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Universelle Spezialität

Universelle Spezialität

Man kennt das ja vom Arbeitsmarkt: wer in mehr als einer Disziplin fit ist, hat größere Chancen auf einen Job; in etwa unter diesem Aspekt entwickelte die Carl Benzinger GmbH ihr ,5@work¿-Bearbeitungszentrum, das die Anforderungen gleich mehrerer Branch

Wer – wie die Carl Benzinger GmbH – in Unterreichenbach firmiert, wird (obwohl das quasi um die Ecke ist) ja nicht gleich mit Pforzheim und der dort etablierten Schmuck-Industrie assoziiert: wiewohl man eben damit eben richtig läge. Denn das 120-Mitarbeiter-Unternehmen macht stetige 20-Umsatz-Prozente mit grad dieser Branche, die bei ihm übrigens in etwa gleich viel Spezial-Fräs- wie auch NC-Drehmaschinen ordert ...
 ... bekannt freilich ist Benzinger allgemein und also bei den industriellen Metallbearbeitern ja allein für die Hochpräzis-WZMs zum Drehen sowie für die (etwa durch Laser-Integration...) ausgesprochene Innovations-Stärke. Sie zeigt sich übrigens auch bei der jüngsten Neu-Entwicklung – einem 5-Achs-BAZ, das mit µm-Genauigkeit 5achsig simultan fräsen kann und das dank innovativer Software zum Programmieren selbst von NC-Programmen mit komplexer Achs-Kinematik ohne CAD/CAM-System auskommt.
 Erläutert Geschäftsführer Rainer Jehle: „Dass die Carl Benzinger GmbH seit gut 15 Jahren auch hochpräzise Fräsmaschinen speziell für die Schmuck- und Uhren-Industrie baut, weiß ja außerhalb dieser beiden Branchen kaum jemand”, und fährt fort: „Als nun für diese Spezial-Anwendung eine Neuentwicklung fällig wurde, haben wir uns entschlossen, sie so universell zu konzipieren, dass sie auch für andere Branchen attraktiv ist und erweitern so ihr Absatz-Potential.” Folgerichtig gibt es das ,5@work’-BAZ mit nun optionalen Features etwa zum automatischen Steine-Setzen und mit Fräskopf zum Diamantieren beispielsweise für Trau- und Schmuck-Ringe oder auch mit anderen speziellen Einrichtungen – so zum Bearbeiten von Uhren-Gehäusen ...
 ... andere gleichfalls durchaus spezielle Merkmale – wie die neuartige Gestaltung des Arbeitsraums – sind aber auch bei allgemeinem  industriellen Einsatz von Nutzen. Schildert Jehle: „Sämtliche Achsen sind natürlich hinter der störkanten-freien Verkleidung angeordnet, sodass das BAZ sehr leicht zu reinigen ist  – und das weiß man ja nicht allein bei der  Edelmetall-Bearbeitung zu schätzen.” Und auch der serienmäßige Teil-Apparat, der bei der Schmuck-Herstellung gewiss unabdingbar ist, erweitert die BAZ-Zerspan-Möglichkeiten auch beim Einsatz etwa in der Feinmechanik, in der Dental- und Medizin-Technik, in der optischen Industrie und im Werkzeug/Formenbau ...
 ... all dies aber Branchen, die teilweise schwer zerspanbare Stähle zu bearbeiten haben: die wichtigste Maßnahme, um das neue BAZ auch für sie tauglich zu machen, war also die Steigerung der Antriebsleistung auf nunmehr 3 kW. Allein dieser Wert ist in Verbindung mit den bis zu 25.000 min-1 der Frässpindel ein Hinweis auf die Aufgaben, für die das ,5@work’-BAZ prädestiniert ist – seine Stärke liegt im Filigranen und in hoher Genauigkeit bei hoher Oberflächen-Qualität. Konkretisiert Jehle: „Wie beim Drehen, bewegen wir uns auch beim Fräsen im unteren µm-Bereich”, und relativiert: „Aber unter gewissen Umständen kann es ja schon schwierig sein, auf 0,02 mm präzis zu zerspanen – wir jedenfalls haben uns auch beim neuen ,5@work’-BAZ absolut  Ø
× der für uns signifikanten Präzision verpflichtet.” Sie setzt allemal hohe Steifigkeit des BAZs voraus – zumal bei 5-achsig simultaner Bearbeitung. Wirbt Jehle: „Unser neues Zentrum ist so stabil und so schwingungsarm, dass es auch 5-achsig simultan hartbearbeiten kann”, und zielt damit wohl vor allem auf den möglichen Einsatz im Formenbau. Nun – wie die kreative Typ-Bezeichnung ,5@work’ nahelegt, operiert das BAZ mit drei Linear- und zwei Rotations-Achsen, wobei die simul-tane Bewegung aller Achsen wohl eher selten sein dürfte. Bestätigt Jehle: „Bei unseren Kunden überwiegt das 4-Achs-Simultan-Bearbeiten plus der fünften Achse allein zum Positionieren.”
 Aber selbst dann ist das Programmieren ja kein Kinderspiel und bedingt normalerweise den Einsatz eines ausgewachsenen CAD/CAM-Systems. Nicht so bei Benzinger: „Zum Programmieren  bieten wir ein optionales Software-Paket – es unterstützt die Anwender in Verbindung mit der adaptierten CNC selbst bei 5-Achs-Simultan-NC-Programmen, sodass sogar sie sich unmittelbar am BAZ generieren lassen.” Nun – möglich macht das die ,Sinumerik 840 D’, durch die das ,5@work’-BAZ gesteuert wird: als ,Offene CNC’ transformiert sie mittels der implantierten Software die (einfachen) kartesischen 3-Achs-Eingaben auf die (komplexe) 5-Achs-Kinematik. Und damit also dürfte das kleine Benzinger-Bearbeitungszentrum (ganz abgesehen von seinen mechanischen Merkmalen) für viele Anwender noch attraktiver werden.
 Nun kennzeichnen die Schlittenwege in X, Z und Y von 250, 150 und 260 mm das ,5@work’- BAZ ja als zwar eher kleines Fertigungsmittel, aber schon seine simultane 5-Achsigkeit und die adaptierte CNC machen doch schon klar, dass diese Entwicklung sehr wohl ernst zu nehmen ist. Das gilt denn auch für seine mechanischen Komponenten: digitale AC-Motoren und hochgenaue Kugelgewinde-Spindeln, präzisionsgeschliffene Kugelumlauf-Einheiten und direkte Meßsysteme stehen ebenso für Schnelligkeit, Dynamik, Maß- und Form-Genauigkeit wie für Oberflächengüte. Bekräftigt Jehle: „In all diesen Kriterien lassen wir uns so leicht nichts vormachen.” Die Kennwerte für Vorschub/Eilgang (immerhin 30 m/min), Dynamik (gleichfalls respektable 0,5 m/s2 - binnen nur 0,1 s werden die 30 m/min erreicht...!), Positionier-Genauigkeit (2,5 µm) lassen zumindest vermuten, dass seine Behauptung zutrifft.
 Und zudem ist das ,5@work’-BAZ mit einem 20er-Tool-Magazin (erweiterbar auf
40 Werkzeugplätze) und Werkzeugwechsler bestückt (beim Einsatz von HSK-Aufnahmen 30 bzw. 60 Werkzeugplätze), der weitgehend autonomes Arbeiten zulässt; begründet Jehle: „Auch die Schmuck- und Uhren-Industrie verlangt tendenziell mehr und mehr nach solcher Automation, und so haben wir Werkzeug-Magazin und -Wechsler als Standard gleich integriert.” Das war sicher nur vernünftig – denn in den anderen Branchen (die von Benzinger fürs Fräsen/Bohren ja erst noch zu erobern sind) wird zumindest die werkzeugseitige Selbstständigkeit von WZMs längst als selbstverständlich vorausgesetzt ...
 Aber die Resonanz auf das ,5@work’-BAZ (zur Emo in Hannover hatte es Premiere) war in der nicht-edelmetall-bearbeitenden Industrie vielversprechend.    jk


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