von Helmut Angeli Der Trend hin zur Komplettbearbeitung und Integration unterschiedlicher Technologien, stellt Steuerungshersteller vor neue Aufgaben. Für die Dr. Johannes Heidenhain GmbH als Technologieführer in Sachen Frässteuerung heißt dies: Integration von Drehfunktionen Auf der EMO 2011 wird auf dem Heidenhain Stand der Öffentlichkeit zum ersten Mal die neue TNC 640 vorgestellt. Das ist – meine Meinung – deutlich mehr, als nur eine Produktneuvorstellung. Damit dokumentiert sich auch und vor allem das Bemühen der Traunreuter, künftig bei allen Entwicklungen auf nur mehr einen einzigen NC Kern zuzugreifen. Das schafft echte Vorteile, denn durch die gleiche Art der Parametrierung und Softwarekonfiguration ergeben sich deutliche Erleichterungen für die eigene Entwicklungsabteilungen, vor allem aber auch Vorteile für die Endkunden. Wer die neue TNC 640 also ,nur‘ als eine neue Steuerung versteht, der liegt falsch. Die TNC 640 basiert zwar auf der seit längerem eingeführten TNC 620, wurde aber um komplexe Fräs- und Drehfunktionalitäten erweitert. Das wiederum heißt, dass die Softwarestrukturen komplett neu erarbeitet werden mussten. Denn: Alle Steuerungen aus Traunreut sollen künftig ausschließlich auf dem für diese Steuerung entwickelten NC-Kern basieren und das ist so ganz einfach nicht, denn das gesamte über viele Jahre angesammelte Know-how soll in dieser Neuentwicklung verfügbar sein. Alle Funktionalitäten sind praxisgeprüft Wobei, so Dipl.-Ing. Udo Nowak, der als Leiter Produktmanagement Anwendungstechnik die Entwicklung maßgeblich begleitete, eines recht verstanden wissen will: „Obwohl die Softwarestrukturen absolut neu sind, ist die TNC 640 eine konsequente Weiterentwicklung und Integration bereits vorhandener und praxiserprobter Systeme. Basis ist eine markteingeführte TNC 620, die um die Drehfunktionalität – die wir den Heidenhain-Drehsteuerungen übernehmen konnten – und komplexe Fräsfunktionalitäten, wie aus der iTNC 530 bekannt, erweitert wurde. Unser Kunde bekommt also eine Steuerung, deren gesamte Funktionalität bereits in der Praxis ihre Stärken bewiesen hat." Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das technologische Aushängeschild, die iTNC 530, kann durch die TNC 640 noch nicht ad hoc ersetzt werden, denn immerhin gilt die iTNC der gesamten Branche als der Benchmark bei komplexen Aufgabenstellungen aus der Fräsbearbeitung. Erste Pilotversuche aber haben gezeigt, dass auch der derzeitige realisierte Funktionsumfang der TNC 640 schon mehr als nur gehobenen Ansprüchen genügt. Bei Heidenhain liest sich das so: „Seit zehn Jahren ist die Heidenhain iTNC 530 die High-End-Steuerung für Fräsanwendungen. Die iTNC 530 wird nun schon seit drei Jahren von der TNC 620 begleitet – der Fräsmaschinen-Steuerung von Heidenhain für das Einstiegssegment, die auf der neuen Heidenhain Software-Plattform NCK basiert. Mit kompakten Abmessungen und bis zu sechs Regelkreisen ist die TNC 620 die optimale Lösung für einfache Maschinen. Ab Anfang 2012 wird Heidenhain eine neue High-End-Steuerung anbieten, die TNC 640. Die TNC 640 basiert ebenso wie die TNC 620 auf der neuen Heidenhain Software-Plattform NCK und auch die Hardware der TNC 640 basiert auf einer neuen, volldigitalen Hardware-Plattform." Drehbearbeitungen im Klartext-Dialog programmieren Und weiter: „Die TNC 640 eignet sich für HSC- und 5-Achs-Bearbeitungen mit Maschinen bis zu 18 Achsen. Sie wird als erste Fräsmaschinen-Steuerung aus dem Hause Heidenhain optional mit Dreh-Funktionen ausgestattet. Somit erweitert Heidenhain sein Angebot für High-Performance-Steuerungen auf ein bisher nicht abgedecktes Marktsegment – die Komplettbearbeitung. Es ist nun möglich, auf einer Fräsmaschine mit TNC 640 auch Drehbearbeitungen durchzuführen. Dabei können die Drehbearbeitungen – wie gewohnt – im Klartext-Dialog programmiert werden. Für häufig wiederkehrende Bearbeitungen steht eine Vielzahl von technologisch ausgereiften Dreh-Zyklen beispielsweise zum Längsdrehen, Plandrehen, Einstechen, Konturstechen und zum Gewindedrehen zur Verfügung. Bei der TNC 640 kommen die Synergie-Effekte des neuen Heidenhain-NCKs zur Geltung. Die Software-Basis der Drehfunktionen wurde aus den bewährten Heidenhain-Drehsteuerungen übernommen." Doch nicht nur das ,Innenleben‘ ist neu: „Das neue und ergonomische Design des 19"-Bildschirms und des Bedienfelds mit der Edelstahlfront gibt der TNC 640 ein ansprechendes Aussehen. Das neue Bedienfeld-Design steht bei allen Steuerungen von Heidenhain zur Verfügung und wird erstmals auf der diesjährigen EMO in Hannover präsentiert. Darüber hinaus besitzt die TNC 640 eine neu gestaltete Benutzer-Oberfläche mit modernem Erscheinungsbild, die dem Anwender einen noch besseren Überblick über Funktionen und Status-Anzeigen ermöglicht." Und weiter: „Das elegant wirkende Edelstahldesign wurde zusätzlich mit einer Beschichtung versehen, um dem rauen Werkstattbetrieb stand zu halten und um Fingerabdrücke auf der Oberfläche zu minimieren. Die Glasfläche am Bildschirm ist eben mit dem Gehäuse verbaut, so dass sich kein Schmutz absetzen kann. Die neuen rechteckigen, leicht gewölbten Tasten sind einfacher zu bedienen. Sie sind mit einem neuen Font und standardisierten Symbolen versehen, die insgesamt zu einem noch harmonischeren Gesamteindruck führen. Alle Tasten des integrierten Maschinenbedienfeldes sind mit Leuchtdioden bestückt, die vom Maschinenhersteller gesteuert werden können. Der Anwender kann dadurch beispielsweise schneller erkennen, welche Funktionen im aktuellen Betriebszustand gerade erlaubt sind. Darüber hinaus wird die TNC 640 grundsätzlich mit drei handlicheren Potentiometern für Spindeldrehzahl, Eilgang und Vorschub geliefert." Zyklenpakete auch für die neue Steuerungen Bei allen Neuerungen, die typischen Heidenhain-Stärken sollen und werden natürlich beibehalten: „Heidenhain-Steuerungen sind von jeher für ihr umfangreiches und technologisch anspruchsvolles Zyklenpaket bekannt. Häufig wiederkehrende Bearbeitungen, die mehrere Bearbeitungsschritte umfassen, sind auch in der TNC 640 als Zyklen gespeichert. Sie programmieren dialoggeführt und unterstützt durch aussagekräftige Hilfsbilder, welche die erforderlichen Eingabe-Parameter anschaulich darstellen. Das Zyklenpaket der TNC 640 verfügt - neben den bekannten TNC Fräs- und Bohrzyklen - auch über eine Vielzahl von intelligenten Drehzyklen, mit denen sich auch komplexe Drehbearbeitungen ganz einfach an der Maschine programmieren lassen. Die in der Drehwerkzeug-Tabelle definierte Werkzeuggeometrie wird von den Drehzyklen berücksichtigt und Konturverletzungen werden somit vermieden. Beim Programmieren kommen dabei dieselben Techniken zum Einsatz wie beim Fräsen. Drehkonturen werden ebenso in Kontur-Unterprogrammen wie Fräskonturen erstellt, TNC-Programmierer müssen sich hier also nicht umgewöhnen, sondern können auf vorhandenem Wissen aufbauen und so schnell den Einstieg in die Welt der Drehbearbeitung auf der Fräsmaschine finden." Und weiter: „Im NC-Programm wechselt man ganz einfach mit standardisierten Klartext-Befehlen beliebig zwischen Drehbetrieb und Fräsbetrieb. So entscheidet der Anwender vollkommen flexibel, wann er zwischen den beiden Bearbeitungsmethoden wechseln will. Und natürlich ist die Umschaltung vollkommen unabhängig davon, auf welcher Maschine mit welcher Achskonfiguration Sie gerade arbeiten. Die TNC übernimmt beim Umschalten alle intern erforderlichen Änderungen, wie zum Beispiel das Umschalten der Positionsanzeige auf Durchmesser-Anzeige, das Setzen des Bezugspunktes in die Drehtisch-Mitte und weitere maschinenabhängige Funktionen, wie das Klemmen der Werkzeugspindel." Drehkonturen können dabei wie gewohnt im Heidenhain-Klartext-Dialog erstellt werden. Neben den Standard-Bahnfunktionen können dabei zur Definition der Drehkontur auch die Freie Konturprogrammierung FK verwendet werden, um so nicht NC-gerecht bemaßte Konturelemente auf einfache Weise zu erstellen. Darüber hinaus stehen aber auch die drehspezifischen Konturelemente Einstich und Freistich zur Verfügung, die hilfsbildunterstützt definierbar sind. Weltpremiere auf der diesjährigen EMO Die vom Fräsen her bekannte Funktion M144 zum Schwenken der Bearbeitungsebene erlaubt nun auch beim Drehen eine angestellte Bearbeitung. Dies ist dann besonders vorteilhaft, wenn die Drehkonturen Hinterschnitte enthalten und passende Drehwerkzeuge nicht vorhanden sind. Selbstverständlich berücksichtigt die TNC 640 beim angestellten Bearbeiten den veränderten Anstellwinkel des Werkzeugs. So kann die TNC den definierten Bereich bearbeiten und dennoch eine Konturverletzung immer sicher vermeiden. Was bedeutet, dass die TNC 640 vollkommen unabhängig von der Maschinenkonfiguration (zum Beispiel schräg angeordnete Drehachsen) angestellt bearbeiten kann. Wie gesagt, die TNC 640 wird erstmals auf der EMO 2011 in Hannover auf dem Heidenhain Messestand vorgestellt, ab Anfang 2012 können erste OEMs mit der TNC 640 beliefert werden. Man muss kein Hellseher sein, um zu vermuten, dass dafür ein reges Interesse bestehen dürfte. www.heidenhain.de
Halle 25, Stand E33