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Der große Aufwand rund um die Hausaustellung hat sich für den Gildemeister-Konzern gelohnt: Wurden doch allein auf der diesjährigen Hausmesse insgesamt 290 Maschinen im Wert von gut 81 Millionen Euro verkauft. Vor allem die Produktvielfalt der in Pfronten entwickelten und dort hergestellten Maschinen stand dieses Jahr wieder im Vordergrund der Hausausstellung. Das schlug sich auch im hauseigenen Verkaufsvolumen von fast 44 Millionen Euro nieder. Die Pfrontener Maschinen dominieren, wie übrigens die anderen Konzernprodukte auch, gegenwärtig weltweit das so genannte „Premium- Segment“. Der Beweis: Die Anzahl der im Wert von 44 Millionen Euro auf der Hausausstellung georderten Pfrontener Maschinen betrug „nur“ 75 Stück.
Doch der Reihe nach: Auf der METAV 2004 in Düsseldorf präsentierte Deckel Maho Pfronten erstmalig seine Horizontal-Bearbeitungszentren als Vertreter der patentierten duo-Block Bauweise. Bei der Entwicklung dieser Deckel Maho HBZ-Generation konnten jahrzehntelange Erfahrungen zur Neugestaltung der einzelnen HBZ-Produktlinien wie Allrounder, Schwergewichtler und schnelle Sprinter (als linearangetriebene HBZ`s) auf der duo-Block - Konzeptbasis genutzt werden. Die sich bis dato in der Praxis bewährte Bauweise modifizierten die Allgäuer im Rahmen des einmaligen Modul-Prinzips geschickt für unterschiedliche Anwenderschwerpunkte. Doch die heute vielgepriesene Flexibilität wird in dem hohen Maße nicht überall benötigt. Viele Werkstücke lassen sich von 3 oder 4 Seiten wirtschaftlich mit 4 NC- Achsen fertigen. Diese sollten in möglichst kurzer Zeit auf hohe Vorschubwerte beschleunigen, damit der Fertigungsprozess schnell, automatisch und rüstzeitfrei abläuft. Wobei die tendenziell immer höheren Genauigkeitsforderungen am Werkstück trotzdem erfüllt werden müssen. Außerdem kann ein schwenkbarer Fräskopf für bestimmte Spannsituationen auch einmal hinderlich sein und die 5-Achs-NC-Programmierung benötigt aufwändigere Vorbereitungen. So finden schnell, präzise und vollautomatisch fertigende HBZ`s Eingang in die Einzel- bis Großserienfertigung aller Metallverarbeitungsbranchen. Besonders dann, wenn sie sich durch modularen Aufbau und viele Optionen sehr gut an unterschiedliche Fertigungsaufgaben anpassen lassen und so die Stückkosten der zu erzeugenden Werkstücke verringern. Das alles waren und sind Gründe genug, mit der Erweiterung des duo-Block - Baukasten nach „unten“ mit neuen 0,205 m³ in der 600 mm Arbeitswegklasse eine Arrondierung der HBZ- Reihen vorzunehmen. Das ebenfalls mit hervorragenden Merkmalen aufwartende Maschinenkonzept „kleiner duo-Block“ garantiert gerade in dieser HBZ- Größenklasse eine Maschinenausführung höchster Stabilität bei maximaler Dynamik, die sich von vielen Wettbewerbern abhebt. Ein breit gefächertes Anwenderfeld, vorrangig auch im Bereich Präzisionsarbeiten, kann mit der nach „unten“ erweiterten Zentrenfamilie der Premiumklasse bedient werden, dem bewährten Modulbaukasten sei Dank. Das neue Deckel Maho HBZ`s heißt DMC 55 H und repräsentiert mit dem Arbeitsraum in X,Y,Z von 560 x 600 x 600 mm3 somit „understatement“ in der Bezeichnung. Was haben die Pfrontener beim „kleinen“ duo-Block - Konzept nun modifiziert, da man ja bekanntlich Bewährtes nicht ändern soll? Die gute Nachricht gleich vorweg: Alle Tests und erste Praxiserprobungen haben bewiesen, dass auch die „kleine“ duo-Block-Bauweise alle bisher ermittelten und bekannten Vorteile nicht nur beibehalten hat, sondern sich weitere Vorzüge für deren Anwendung ergeben haben. Was änderte sich zum bisherigen duo-Block - Konzept? Zuerst wurde beim X- Weg aus Platzgründen auf eine dritte Führung des Spindelschlittens verzichtet. Einbußen an Steife? Fehlanzeige. Im Gegenteil, denn durch die Anbringung des X-Achs-Antriebes außerhalb der duoBlock-Rückwand werden thermische Einflüsse noch weiter minimiert. Das Hauptspindelgehäuse konnte außerdem kompakt und völlig rund gestaltet werden. Nicht nur bei einer verbesserten Späneabfuhr. Außerdem wurde der Rüstplatz in Z-Richtung zum Bediener versetzt angebracht, wodurch nur eine große Bedienertüre den hervorragenden Arbeitsraum-Zugang bietet. Der hinter der Maschine angebrachte Späneförderer mit Auswurf rechts oder links (Option) unterstreicht die hervorragende Maschinenergonomie. Nicht zuletzt durch die im Vergleich zur allgemein üblichen Fahrständerbauweise verbesserte statische, dynamische und „thermische“ Steife konnten die dynamischen Werte der Maschinen trotz vergleichsweise größerer Vorschubkräfte auf 6m/s² bei 60 m/min Eilgang festgelegt werden. Für „eilige“ Produzenten kann eine Dynamik-Maschinenvariante mit 10 m/s² bei 80m/min Eilgang der Maschine bestellt werden. Was will man mehr an Dynamik mit vergleichsweise zum Linearantrieb sparsamer Strom verbrauchenden Kugelrollantrieben? Die DMC 55 H Features wie Beladung mit 500 kg bei 630 mm Störkreisdurchmesser des Werkstückes liegen bei Paletten von 400 x 400 mm2 eindeutig über dem üblichen Klassenniveau, was man in Bezug auf das ausstattungsbereinigte Preis- Leistungsniveau nicht feststellen kann. Insgesamt sind die neuen und besonders eigensteifen duo-Block- HBZ`s nicht nur kompakter sondern sie benötigen auch wenig Platz. Im Standard wird ein 360 x1° indexierender NC-Palettentisch geboten, alternativ ist die volle NC- B-Achs-Tischversion verfügbar. Der 12.000 U/min schnelle Hauptspindelantrieb bietet mittels moderner Motorspindel mit 20 kW bei 100 % ED schon im Standard ausreichende 110 Nm Drehmoment, wenn nötig während der gesamten Bearbeitung. Optional sind gleiche Spindel- Daten bis 18.000 U/min verfügbar. Eine alternative Motorspindel mit 35 kW und satten 240 Nm ist für weitere Einbaufälle vorgesehen. Die Werkzeugversorgung basiert in der Grundausführung auf einem Rad für 45 Aufnahmen nach SK40, HSK- A63, CAT oder BT40. In der erweiterten Form lassen sich vertikale Kettenmagazine für 40/60/80/120 oder 180 Plätze ordern. Allen Werkzeugwechslern gemeinsam sind die 3,7 Sekunden kurzen Span zu Span- Zeiten. Überhaupt bietet die traditionell reichhaltige Standardausführung alles für eine produktive Fertigung Notwendige wie das Kühlaggregat für den Spindelantrieb. Das Optionsregal ist zusätzlich reichhaltig gefüllt. Es bietet beispielsweise 40 bar- IKZ mit 250 l-Behälter, Blasluftdüsen, Hydraulikschnittstellen und alle modernen Prozessüberwachungen wahlweise für die Siemens 840D oder Heidenhain iTNC 530. Alternativ garantieren 250 l Spaltsieb- oder 980 l Papierbandfilter-KSS- Anlagen eine störungsfreie Spänebeseitigung. Erste Bestellungen der neuen HBZ`s (4 Maschinen orderte man spontan auf der Hausausstellung) ließen auf Grund dieser technischen Basis nicht lange auf sich warten. Ab Jahresmitte wird geliefert und damit kann die Baureihen- Arrondierung schon jetzt als Erfolg verbucht werden. Zudem bietet das „kleine“ aber feine duo-Block- Konzept die Basis auch für weitere Universalmaschinen. Warten wir dazu die diesjährige EMO mal ab. Nun zu dem weiteren „High-light“ der Pfrontener Hausausstellung, wozu man sich in die 6.000 m² große vollklimatisierte Großmaschinenhalle bemühen musste, der DMC 340 U. Nun können Kritiker sagen, die eigensteife DMC 340 U an sich ist ja keine absolute Neuheit (schließlich wurden seit der Erstvorstellung 2001 weltweit über 50 Maschinenanlagen verkauft). Dem ist nicht ganz so: Zum einen ist die völlig allein im Hause entwickelte Erweiterung des Giga-Universalzentrums zur Fertigungszelle für eine vollautomatische Abarbeitung von vier Großpaletten mit 5 NC-Achsen schon als Weiterentwicklung an sich zu betrachten. Zum anderen sind es die gewaltigen Maschinen – mit Peripherie-Dimensionen, die die Pfrontener vor neue Herausforderungen stellen. Im vergangenen Jahr bestellte ein kanadischer Produzent von Holzbearbeitungsmaschinen, die Gilbert Company, erstmalig eine mit vier Palettenplätzen ausgerüstete DMC 340 U-Fertigungszelle für seine Großteilfertigung. Diese muss entsprechend der kanadischen Forderung auch in der Größenordnung von 10.000 kg Belastung pro Palette vollautomatisch möglich sein. Die Kanadier wollen damit, ebenfalls wie die Pfrontener, eigensteife Gussgestelle für Holzbearbeitungsmaschinen fertig herstellen, um die bisherige Schweißkonstruktion abzulösen zu können. So wurde auch dieses neue Stück Fräsmaschinen- und Automatisierungstechnik von den Pfrontenern nicht nur gemeistert, sondern die Lieferung im II. Quartal 2007 ist fest eingeplant. Und dazu wiederum brauchte der Kunde kein gesondertes Fundament vorbereiten. Dass die Maschine in eine 1,4 m tiefe Grube gesetzt wird, geschieht wegen der Hallenhöhe auf speziellen Wunsch des Kunden (Maschinen-Einbringung durch das Hallendach ist vorgesehen). Doch auch die weitere Konfiguration der Anlage lässt aufhorchen: Das 5-Achs- Gigafräszentrum besitzt als B-Achse einen 1.550 Nm-drehmomentstarken 5XtorqueMaster-Hauptantrieb für CAT-50-Werkzeugaufnahmen. Das alles gibt der Optionsbaukasten her, ebenso die Kombination des Fräszentrums mit einem Wandmagazin für stolze 240 Magazinplätze. Zusätzliche Optionen sind die Balluff-Werkzeugidentifikation, das 3D-Quickset-Paket zur späteren Überprüfung der kinematischen Genauigkeit, sowie eine Schnittstelle für Winkelbohrköpfe. Besonders erwähnenswert: Als Sonderoption dieser riesigen Anlage fungieren nur ein Magazinbereich für zehn, maximal 900 mm lange Werkzeuge, ein verlängerter Späneförderer, das übliche CSA-Ausrüstungspaket für 60 Hz-Betrieb ist schon wieder Standard. Spezielle Betriebsmittelvorschriften: Fehlanzeige. Dieses Projekt und seine Einbettung in ein standardmäßiges breitgefächertes Baukastensystem zeigt sehr eindrucksvoll, dass und wie man auch Großmaschinen wirtschaftlich herstellen kann, und das sogar oder eben gerade in Deutschland.