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Mit dem erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellten Bearbeitungszentrum KX 50 hat Huron zur Euromold 2004 erneut seine Innovationskraft unter Beweis gestellt. An Ideen hat es den Elsässern nie gemangelt. Seit Jahren realisieren sie, oft als erste, technische Neuheiten, die dann schnell Verbreitung auch bei anderen Herstellern finden. So präsentierte man bereits zur EMO 1993 mit der EX Baureihe ein Konzept für die HSC-Bearbeitung. Nun soll auch der Vertrieb in Deutschland reaktiviert werden. Mit Dipl-Ing. Siegmund Zach als neuem Vertriebschef Deutschland erhofft man sich deutlichen Aufwind. Wir hatten die Gelegenheit mit ihm und dem kaufmännischen Leiter von Huron, Guy Bitterolf über Strategie und Erwartungen zu diskutieren.
Herr Bitterolf, in Deutschland hat man in den letzten Jahren eigentlich wenig von Huron gehört und gelesen. Wie geht es der Firma?
Der Firma geht es gut. In den letzten Jahren haben wir konsequent weiterentwickelt und neue Technologien da integriert, wo sie nutzbringend für die Kunden sind. Das hat uns ein stabiles Geschäft in unserem Heimmarkt Frankreich und bei den bestehenden Kunden in Form von Wiederholkäufen gebracht. Bezogen auf Deutschland waren wir wohl zu passiv und haben an Marktanteil, aber vor allem an Bekanntheitsgrad verloren. Das wollen wir fortan ändern.
Sie sagen, dass Ihre neue Maschine genau auf den Bedarf am Markt abgestellt ist. Wie kommen Sie schon im Vorfeld der Markteinführung zu dieser Feststellung?
Wir lernen gerne von unseren Kunden und bauen das, was sie verlangen. Eine wichtige Kundensparte von uns ist der Flugzeugbau und die Zulieferer zur Automobilindustrie. Von diesen Kunden können wir nicht nur technisch lernen, was sie benötigen, sondern auch in der Vorgehensweise bei Neuentwicklungen. Keine Flugzeugentwicklung wird begonnen, ohne dass vorher eine Marktstudie über den Bedarf in den kommenden Jahren angefertigt wird. Genau das haben wir von entsprechenden Fachleuten machen lassen.
Dabei hat sich heraus gestellt, dass der Markt 5-achsige Maschinen mit hoher Präzision in der Größenordnung von etwa 2.000 x 1.000 x 500 Arbeitsraum, bis zu einem Werkstückgewicht von etwa 4 Tonnen, einem Werkzeugvorrat von 30 Werkzeugen und mehr sowie einer Spindel mit 20 kW Leistung und einer Drehzahl von bis zu 18.000 Upm wünscht.
Im Neubedarf und als Ersatz vorhandener älterer Maschinen, zum Teil 3-Achs-Maschinen, wird allein im engeren Kreis Europas ein Bedarf von etwa 5.000 Maschinen in den nächsten Jahren erwartet. Davon hätten wir gerne einen kleinen Anteil.
Auf Basis dieser Marktuntersuchung haben Sie dann die Maschine angeblich innerhalb von nur acht Monaten entwickelt und gebaut. Wie ist das möglich?
Auch hier kann man von anderen erfolgreichen Unternehmen lernen. Zunächst einmal verfügen wir seit Jahren über eine Art Baukastensystem in unserem Maschinenprogramm. Aus diesen Komponenten können wir relativ rasch aus bewährten und erprobten Elementen eine kundenspezifische Maschine kreieren und bauen.
In unserer Entwicklung verwenden wir außerdem modernste, computergestützte Verfahren wie die finite-Elemente-Methode nicht nur für Berechnungen sondern auch zur Simulation. So können wir schon lange vor dem Bau einer Maschine deren dynamisches Verhalten und die Belastungen der Struktur kennen lernen und einen Teil der praktischen Erfahrung vorwegnehmen.
Das ergibt nicht nur praxisgerechte, optimierte Maschinen, sondern verkürzt die Entwicklungszeit erheblich. Übrigens hat unsere neue KX50 alle vorausberechneten Ergebnisse bestätigt und teilweise sogar übertroffen.
Was sind die Besonderheiten dieser Maschine?
Da lässt sich eine ganze Reihe von Punkten nennen. Zunächst einmal kann die Maschine mit einer Spindelleistung von bis zu 26 kW hohe Zerspanungsleistungen fahren.
Gleichzeitig ist sie mit einer maximalen Spindeldrehzahl von 18.000 Upm sowie Vorschüben bis zu 40 m/min und Beschleunigungen bis 7 m/s2 aber auch für die Hochgeschwindigkeitsbearbeitung geeignet.
Trotz dieser Dynamik weist die Maschinenstruktur eine hohe Steifigkeit auf, was Schwingungen dämpft und beste Oberflächen gewährleistet.
Dank genauester Auflösung der internen Meßsysteme weist die KX50 entsprechend hohe Widerholgenauigkeiten auf, wie man sie sonst nur von wesentlich teureren Maschinen kennt.
Auf den ersten Blick ist die
Maschine sehr voluminös.
Wie bringen Sie die notwendige Dynamik für HSC-Bearbeitungen zuwege?
Zunächst einmal arbeiten wir mit modernsten Antrieben. In langjähriger Zusammenarbeit mit Siemens haben wir seit Jahren immer den neuesten Stand der Steuerungen an unseren Maschinen. Diese Steuerungen werden immer schneller und können immer mehr gleichzeitig ansteuern.
Außerdem sind unsere Achsen auf die erforderliche Dynamik hin ausgelegt. Als Beispiel sei der beidseitige Antrieb der Kugelrollspindel für den Arbeitstisch erwähnt.
Bei aller Steifigkeit der Maschinenelemente, die wir für ein schwingungsarmes Arbeiten und beste Oberflächen brauchen, sind doch alle Komponenten auch gewichtsoptimiert.
Auf welche Kundengruppe zielt die Maschine denn ab?
Mit ihrer Fähigkeit, sowohl wirtschaftliche Grobzerspanung von Stahl und anderen zähen Werkstoffen als auch hoch präzise Finishbearbeitung im HSC-Bereich zu leisten, empfiehlt sich die Maschine für die universelle Komplettbearbeitung in vielen Betrieben. Natürlich ist sie mit den 5-Achsen und einem nutzbaren Arbeitsraum von 2.000 x 1.700 x 800 mm prädestiniert für den Formenbau und den Werkzeugbau. Aber auch bei den Flugzeugbauern, der Wehrtechnik und im Maschinenbau gibt es viele Anwendungen für diese Maschine.
Aufgrund der ungewöhnlich hohen Präzision verbunden mit guter Steifigkeit der Gesamtmaschine haben sich die Huron-Maschinen in den vergangenen Jahren mehr und mehr auch einen festen Platz in Produktionsbetrieben erobert.
Wie stellt sich für Huron denn der deutsche Markt dar?
Nach unserem Heimmarkt Frankreich ist Deutschland einer der wichtigsten und größten Märkte für uns. Mit unserem Firmenstandort in der Nähe von Straßburg haben wir ja auch fast ein Heimspiel.
Dennoch haben wir uns seinerzeit entschlossen, eine eigene Dependance in Deutschland, nämlich in Gerlingen bei Stuttgart, aufzubauen und den Service mit eigenen, deutschen Mitarbeitern von dort aus zu leisten. Das wird von unseren deutschen Kunden gern gesehen, weil es sicherstellt, dass es keine Sprachprobleme gibt und vor allem weil die Wege kürzer und die Kosten bei notwendigen Einsätzen geringer sind.
Herr Zach, sie haben gerade zu Huron gewechselt, kommen aber aus der Branche. Wie sehen sie die Position von Huron in Deutschland?
Wenn ich rekapituliere was ich dachte, als ich zum ersten Mal angesprochen wurde, geht es mir sicher ähnlich wie vielen Kunden. Huron war mir zwar bekannt, aber nicht wirklich ein Begriff. Als ich dann das Werk in Illkirch besichtigt habe, war ich doch sehr überrascht über den hohen Grad an Flexibilität, die hohen Genauigkeiten und die Leistungsfähigkeit der Maschinen.
Offen gesagt hatte ich Huron völlig unterschätzt. In Deutschland haben wir in den letzten Jahren einen Generationswechsel in den Betrieben erlebt. Damit ist leider auch viel Marktkenntnis bei den Kunden verloren gegangen. Diesen verloren gegangenen Bekanntheitsgrad müssen wir wieder aufarbeiten.
Die hervorragenden Maschinen von Huron werden uns dabei sicher die Arbeit erleichtern. Schließlich können wir ja auch auf eine Vielzahl von zufriedenen Kunden in Deutschland verweisen, die immer wieder eine Huron kaufen.
Wie sehen Sie speziell die Möglichkeiten der KX50 in Deutschland?
Bereits die Euromold hat eine überraschend starke Nachfrage nach dieser Maschine gezeigt. Erste Maschinen sind bereits nach Deutschland verkauft.
Sicher wird diese Maschine schnell hohe Akzeptanz finden. Immer wieder einmal gab es Maschinen, bei denen viele Kunden gesagt haben, eine solche Maschine sollte man unbedingt einmal haben. Wir glauben fest daran, dass die neue KX 50 eine solche Maschine ist.
Über die deutsche Konjunktur liest man eher Negatives denn Gutes. Wie sehen Sie die Maschine in diesem Umfeld?
Der deutsche Werkzeug- und Formenbau ist von jeher sehr innovativ. Die deutschen Firmen wissen, dass sie nur mit hoher Qualität und mehr und mehr Flexibilität bestehen können. Dabei hilft eine solche Maschine.
Nicht nur, dass sie Grobzerspanen und Schlichten kann. Das Ganze läuft auch noch komplett in einer Aufspannung ab. Das spart Zeit und bringt weitere Genauigkeit.
Wenn man dann noch die 3D-form-inspect-Software von m&h einbindet, kann man die Werkstücke sogar noch auf der Maschine messen und protokollieren. Das bringt Vorteile, die andere Maschinen nicht haben. Hinzu kommt der große Arbeitsbereich, der viele Werkstückgrößen abdeckt.
Die Firmen müssen in immer modernere Technologie investieren. Mit nur noch 3 Bearbeitungsachsen kommt man heute vielfach nicht mehr aus; Man braucht 5 Achsen und die Möglichkeit der Komplettbearbeitung. Solche Investitionen haben die führenden Firmen in Deutschland immer schon, auch in schlechteren Zeiten, getätigt.
Außerdem gibt es viele Teilbereiche der Industrie, die durchaus wieder gut laufen. Sehen Sie nur den Flugzeugbau rund um Airbus mit den neuen Modellen A380, M400 und nun bald A350. Ähnliches gilt für die Elektroindustrie. Für diese Bereiche kommt die KX50 wie gerufen. Auch die Firmen, die bislang auf Sparflamme investiert haben, müssen bald nachziehen, um nicht abgehängt zu werden.
Wie sieht es vom Preis her aus? Passt die Maschine in eine Zeit mit dem Slogan ¿ Geiz ist geil¿?
An diesem Slogan messen wir uns nicht. Wichtig ist, dass das Preis-Leistungsverhältnis stimmt und dass der Kunde eine Maschine bekommt, die sich für ihn schnell bezahlt macht. Das ist bei Huron Maschinen immer der Fall. Mit den vielseitigen Möglichkeiten und der hohen Genauigkeit verdienen die Maschinen schnell ihr Geld.
Im Übrigen waren viele Kunden überrascht, zu welch günstigem Preis unsere Maschinen zu haben sind, in Anbetracht ihrer Leistungen und Genauigkeiten. Normalerweise gehen die Kunden bei unseren Genauigkeiten von höheren Preisen aus. Unsere Maschinen haben nur einen Nachteil: Sie halten zu lange.