von Helmut Angeli Dass bodenständig und hochinnovativ keine Gegensätze zu sein brauchen, beweist Knoll Maschinenbau GmbH seit Jahren. Vielleicht liegt in dieser Konstellation vielmehr sogar das Erfolgsgeheimnis des Unternehmens begründet. Wir haben deshalb bei Geschäftsführer Matthias Knoll einmal nachgefragt, was man denn in Bad Saulgau so alles anders macht. In der einschlägigen regionalen Presse war nachzulesen, dass Knoll Maschinenbau auch dieses Jahr wieder im größeren Stil in den Standort Bad Saulgau investieren wird. Was genau ist denn nun geplant? lnsgesamt werden wir rund zehn Millionen Euro ausgeben. Der Großteil der nun bevorstehenden Investition entfällt dabei auf ein neues 2.300 Quadratmeter großes Versandgebäude inklusive Geländesanierung, Büroerweiterung und LKW-Stellplätzen. Zudem planen wir neue Maschinen und Einrichtungen für die Blechbearbeitung und die spanabhebende Fertigung, ebenso wie Investitionen in Logistik, Automatisierungstechnik und den Fuhrpark… …bei einem derartig hohen Investitionsaufkommen darf man doch vermuten, dass dies keine ad-hoc-Entscheidung war, sondern noch im Umfeld der letzten Wirtschaftskrise getroffen wurde… …wir sind Teil einer Branche, die schon traditionell durch ein fast zyklisches Auf und Ab geprägt ist. Die letzte Krise war sicher in ihrer Ausprägung tiefer als alle anderen zuvor, aber, so unsere Überzeugung, Unternehmen aus dem Umfeld Metallbearbeitung können es sich nicht leisten, auf Investitionen zu verzichten. Wir sind in einem weltweiten Wettbewerb und den kann nur bestehen, wer auf hochproduktive Fertigungsmittel und eine effiziente Infrastruktur zurückgreifen kann. Davon darf man sich auch von ungünstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen nicht allzu sehr abhalten lassen und deshalb haben wir die Krise auch dazu genutzt, alle Investitionen bis zur Realisierungsreife vorzubereiten. Und noch eines: Wir werden trotz der angesprochenen Krise auch dieses Vorhaben gänzlich aus Eigenmitteln bestreiten… …was für eine außerordentliche Eigenkapitalquote spricht… …so ist es. Es gehört zu den Grundpfeilern unserer Firmenphilosophie, die Gewinne im Unternehmen zu belassen und so die nötige Liquidität für die Unternehmensentwicklung sicherzustellen. Wir weisen eine Eigenkapitalquote von höher 80 Prozent auf und sind damit weitgehend unabhängig von der Finanzwirtschaft. Für unseren Vater war dies immer ein Kennzeichen gesunden Unternehmertums, und mein Bruder und ich haben dies eins zu eins übernommen – und mehr noch: Das Prinzip von Ordnung, Sauberkeit und Disziplin gehört ebenso zu den Grundsätzen des Familienunternehmens. Ein weiterer Eckpfeiler der Firmenphilosophie scheint zu sein, dass vor allem am Stammsitz in Bad Saulgau investiert wird. Ist das nur Heimatverbundenheit?. Es ist richtig, wir produzieren ausschließlich am Standort Bad Saulgau und investieren hier in Technologie, qualifizierte Mitarbeiter und Ausbildung. Damit stellen wir eine schlanke Logistik und effektive Kommunikation sicher. Außerdem sind die Verbundenheit und Verantwortung zur strukturschwachen Region in der Firmenphilosophie fest verankert. Trotzdem müssen wir uns natürlich der Tatsache stellen, dass die zunehmende Globalisierung auch uns vor die Frage stellt, wie wir unsere Präsenz auf den Exportmärkten künftig sicherstellen und ausbauen können. Etwa zwei Drittel unserer Produkte gehen ins Ausland, teils direkt, teils indirekt über den Werkzeugmaschinenbau. Natürlich würden es deutsche Werkzeugmaschinenhersteller mit Produktionswerken im Ausland nicht ungern sehen, wenn ein wichtiger Zulieferer wie wir mit einer eigenen Fertigung folgen würde, wobei dies für uns aber in erster Linie ein Thema im Umfeld After Sales und Service ist. …Stichwort ,qualifizierte Mitarbeiter und Ausbildung’. Wenn ich denn recht informiert bin, dann ist die Ausbildungsquote über die Jahre immer zweistellig gewesen. Rechnet sich das für das Unternehmen überhaupt? Die Ausbildungsquote ist in der Tat mit zirka 12 Prozent traditionell sehr hoch. Das hat zwei Gründe. Zum einen stellen wir uns als Familienunternehmen in einem immer noch relativ strukturschwachen Raum der sozialen Verantwortung für unsere jungen Mitbürger. Zum anderen profitieren wir als High-Tech-Betrieb natürlich von den gut ausgebildeten jungen Mitarbeitern. Das ist unser Kapital von morgen. Zudem bieten wir überdurchschnittlich engagierten und qualifizierten Mitarbeitern über unseren so genannten Talent-Pool an, dass wir sie in einem weiterführenden Ausbildungsgang bis hin zum Studium finanziell unterstützen. Damit ist für diesen Personenkreis keine weitergehende Verpflichtung verbunden, aber wir knüpfen daran schon die Hoffnung, dass der Mitarbeiter nach Abschluss der jeweiligen Maßnahmen wieder zu uns zurückkommt. Zu hören war, dass man auch 2009 und 2010 schwarze Zahlen geschrieben hat. Wie macht man dies, wenn die Branche um mehr als 60 Prozent einbüßt? Durch eine massive Reduzierung der Arbeitsstunden im Rahmen unserer flexiblen Arbeitszeit und der Kurzarbeit. Außerdem haben wir befristete Arbeitsverträge teilweise nicht verlängert und die Zahl der Leiharbeiter reduziert, konnten dafür aber auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Betriebsrat und Mitarbeiter haben großen Anteil daran, dass wir unbeschadet über die Krise gekommen sind. So haben beispielsweise die Mitarbeiter, die nicht von der Kurzarbeit betroffen waren, auf einen entsprechenden Teil ihres Gehaltes verzichtet. Darunter übrigens selbstverständlich auch die Geschäftsführer und Abteilungsleiter. In diesem für uns alle sicher nicht einfachen Zeitraum hat sich das enge Miteinander von Unternehmen und Mitarbeitern sehr bewährt. Gleichzeitig haben wir entschieden, dass alle wichtigen Zukunftsprojekte in Forschung und Entwicklung weitergeführt und die anstehenden Investitionen soweit vorbereitet werden, dass sie bei einer Besserung sofort realisiert werden können. ...und wie ist die aktuelle Geschäftslage? Unsere Planung sieht für 2011 eine Umsatzsteigerung von rund 45 Prozent vor, das bedeutet, dass wir die 100-Millionen-Umsatzmarke wieder durchbrechen werden. In diesem März hatten wir übrigens den höchsten Auftragseingang seit Bestehen des Unternehmens zu verzeichnen. Die sehr gute Beschäftigungslage lässt auch die Belegschaft wachsen. Bis Ende des Jahres werden es voraussichtlich rund 800 sein, nachdem es Anfang dieses Jahres noch 730 waren. Letzte Frage: Wie geht es Ihrem Vater? Nach einer weiteren Hüftoperation ist unser Vater seit einigen Monaten leider „außer Gefecht" gesetzt. Die Geschäftsleitersitzungen finden deshalb wöchentlich bei einem Arbeitsessen im „Hotel Mama" statt. Hier diskutieren wir die Lage und treffen die eine oder andere Entscheidung. Wissen Sie, schon die Anwesenheit unseres Vaters im Unternehmen war für viele Mitarbeiter elektrisierend. Er ist ja nicht nur Chef, sondern für viele eine Art Vaterfigur im weitesten Sinne, der sich auch um die Eingliederung von Migranten, Wohnungssuche und -einrichtung kümmert und Ratgeber in vielen Angelegenheiten ist. www.knoll-mb.de | Halle 7, Stand A26