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Genial einfach und intelligent

von Tim Bartl Hätte die deutsche Werkzeugbaubranche einen Wunsch frei, so würde aller Wahrscheinlichkeit nach die Löschung des Jahres 2009 relativ weit oben rangieren. Kaum ein Unternehmen, das nicht unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden hatte und es bis heute tut. Der Systemkollaps ist zwar abgewendet aber mit der ‚W’-Trajektorie wird eine Wirtschaftsentwicklung prognostiziert, die allgemeine Hochstimmung nicht recht aufkommen lassen will. Nichts desto trotz gibt es Licht am Ende des Tunnels und Professor Günther Schuh spricht von „2010 als Jahr der Umorientierung“ und zeigt als Direktor des WZL der RWTH Aachen und des Fraunhofer IPT einen möglichen Weg aus der Krise – genial, einfach und intelligent.

Auf dem 9. Internationalen Kolloquium ‚Werkzeugbau mit Zukunft’, in dessen Rahmen auch die Preisverleihung zum ‚Werkzeugbau des Jahres’ stattgefunden hat, wurde eines ziemlich deutlich: Der deutsche Werkzeugbau steht 2010 vor großen Herausforderungen. Professor Günther Schuh sieht vor allem in den „einfach genialen Werkzeugen“ einen möglichen Lösungsweg heraus aus der Krise. Unter dem Begriff ‚Ing.Tooling’ fasst er vier Handlungsanweisungen zusammen, die „eine ganz andere Kompetenz im Werkzeugbau“ beinhalten und „dessen Reinheit nach vorne bringen sollen“.

Ing. Tooling

Eine strenge Fokussierung auf die Anforderungen des Kunden und konsequente Modularisierung beziehungsweise Standardisierung sind neben einer fundierten und intelligenten Lösungsentwicklung sowie einer systematischen Integrierung die Eckpfeiler des ‚Ing. Tooling’. Vor allem die Standardisierung und Modularisierung sind notwendig, um auf der einen Seite die Preise halten zu können und andererseits die Kundenanforderungen zu erfüllen. Spezifische Werkzeuge und Unikate sind teuer. Als „Ausgangspunkt der logischen Kette zur Wertschöpfungsoptimierung“ sieht Günther Schuh in einem „modularen Grundwerkzeug, das mithilfe des Baukastenprinzips den individuellen Wünschen des Kunden angepasst werden kann“ eine Möglichkeit „durch effizientere Werkzeugherstellung niedrigere Preise und kürzere Durchlaufzeiten“ zu erreichen. In diesem Zusammenhang wird „Wissen zum Produktionsfaktor“ und die Generierung und Verwaltung von Informationen zur Grundlage nachhaltiger Wettbewerbsvorteile.

Kürzere Entwicklungszeiten, größere Produktvielfalt

Auch Dipl. Ing. Ludwig Gansauge, Mitglied der erweiterten Geschäftsführung von Siebenwurst, sieht in der Standardisierung und Vernetzung der Prozesse im Fertigungsverlauf gute Optimierungsmöglichkeiten. „Ein intelligentes Werkstattmanagement basiert auf der Umsetzung des Prinzips ‚Drucker’“. Dreh- und Angelpunkt dieser Arbeitsweise ist die Werkstattorganisation mittels Toolmanagement.

Josef Haidlmair, Geschäftsführer der Haidlmair GmbH, hakt ein beim Stickwort ‚Wissen als Produktionsfaktor’ und vermittelt im Rahmen seiner Firmenphilosophie die Bedeutung von Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine und setzt Schwerpunkte in Sachen Weiterbildung und Innovationen. Er sieht die Lehrlinge als „die wichtigste Komponente der Zukunft“ und sichert mit Weiterbildungsmaßnahmen und Wissensmanagement Know-how, Innovation und Motivation.

Hinsichtlich Motivation respektive Anforderungen an den Modelbau fasst Robert Hofmann, Geschäftsführer der Hofmann Industrial Prototyping GmbH und Vorstand der Hofmann Innovation Group drei Schwerpunkte zusammen: Kürzere Entwicklungszeiten, größere Produktvielfalt und schneller Produktwechsel. Möglich wird dies unter anderem durch Weiterentwicklung von neuen Materialien in den Rapid Protoytyping Technologien, beispielsweise die Einführung neuer Pulver im Bereich der Kunststoffsintertechnik.

Schlüsseltechnologie Betriebsmittelbau

Neben den technischen Aspekten betont Manfred Baumann, Geschäftsführer Gerresheimer Wilden GmbH, „die Kundenbindung innerhalb des Unternehmens“ als Schlüssel zum Erfolg und Marco Schülken sieht in der Internationalisierung des mittelständischen Werkzeugbaus und der damit verbunden Erweiterung des Kundenspektrums eine Chance, der Krise zu trotzen. Seiner Erfahrung nach ist „Made in Germany“ immer noch gefragt und die Erfolgsaussichten sind, bei entsprechender Vorbereitung und der Fokussierung auf einzelne Länder, durchaus gegeben.

Genial einfache Werkzeuge, intelligentes Werkstattmanagement und eine Umorientierung innerhalb der Branche als mögliche Wege aus der Krise – Schlüsseltechnologie für eine wettbewerbsfähige Produktion ist, so Professor Fritz Klocke, der Betriebsmittelbau. Er nimmt in Form des Werkzeugs Einfluss auf Kosten, Zeit und Qualität des Produkts und hier gilt es, anzusetzen. „Modelle wie das TEC (Total Efficeincy Control) ermöglichen im Rahmen einer globalisierten Betrachtung der gesamten relevanten Wertschöpfungskette außerordentliche Einsparungen im Sinne eines Gesamt-Optimus, was jedoch ein hohes Maß an Integration in die Prozesse und der Denkweise der Kunden voraussetzt“, so Fritz Klocke. Aus diesem Grund sei es auch von enormer Wichtigkeit, für den Betriebsmittelbau eine Zukunft beziehungsweise eine Grundlage zu schaffen, so Fritz Klocke weiter. Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen der Innitative RWTH Aachen Campus auch die Gründung eines ‚Aachener Kompetenzzentrums Betriebsmittelbau’ vorangetrieben. Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Branche und ihren Kunden zu neuen Lösungsansätzen und Krisenauswegen zu gelangen – genial, einfach und intelligent.W

www.wzl.rwth-aachen.de

 





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