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Laser bald reif für die Schneide

von Harald Klieber Es sind nicht nur Erodiermaschinen. In die neueste Komplettbearbeitungsmaschine zur Werkzeugproduktion und Instandhaltung hat Vollmer eigentlich vier Maschinen gesteckt. Die QXD 200 kann neben dem Erodieren auch polieren, schleifen und messen. Geht es nach Technik-Chef Dr.-Ing. Stefan Brand, soll auch in absehbarer Zeit gelasert werden. Was der Biberacher Branchenprimus im 100sten Jahr seines Bestehens noch vorhat, verrät der Vorsitzende Siegfried Knüpfer.

Es sind Traumwerte und Quoten – die Vollmer nicht erst im stolzen Alter von 99 Jahren vorzuweisen hat: Das Biberacher Familienunternehmen ist Weltmarktführer in allen drei Disziplinen. Man hält rund 75% der Marktanteile bei den Erodiermaschinen für die PKD-Werkzeugherstellung, 50% beim Schärfen und für die Produktion von Sägebändern und Kreissägeblättern in Sägewerken und liefert sogar 90% der Maschinen zum Schleifen von Hartmetall-Sägeblättern. In den letzten fünf Jahren steigerte die Gruppe ihren Umsatz von 70 auf 110 Mio. Euro. 10% investiert Vollmer davon in F&E, 2% jährlich in das Personal. 80 von 470 Mann in Biberach sind Entwickler, was sich auswirkt: „Wir haben in den letzten sechs Jahren insgesamt 26 neue Produkte auf den Markt gebracht und machen damit mittlerweile rund 70% unseres Umsatzes“, dokumentiert Stefan Brand die erfolgreiche Entwicklungsarbeit. Den Fokus hat Vollmer zwar klar, aber bestimmt nicht ganz für die nächsten 100 Jahre definiert: „Unsere Strategie legen wir zuerst langfristig aus, dann brechen wir diese auf kürzere Zeiträume herunter“, erklärt Siegfried Knüpfer, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Modernste Schärf- und Erodiermaschinen für die Holz und Metall verarbeitende Industrie sollen es auch künftig sein – aber für den Highend-Markt in Deutschland oder den Entry-Markt in China speziell angepasst. Das bedarfsgerechte Schärfen der Schneide – ob bei der Herstellung der Werkzeuge oder zur Instandhaltung – steht also im Mittelpunkt. „Um weiter wachsen zu können, setzen wir vor allem auf Dienstleistung und Service, was derzeit noch knapp 16% vom Umsatz ausmacht“, so Siegfried Knüpfer – doch mittelfristig soll der Anteil auf gut 25% steigen. Dafür bringt sich Vollmer mit ,Fit für Service’ oder seit kurzem mit dem ,Projekt 2020’ massiv auf Dienstleistungskurs. Perfektioniert werden produktnahe Dienstleistungen, die Maschinen-Finanzierung oder auch Training und Ausbildung. Äußeres Zeichen wird im Mai 2009 die offizielle Einweihung des neuen, 3.200 m2 umspannenden Technologie- und Dienstleistungszentrums in Biberach sein. Allein an der schwäbischen Riß schaffen von global 700 Mitarbeitern 470 – „Davon 50 Azubis, die von uns alle eine Jobgarantie auf Lebenszeit in Aussicht gestellt bekommen. Ähnliche Perspektiven bekommen bei uns Studenten, beispielsweise im Rahmen des Ulmer Modells“, beschreibt Stefan Brand einige Tools von Vollmer gegen den chronischen Fachkräftemangel am Hightech-Standort. Dass aber der Slogan ‚Einmal Vollmer – immer Vollmer’ mehr als eine Worthülse ist, belegt Stefan Brand mit einer verschwindend geringen Fluktuationsquote, einem Durchschnittsalter von 41 Jahren und dem Übermaß an fachlicher Kompetenz. „Das ist das, was Vollmer ausmacht. Nur mit sehr viel Erfahrung und Kompetenz in allen Fragen kann ein Unternehmen perfekte Produkte und letztlich Dienstleistung bieten. Wir streben nach kontinuierlichem Wachstum mit innovativen Mitarbeitern“, legt sich Siegfried Knüpfer fest. „Wie die Erfahrung, können Sie sich aber auch das Image nicht erkaufen – Sie müssen es sich hart erarbeiten. Das hat Vollmer unlängst unterstrichen und in den letzten 99 Jahren getan“, betont Stefan Brand. „Heute beherrschen wir das µm. Unsere Erodiermaschinen machen 2 µm Genauigkeit. Aber unsere Kunden haben von Vollmer schon immer etwas mehr erwartet“, berichtet der Technik-Chef. Deshalb denkt Vollmer auch in technischer Hinsicht schon erheblich weiter. Vor allem für Europa haben die Schwaben Palettenfördersysteme für Werkzeuge entwickelt, um die Kunden und vor allem deren Maschinen schon sehr nah an die 24-h-7-Tage-Woche he-ranzubringen. „In Asien und Osteuropa gehen wir ganz andere Wege“, sagt Stefan Brand. Hier stehen nicht Vollautomation, sechs Achsen und Hightech an oberster Stelle. „Das Volumen sehen wir dort im Entry-Markt, was nicht mit Low-Cost zu verwechseln ist. Wir produzieren dafür in unserem chinesischen Werk Maschinen mit manuellen Achsen und einfachster Steuerung – mehr wird dort im Allgemeinen derzeit nicht gebraucht und bezahlt“, so die Erfahrung von Stefan Brand. Vollmer tritt dort derzeit erfolgreich auch gegen absolute Billighersteller an. „Der Trick ist: Sie müssen Ihr Produkt so günstig machen und herstellen, dass auch für etwaige Kopierer nichts mehr hängen bleibt“, so Stefan Brand. Hilfreich ist für das Engagement in China aber ebenso die Geschichte von Vollmer. „Wir haben aus der Entwicklung in Deutschland gelernt. Der gleiche Prozess wie damals in den 50ern, als die Schleifdienste die Szene beherrschten, vollzieht sich jetzt in China“, weiß Siegfried Knüpfer. Neben der eigenen Produktion sei dafür auch ein Flächenvertrieb nötig, den Vollmer gerade aufzieht. „Und wir haben gelernt, dass wir weltweit nur mit den besten Partnern zusammenarbeiten sollten. Denn nur die haben die passende technische Basis für echte Innovationen und nur die können uns auch in letzter Konsequenz täglich fordern“, betont Siegfried Knüpfer. Technologisch sieht Stefan Brand derzeit mehrere lukrative Ziele: „Linearantriebe gehören allerdings nicht dazu. Die setzen wir nur sehr bedingt ein, etwa in Drehachsen – wo es eben unbedingt nötig ist. Denn der Linearantrieb hat einen großen Nachteil: Er nimmt die meiste Energie auf, wenn er nichts tut.“ Und die dort entstehende Wärmequelle gilt es in den Griff zu kriegen, so der promovierte Maschinenbauer mit mehrjähriger, praktischer Werkzeugmaschinen-Erfahrung. Wichtig sei dagegen, gerade beim Erodieren die Genauigkeit in einer Aufspannung zu erzeugen. Denn durch eine Umspannung würden allein schon 5 µm Ungenauigkeit generiert. Ein weiterer Schwerpunkt in der Entwicklung ist neben neuen vollautomatischen Logistikkonzepten für die Produktion der Laser, den Vollmer auf absehbare Zeit bereits in seine Erodiermaschinen integrieren will. „Wir beschäftigen uns jetzt seit rund 10 Jahren mit dem Laser. Status Quo ist, dass der Laser bei uns mittlerweile technologisch gesehen das Zeug dazu hat, die Schneidenbearbeitung zu übernehmen. Wir rechnen aber mit weiteren 6 bis 7 Jahren, bis wir den Laser auch wirtschaftlich an der Schneide haben“, prophezeit Stefan Brand. Deutlich höhere Praxisrelevanz würden derzeit Diamantwerkzeuge in der Luft- und Raumfahrt-Branche haben. Besonders für Verbundbauteile und Sandwich-Komponenten seien dort hochpräzise Bearbeitungswerkzeuge gefragt, die natürlich geschärft werden müssten. Was die Maschinen von Vollmer momentan leisten, haben die Schwaben auf der letzten GrindTec mit der brandneuen CNC-gesteuerten Schärfmaschine CL 200 und besonders mit der Universalmaschine für PKD-Werkzeuge QXD 200 gezeigt. Mit der CL 200 verspricht Vollmer Komplettbearbeitung in einer Aufspannung speziell für hartmetallbestückte Kreissägeblätter. Die CL bearbeitet Frei- und Spanfläche sowie Hohlbrust in einer Aufspannung. Konzipiert für kleinere und mittelgroße Schärfdienste zeichnet sich die Maschine nach Angaben von Stefan Brand durch hohe Flexibilität und Genauigkeit aus und bietet bestmögliche Produktivität. Durch die Vorschubklinke erkennt die CL 200 sowohl die Zahnteilung als auch einen eventuellen Zahnausbruch. Ist ein Zahn ausgebrochen, wird dieser an der Zahnbrust nicht bearbeitet, um so einem Schleifscheibenbruch vorzubeugen. Alle gängigen Zahngeometrien werden in einem Umlauf bearbeitet und die Reparaturzahnerkennung erfolgt automatisch über das Messsystem. Neu eingesetzte Zähne werden oszillierend geschliffen. Dies geschieht in einem Umlauf zusammen mit dem Nachschleifen aller Zähne. Aufgrund der flexiblen Werkzeugverwaltung können je nach Anwendung verschiedene Schleifscheiben vorbereitet werden. Der kompakte und robuste Maschinenbau der CL 200 sorgt für Stabilität bei geringem Platzbedarf. Zudem ist die Schleifstelle leicht bedien- und einsehbar. Schaltschrank, Kühlmittelpumpe, Pneumatik und Feuerlöscheinrichtung sind gut zugänglich – auch für Wartungsarbeiten. Demgegenüber kombiniert die QXD 200 als Universalmaschine für PKD-Werkzeuge Erodieren, Freischleifen, Polieren und Messen. Umfassende Automatisierungslösungen lassen neue Gestaltungsvarianten für die Produktion mit PKD-Werkzeugen zu. Stefan Brand bezeichnete die QXD als „eines unserer technologischen Highlights auf der GrindTec. Dafür sorgt eine Bahninterpolation in sechs CNC-Achsen, die Werkzeugherstellern weitaus größere Entwicklungsräume bietet als vergleichbare Maschinen“. Die Universalmaschine vermisst, erodiert, schleift und poliert PKD-Werkzeuge in einer Aufspannung. Weit reichende Automatisierungslösungen eröffnen mit der Scheibenerodiermaschine neue Gestaltungsvarianten von PKD-Werkzeugen mit bis zu 250 mm Durchmesser und 200 mm Länge. Grundlage dafür sind die sechs CNC-Achsen, die manuelles Eingreifen überflüssig machen und die Rüstzeiten verkürzen. Der einteilige Maschinenständer aus Polymerbeton sorgt bei der QXD für Systemsteifigkeit und Schwingungsdämpfung. Durch die neuartige Anordnung der Achsen kann jedes Werkstück hängend bearbeitet werden. So lässt sich vermeiden, dass sich das Werkstück durch das Eigengewicht durchbiegt. Gleichzeitig ist die Werkstückschnittstelle unempfindlich gegen Verschmutzung. Bei der QXD 200 schaffen integrierte Werkzeugwechsler und umfangreiche Werkstückführung die Voraussetzung für eine mannlose Schicht rund um die Uhr. Dabei kann die Be- und Entladung des Werkstückspeichers parallel zum Automatikbetrieb erfolgen. Der integrierte Werkzeugwechsler verfügt über bis zu sechs unterschiedliche Erodier-, Schleif- und Polierscheiben und gestattet so eine genaue Bearbeitung unterschiedlicher Werkstückvarianten.

www.vollmer.de



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