von Helmut Angeli Wer vor rund zwei Jahren die Vorhersage gewagt hätte, dass Mitte 2011 die Auftragsbücher der deutschen Werkzeugmaschinenbauer bis zum Anschlag voll sind, hätte wohl viel Kopfschütteln geerntet. Gottlob haben aber die meisten Hersteller die Krise genutzt, um Organisation und Produktion eine Frischzellenkur zu verpassen. Wir sprachen darüber mit Dr.-Ing. Achim Feinauer, Geschäftsführer der Stama Maschinenfabrik GmbH. Angesichts des derzeitigen Nachfragehochs kann man sich schon fast nicht mehr vorstellen, dass die Branche Ende 2008/Anfang 2009 mit einem niederschmetternden Auftragseingang konfrontiert wurde. Wann hat die damalige Krise eigentlich Stama so richtig erreicht? Die Krise hat uns im letzten Quartal 2008 erreicht, wenn auch die wirklich besorgniserregenden Rückgänge erst anfangs 2009 sichtbar wurden. Das einmalige an dieser Krise war ja, dass nicht nur das Investitionsverhalten schlagartig nachließ, sondern im gleichen Maße auch das Service- und Ersatzteilgeschäft rückläufig war. Was nichts anderes heißt, dass die Produktion bei unseren Kunden stillstand. So etwas hat die Branche in diesem Ausmaß und mit der Geschwindigkeit vorher noch nie erlebt. Welches Instrumentarium stand Stama zur Verfügung, um die Auswirkungen des Rückgangs wenigstens teilweise zu kompensieren? Wir haben die Arbeitszeitkonten gegen Null gefahren, dann Kurzarbeit angemeldet und schließlich unseren Personalstand in einer – auch aus heutiger Sicht – vernünftigen Größenordnung reduziert. Sprich, wir haben alles unternommen, um unsere Kostensituation den ungünstigen Gegebenheiten anzugleichen. Können sie diese „vernünftige Größenordnung" etwas näher erläutern? Wir haben damals die Belegschaft von 415 auf zirka 370 Mitarbeiter reduzieren müssen. Das schien uns seinerzeit als eine Größenordnung, bei der die interne Struktur des Unternehmens erhalten bleibt und die uns auch erlaubt, bei einem Nachfrageanstieg keine Probleme zu bekommen. Bedingung: Man macht seine Hausaufgaben während der Krise. Dann lassen Sie uns doch an den Ergebnissen der Überlegungen teilhaben? Wir haben eine Vielzahl von Prozessen auf den Prüfstand gestellt, und wo immer ein Verbesserungspotential sichtbar wurde, haben wir die einzelnen Prozesse genauer unter die Lupe genommen... …können Sie mir das anhand eines Beispieles einmal genauer erläutern? Eine Vorbemerkung: Stama liefert rund 70 Prozent aller Maschinen in einer kundenspezifischen Ausführung, aber es gibt dabei natürlich eine Reihe von Komponenten die noch relativ kundenneutral sind. Und die haben wir uns vor allem vorgenommen. Als Beispiel möchte ich nur einmal den Spindelbau nennen. Wir mussten in der Vergangenheit aus Kapazitätsgründen immer Spindeln zukaufen, in aller Regel sogar rund die Hälfte. Durch eine Reihe von Maßnahmen ist es uns gelungen, die interne Montagezeit von 20 auf nunmehr sieben Stunden zu reduzieren. Wir sind nun also in der Lage, nicht nur alle derzeit benötigten Spindeln hier in Schlierbach zu fertigen, sondern haben sogar noch etwas Luft für eventuelle Steigerungen. Zudem sind wir sehr flexibel, da die Montage immer als Losgröße 1 erfolgt. Ähnliche Überlegungen haben uns im Übrigen im Umfeld der Rumpfmontage eine Durchlaufreduzierung in einer Größenordnung von 20 Prozent gebracht. Bei der Vormontage unserer Drehachseinheiten konnten wir sogar bei einer um 20 Prozent geringeren Montagezeit die Durchlaufzeit glatt halbieren. All dies – und es gibt durchaus noch weitere Erfolge – sind Maßnahmen, die man in Hochzeiten nicht oder nur sehr schwerlich realisieren kann. Die bislang aufgeführten Maßnahmen und Erfolge betreffen vor allem die internen Abläufe. Wie hat man die Krise im Umfeld Konstruktion und Entwicklung genutzt? Wir werden die Ergebnisse unserer Bemühungen auf der EMO präsentieren. Aber vorab kann man schon einmal die Erweiterung der MT-2C Baureihe nennen. Wir stellen mit der MC 734/MT-2C ein Fräs-/Drehzentrum für Flanschteile bis 450 mm Durchmesser vor und wir werden einen Vierspindler mit Motorspindeln aus unserer eigenen Fertigung vorstellen. Ein Besuch des Stama-Standes wird sich also auf jeden Fall lohnen. Alle Welt spricht vom chinesischen Markt. Wie wichtig ist diese Region für Stama? Wir haben 2010 rund ein Drittel unseres Umsatzes mit chinesischen Unternehmen getätigt. Mehr braucht man über die Bedeutung Chinas für unser Geschäft wohl nicht zu sagen. Mit Stand heute kann man sicher von einer Hochkonjunktur im Umfeld der Werkzeugmaschinen sprechen. Was glauben sie, wie lange diese Hochphase anhält? Ich werde mich hüten, irgendwelche Statements zu zukünftigen Entwicklungen der Konjunktur im Werkzeugmaschinenbau abzugeben. Momentan spricht vieles für einen stabilen Aufschwung, aber die letzten Jahre haben uns gezeigt, wie schnell sich die Lage ändern kann. Stama kann mit dem derzeitigen Geschäftsumfang mehr als zufrieden sein. Wir haben in den besten Zeiten um die 200 Maschinen verkauft – das werden wir dieses Jahr noch nicht ganz erreichen, aber wir sind auf einem guten Weg.