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Drei Firmen, drei Länder, drei Strategien

Der Erste übernimmt eine Traditionsmarke, der Zweite gewinnt Technologiepreise, der Dritte setzt auf steigende Qualitätsansprüche in Schwellenländern: Über ihre Strategien in Sachen Krisenbewältigung und Globalisierung berichten drei namhafte Werkzeugmaschinen-Hersteller aus Deutschland, Japan und der Schweiz. Gemeinsamer Nenner: Sie stellen auf der EMO Hannover 2011 aus.

Die Krise wirkte sich für die Index-Werke GmbH & Co. KG in Esslingen durchgehend über alle Märkte und Branchen aus. „Maßgebend war dabei - sowohl im Ab- wie auch im Aufschwung - die Automobilindustrie", sagt Reiner Hammerl, Geschäftsführung Vertrieb. „Wir haben mit Sparmaßnahmen und Kurzarbeit auf den Geschäftsrückgang reagiert." Index habe allerdings in geringerem Maß Entwicklung und Dienstleistungsbereich zurückgefahren. Nur so konnten das Unternehmen nach eigenen Angaben sicherstellen, bereits während der Krise wie auch im Rahmen der bevorstehenden EMO Hannover 2011 neue Produkte und Dienstleistungen vorstellen zu können. Hammerl: „Wir freuen uns auf die EMO, in deren Rahmen wir wieder neue Maschinen der Marken Index und Traub präsentieren werden."

Antriebsquartett mit zweimal zwei Spindeln

Zu den Innovationen zählen beispielsweise: Das Dreh-Fräszentrums Index R200 mit seinen beiden kraftvollen Motor-Frässpindeln und zwei verfahrbaren Arbeitsspindeln zerspant laut Hersteller auch in 5-Achs-Bearbeitung „äußerst produktiv und flexibel in zwei unabhängigen Teilsystemen". Bei Index MS40C handelt es sich um einen Mehrspindeldrehautomat zum Bearbeiten von Stangen- und Futterteilen, der sich mit bis zu zwölf CNC-Kreuzschlitten, Y-Achsen, Synchronspindeln und weiteren Optionen individuell erweitern lässt. Highlight des Traub TNL18-Langdrehautomaten ist nach Firmenangaben der neu konstruierte Werkzeugträger: Seine Drehbewegung wird als NC-Rundachse ohne mechanische Verriegelung ausgeführt und erlaubt die freie Winkelpositionierung der Revolver.

Die Werkzeugmaschinen aus Esslingen kommen in vielen Bereichen der Automobilzuliefer-Industrie zum Einsatz. Weitere wichtige Branchen sind Maschinenbau, Armaturen- und Fluidtechnik, Elektrotechnik, Luft-und Raumfahrttechnik sowie Feinwerk- und Medizintechnik. Das internationale Geschäft spielt eine wichtige Rolle: Brasilien ist für Index traditionell ein bedeutender Markt, in dem die Esslinger auch mit einem eigenen Produktionswerk vertreten sind.

Positiv: China und Indien

Die Märkte China und Indien entwickeln sich laut Geschäftsleitung sehr positiv. „Unsere Maschinen liefern wir dort in die gleichen Branchen wie in Europa", betont Hammerl. „Aufgrund der steigenden Qualitätsanforderungen in den Schwellenländern sehen wir unseren Absatzchancen in der Zukunft optimistisch entgegen." Beim Aufbau neuer Märkte sieht er als wichtig an, Maschinen in der jeweiligen Landessprache zu dokumentieren (Bedienoberflächen, Betriebsanleitungen) und ein besonderes Augenmerk auf die intensive Schulung und Unterstützung der Anwender zu legen.

Preise für neue Technologien

Während viele unter Krise vor allem den mittlerweile extremen, aber bereits überwundenen Geschäftsrückgang nach dem Banken-Desaster verstehen, ist der Begriff für Japaner aktuell. „Bislang stellen wir keine Auswirkungen der Japan-Krise auf unser Geschäft in Europa fest", erklärt Max Pieper, Vice-President der Okuma Europe GmbH in Krefeld. „Unsere Fertigungswerke in Japan - südlich von Nagoya - sind voll funktionstüchtig."

Das Unternehmen konnte daher in Ruhe neue Ideen entwickeln. Okuma setzt dabei auf Exklusivität. „Unsere „Only-One Technology" hebt sich von Wettbewerbern entscheidend ab", sagt der Vice-President. Die Rede ist von Verfahren wie „Machining Navi", „Thermo-Friendly Concept" und „Collision Avoidance System", die thermische Deformation, Kollisionen und Vibrationen in Maschinen verhindern. Pieper: „Wir haben diese Technologien erstmalig am Markt eingeführt und konnten damit diverse Preise gewinnen." Als ein Highlight bei den Anwendungen bezeichnet er die Komplettbearbeitung von Kegelräderwellen mit Spiralverzahnung auf Multus B750 Multitasking-Maschinen.

Okumas globale Märkte gliedern sich in viere Hauptregionen: Japan, Amerika, Europa und Asien-Pazifik. Das Unternehmen liefert vorwiegend in die Branchen: Fahrzeug- und Nutzfahrzeugbau, Landwirtschafts- und Straßenbaumaschinen, Luftfahrtindustrie, Öl- und Gasindustrie, Medizintechnik sowie Werkzeug- und Formenbau.

Keine spezielle Strategie für Schwellenländer

Eine spezielle Strategie für Schwellenländer hat Okuma nicht. Pieper: „Hochqualitative Standard-Werkzeugmaschinen sind in allen Ländern gefragt. Länderspezifische Unterschiede ergeben sich in der Komplexität der einzelnen Werkzeugmaschine." Länderspezifische Anpassungen nimmt das Unternehmen im Haus beziehungsweise in Zusammenarbeit mit unseren lokalen Händlern vor. Dabei gilt es vor allem, die von Land zu Land unterschiedlichen Sicherungsbestimmungen zu beachten.

Diese entspricht auch Okumas Strategie, standardisierte Werkzeugmaschinen herzustellen, die sich dank vieler Optionen individualisieren lassen. Auf der EMO Hannover 2011 präsentiert das Unternehmen unter anderem neue simultan arbeitende 5-Achs-Maschinen (Millac 33TU für Medizintechnik; VTM-1200YB für Luftfahrtindustrie) und seine „Only-One Technology".

Innovative Tochter in Deutschland

Der Rückgang des Geschäftes wirkte sich in der Krise bei der StarragHeckert AG aus Rorschacherberg (Schweiz) auf alle Branchen aus. „Es kam zu einem unterschiedlichen Auftragsrückgang in allen unseren Märkten: Aerospace, Transport, Energie und Engineering", sagt Dr. Frank Brinken, Präsident und CEO. „Im Vergleich zum Wettbewerb konnten wir jedoch in allen vergangenen Jahren immer schwarze Zahlen schreiben."

Trotz der Krise kam es nicht zu Kürzungen bei den Investitionen und Innovationen. Das Schweizer Unternehmen entwickelte zahlreiche neue Produkte, die es auf der EMO Hannover 2011 vorstellt. Dazu zählen beispielsweise die energieeffizienten Werkzeugmaschinen (eeMC - Energy Efficient Machining Center), das Multi-Tasking-Maschinencenter HEC 800 MT zum Fräsen, Drehen und Bohren sowie der Big Titanium Profiler BTP 5000 für die Bearbeitung von bis zu fünf Meter langen Strukturteilen für die Luftfahrtindustrie. Innovativ ist auch die kürzlich übernommene Tochter Dörries Scharmann Technologie GmbH aus Mönchengladbach.

Am Standort Bielefeld entstand unter dem Markennamen Droop + Rein beispielsweise ein Bearbeitungszentrum für die Dieselmotorenfertigung. Momentan exportiert das Unternehmen in die USA, nach Russland, Indien und Brasilien Fertigungssysteme für die Branchen Luftfahrt, Energie, Transport und Maschinenbau. Im Fokus stehen aber vor allem die asiatischen Schwellenländer, deren Organisationen Starrag Heckert bereits ausgebaut hat. Das Anpassen der Maschinen an das jeweilige Land geschieht mit Blick auf Sicherheitsvorschriften, Druckbehälterverordnungen, Verpackungen, Exportbestimmungen und auf sprachlicher Ebene. Dr. Brinken: „Für ein globales Unternehmen ist es selbstverständlich, dass man in der lokalen Sprache mit der Maschine kommunizieren kann."

www.index-werke.de
www.okuma.de
www.starragheckert.com

Index: Halle 16, Stand E 04
Okuma: Halle 27, Stand D 20
Starrag Heckert: Halle 13, Stand B 62



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