Spangebende Metallbearbeitung




Produkt- & Firmensuche

Produktsuche:

Firmensuche:

Suchtext:

[ zurück ]

Schleifen oder Hartdrehen?

von Rudolf Beyer

Wohl selten findet man so viel praktische Erfahrung und Wissen übers Schleifen und dessen Alternative Hartdrehen vereint wie bei dem auf die Feinstbearbeitung spezialisierten Lohnfertiger Schahl GmbH. Zur Anwendung kommt das jeweils beste und günstigste Verfahren. Neben Hartdrehmaschinen dominieren für höchste Genauigkeitsanforderungen insgesamt acht Rundschleifmaschinen von Studer die Schleifbearbeitung. Weil deren Kapazität selbst im 3-Schicht nicht mehr ausreicht, kommt jetzt eine weitere Universal- schleifmaschine Studer S 33 hinzu.



Hätte Thomas Schahl nach seiner Lehre als Werkzeugmacher vor 27 Jahren in seiner Lehrfirma 50 Pfennig mehr Stundenlohn durchsetzen können, gäbe es die heutige Firma Schahl GmbH mit 40 Mitarbeitern in Winterbach vielleicht gar nicht – ein Unternehmen, das mit 25 Schleifmaschinen für das Außen- und Innenrundschleifen, Flach-, Gewinde-, und Zentrenschleifen sowie acht Hartdrehmaschinen zu den drei größten Lohnfertigern für die Feinstbearbeitung in Baden Württemberg zählt.

Thomas Schahl hatte sich nach seiner Lehre als Werkzeugmacher das Rundschleifen als Aufgabengebiet ausgesucht. Ein Bearbeitungsverfahren, das damals lange Maschinenlaufzeiten und damit wenig Stress versprach. Als sein Meister das merkte und ihn nebenher mit Gabelstaplerfahrten beauftragte, hatte er eine bessere Idee. Die Firma solle doch eine zweite Rundschleifmaschine neben die von ihm betreute stellen und er könne dann beide bedienen. Das leuchtete den Verantwortlichen ein, zumal der Bedarf für eine zweite Maschine vorhanden war. Nun wollte Thomas Schahl aber auch am Produktivitätsgewinn partizipieren. Mit dem Hinweis auf Kollegen, die wesentlich länger im Unternehmen seien, wurde ihm das verweigert. Er kündigte und wechselte zu einen kleinen Lohnfertiger, der mit einer Innenrund- und einer Außenrundschleifmaschine gut beschäftigt war. Als der Inhaber schwer erkrankte und Thomas Schahl um seinen Arbeitsplatz fürchtete, übernahm er1985 das kleine Unternehmen in Schorndorf samt Kundenstamm und gründete die Firma Schahl GmbH.

Weiter ausgebaut

Glück hat der Tüchtige; bereits nach zwei Monaten wurde der erste Mitarbeiter eingestellt, denn der Hauptkunde drohte mit mehr Aufträgen. Eine zweite Rundschleifmaschine wurde gekauft. Der Arbeitstag hatte 14 oder 15 Stunden, zusätzliche Mitarbeiter wurden eingestellt, weitere Maschinen kamen hinzu. 1990 wurde aus Platzgründen der Firmensitz nach Winterbach verlegt. Thomas Schahl: „Unsere erste neue Außenrundschleifmaschine war eine Kellenberger KEL-Vision, auf der wir auch heute noch schleifen. Die damals noch bei Hardinge in den USA nach den dortigen Maßeinheiten gefertigte Maschine war zwar gut, machte allerdings zeitliche Probleme bei der Ersatzteilversorgung, deshalb haben wir gesagt, ok, wir brauchen eine Alternative. So kam Studer ins Spiel." Gebietsverkaufsleiter Ralf May von der Studer-Vertretung Ilg und Sulzberger erinnert sich: „Die Firma Studer hat der Firma Schahl damals eine Leihmaschine hingestellt." Thomas Schahl : Es stellte sich schnell heraus, die Maschine ist gut, der Service wesentlich besser, denn die Studer Service-Techniker wohnen in der Gegend und sind schnell vor Ort. 2003 hat uns die Firma Studer dann mit der „ECO", die erste neue Studer Rundschleifmaschine verkauft, eine Vorgängerin der Studer S33, die bei uns hauptsächlich im Einsatz ist."

Nur beim Schleifen blieb es aber nicht, wie Thomas Schahl weiter ausführt: „Vor sechs Jahren haben wir das Hartdrehen angefangen, das bei unseren Kunden ebenfalls gut eingeschlagen hat. Ein Vertreter der Firma Kummer hatte mir damals erzählt, dass die Fertigungs-Qualität beim Hartdrehen eigentlich gleich wie beim Schleifen sei. Wir haben das bei der Bohrungsbearbeitung von Zahnrädern getestet. Es war qualitativ tatsächlich so und vor allem wesentlich schneller als Schleifen. Bei diesem Teil musste nämlich außer der Bohrung vorne ein Radius und durch die Bohrung hinten eine Fase angeschliffen werden. Beim Schleifen hat man da Schwierigkeiten, beim Hartdrehen war das genial einfach. Das positive Ergebnis hat unseren Kunden überzeugt. Die Verfahrensänderung war relativ schnell genehmigt, denn das Einsparpotenzial war beeindruckend. Seitdem ist das Hartdrehen bei uns eine echte Alternative zum Schleifen."

Nachfolge gesichert

Die acht Hartdrehmaschinen haben bis auf eine ihren Platz in der vor drei Jahren neu gebauten Produktionshalle gefunden und werden vom jüngsten Sohn Benjamin Schahl betreut. Thomas Schahl hat nämlich das Glück, bereits jetzt seine beiden Söhne als Nachfolger im Unternehmen einarbeiten zu können.

Mit seinen 25 Schleifmaschinen für das Außen- und Innenrund-, Gewinde-, Flach- und Zentrenschleifen muss der andere Sohn Patrick Schahl täglich beweisen, ob Schleifen das bessere Verfahren ist. Sein Vorteil, manche Teile lassen sich gar nicht oder auf Grund der hohen geforderten Oberflächengüten nur durch Feinschleifen fertigen. Und da hat er besonders mit den acht Rundschleifmaschinen von Studer natürlich gute Karten. In der 2002 bezogenen Produktionshalle stehen heute eine Studer S20 mit 400 mm Schleiflänge, eine Studer S30 mit 1600 mm Schleiflänge, eine Studer S31 zum Außen-, Innen-, und Gewindeschleifen mit 1000 mm Schleiflänge, eine Eco 650 zum Außenschleifen mit 650 mm Schleiflänge, eine Studer S33 zum Außenschleifen mit 1.000 mm Schleiflänge und zwei Studer S33 zum Außen- und Innenschleifen mit 650 mm Schleiflänge.

Patrick Schahl: „Was früher in H7 Qualität war wird heute als H4 verlangt – übrigens zu gleichen Kosten. Auch die Anforderungen an die Oberflächengüte und besonders an den Traganteil sind gestiegen, weil Dichtflächen genauer oder Bohrungen oft direkt als Lagersitze benutzt werden. Hohe Traganteile verlangt heute jeder, doch wenn man mal genau hinterfragt, kann keiner so genau sagen, was das ist und wofür es erforderlich ist."

Die zu fertigenden Stückzahlen reichen von Einzelteilen und Kleinserien bei Kunden aus dem Werkzeug- und Maschinenbau sowie namhaften Unternehmen aus ganz Deutschland bis unendlich bei einem Hauptkunden in Fellbach, der zweimal täglich 300 oder 400 gehärtete Teile für seine Präzisionsgetriebe bringt und wieder abholt – einmal um 8:30 Uhr und einmal um 16:00 Uhr. Patrick Schahl: „Unsere Fertigungsabläufe sind darauf seit langem eingespielt: Jeden Morgen erhalten wir von diesem Hauptkunden, mit dem wir 60 Prozent unseres Fertigungsvolumens abwickeln, eine Liste mit den zu fertigenden Teilen. Da haken wir ab, was wir bis zum nächsten Tag hinkriegen oder wozu wir manchmal zwei Tage Lieferzeit benötigen. Die früheren Losgrößen von 2.000 Ritzeln oder mehr waren uns von der Abwicklung her natürlich wesentlich lieber. Bei 400 oder auch nur 200 Ritzel in gleicher Ausführung müssen wir zwischendurch dauernd um rüsten. Das ist sehr aufwändig, aber wir sind dadurch flexibler und unser Kunde kann in seiner Fertigung ebenfalls rascher auf seine Kundenanforderungen reagieren."

Programmanpassung direkt an der Maschine

Mehr als 90 Prozent aller Teile bei Firma Schahl sind Wiederholteile, für die keine Neuprogrammierung erforderlich ist. Programmanpassungen werden direkt an der Maschine vorgenommen, obwohl die Software auch für einen externen Programmierplatz vorhanden ist. Bei den relativ kleinen Stückzahlen ist schnelles Umrüsten das Hauptthema. Da soll auch die 5te Rundschleifmaschine vom Typ Studer S 33 dabei helfen, die im September geliefert wird. Neben dem neuen Schleifkopf mit zwei Motorspindeln für das Außenschleifen und einer Innschleifvorrichtung hat beim Kauf besonders auch die neue WIN- Oberfläche überzeugt. Durch die hohe Flexibilität der Maschine in Kombination mit „Studer-Quick-Set" lässt sich die Maschine äußerst schnell umrüsten.

Thomas Schahl: „Eigentlich hatte ich mir während der jüngsten Wirtschaftskrise geschworen, keine neue Maschine mehr zu kaufen. Als wir 2009 finanziell ums Überleben kämpften, kannten uns die Banken, mit denen wir jahrelang zusammen gearbeitet hatten, nämlich plötzlich nicht mehr als der eine oder andere Auftrag ausblieb, die Leasingraten aber fällig wurden. Glücklicherweise ginge es dann ja wieder rasant aufwärts. Man sagt zwar, die Abhängigkeit von einem Großkunden ist gefährlich, aber selbst in der größten Krise sind wir von diesem immer mit Arbeit versorgt worden. Zwar mit weniger, aber doch immer so, dass unsere Leute zu tun hatten. Mit Kurzarbeit mussten wir nur ein halbes Jahr zurecht kommen. 2011 wird unser absolutes Rekordjahr."

Mittlerweile hat die Firma Schahl doch wieder eine ganze Reihe neuer Maschinen bestellt, denn das Unternehmen will seine Wachstumschancen wahrnehmen. Eine neue Zeiss-Koordinatenmessmaschine Prismo Navigator 5 S-ACC mit Sondergenauigkeit dient den weiter steigenden Qualitätsanforderungen und eine soeben installierte Rundschleifmaschine von TOS für 500 mm Schleifdurchmesser und 3 m Schleiflänge erweitert das Angebotsspektrum für das Schleifen extrem großer und langer Werkstücke. Eine bereits bestellte zusätzliche Hartdrehmaschine von Kummer wurde wegen dem extrem teuer gewordenen Schweizer Franken vorerst mal storniert, die Bestellung der neuen Maschine S33 von Studer aber aufrechterhalten, weil die zusätzliche Kapazität dringend benötigt wird.

Ein neues Geschäftsfeld wurde jüngst auch noch erschlossen. Thomas Schahl: „Wir sind dafür bekannt, dass wir nahezu alles schleifen können und wurden wiederholt gefragt, ob wir nicht auch Messer schärfen könnten. Als ich dann auf einer Messe eine kleine Messer-Schärfmaschine sah, habe ich die einfach gekauft und biete jetzt auch noch einen Messerschleif-Service an."

www.studer.com | Halle 11, Stand D32
www.schahl-gmbh.de | www.ilg-sulzberger.de



Druckansicht
Seite an einen Freund senden

Publikationen

 BLECH
 EuroLaser
 Konstruktion & Entwicklung
 NC-Fertigung


Fachmessen

22.05.12-25.05.12
OPTATEC
Die internationale Fachmesse optischer Technologien, Komponenten, Systeme und Fertigung für die Zukunft
(Frankfurt / Main)

22.05.12-24.05.12
SENSOR+TEST 2012
Die Messtechnik-Messe
(Nürnberg)

alle Termine im Überblick


Veranstaltungen / Hausausstellungen

13.06.12-14.06.12
Stuttgarter Lasertage
Highlights und Innovationen aus der Fertigungstechnik mit Lasern
(Stuttgart)

alle Termine im Überblick