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Das Ziel ist die Baugruppe

Das Ziel ist die Baugruppe

Die mehr als zehnjährige Geschichte der Wolpert Modell- und Formenbau AG ist trotz Rückschlägen, wie etwa dem Brand des Produktionsgebäudes, eine Erfolgsstory. Permanente Investitionen in CNC-Technologie und strategische Zukäufe machten das Schwabbacher

Ein typischer Gießerei-Modellbau, der sich auf die Herstellung von Styropor-Modellen konzentriert – das beschreibt die Anfänge, mit denen Josef Wolpert 1992 den Weg in die Selbstständigkeit startete. Bereits ein Jahr später wurde die Fertigung konsequent auf die Herstellung von Prototyp-Werkzeugen umgestellt. Eine große Portalfräsmaschine war damals der Anfang einer ungebrochenen Investitionsbereitschaft in CNC-Technologie, die sich bis auf den heutigen Tag fortsetzt. In jüngster Zeit bedeutet dies: „Jedes Jahr eine neue Fräsmaschine.“ Josef Wolpert macht damit klar, wo derzeit die Prioritäten liegen – beim Fräsen.
HSC-Technologie und 5-Seitenbearbeitung prägen das Bild rund um die Uhr. Josef Wolpert: „Wir fräsen was das Zeug hält. Dabei versuchen wir, durchgängig lange Werkzeuge mit kleinen Radien einzusetzen, mit denen wir möglichst tief ins Material kommen. Im Vergleich zu früher erodieren wir inzwischen sehr wenig.“ Aber: Ganz ohne Erodieren geht es auch bei Wolpert nicht. Sichtbar wird dies an einer OPS 400, die mit 40000er Spindeldrehzahl und einem g Beschleunigung ausschließlich für die Bearbeitung von Graphitelektroden reserviert ist. Ein Zeichen dafür, dass „das Wenige“, was noch erodiert werden muss, immerhin so groß ist, um diese Maschine in Sachen Elektrodenfräsen auszulasten.    
 Eine CNC-Fräsmaschine mit 4 m Verfahrweg war 1996 die erste Investition am neuen Standort in Schwabbach. Weiter ging es mit einer 800-Tonnen-Spritzmaschine, um die Werkzeuge im eigenen Haus abmus-tern zu können. Noch eine Fräsmaschine (DMU 80T), eine 95-t-Spritzmaschine, eine Hochgeschwindigkeitsfräsmaschine sowie eine Spritzmaschine mit 3000 Tonnen Zuhaltekraft. Diese Auflistung markiert nur die wesentlichen Punkte des Wolpertschen Investitionsprogrammes in den Jahren 1996 bis 1998. Immer wieder wurden die Neuanschaffungen durch weitere Anbauten, also enorme Bauinvestitionen, am Stammsitz Schwabbach begleitet.                  
 Im Jahr 2000 hat sich das Unternehmen um ein gutes Maß „Blechkompetenz“ verstärkt: Per Firmenübernahme kamen unter anderem drei Laserschneidanlagen sowie Abkantpressen ins Portfolio. Dazu kam auch die Möglichkeit, mit bis zu 250 Tonnen Press-kraft Aluminiumteile fertigen zu können. Für Wolpert eine gute Abrundung des Prototypen-Spektrums.  
 Egal ob Kunststoff- oder Blechprototypen, egal ob ein Stück oder Stückzahlbereiche zwischen 10 und 5000: Josef Wolpert hat die Absicht, in den nächsten zwei bis drei Jahren Systemlieferant für ganze Baugruppen zu sein. Wolpert: „Mein Ziel ist es, Prototyp-Lieferant für Komplett-Bauteile zu werden. Am Beispiel Blech hieße das, nicht mehr nur das Blechteil, sondern beispielsweise die komplette Automobiltür, inklusive aller Einbauten und Verkleidungen zu liefern. Selbstverständlich gilt auch dann unsere Maxime, bis ins Detail Serienqualität zu liefern.“ Trotz der großen Fertigungstiefe der Wolpert-Unternehmen geht so etwas nicht ohne strategische Partnerschaften, das weiß auch Josef Wolpert, und in einem Entwicklungsdienstleister für die Automobilindustrie, mit dem er deshalb im Gespräch ist, sieht er einen Wunschpartner. „Nur so können wir das Baugruppenschäft sinnvoll angehen und unsere Marktposition stärken.“ Weiteres Wachstum will der Unternehmer vornehmlich aus dieser Richtung generieren. Die Vision von Josef Wolpert geht jedoch weit über das Liefern von Baugruppen hinaus: „Wer weiß, vielleicht machen wir in einigen Jahren die ersten Fahrzeugmodelle, wie sie etwa für Presse-Präsentationen gebraucht werden, komplett. Der Trend geht jedenfalls in diese Richtung, und wir wollen dafür gerüstet sein.“   
   Diese Aussagen machen deutlich, dass die Automobilindustrie den absoluten Kundenschwerpunkt bildet – mit allen Konsequenzen.
Wolpert: „Wir wissen, dass wir weitgehend von dieser Sparte abhängig sind. Die Automobilindustrie ist für uns das Maß aller Dinge.“ Zwar hat der rührige Unternehmer schon des Öfteren versucht, andere Branchen anzugehen, aber letztlich passt die Struktur seines Unternehmens doch am besten zu dieser Branche.
   Sein Mittel, sich aus der Abhängigkeit zu befreien, liegt unter anderem darin, sich auf Dinge zu konzentrieren, die kaum einer so gut kann. Bei allen Herstellern ist Wolpert für die großen Teile wie Arma-turentafeln oder Stoßfänger bekannt. Auch wenn viele kleinere technische Teile abzuarbeiten sind, so gilt das Schwabbacher Unternehmen doch in erster Linie für die großen Kunststoffteile als erste Adresse. In einem weiteren Automobilsegment ist der Prototypenbauer gefragt wie wenige: Josef Wolpert kommt aus dem Rennsport und kennt die Branche bestens. So mancher DTM-Rennstall hätte Mühe, die jeweiligen Reglements zu erfüllen, ohne den Einsatz von Teilen aus Schwabbacher Produktion. Als Beispiel dafür, dass auch echte Stückzahlen in Schwabbach produziert werden, nennt Wolpert ein Motorraumteil, das pro
Jahr 4000-fach gefertigt wird. Wolpert: „Wir fühlen uns auch mit Kleinserien sehr wohl. Hier bietet sich uns ein Markt, der über das Prototypengeschäft mit der berühmten ‚Stückzahl Eins’ hinaus geht.“
 Was immer wieder von dem Unternehmen gefordert wird, nämlich den Serienanlauf mit seinen Fertigungsmöglichkeiten zu begleiten, kann sich Wolpert als eigenständige Sparte im Unternehmen vorstellen. Schon jetzt fertigt Wolpert Kleinststückzahlen für Panzerfahrzeuge, Exklusivmodelle oder den Rennsport. Der rührige Unternehmer sieh jedoch eine ganze Reihe weiterer Nischen, und es ist erklärtes Ziel, die Spritzerei-Teilefertigung für kleinere und mittlere Sonderteile weiter auszubauen. Die Wachstumsphilosophie von Josef Wolpert geht jedoch noch weiter: „Wir wollen noch schneller expandieren und werden uns unter Umständen auch durch Zukäufe gleicher oder ähnlicher Firmen verstärken.“                 fjg


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