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Die strategische Ausrichtung der meisten Werkzeug- und Formenbau-Unternehmen folgt in der Regel recht einfachen Gesetzen: Entweder man agiert als Allrounder und baut sowohl Stanz- und Umform- als auch Spritzgießwerkzeuge für verschiedenste Produkte, oder man spezialisiert sich auf ein bestimmtes Technologie-Segment und betätigt sich als Nischen-Player. Während die Allrounder ihre Kunden zumeist im Umfeld ihres Standortes finden, muss der Nischen-Player weiträumiger agieren, was an die Unternehmens-Struktur ganz andere Anforderungen stellt. Das gilt vor allen Dingen dann, wenn sich die Nische mit der Zeit als lukrativer Wachstumsmarkt erweist, was natürlich auch Wettbewerber aus dem In- und Ausland auf den Plan ruft.
Gleich zwei solcher „Goldgruben“ bedient das süddeutsche Technologie-Unternehmen Marbach Werkzeugbau GmbH in Heilbronn. Gegründet im Jahr 1923 als Werkzeugbau-Betrieb, der so genannte Bandstahl-Schnitte für die Schuhindustrie herstellte, entwickelte sich daraus in den über 80 vergangenen Jahren eine Werkzeugbau-Gruppe mit weltweiten Aktivitäten. Diese erstrecken sich heute auf den Bereich Bandstahlschnitte und Stanzsysteme für Verpackungs-Faltschachteln sowie Thermoformwerkzeuge für Becher und becherähnliche Behälter zum Befüllen/Verpacken unterschiedlichster Produkte. Die gesamte Marbach-Gruppe beschäftigt heute rund 1.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, wovon 350 im Bereich Stanzformtechnik tätig sind. Da es sich bei der Bandstahl-Stanzformtechnik um ein Geschäft handelt, das von relativ kleinen Auftragsvolumina und sehr kurzen Reaktions-/Lieferzeiten geprägt ist, werden die Stanzformen an 15 verschiedenen Standorten in Deutschland, Europa und Asien für die jeweiligen Regionen gefertigt. Beim Werkzeugbau für die Thermoformwerkzeuge geht es dagegen um sehr teure Werkzeugsysteme mit bis zu 140 Kavitäten. Diese Werkzeuge werden in Deutschland hergestellt und in Polen sowie USA gibt es Service-Stationen dafür. In Bezug auf Stanzwerkzeuge für die Verpackungsindustrie sieht sich Marbach als größter Hersteller der Welt, und im Bereich Thermoformwerkzeuge nimmt man für sich die Technologie-Führerschaft in Anspruch.
Diese Spitzenposition, die nicht zuletzt durch Exportraten von 60% und mehr untermauert wird, ist zum einen das Resultat aus kreativem Engineering und Know-how. Zum anderen ist sie das Ergebnis höchster Werkzeugmacher-Qualität und adäquater Werkstätten-Ausrüstung, bezogen auf die hoch qualifizierten Fachkräfte und auf die Maschinen-Ausstattung. Hans Masche, Betriebsleiter Werkzeugbau im Werk Heilbronn führte dazu aus: „Wir investieren permanent in modernste Technologie und können unseren Kunden dadurch sowohl Technik- als auch Service-Vorteile bieten. Während wir früher vor allem auf die Herstellung von Bandstahlschnitt- und Rotationswalzen-Werkzeugen fokussiert waren und den Maschinenpark entsprechend bestückt haben, fordern die Kunden aus allen Segmenten und besonders jene für Thermoformwerkzeuge heute komplette, betriebsbereit gelieferte Werkzeugsysteme. Hatten wir uns früher auf die Fertigung von Rotationsteilen konzentriert, weil die Herstellung kubischer Teile zunächst keine große Rolle spielte und teilweise sogar nach außen vergeben wurde, so sieht das heute gänzlich anders aus. Denn die Forderungen nach Komplettfertigung von Werkzeugteilen auf möglichst nur einer Maschine bedeutete für uns, einen kompletten Schwenk vorzunehmen und uns mehr Kompetenz für die kubische Bearbeitung und ganz besonders für die mehrachsige Komplettbearbeitung anzueignen“.
Logische Konsequenz des Strategie-Wechsels: der Bestand an herkömmlichen 3- und 5-Achsen-Fräsmaschinen konnte den neuen Bedürfnissen in keiner Weise gerecht werden, weshalb sich Hans Masche, Jochen Häfner und Kollegen auf die Suche nach leistungsfähigen BAZ`s für die Mehrachsen-Komplettbearbeitung machten. Nach eingehender Evaluation und diversen Frästests entschied man sich bei Marbach für Bearbeitungszentren der Baureihe C 40 U von Maschinenfabrik Berthold Hermle AG aus Gosheim und orderte im Jahr 2003 zwei Stück davon. Ausgehend von der Strategie-Vorgabe, „weg von der reinen Dreh- und hin zur Form- gebenden Frästechnik“ konnte die Baureihe C 40 U voll überzeugen, weil sie vom Konzept her für die integrierte 5-Achsen-Komplettbearbeitung in einer Aufspannung ausgelegt ist. Damit wurde sie auch von Anfang an dem Anspruch gerecht, vorausschauend auf einen möglichst hohen Standard an Bearbeitungs-Technologie zu setzen, selbst wenn die Kompetenz dafür anfänglich erst noch erarbeitet werden musste.
Die beiden Bearbeitungszentren C 40 U sind jeweils mit einem Standard-Werkzeugmagazin mit 38 Plätzen, einer Hauptspindel mit Drehzahlen bis 18.000 min-1, einem NC-Doppel-Schwenkrundtisch mit 2 x 280 mm Durchmesser Rundtisch-Aufspannflächen, einem Renishaw-Messtaster und einem Blum-Lasermesssystem sowie der Heidenhain-Steuerung iTNC 530 ausgerüstet. In enger Zusammenarbeit der Techniker und Maschinen-Bediener von Marbach sowie den Anwender-Spezialisten von Hermle konnte die 5-Achsen-Frästechnik sehr schnell etabliert werden, so dass den beiden C 40 U-Bearbeitungszentren mehr und mehr Aufgaben zukamen, nämlich die Hartbearbeitung von Einsätzen für die Zylinderwalzen genauso wie die Herstellung komplexer Aluminium-Formteile für die Thermoformwerkzeuge. Das funktioniert so gut und erfolgreich, dass Marbach im Jahr 2005 weitere Investitionen in die 5-Achsen-Komplettbearbeitung und in die Universal-Fräsbearbeitung vornahm. Es wurde nochmals ein Bearbeitungszentrum C 40 U beschafft, mit einem NC-Schwenk-rundtisch mit 420 mm Durchmesser, und außerdem ein Bearbeitungszentrum 600 U mit Wendespanner- System mit 200 mm Durchmesser für die flexible Bearbeitung von kleineren Werkstücken in kleinen bis mittleren Serien.
Beide Maschinen weisen ansonsten die gleichen Steuerungen Heidenhain iTCN 530 wie die Vorgänger auf, so dass bei Marbach ein Steuerungs-Standard vorherrscht. Der aktuelle „Hermle-Park“ lässt sich nach Auskunft von Hans Masche flexibel nutzen, was bei der Herstellung bzw. Bearbeitung unterschiedlichster Werkzeug-Bauteile von großem Vorteil ist. Dazu Hubert Kittelmann, Leiter Vertrieb & Marketing bei der Marbach Werkzeugbau GmbH: „Wir können unseren Kunden nunmehr alle denkbaren Schalen- und Verpackungsformen mit oder ohne Inlay-Technologie anbieten. Da viele Thermoformartikel heute Zusatzfunktionen wie Wiederverschließbarkeit oder Mikrowellen-Eignung aufweisen müssen, werden auch die Werkzeuge dafür komplexer und komplizierter. Dank der 5-Achsen-Komplettbearbeitung sind wir in der Lage, den Kunden ihre Wünsche technisch und auch wirtschaftlich erfüllen zu können, was für uns natürlich einen Wettbewerbsvorteil darstellt.“
Und Hans Masche setzte da noch einen drauf: „Die Hermle- Bearbeitungszentren laufen so vibrationsarm und sind so steif, dass wir darauf Kühlkanäle und Kühlluftbohrungen sehr genau und prozesssicher mit Fräsern des Durchmessers 2 mm und Bohrern mit 0,4 und 0,6 mm Durchmesser herstellen. Was früher aufwändige und zeitraubende Handarbeit war, geschieht nun automatisch und mannlos im programmierten Arbeitsprozess“. Die BAZ`s von Hermle sind heute 3-schichtig in Betrieb und fertigen Prototyp-Einzelteile genauso effizient wie Serien in Losgrößen von 1 bis 50 Stück. Die universell für den hoch flexiblen Einsatz in der Mehrachsen-/5-/Achsen-Komplettbearbeitung ausgelegten Bearbeitungszentren arbeiten dabei so produktiv, dass Hans Masche und Kollegen sowie die Unternehmensleitung das erklärte Ziel einer Verkürzung der Durchlaufzeit sowie Steigerung der Produktivität um 20% vorzeitig erreichten.
www.hermle.de
www.marbach.de