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Gut gerüstet

von Karl Obermann Kann ein allgemeines Konstruktionssystem für den Maschinenbau auch im Werkzeug- und Formenbau punkten? Für Solidworks lautet die Antwort eindeutig „ja“. Das System hat in den letzten Jahren so viele spezielle Funktionen erhalten, dass auch in diesem Applikationsbereich ein performantes Arbeiten möglich ist. Über Details sprach Special Tooling mit Andreas Spieler, Produkt Manager bei Solidworks in München.

Herr Spieler, heute geht es um den Einsatz von Solidworks im Werkzeug- und Formenbau. Ist Ihr System für alle Bereiche, Spritzgusswerkzeuge, Druckgusswerkzeuge, Blechwerkzeuge etc. geeignet?

Wir haben Kunden in allen diesen Bereichen. Ein Schwerpunkt liegt jedoch auf den Spritzgusswerkzeugen.

Welche Bedeutung hat dieses Marktsegment für Solidworks?

Der Werkzeug- und Formenbau ist für uns ein wichtiges Marktsegment. Das sieht man schon daran, dass die Funktionalität für diese Anwendergruppe in Solidworks immer weiter ausgebaut wurde. Ich denke, dass wir heute einen sehr wettbewerbsfähigen Stand haben.

Wo sehen Sie selbst die Stärken von Solidworks für den Werkzeug- und Formenbau?

Solidworks findet vornehmlich Eingang in kleineren Werkzeug- und Formenbauten. Die Software ist bezahlbar, das betrifft auch die Schulung. Solidworks ist zudem leicht zu erlernen und leicht zu bedienen. Wir bieten gute Schnittstellen und die Funktionalität reicht in den allermeisten Fällen aus.

Wie könnte denn ein Paket aus Solidworks-Komponenten beziehungsweise auch aus Partnerprodukten aussehen, um eine optimale Umgebung zu haben?

Unsere Empfehlung ist Solidworks Office Premium. Zwar sind alle klassischen Funktionen für diesen Bereich auch im Solidworks Basispaket enthalten, jedoch gibt es in der Version „Premium“ noch weitere sehr nützliche Funktionen. Dazu gehört ein Funktionsbereich, um Bauteile automatisch zu vergleichen. Das ist sehr hilfreich beim Vergleich von Versionen des gleichen Bauteils. Im Premium-Paket ist zudem Cosmos enthalten, ein Finite-Elemente-Paket, das es erlaubt, auch die Festigkeit der Werkzeuge zu überprüfen. Auch eine kinematische Untersuchung beim Schließen und Öffnen von Werkzeugen kann mit unserer Topsoftware erfolgen. Schließlich enthält diese Version Funktionen für das Auslegen von Verrohrungen und Schläuchen. Wer schon vorhandene Werkzeugteile in seine Konstruktion mit aufnehmen muss, wird das „ScanTo3D“ in Solidworks Office Premium zu schätzen wissen. Im Rahme unseres Solution-Parnter-Programmes gibt es dann noch weitere nützliche Pakete, wie zum Beispiel Moldflow (Part Adviser Soliworks integratet) für die Analyse des Spritzgussvorganges. Und last but not least gibt es innerhalb dieses Programms auch verschiedene CAM-Programme für die Erstellung der NC-Programme.

Machen Sie etwas mit Autoform, um im Blechbereich das Verhalten der Teile bei der Umformung zu analysieren?

Es gibt Schnittstellen zu den Programmen von Autoform, jedoch keine Direkt-integration.

Wenn wir gedanklich durch den Entstehungsprozess, zum Beispiel einer Spritzgussform, gehen, kommt zuerst der Artikeldatenimport. Wie schaut es mit Schnittstellen aus, wenn wir einmal von STEP und IGES absehen?

Es gibt eine große Anzahl von Schnittstellen für die klassische CAD-Datenübernahme, unter anderem die Direktschnittstelle zu Pro/Engineer, Unigraphics, Solid Edge und Inventor. Neben den zwei von Ihnen genannten Standardschnittstellen haben wir auch noch die VDA-Flächenschnittstelle. Es gibt ferner Schnittstellen zu Adobe-Produkten. Insgesamt stehen mehr als 30 Schnittstellen für den Datenimport und -export bereit. Nächste Schritte sind die Analyse des Artikels und eventuelle Ankonstruktionen oder Stützkonstruktionen, das Anbringen von Formschrägen usw. Da wird es ja mit einem klassischen CAD-System keine Probleme geben. Sowohl für die Analyse wie auch für nötige Geometrieänderungen oder -ergänzungen gibt es starke Funktionen in Solidworks. Man kann zum Beispiel sozusagen auf Knopfdruck feststellen, welche Flächen noch nicht mit einer Formschräge ausgeführt sind. Das System markiert sie farbig und der Anwender kann entscheiden, welchen Schrägenwinkel er anbringen will. Das geht um Größenordnungen schneller als bei früheren manuellen Prozessen.

Ist der Artikel klar, kommt der Werkzeugaufbau dran…

…für den es in unserem Partnerprogramm mehrere Pakete gibt. Das sind zum Beispiel I-Mold und Moldworks und Faceworks. Allerdings haben wir festgestellt, dass viele Kunden immer wieder den gleichen Werkzeugaufbau verwenden. Den kann man natürlich auch mit den Möglichkeiten von Solidworks aufbauen, ablegen und dann immer wieder entsprechend konfigurieren. Dazu braucht man kein Zusatzprogramm.

Ein Teil des Werkzeugaufbaus sind Normalien. Bieten Sie standardmäßig welche an?

Einen kleinen Umfang haben wir in unsere Design-Library, einen größeren Umfang in 3DContentCentral.de. Dort ist die komplette Moldbase mit drin, die unter anderem viele Normalien enthält. 3DContentCentral.de steht allen kostenlos zur Verfügung.

Hat man den Werkzeugaufbau, können die Formnester eingebracht werden. Hier sind unter anderem Flächenfunktionen gefragt. Reicht das, was Solidworks normalerweise bietet?

In früheren Zeiten gab es zwei Problemzonen, nämlich bei der Datenübernahme und -aufbereitung einerseits und bei der Erstellung der Formtrennung andererseits. Das ist heute gelöst. Über die Datenübernahme haben wir ja schon gesprochen. Auch die Formtrennung inklusive der Trennflächen- und Verschlussflächenerstellung ist heute systemunterstützt. In kurzer Zeit, verglichen mit den früheren manuellen Vorgängen, können Anwender heute zu tragfähigen Lösungen kommen, auch bei komplexen Teilen. Das System bietet hier echt starke Assistentenfunktionen. Und selbstredend reichen auch unsere Flächenfunktionen aus, um an dieser Stelle keine Engpässe entstehen zu lassen.

Elektrodenableitung – ein Standardvorgang?

Auch da haben wir eine interessante Funktion, nämlich, dass man von bestimmten Geometrien ein Offset erstellen kann. Wenn man eine Elektrode braucht, dann kommt ja der Erodierspalt hinzu und die nötige Elektrodengeometrie, die das berücksichtigt erzeuge ich über die Offset-Funktion. In unserem Partnerprogramm gibt es auch hierzu ein spezielles Produkt, Elektrodeworks.

Ein wichtiger weiterer Schritt ist der Übergang zu CAM. Was hat Solidworks hier zu bieten?

Es gibt zurzeit fünf CAM-Systeme, die direkt in Solidworks integriert sind, das heißt, auf ein und demselben Kern arbeiten. Das sind Solidcam, Camworks, Exapt, HSMWorks und seit neuestem auch Hypermill. Darüber hinaus bestehen natürlich viele erprobte Schnittstellen zu anderen CAM-Systemen.

Wir sprachen schon kurz das Reverse-Engineering an. Was kann man da genau von Solidworks erwarten?

Schon in Solidworks 2007 bekamen wir das ScanTo3D-Paket. Wir sind glücklich darüber, weil es uns Funktionalitäten bringt, die wir bisher nicht hatten. Damit können wir nun Punktewolken einlesen, wir können VRML-Daten einlesen und weiterbearbeiten, wir können STL-Flächen einlesen und bearbeiten wie auch bestimmte Scan-Formate. In ScanTo3D können dann die Netzdaten noch bearbeitet werden, bevor sie in Solidworks-Geometriedaten umgewandelt werden. Als solche stehen sie dann für den ganz normalen Konstruktionsprozess zur Verfügung.

Verfügt Solidworks über Personal, das speziell den Kunden aus dem Werkzeug- und Formenbau zur Seite stehen kann?

Sie wissen ja, dass Solidworks nur indirekt verkauft. Insofern sitzen die Spezialisten für dieses Applikationsgebiet bei unseren Händlern. An diese kann man sich vertrauensvoll wenden.

www.solidworks.de



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