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Soltauer Oberklasse

Soltauer Oberklasse

Herr Röders, auf der letzten METAV erregte das jüngste Kind aus Soltau, die RHP 800, einige Aufmerksamkeit. Nicht nur, dass in Röders-Produkten erstmalig Lineardirektantriebe eingesetzt wurden, sondern auch die Tatsache, dass mit der Maschine Koordinatenschleifen möglich ist, überraschte. Ist das Ihre Antwort auf die derzeit verfolgten Konzepte der Maschinenbauer, mehrere Verfahren in einer Maschine zu kombinieren?
So würde ich das nicht sehen wollen. Wir haben eine HSC-Maschine entwickelt, bei der wir alle technischen Möglichkeiten, die unter heutigen Gesichtspunkten machbar sind, integriert haben. Insbesondere die Kombination aus Linearmotor und hydrostatischen Führungen erlaubt dynamische Genauigkeiten, die sonst nicht realisierbar sind.
 Sehen Sie, wenn Sie sich den Fräsprozess ansehen, dann stellen Sie fest, dass die Genauigkeiten selbst bei bester Maschinentechnologie begrenzt sind, nämlich immer dort, wo die Einflüsse des Werkzeugs (Verschleiß, etc.) zum Tragen kommen. Als einziger Bearbeitungsprozess, der dann noch höhere Genauigkeiten bringt, bleibt die Schleifbearbeitung. Insofern passt das ganz gut zusammen.
 Wir hatten eigentlich schon immer das Koordinatenschleifen, auch bei unseren bisheri-gen Maschinen, im Hinterkopf. Mit der RHP 800 haben wir jetzt sehr hohe Genauigkeiten, auch in der Dynamik, zur Verfügung, so dass sich die Implementierung des Verfahrens auch lohnt.

Dass es sich lohnt?
Ja. Sie benötigen eine sehr aufwändige Periphe-rie für das Koordinatenschleifen, die in der Maschine integriert sein muss. Und diese hat natür-lich ihren Preis. Im Gegensatz zu einer reinen HSC-Maschine, die mit Minimalmengenschmierung arbeitet, bedeutet das Schleifen den Einsatz dünnflüssiger, meist leicht entzündlicher Öle. Neben der ganzen Zuführung und Aufberei-tung des Öls müssen beispielsweise auch Explosionsschutz und eine Löschanlage installiert sein.

Hält die ¿Option des Koordinatenschleifens¿ den Vergleich mit astreinen Koordinatenschleifmaschinen stand?
Es ist die Frage, wie man die Sache betrachtet. Wir behaupten nicht, dass wir so genau sind wie Koordinatenschleifmaschinen. Wir müssen erst Erfahrung sammeln; wir wissen also nicht genau wo wir stehen. Was wir aber wissen, ist, dass wir mit dem Schleifen höhere Genauigkeiten erreichen, als man das mit Fräsen jemals machen könnte. Wir kommen irgendwo schon in den µm-Bereich.
 Und genau das war ja unser Ansatz bei der Entwicklung dieser Maschine: Einerseits mit dem Führungs- und Antriebskonzept die Genauigkeit des HSC-Fräsens zu erweitern, und andererseits mit dem Schleifen die bisherigen Genauigkeitsgrenzen noch zu überwinden.
 Es gibt auch eine Besonderheit unserer Maschine. Koordinatenschleifmaschinen sind im Grunde genommen Maschinen mit ¿Null-
Dynamik¿, von der Z-Achse einmal abgesehen. Die Formenbauer sehen es aber teilweise lieber, wenn eine solche Maschine höhere Vorschübe hätte. Das kann im Alltag Vorteile bieten.

Nun setzt die Maschine auch ohne das Schleifen neue Maßstäbe. Wird sie auch als reine HSC-Maschine zu haben sein?
Selbstverständlich. Dann entfällt zwar die aufwändige Peripherie für das Schleifen, aber markant kostengünstiger kann sie deshalb nicht werden. Vor allem die hydrostatischen Führungen und die Linearmotoren verlangen einen technischen Aufwand, der momentan eben noch Geld kostet.

Was soll die RHP 800 konkret kosten?
Mit der Schleifoption darf man mit etwa
400 000,¿ Euro rechnen.

Wie schätzen Sie den Markt für die RHP 800 ein? Welche Stückzahlen haben Sie künftig eingeplant?
Grundsätzlich gibt es für so genannte High-end-Maschinen immer zwei Interessentengruppen. Da sind zum einen die Kunden, die immer das Beste haben wollen, ob sie es nun brauchen oder nicht. Und es gibt natürlich die Kunden, die das Beste wirklich brauchen. Da denke ich für den europäischen Markt zunächst an die ambitionierten Werkzeug- und Formenbauer. Die Reso-nanzen während und nach der METAV-Premiere waren sehr gut, und ich denke, dass wir künftig mehr als eine pro Monat bauen werden.  

Bisher war es so, dass neue Maschinen mit Linearantriebstechnik von den Herstellern immer mit den hohen Dynamikwerten angepriesen wurden. Diesbezüglich kommt die RHP 800 bescheidener daher. Ihre Philosophie scheint also in eine andere Richtung zu gehen?
Was das betrifft, haben wir tatsächlich eine etwas andere Denkweise. Unsere Zielrichtungen sind eher höchste Genauigkeit und beste Oberflächenqualität. Nicht immer ist das Maximum, das eine Technik hergibt, auch das Maximum für deren Nutzung. Denken Sie etwa an moderne Automobile, deren Leistung abgeregelt wird. Ähnlich ist das auch hier.

Können Sie dies speziell für die RHP 800
etwas näher erläutern?
Sehen Sie, wenn Sie sich Regelungen etwas näher ansehen, dann ist es immer so, dass neben einer Positionserfassung, etwa über Glasmaßstäbe, auch die Ströme erfasst werden müssen. Je höher der Maximalstrom ist, desto höher sind Beschleunigung und Maximalgeschwindigkeit eines Systems. Ein hoher Maximalstrom bedeutet aber auf der anderen Seite, dass der abzudeckende Messbereich auch größer ist.
Da die Sensorik aber dieselbe ist, bedeutet das: Je höher der Maximalstrom, desto geringer die Auflösung. Wir haben gesagt: Wir legen den Schwerpunkt auf die Genauigkeit ¿ und diese erreichen wir auch dadurch, dass wir fein messen; können nicht nur die Position, sondern auch die Ströme. Hieraus folgt wiederum eine feinere Stellmöglichkeit, die ein besseres, weil genaueres Verhalten in der Bahn erzeugt.
 Wir haben uns also ganz genau angesehen, was im Bearbeitungsalltag realistisch ist. Man fährt in der Tat sehr selten mehr als 10 Meter Vorschub, schon gar nicht in der Kontur und im 3D-Bereich. Es macht also wenig Sinn, eine solche Maschine auf maximale Vorschübe und maximale Beschleunigungen auszulegen. Wie gesagt: Wir wollen Genauigkeit. Das ist der Hintergrund dieser Beschränkung des eigentlich Möglichen.

Die Maschine ist ja eine komplette Neuentwicklung. Gibt es bereits Synergien mit den bekannten Röders-Maschinen?
Die gibt es sicherlich. Wir haben sehr viel gelernt und können von diesem Know-how einiges auf die anderen Maschinen übertragen. Zunächst wird das von der Steuerungsseite her geschehen. Wir setzen ja für alle Maschinen die gleiche (eigene) Steuerung ein.

Hat der ¿Neuling¿ schon Alltagserfahrung?
Wir nutzen die Maschine selbstverständlich im ei-genen Formenbau. Unsere Polierer sind regelrecht begeistert, wenn eine Form von dieser Maschine kommt, die Oberflächen sind doch deutlich besser. Sie sehen, die RHP ist im Alltag getestet, und wir können sie wirklich in jeder Hinsicht mit gutem Gewissen unseren Kunden anbieten.



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