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Das Agenturfoto ging um die Welt:
Schwimmend mit großen Putzlappentonnen retteten Ditter Plastic Mitarbeiter die letzten fertigen Werkzeuge vor den Fluten der Elbe,
die über Nacht ihre Werkstatt in der Meiße-
ner Altstadt unter Wasser gesetzt hatte. Die Sachsen packten an: Mit Investitionen vom Mutterhaus und Maschinen von Charmilles wurde in Rekordzeit ein moderner Erodierpark mit externer Programmierung und Einstellung, automatisiertem Werkstück- und Werkzeugwechsel und durchgängigem Palettiersystem wieder in Betrieb genommen.
¿Zwei Wochen nach dem Hochwasser hat Charmilles schon die ersten Maschinen geliefert¿ ¿ auf das Tempo, das sein Unternehmen beim Neustart nach dem Hochwasser hingelegt hat, ist Betriebsleiter Roland Haas noch heute stolz. In Meißen werden Neuwerkzeuge für das Mutterhaus in Haslach in einem Gesamtvolumen von 2,0 Millionen Euro jährlich konstruiert und gefertigt. Zusammen mit dem Werkzeugbau in Haslach deckt Meißen rund fünfzig Prozent des Gesamtbedarfs im Unternehmen.
Mit Neuanfängen haben die Meißener Erfahrung ¿ ihr Betrieb, 1900 als Gravieranstalt gegründet, kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Werkzeugbau seit den Zwanzigern, Kunststoffverarbeitung seit den dreißiger Jahren, Rüstungsaufträge im Weltkrieg, 1945 Totaldemontage durch die sowjetische Besatzungsmacht, Wiederaufbau,1956 Verstaatlichung, 1972 Kombinat ¿Plaste und Elaste Berlin¿, nach der Wiedervereinigung 1990/91 schließlich Übernahme durch den Haslacher Kunststofftechnik-Spezialisten Ditter Plastic.
Statt, wie zu DDR-Zeiten, Formen für Eisenbahnmodellbau und Industrieteile bauen die 43 Mitarbeiter von Ditter Plastic Meißen heute Mehrkomponentenwerkzeuge für High-Tech-Kunststoffteile u.a. der Sanitär-, Medizin-,Elektro- und Automobilindustrie. ¿Wir bauen die Werkzeuge, im Stammhaus werden die Teile gespritzt, lackiert und montiert¿, beschreibt Haas die Arbeitsteilung. Tasten, Knöpfe, Wippen, Blenden für Autoradios und Klimaanlagen aller großen Auto Hersteller und Marken entstehen mit Ditter-Werkzeugen aus Meißen. ¿Es gibt kaum einen Bereich, den wir nicht bearbeiten¿, sagt Haas. ¿Die Automobilindustrie hat freilich einen großen Anteil.¿ Hoher Termindruck herrscht allerdings überall.
¿Wer da bestehen will, muss die bes-te Technik ausnutzen, die es auf dem Markt gibt¿, ist Roland Haas überzeugt. Ditter Plastic Meißen setzt auf ein durchgängiges Konzept: Die gesamte Arbeitsvorbereitung wurde konsequent von der Maschine wegverlegt, Messmaschine, Programmierplätze und Maschinen sind durch ein Netzwerk verbunden. Werkzeugkonstruktionen werden ausschließlich im 3D erstellt. Jede Maschine hat einen Bediener und einen Programmierplatz. Gemessen und voreingestellt wird an einer Zeiss Vista. Die beiden Drahtmaschinen müssen sich vorläufig noch einen Programmierplatz teilen.
Bewährt hat sich nach Auskunft von Roland Haas, die Drahtkonturen direkt aus den 3D Daten der Konstruktion mit Hilfe des Programmiersystems PEPS 3D SOLID zu erstellen. Die Drahterosion ist die jüngste Abteilung; erst nach dem Hochwasser und dem Umzug in größere Räume hat man sie ins Haus genommen. Gegenüber früher, als alle Drahterodieraufgaben in Lohnarbeit nach draußen vergeben wurden, hat man so erheblich an Flexibilität gewonnen.
¿Wenn man zuverlässige Maschinen hat, muss man nicht mehrschichtig arbeiten, aber man muss in Spannmittel investieren¿, erläutert Roland Haas sein Konzept. Durch Automatisierungslösungen können die Erodieranlagen auch im mannlosen Betrieb über Nacht oder am Wochenende optimal ausgelastet werden. So lassen sich entscheidende Zeitvorteile für die Arbeit unter hohem Termindruck realisieren.
Den Einsatz von Robotern und Spannsystemen hat er differenziert geplant und auf die Anforderungen an seinen Maschinenpark abgestimmt. Automatisierung kostet schließlich Geld und muss sinnvoll genutzt werden, meint Haas: ¿Wenn viele kleine Elektroden auf einem kleinen Werkstück zum Einsatz kommen, bringt der automatische Wechsel sehr viel.¿ Beispiel: Formen für Schalter und Tasten, die in großer Zahl auf der schnellen ROBOFORM 35P senkerodiert werden. Der kompakte, integrierte Charmilles-Schnellwechselroboter QCRi war hier deshalb die optimale Lösung.
Für sehr große Teile, die unter Umständen stunden- und tagelang laufen, braucht man dagegen nicht unbedingt einen Werkstückwechsler. Im Falle der großen Top-End-Drahtmaschine ROBOFIL 6030 SI investierte Ditter Plastic Meißen daher viel in die Spanntechnik. Ein großer Erowa-Rahmen erlaubt hier Mehrfachaufspannungen, um auch mehrere Langläufer hintereinander für die Feiertags- und Wochenend-Bearbeitung vorbereiten zu können.
Für durchgängigen, reibungslosen Austausch zwischen den Bearbeitungen sorgt ein Erowa-Palettensystem. So können beispielsweise Elektroden in einer Aufspannung nacheinander auf der Mikron HSM 400 HSC-gefräst und der ROBOFORM 35P QCRi erodiert werden. Programmiert werden solche Jobs ebenfalls aus einer Hand ¿ mit dem Charmilles-¿Job Expert System¿. Am externen PC entsteht jedes Programm in sechs logischen Schritten; Bearbeitungsdaten müssen nur einmal eingegeben werden, das spart Zeit und verringert Fehlerrisiken. Haas¿ Mitarbeiter loben die einfache Bedienbarkeit und die gut organisierten Charmilles-Schulungen.
Die Erodieraufgaben werden künftig noch zunehmen, ist Roland Haas überzeugt: ¿Die Werkzeuge werden immer umfangreicher.¿ Als Beispiel verweist er auf die in seinem Haus gefertigte Form für die Klimasteuerungs-Blende im neuen Audi C6 ¿ ¿da sind Hunderte Elektroden im Einsatz¿. Für solche Aufgaben könne der Werkzeugwechsler gar nicht groß genug sein. 24 Plätze, wie er sie an der ROBOFORM 55 hat, sind im Grunde zu wenig.
Kaum ein Jahr nach der Neueinrichtung stößt die Maschinenkapazität bei Ditter Plastic Meißen schon wieder an ihre Grenzen. Wäre es da nicht besser gewesen, mehr Maschinen anzuschaffen statt des Roboters? Diese Rechnung, meint Haas, geht nicht auf: Die Maschinenauslastung ist der Knackpunkt. Ohne Automatisierung bräuchte man für mehr Maschinen erheblich mehr Personal, ohne viel zu gewinnen. Gute Leute sind sowieso Mangelware ¿ Haas ist froh, daß die jungen Mitarbeiter, die 1990 als erste mit den neuen Technologien gearbeitet haben, bis heute dabei sind und seither laufend Nachwuchs ausgebildet werden konnte.
Für Roland Haas zählt, dass er mit dem Hersteller Charmilles einen Partner hat, der nicht nur Maschinen liefert, sondern auch die gesamte Prozesskette rund ums Erodieren ¿ von der Messmaschine über den Roboter bis zum Programmiersystem ¿ anbietet. Dass auf diesen Partner Verlass ist, weiß man in Meißen nicht erst seit dem Hochwasser.
www.ditter-meissen.de
www.charmilles.de
Autor:
Michael Paulwitz