Die Bedeutung der Serviceleistungen nimmt seit Jahren zu – auch bei den Werkzeugherstellern. Mit innovativen Ideen und kreativen Lösungen entwickeln die Präzisionswerkzeughersteller weltweit funktionierende Serviceangebote, die den Anwender rund um den Globus mit Zusatzdienstleistungen zum Kernprodukt Werkzeug unterstützen. So bietet etwa die Tübinger Walter AG mit ihrer neuen Kompetenzmarke für Dienstleistungen – Walter Multiply – ihren Kunden „ein maßgeschneidertes Angebot, das sie entlang der gesamten Prozesskette dabei unterstützt, Kosten und Komplexität zu reduzieren, so der Vorstandsvorsitzende Andreas Evertz. Für den Anwender liege das größte Potenzial in der Verbesserung der gesamten Prozesskette: „Da fließen Faktoren wie beispielsweise Maschinenlaufzeiten, Ausschussminimierung, Erhöhung des Ausstoßes oder ein effizienterer Einsatz des Personals mit ein. Dadurch sind wir in der Lage, unseren Kunden Einsparpotenziale von 20 bis 50 Prozent und sogar darüber hinaus zu bieten." Welches Glied in der Prozesskette die größte Effizienzsteigerung verspricht, ist natürlich von Kunde zu Kunde unterschiedlich. Das neue Service-Konzept behandelt alle zerspanungsrelevanten Aufgaben, die bei der Herstellung eines Bauteils anfallen. Das beginnt bei vorgelagerten Schritten wie Beschaffung und Planung und geht über den eigentlichen Produktionsprozess bis hin zu Entsorgung und Wiederaufbereitung der Werkzeuge. Entlang dieser Prozesskette, so Michael Schneider, Direktor Services & Engineering der Walter AG, „haben wir die vier Service-Bereiche Planung, Produktion & Logistik, Instandhaltung sowie Training & Know-how entwickelt". Die Standardisierung dieser vier Service-Bereiche mit ihrem „geballten Hersteller-Know-how" biete die Gewähr, „dass wir weltweit dieselbe, gleichbleibend hohe Qualität liefern können". Aber natürlich sind die Prozesse bei jedem Kunden unterschiedlich und erfordern eine ganz individuelle Vorgehensweise. Deshalb wird beispielsweise in den Bereichen Planung, Produktion & Logistik zunächst die konkrete Kundensituation analysiert, um gemeinsam die effektivste Bearbeitungsstrategie für genau diese Situation zu entwickeln. Auch die Inhalte der Trainings können individuell mit dem Kunden abgestimmt werden. Nur durch das intensive Zusammenspiel zwischen Anwender, Werkzeug-Lösungspartner und Maschinenanbieter lassen sich die bestmöglichen Ergebnisse erzielen. Kosten deutlich reduziert Bei dem Bereich Toolroom Setup wird beispielsweise die konkrete Situation des Kunden analysiert und ein „schlüsselfertiger" Werkzeugvoreinstellraum eingerichtet. Das verschafft dem Kunden Kapazität, verringert seine Investitionen und erhöht seine Maschinenauslastung und Ausbringung. Unter dem Strich reduzieren sich damit seine Kosten pro Bauteil signifikant. Der Bereich Walter Productivity Services (WPS) zeigt durch eine detaillierte Analyse der gesamten Prozesskette, bei der sämtliche Einzelkosten berücksichtigt werden, konkrete Einsparpotenziale auf. Das Ergebnis kann ein vollständig neuer Prozess oder die Optimierung eines bereits bestehenden Ablaufs sein. „Das Konzept enthält ganz klare Leistungsversprechen", macht Michael Schneider deutlich, „in den meisten Fällen übertreffen wir die vereinbarten Leistungen sogar". Um die Maschinenkapazitäten des Kunden nicht in Anspruch zu nehmen, kann der Prozess statt im Originalumfeld auch im Walter Technology Center eingefahren und optimiert werden. Dort stellt Walter Multiply den Kundenprozess nach und fertigt die ersten Bauteile. Erst wenn der Prozess reibungslos läuft, wird er beim Kunden implementiert. Als „Königsdisziplin des Werkzeug-Managements" bezeichnet Schneider das Angebot CPP (Cost per Part): Der Kunde bezahlt dabei nicht mehr für die Werkzeuge, sondern für die gefertigten Bauteile. Walter Multiply betreut die komplette Fertigungslinie, liefert die benötigten Werkzeuge und stellt das Personal für die Optimierung: „Hier verkaufen wir reine Produktivität. Als Werkzeug-Hersteller haben wir sogar ein Interesse daran, die besten Werkzeuge zu verwenden und so wenig wie möglich davon einzusetzen. Der Kunde kann sich also sicher sein, dass wir alles daran setzen, den Prozess so perfekt wie möglich zu gestalten." Den Vorteil dieses „perfekt orchestrierten und aufeinander abgestimmten Dienstleistungsangebots" bringt Michael Schneider so auf den Punkt: „Der Kunde kauft nicht mehr die Katze im Sack sondern bekommt von uns klare Leistungsversprechen und optimale Prozesse." Mit weltweit 34 Niederlassungen in nahezu allen Zeitzonen sind die Tübinger Werkzeugspezialisten für die globalen Anforderungen einer umfassenden Dienstleistungsbereitschaft rund um die Uhr bestens aufgestellt, um „unser Angebot an jedem beliebigen Ort mit der gleichen Qualität abliefern zu können". Intelligente Werkzeugdienstleistungen reduzieren Gesamtkosten Auch für die Mapal Dr. Kress KG, Aalen, sind Dienstleistungen eine optimale Ergänzung des Gesamtpaketes zur Bündelung der Kernkompetenzen. Dipl.-Ing. (FH) Frank Stäbler, Leitung Tool Management und Werkzeuglogistik, erläutert es so: „Unsere Erfahrung in allen Bereichen der Werkzeugtechnik, aber auch der kompletten Zerspanungskette, findet ihren Niederschlag im innovativen Dienstleistungsprogramm Complete Process Management." Maßgeschneiderte Angebote reichen von Prozessauslegung, Prozesseinführung und Logistikdienstleistungen über Toolmanagement und Optimierungsdienstleistungen bis hin zu kompletten „Re-Tooling-Projekten" bei bestehenden Fertigungsanlagen. Mit diesem Angebot, so Frank Stäbler, „bieten wir die Möglichkeit, in der Produktion der Kunden optimale Ergebnisse zu erzielen und dabei deren Fertigungskosten erheblich zu senken". Kapazitäten gewinnen Losgelöst von den reinen Werkzeugkosten wird der Einfluss der Werkzeuge auf den Produktionsablauf und die gesamten Fertigungskosten oft unterschätzt. Eine ungenügende Lagerüberwachung, falsche Disposition oder das Suchen von Werkzeugen führen häufig zur Reduzierung der Gesamtverfügbarkeit von Maschinen. Riesige Werkzeuglager und eine große Lieferantenvielfalt, die über die Jahre aufgebaut wurde, sind weitere Probleme vieler Unternehmen. Frank Stäbler: „Intelligente Werkzeugdienstleistungen setzen genau dort an, um neben den direkten Werkzeugkosten auch diese indirekten Kosten, zum Beispiel in der Werkzeugverwaltung oder Lagerhaltung, transparent zu machen und zu reduzieren. Hier findet seit einiger Zeit ein Umdenken bei den Kunden statt. Angesichts dieser Argumente gibt es ein höheres Bewusstsein für die Vorteile einer Dienstleistung rund ums Werkzeug." Allein die Logistik rund um den Werkzeugeinsatz stellt einen sehr hohen Aufwand an Zeit und Kosten dar. Sie reicht von Beschaffung und Disposition, Demontage und Montage bis zur Wiederaufbereitung von bereits im Einsatz befindlichen Werkzeugen. Die Reduzierung der Werkzeugvielfalt, die Optimierung der Ablauforganisation sowie der Abbau von Lagerbeständen tragen erheblich zur Kostenreduzierung bei. Der Kunde selbst gewinnt Kapazitäten und kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Darüber hinaus bietet eine Tool Management Dienstleistung den wichtigen Vorteil, dass die Berechnung meist nach Anzahl produzierter Bauteile erfolgt. So hat der Kunde optimierte und vor allem transparente Kosten, speziell bei schwankender Auftragslage. win-win-Situation für Dienstleister und Kunde Für Frank Stäbler geht der Trend aber noch weiter: „Wir sehen eine deutliche Nachfrage nach Dienstleistungspaketen, die kontinuierliche Prozessoptimierungen und Kostenreduzierungen beinhalten. Durch das umfangreiche Prozess- und Technologie-Know-how verhilft uns dieser Trend zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Logistik-Dienstleistern." Die wichtigste Voraussetzung für eine intelligente und erfolgreiche Servicestrategie ist die Bereitschaft des Kunden und des Dienstleisters, die Prozesse offen zu legen. Nur so ist es möglich, gemeinsam Prozesse zu analysieren, die Anforderungen detailliert auszuarbeiten, Potenziale zu erkennen und das Servicepaket zu definieren. „Auch hier", so Stäbler, „sehen wir einen ganz klaren Trend, dass Kunden diese Bereitschaft zunehmend mitbringen und Serviceprojekte in enger Zusammenarbeit mitgestalten, da die ‚win-win-Situation’ für Dienstleister und Kunde deutlich ersichtlich ist. Unser Dienstleistungspaket ist wie ein Baukasten aufgebaut, sodass vom reinen Wiederaufbereitungsservice über ein Konsignationslager bis hin zur ‚Cost-per-part-Lösung’ alles möglich und kombinierbar ist". Die Anforderung „rund um die Uhr – rund um den Globus" ist Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Dienstleistungspaket. Mapal ist weltweit mit Niederlassungen und Produktionsstandorten auf allen wichtigen Märkten vertreten, getreu dem Unternehmensmotto „Wir sind da, wo der Kunde ist". Eine strikte Qualitätssicherung und ein weltweites IT-Netzwerk gewährleisten, „dass die Kunden überall auf der Welt einheitlich bedient werden können". Re-Tooling – eine neue Dienstleistung von Mapal Die Nachfrage nach Dienstleistungsangeboten steigt deutlich. Vor allem in Asien und osteuropäischen Ländern „wird verstärkt Wert auf qualifiziertes Fachpersonal des Werkzeugdienstleisters in den Bereichen Logistik, Voreinstellung und Technik gelegt. Als erfolgreich realisiertes Beispiel aus der letzten Zeit nennt Stäbler ein „Re-Tooling-Projekt, das wir in Zusammenarbeit mit einem Automobilzulieferer in der Slowakei gemacht haben". Re-Tooling ist eine neue Dienstleistung von Mapal und bedeutet das Umrüsten eines vorhandenen Maschinenparks auf neue Werkstücke – ohne Invest in neue Maschinen. Im konkreten Fall mussten vorhandene doppelspindlige Bearbeitungszentren für die Bearbeitung von zwei neuen Schwenklagern umgerüstet werden. Dabei waren neben den Werkzeugen und Spannzeugen auch die NC-Programme und Vorrichtungen Teil der Projektaufgabe. Diese Aufgabe, so Stäbler stolz, „haben unsere Experten mit Bravour gemeistert, dank eines technologisch führenden Bearbeitungsprozesses und des engagierten Einsatzes der Spezialisten vor Ort und im Stammwerk in Aalen".