java.lang.NullPointerException
Ob durch Drahterodieren von Greifern und Schiebern für Montageautomaten sowie von Stempeln und Matrizen für die Stanzereitechnik einerseits ¿ oder neuerdings durch Senkerodieren von Spritzgießformen andererseits ¿ der Werkzeugbau der Cherry GmbH,
Auerbach/Oberpfalz, setzt sich erfolgreich gegenüber der Konkurrenz von außen durch, wenn es um den Bedarf an komplexen Teilen oder Werkzeugen im eigenen Hause geht. Möglich machen dies gut ausgebildete und erfahrene Facharbeiter, leistungsstarke Funkenerosionsmaschinen von Agie und eine anspruchsvolle Strategie, die technisch auf Austauschbau und menschlich-organisatorisch auf Gruppenarbeit setzt.
Zum Firmenlogo von Cherry gehören außer dem Namenszug drei reife Kirschen, die auch für das Angebot dieses weltweit tätigen Unternehmens und seine Produkte stehen könnten: Das sind Tastaturen, Mäuse und Peripheriegeräte als Computer-Eingabegeräte, das ist der Automotive-Bereich mit Schaltern und Schaltsystemen und das ist der Bereich Schalter, Sensoren und Steuerungen für Industrie und Haushalt. Cherry über das eigene Unternehmen: "Wir sind weltweit führend in der Entwicklung und Fertigung dieser Produkte."
Am 17. April 1953 gründete Walter Cherry im Keller eines Restaurants
in Highlandpark/Illinois, die Firma "Cherry Electrical Products". Damit begann eine Erfolgsgeschichte, aus der hier nur wenige Daten genannt werden. Cherry gründete 1963 die erste europäische Niederlassung in einer alten Fabrik in Bischofsgrün, bevor man 1969 in einen Neubau in Bayreuth zog. Im Jahr 1979 konnte das aufstrebende Unternehmen ein neu erbautes Werk in Auerbach/ Oberpfalz einweihen, in dem zurzeit 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 82 Auszubildende tätig sind ¿ größter Arbeitgeber in der Region. Das Werk in Bayreuth beschäftigt 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Weltweit hat Cherry 3.500 Beschäftigte. Rückblickend betrachtet ist die Gründung der Niederlassung in Deutschland der erste Schritt eines "Globalisierungsprozesses", in dem sich das Unternehmen zu einem Netz mit Entwicklungs- und Produktionsstätten in vielen Ländern ausweitete. Inzwischen wird ein Umsatz von 750 Mio. Euro weltweit gemacht. Dazu trägt Deutschland mit 205 Mio. Euro bei. Etwa 50 % des Umsatzes entfallen auf den Bereich Automotive.
Die Cherry GmbH in Auerbach ist das Hauptwerk für Europa. Von hier aus werden Werke in Bayreuth und weitere Fertigungen in Tschechien und in der Ukraine gesteuert. Mit Produktionsstätten in Europa, Amerika, Asien und Verkaufsbüros sowie Vertriebspartnern in fast allen Ländern der Erde kann Cherry die Interessen seiner Kunden direkt vor Ort wahrnehmen.
Der Cherry-Werkzeugbau hat 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Außerdem werden hier "in der Versetzung" stets fünf von 16 Auszubildenden geschult, das heißt, der gewerbliche Nachwuchs wird im dritten Lehrjahr mit den anspruchsvollen Aufgaben des Werkzeugbaus vertraut gemacht. Walter Wagner, Leiter des Werkzeug- und Formenbaus: ¿Der Fachkräftenachwuchs wird durch die Cherry-eigene Ausbildung abgedeckt, da gute Mitarbeiter für den Werkzeug-Formenbau auch in der heutigen Zeit kaum verfügbar sind. Wir haben auch Werkzeugmechaniker, die in die Konstruktion wechselten: Was die zeichnen, lässt sich auch wirtschaftlich herstellen."
Im Werkzeugbau werden Werkzeuge für die Stanzereitechnik oder neuerdings Formen für das Spritzgießen hergestellt. Es werden aber auch Vorrichtungen, Mess- und Prüfeinrichtungen sowie Stationen für die Montageautomaten von Mikroschaltern gebaut. Bei den Mitarbeitern im Werkzeugbau handelt es sich ausschließlich um Facharbeiter, die in Arbeitsgruppen eingeteilt sind. Die Anfänge der Gruppenarbeit bei Cherry gehen auf das Jahr 1995 zurück. Ein externer Berater half, die Gruppenarbeit einzuführen. Seit 2000 gibt es einen hauptamtlichen internen Betreuer für Gruppenarbeit, hinzu kommen zwei Externe, die das Geschehen der teilautonomen Arbeitsgruppen in den drei Werken betreuen:
³ Arbeitsgruppe 1: Wartung von Stanzwerkzeugen,
³ Arbeitsgruppe 2: CNC-Drehen (auch Drehen mit angetriebenen Werkzeugen) und CNC-Fräsen,
³ Arbeitsgruppe 3: Konventionelle Bearbeitungstechnik, Bau von Vorrichtungen und Prüfeinrichtungen,
³ Arbeitsgruppe 4: Erodiertechnik (Schneiderodieren und Senkerodieren von Werkzeug- und Produktionsteilen),
- Arbeitsgruppe 5: Herstellung neuer Stanz- und Spritzgießwerkzeuge.
Die Arbeitsgruppen erhalten als "Input" die Aufträge von der Arbeitsvorbereitung. Die technischen Unterlagen liegen aus dem 2D/3D-CAD-System der Konstruktion vor. Programmiert wird von den Werkern am CAM-Programmierplatz im Werkzeugbau oder direkt an den Maschinen. Die Arbeitsgruppen organisieren sich selbst und liefern als "Output" die fertigen Bauteile, Baugruppen und Werkzeuge zum vorgegebenen Termin. Zwischen Input und Output liegen alle Möglichkeiten der Verbesserung, um die sich die Mitglieder einer Arbeitsgruppe bemühen. Grundlage sind die Problemlösungstechniken CIP (Continue Improvement Process) beziehungsweise KVP (kontinuierlicher Verbesserungsprozess). Der aktuelle Stand zwischen Zielvereinbarung und Prob-lemlösung wird an einem "CIP-Info-Board" dargestellt. Dazu der technische Berater Dieter Geißelsöder: "Durch unser Verbesserungsprogramm haben unsere Gruppen im Werkzeugbau sicherlich eine Spitzenstellung in der Firma erreicht. Ein Beispiel ist die allseitige Bearbeitung komplexer Teile für Montageautomaten durch das Drahterodieren. Es gibt viele gute Ideen, mit denen Geld gespart wird, und das interessiert unsere Führungskräfte. Deshalb werden die wichtigsten Verbesserungen von unseren Mitarbeitern und ihren Gruppensprechern jährlich in einer Präsentation vorgestellt und die Einsparungseffekte benannt."
Das Fertigungsverfahren Funkenerosion wird seit vielen Jahren genutzt. Der Cherry-Werkzeugbau hat acht Maschinen von Agie. Die älteste ist eine Schneiderodiermaschine Agiecut 200 von 1987, die bereits 150.000 Stunden gearbeitet hat. Des Weiteren stehen Erodiermaschinen wie Evolution und Excellence zur Verfügung. Die jüngste ist eine Agiecut Progress 3, die erst seit wenigen Monaten in Betrieb ist. Der Formenbau arbeitet mit einer Senkerodiermaschine Agietron Integral 2. Über die Investition in eine Agietron Hyperspark wird nachgedacht.
Walter Wagner zu den Anforderungen an die Arbeitsergebnisse beim Schneiderodieren: "Wir konstruieren Stanzwerkzeuge, wir bauen sie und wir setzen sie auf unseren Bruderer-Pressen ein. In diesem Interessensverbund müssen wir uns auf uns selbst, auf unsere Technik und Qualität verlassen können. Wir erleben auch Ausfallzeiten live, und das ist lehrreich. Unsere Werkzeuge für die Stanzereitechnik, aber auch die Teile, die wir an exponierter Stelle in den Montageautomaten einsetzen, müssen zu 100 % austauschbar sein. Das ist ein hoher Anspruch an ein Baukastensystem, das wir entwickelt und eingeführt haben. Problemloser Austausch ¿ das gilt für Ersatzteile, die auf Lager kommen, aber auch für den Stempel, der über Nacht durch Draht-erodieren ausgeschnitten werden muss." Dieter Geißelsöder: "Die Schneidwerkzeuge in unserer Stanzerei verarbeiten Blechdicken von 0,07 bis 1,0 mm. Besonders bei dünnen Blechen kommt es ja darauf an, mit engem Schneidspalt zu arbeiten, entsprechend genau muss auf Schneiderodiermaschinen gearbeitet werden. Ich behaupte, dass ein Stempel, der vielleicht 60 mm lang ist, allenfalls eine Abweichung von 2 µm hat. Das erst ermöglicht die volle Austauschbarkeit der Teile. Wir können bedingungslos Ersatzteile austauschen, ohne ausprobieren."
Das Drahterodieren komplexer Funktionsteile für den Sondermaschinenbau hat bei diesen Cherry-Teilen im Laufe der letzten zwanzig Jahre zu einer Kosteneinsparung von 80 Prozent geführt. Früher wurde gesägt, gefräst, die Teile wurden zum Härten weggeschickt und kamen wieder zurück, es folgten die Schleifarbeiten. Und jedes Teil musste einzeln gehandhabt werden. Heute geht man von Stahlplatten bestimmter Härte aus und schneidet die Teile funkenerosiv in mehreren Ebenen aus dem Vollen. Durch eine winkelgenaue "Wendetechnik" werden die notwendigen Toleranzen im µm-Bereich gehalten. Walter Wagner weist darauf hin, dass solches Know-how typisch für den Erfolg der Erodierer und deren KVP-Arbeit bei der Komplettbearbeitung von Präzisionsteilen für Montageautomaten ist. Seit 1992 werden auch die meisten Werkzeuge der Stanzereitechnik bei Cherry selbst hergestellt, wozu das gesamte System des Werkzeugaufbaus geändert, das heißt wartungsfreundlicher gestaltet wurde. Cherry baut Modulwerkzeuge bis zu einer Länge von 1.000 mm im eigenen Hause.
"Die Hersteller von Schneidwerkzeugen der Stanzereitechnik müssen
sich mehr und mehr auch mit Kunststoffen beschäftigen", weiß Franz-
Josef Sendler, Marketing/Produktmanagement der Agie GmbH, Schorndorf, zu berichten. Das trifft auch auf den Werkzeugbau der Cherry GmbH zu, wobei es hier in erster Linie um das Umspritzen von Stanzgittern geht. Noch vor Jahren wurde ein solcher Bedarf extern gedeckt, doch Cherry stellte einen erfahrenen Formenbauer ein, und es gelang innerhalb von zwei Jahren, diese Technik in einer 32fach-Form anzuwenden. Für Cherry bedeutete dies, die Kosten für die Herstellung der umspritzten Stanzstreifen zu senken. Dabei spielt das Senkerodieren eine wichtige Rolle. Zudem sind das Drahterodieren und der Austauschbau auch hier die Voraussetzungen, um ein Hightech-Werkzeug aufbauen und warten zu können. Walter Wagner weist auf die mögliche Laufzeit der Erodiermaschinen von 365 Tagen hin: "Je mehr Stunden wir im Jahr erodieren, desto niedriger werden die Kosten je Teil."
Autor: Klaus Malle