlüsselthemen werden die Verbesserung der Assembly-Performance, die intuitive Benutzung a lá Apple-Steuerungen sowie noch realistischere Grafiken sein. Im Vergleich zur noch aktuellen 2008-er Version verspricht Austin O`Malley beim Einsatz von SolidWorks 2009 Zeiteinsparungen von bis zu 65%. Was wird SolidWorks aber von Trends und neuen Technologien in die letztlich Anfang Oktober auch in Deutschland vorgestellte 2009er-Version einfließen lassen? Der neue globale Marketing-Chef, Rainer Gawlick, denkt in erster Linie an die Verbesserungen der Analyse-Software Cosmos. „Im nächsten Release wollen wir unser Cosmos besonders für Maschinenbauer noch mal wesentlich vereinfacht haben.“ Vor allem einfache Festigkeitsprüfungen und -analysen sollen dann auch das Gros der SolidWorks-Nutzer überzeugen und den Anteil der Cosmos-Nutzer von unter 20% schon mittelfristig verdrei- bis vervierfachen, so Rainer Gawlick. „SolidWorks ist schon lange kein Tool mehr, mit dem man nur modelliert. Mit SolidWorks können Sie so bauen und berechnen, dass es auch hält“, verspricht Rainer Gawlick und verweist dabei vor allem auf die künftig noch komfortableren Möglichkeiten der Kraftmessung. Viel investiert hat SolidWorks zudem in die weitere Entwicklung der System-Zuverlässigkeit sowie in den Ausbau des PDM-Systems. SolidWorks nutzt dabei natürlich auch die Entwicklungskapazitäten von Dassault und nähert sich ein Stück weit deren neuer Collaborative-Software Catia V5 an. „Unsere absoluten Stärken liegen vor allem in der Konstruktion – dort sind wir ziemlich überlegen, etwa mit unseren schnell machbaren Varianten.“ Als sehr vielversprechend bezeichnet Rainer Gawlick übrigens die Neuheiten, die besonders in der Leiterplattenkonstruktion erhebliche Erleichterungen bringen sollen. Jon Hirschtick, verbliebener der fünf SolidWorks-Gründer und heutiger Consultant, sieht sich mit der aktuellen 2008-Version bereits auf halbem Wege zur ultimativen 3D-CAD-Software, die in einem „Light-Switch“ münden soll – also einer superschnellen, allseits zugänglichen und im Kern mit vielen Automatismen ausgestatteten Software, die dem Konstrukteur viele Sisyphus-Arbeiten abnimmt. So ähnlich formulierten auch die fünf Gründer (Bob Zuffante, Scott Harris, Tommy Li, Mike Payne) 1993 die Vision: „Put the power of 3D solid modeling on every engineers desktop.“ Status Quo sind nach 14 Jahren insgesamt 16 Versionen der SolidWorks-Software, über 700.000 Anwender und viele Innovationen, die sich auch Jon Hirschtick in den 80ern nicht erträumt hatte. Was die Zukunft bringen wird, liegt für Jon Hirschtick auf der Hand: 3D ist weiter massiv auf dem Vormarsch. Das würden die Statistik und die vielen Kundenkontakte mitunter auch auf der Anwenderkonferenz belegen. So verbuchte 3D in Amerika erstmals in 2005 nicht nur einen höheren Marktanteil als 2D. Beeindruckend ist nach Angaben von Jon Hirschtick auch das Tempo, da 2D noch 2003 rund 62% Marktanteil hatte. Als Stärken von 3D und damit zukünftigen CAD-Systemen definiert Jon Hirschtick nicht nur die noch einfachere Bedienung, höhere Geschwindigkeiten, auch bei verbessertem Datenaustausch, das problemlose Skizzieren und das geometrische Modellieren, sondern vor allem die ungleich höhere Zuverlässigkeit. Schon heute verfügbar sind die Bauteilanalyse, umfangreiche PDM-Funktionalitäten oder Rendering sowie die Schattenerzeugung für noch realistischere Darstellungen. Für das zukünftige CAD-System favorisiert Jon Hirschtick fünf Technologien: Das Ausdrucken von 3D-Modellen via 3D-Printern, das hohe Prototypenkosten gegen Geschwindigkeit, Qualität und Farbe getauscht hat; die Touch-Interfaces a lá iPhone am GPS oder das Nintendo Wii gehören mittlerweile zum Alltag; wie auch das Open Source mit der frei nutz- und kopierbaren, webbasierten Software wie beispielsweise Linux, Apache, Firefox, OpenOffice oder MySQL; einen weiteren Trend spiegeln nach Einschätzung von Jon Hirschtick auch Video-Spiele mit den sehr reellen Simulationsmöglichkeiten wider, die auch für den Industriebereich nutzbar seien, oder die Multi-User-Verknüpfung. Eine weitere sehr interessante Technologie für CAD-Systeme sei das ‚Hosted Computing’. Dahinter stecken Applikationen, die nicht auf dem PC installiert, sondern nur wie Webseiten einfach aufgerufen werden. Dazu muss nur der Web-Browser auf dem PC laufen. Beispiele dafür würden Google mit deren Mail oder Word-Anwendungen, oder fast schon klassisch das Internet-Banking, liefern. Sehr nah am CAD seien jetzt schon die verfügbaren Zeichenprogramme wie Gliffy oder Drawings Now. Letzteres basiert übrigens auf SolidWorks Labs, das unter http://labs.solidworks.com die Möglichkeit bietet, Technologien bereits im Entwicklungsstadium testen zu können. Neu aufgestellt hat sich über den Jahreswechsel auch SolidWorks Deutschland. Die Münchner Niederlassung mit europaweitem Wirkkreis leitet seit Januar wieder Ken Manoff, der bis auf weiteres die Geschäfte von Thomas Langensiepen übernommen hat und von Major Account Manager Eberhard Fritz und den Regional Sales Managern Zsolt Engli, Holger Arenz und dem von Cocreate gekommenen Thomas Maier unterstützt wird. „Wir sind sehr optimistisch für 2008, weil wir unseren Großkundenanteil steigern konnten und sich mittlerweile bis zu 800 Lizenzen auf eine Company wie etwa Bosch vereinen“, kommentiert Ken Manoff die gegenwärtige Lage – und begründet dies vor allem mit dem 2007 eingeführten PDMWorks Enterprise. „Das Data-Management-System hatte bis dahin kein Händler. Zwar ist der Preisdruck hoch, aber wir sehen bislang keinen Slowdown im Markt“, erklärt Ken Manoff. Beleg für das äußerst positive deutsche Geschäft und die Produktstärke sei die Tatsache, dass bereits 15% der Anwender das Premiumpaket geordert hätten, was den Anteil der Office-, Professional- und Premium-Anwender auf rund 60% gesteigert hat. Immerhin noch 40% der Kunden würde die unter hohem Preisdruck stehende Klassik-Version ausreichen, deren Preis SolidWorks noch mal auf rund 6.600 Euro gesenkt hat. „Hauptvorteil der Premium-Version, die bei rund 9.900 Euro liegt, ist unsere einzigartige Toleranzanalyse. Mit Cosmos lassen sich zwar noch keine Verformungen rechnen. Sie können aber einfach ermitteln, ob Ihr Bauteil den aufgebrachten Belastungen Stand hält oder ob und wo Sie noch nachbessern müssen“, erklärt Ken Manoff. Zudem seien damit auch umfangreiche Strömungsberechnungen machbar sowie Vibration, Wärme und eben auch Festigkeit kalkulierbar. Eberhard Fritz verspricht auch großes Wachstum bei FlowWorks: „Es ist ein einzigartiges Produkt, mit dem sich unsere Anwender wochenlange Grobdimensionierung ersparen, sondern in der ersten Annäherung schon den Endkonturen sehr nahe kommen können. Die Simulation spart nicht nur Tage, sondern meist gleich Wochen für Prototypenbau und -erprobung, was uns ein namhafter deutscher Ventilhersteller bestätigt hat.“ Die Hauptkunden kommen in Deutschland zu 60% aus dem Maschinenbau, weltweit sind es 38%. Der Werkzeug- und Formenbau beansprucht gut 10% der rund 35.000 Lizenzen in Deutschland, die sich auf gut 10.000 Kunden verteilen. Als weiteres entscheidendes Tool sieht SolidWorks darüber hinaus deren vielfach entgeltfreies Engagement an Hoch- und weiterführenden Schulen an, womit die CAD-Profis rund die Hälfte ihrer Anwender erreichen. Education-Director Marie Planchard weiß 173 der weltweit 200 Top-Schulen mit SolidWorks ausgerüstet. Das nächste Anwendertreffen veranstaltet SolidWorks übrigens in Orlando, Florida, vom 8.-11.2.2009.