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Qualitätssicherung beginnt nicht erst im Produktionsprozess, schon im Engineering ist der Qualitätsgedanke fest verankert. Dienstleister Bertrandt setzt auf moderne Messwerkzeuge wie zum Beispiel den vielseitig einsetzbaren 3D-Messarm von Faro.
Noch Anfang der neunziger Jahre setzten die Automobilhersteller Ingenieurdienstleister vorwiegend als vergrößerte Konstruktionsabteilung ein, so wie zu dieser Zeit Zulieferunternehmen als verlängerte Werkbank fungierten. Nach der Rezession hat sich das grundlegend geändert. Seitdem vergibt die Automobilindustrie immer mehr Entwicklungsaufgaben an Dienstleistungsunternehmen. Große Entwicklungspartner sind entstanden, die inzwischen meist in der unmittelbaren Umgebung der Entwicklungszentren der Hersteller positioniert und in den Entwicklungsprozess fest eingebunden sind. Diese Engineering-Dienstleister,
zu denen auch Bertrandt mit seinen Niederlassungen gehört (siehe
Kasten), übernehmen nicht nur Teilaufgaben, sondern sind in der Lage, den gesamten Automobil-Entwicklungsprozess abzudecken von der Komponenten-Entwicklung über fahrfertige Prototypen bis zur Serienanlaufbetreuung.
Die Qualität spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auch wenn sich Qualität nicht durch Messen erreichen lässt, ist fortschrittliche
Messtechnik unerlässlich, um später einen funktionierenden Produktionsprozess auf die Beine zu stellen. In der Bertrandt-Niederlassung Gaimersheim nahe Ingolstadt wurde vor ein paar Jahren ein Team für Qualitätssicherung und 3D-Messtechnik installiert. Teamleiter Harald Gelner beschreibt die Aufgaben seiner Gruppe: Wir übernehmen alle Aufgaben der 3D-Messtechnik, die auf dem Weg zur Serienreife einer Entwicklung anfallen seien es Lohn- und Analysenmessungen, die Offline-Programmierung von Messmaschinen oder auch die Konstruktion und Anfertigung von Messhilfsmitteln.
Harald Gelner hat ein Beispiel parat, das den globalen Einsatz seiner Truppe zeigt. Im letzten Jahr erstellten seine Leute die Messprogramme für einen neuen Kleinwagen, der an vier Produktionsstandorten in Spanien, Tschechien, Brasilien und China entsteht. Die Erweiterung um einen fünften Standort Südafrika läuft aktuell. Die Aufgaben reichten vom Messen der niedrigsten Schweißgruppe bis hin zur ganzen Karosserie. Alle Programme wurden offline auf Audimess und Catia erstellt und anschließend von den Bertrandt-Mitarbeitern an den jeweiligen Fertigungsstandorten auf die verschiedenen Messmaschinen adaptiert. Heute laufen in allen Ländern die gleichen Messprogramme.
Für die 3D-Messaufgaben steht dem Team, neben Ständer-Messmaschinen, seit zwei Jahren auch ein Faro 3D-Messarm der Goldserie zur Verfügung. Auf beiden Maschinen läuft die gleiche Messsoftware, CAM2Automotive von Faro, Stuttgart. Harald Gelner war schon eine Weile auf der Suche nach einem mobilen Messgerät, um Messungen im Fahrzeuginnenraum vornehmen zu können. Den letztendlichen Ø
× Ausschlag für die Investition gab ein neuer Head-Impact-Prüfstand für passiven Insassenschutz. Harald Gelner erklärt: In diesem
Prüfstand wird der Kopfaufprall nach dem
US-Sicherheitsstandard FMVSS geprüft. Dazu müssen vorher Zielpunkte im Fahrzeuginneren eingemessen werden. Das ist eine Aufgabe, die mit einer Messmaschine schwer zu bewältigen ist. Den FaroArm dagegen setzen wir mit einem Magnetfuß in den Autoinnenraum und können problemlos alle Punkte messen. Ein Mitarbeiter aus dem 3D-Messteam ergänzt aus seiner täglichen Erfahrung: Mit einer Ständermessmaschine erreiche ich im Autoinnenraum mit Sicherheit nur 60 bis 70 Prozent der Stellen, die ich mit dem FaroArm erreichen kann. Und die Rüstzeit, bis man das Fahrzeug auf der Messmaschine hat, schlägt auch kostenintensiv zu Buche.
Der Umgang mit dem FaroArm war bei Bertrandt in ein paar Tagen erlernt. Zum einen sind hier erfahrene Messtechniker am Werke, zum anderen profitieren sie von der Kompatibilität der Faro-Software, die bei Bertrandt schon vor dem Messarm im Einsatz war. Der Umgang mit der Mess-Software ist für die Messtechniker also schon lange Alltagsgeschäft.
Durch die bekannte Messsoftware und seine Mobilität hat sich der FaroArm bei Bertrandt schnell Freunde gemacht. Harald Gelner bestätigt: Er kann zwar bei uns keine Messmaschine zu 100 Prozent ersetzen, aber er ist durch seine Mobilität und Flexibilität eine hervorragende Ergänzung. Was die Messgenauigkeit anbelangt, muss man im Vergleich zu einer herkömmlichen 3D-Messmaschine kleine Abstriche machen, aber im Endeffekt kommt es immer auf den Kosten-Nutzen-Faktor an. Wenn ich nicht im µ-Bereich messen muss, hat der Faro-Messarm Vorzüge, die wir nicht mehr missen möchten. Der 10-Zoll-Goldarm, wie er bei Bertrandt eingesetzt wird, erreicht nach Faro-Angaben eine 2-Sigma-Einpunkt-Kugel-genauigkeit von ± 0,084 mm bei einem
Messraum von 3 m Durchmesser. Auch das Messen geht zumeist schneller: Der Taster wird einmal kalibriert, und dann kann der Techniker damit alles messen, was in seinem Mess-volumen zu erreichen ist. Tasterwechsel sind nicht notwendig. Ø
× Ein Teammitglied erklärt: Bei einer Messmaschine habe ich starre Achsen und eine einzige Winkelstellung am Dreh-/Schwenkgelenk, die kalibriert werden muss. Wenn ich eine neue Tasterstellung im Raum brauche, um zum Beispiel den Taster in einen 45°-Winkel zu stellen, muss ich ihn erst umstellen und dann neu kalibrieren. Das bedeutet gegenüber dem FaroArm einen Zeitverlust, besonders bei komplizierten Teilen mit vielen Hinterschnitten. Carsten Gericke, Faro-Vertriebsingenieur und Betreuer von Bertrandt, konkretisiert: Bei einer Testinstallation im Audi Werkzeugbau schätzte der Chef der Qualitätssicherung die Arbeit mit dem Messarm um den Faktor 1:3 schneller ein gegenüber dem Messen mit der Koordinaten-Messmaschine. Der Zeitfaktor ist ja gerade in der Entwicklung ausgesprochen wichtig, weswegen der FaroArm hier Pluspunkte verbuchen darf.
Neben dem ursprünglichen geplanten Einsatzgebiet, dem Messen im Fahrzeuginnenraum, hat der FaroArm Stück um Stück neue Aufgabenbereiche erobert. Die meiste Zeit dürfte er mittlerweile außer Haus im Einsatz sein. Man packt ihn dafür ins Auto und fährt zum Kunden, um vor Ort Inline-Messungen durchzu-führen: Dafür eignet er sich wirklich hervorragend. Ich kann mit dem Messarm direkt in die Anlage reingehen, in Prüfstände oder Ähnliches, und dort Analysemessungen machen. Diese Dienstleistung wird mittlerweile bundesweit in Anspruch genommen, ergänzt ein Kollege.
Ideal ist der Arm auch für Funktions- und Klimatests, da man ihn direkt an der Linie installieren kann oder neben der Klimakammer; so kann man das Fahrzeug kurz rausschieben und messen, um ein Vor- und Nachtestergebnis zu bekommen. Auch bei großen sperrigen Bauteilen, die nur schwer auf einem Messtisch zu platzieren sind, spielt der Messarm seine Stärken aus. Und wenn das Messvolumen des Arms nicht ausreicht, kann man es durch Versetzen des Arms nahezu beliebig vergrößern. Selbst um Arbeitsspitzen zu kappen, setzt Harald Gelner den FaroArm ein. Gelegentlich packen wir den FaroArm mit auf die Messplatte dazu zur Unterstützung unserer Messmaschine. Auch hier ist er eine hervorragende Ergänzung, resümiert der Messtechnik-Spezialist. kli
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