von Helmut Angeli Unter den japanischen Werkzeugmaschinenbauern nimmt Makino eine Sonderstellung ein. Aufbauend auf die Tradition von Heidenreich & Harbeck versteht sich das japanische Unternehmen nur bedingt als Hersteller von Standardmaschinen sondern als Anbieter von Fertigungslösungen. Bei der Eröffnung des neuen Technologiezentrums in Cavenago zeigte sich dies wieder einmal eindrucksvoll. Makinos Entscheidung, in das Technologiezentrum Italien zu investieren und sein Profil in Italien und Südeuropa zu stärken, wurde mitten in der vergangenen Krise getroffen. Das neue Technologiezentrum ermöglicht Makino, „so nah wie möglich an den vielen kleinen bis mittleren Unternehmen, die Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Technologie benötigen", zu sein, erklärte Makinos General Manager für Südeuropa, Andrea Fritzsch. „Wir wollen mehr der eigentlichen Makino-Identität entsprechen, ein Anbieter von Lösungen und nicht einfach nur ein Maschinenhersteller sein." Kurzum: „Es ist Makinos Anliegen, den Kunden die richtige technologische Unterstützung anzubieten, damit sie das Potential ihrer Maschinen vollumfassend ausschöpfen können." Wohl niemand hat diese Philosophie mehr verinnerlicht (und wohl auch mitgeprägt) als Uwe Speetzen, Vice-President Sales and Applications, und er erklärt: „Wir verkaufen Value, hohe Präzision, schnelle Maschinen, hohe Verfügbarkeit, Applikationssupport und versuchen uns so, der allfälligen Preisdiskussion zu entziehen." Und er erläutert: „Wir setzen auf Kundennähe und können neben hochwertigen Standardmaschinen auch maßgeschneiderte Lösungen bis hin zu flexiblen Fertigungssystemen liefern." Ein Beispiel: „Wir haben allein in Deutschland sieben Mitarbeiter, die sich ausschließlich um die Problemstellungen der Titan- und Aluminiumbearbeitung für den Aerospace-Bereich kümmern. Das ist ein Know-how-Pool, der in Zusammenarbeit mit unseren Kunden immer wieder zu hervorragenden Ergebnissen führt." Fertigungstiefe ist entscheidend Dies ist, so Uwe Speetzen weiter, aber nur eine Seite der ,Kompetenz’-Medaille, die andere liegt in der grundsätzlichen Ausrichtung des Mutterkonzerns. Dort gilt, dass alle qualitätsbestimmenden Komponenten und Baugruppen selbst entwickelt und gebaut werden. Dies betrifft nicht nur für die Spindelsysteme sondern umfasst unter anderem auch die unterschiedlichen Tischgruppen und die jeweiligen Werkzeugmagazine. „Alles aus einem Guß und ohne Schnittstellenprobleme", so der Vice-President und fügt hinzu: „Die hohe Fertigungstiefe ist ganz fraglos ein bestimmendes Element für unsere anerkannt hohe Produktqualität." Am Stammsitz in Hamburg ist neben dem genannten Schwerpunkt vor allem auch das Kompetenzzentrum für hochkomplexe Industriekomponenten in hoher Genauigkeit angesiedelt. Adäquat dazu sitzen in süddeutschen Kirchheim die Experten für das Hochgeschwindigkeitsfräsen und für den Bereich Werkzeug- und Formenbau (oder in Cavenago die für komplexe 5-Achs-Bearbeitung). Mit dieser Konzentration auf einzelne Einsatzfelder wird vor allem eines erreicht: Kompetenz. Dies soll sich auch auf der diesjährigen EMO zeigen. Dazu Makino Europa-Chef P. Anders Ingemarsson: „Traditionell hatte Makino sich bisher stark auf Segmente wie Luftfahrt, Hochpräzisionswerkzeuge und -formen sowie Industriekomponenten konzentriert. In diesem Jahr werden wir auch Anwendungen präsentieren, die insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen interessant sein können, die ihr Produktionspotential ausbauen wollen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre Wachstumschancen zu verbessern. Wir sind davon überzeugt, dass es eine Vielzahl von Kunden gibt, die die kurzfristigen Erträge aus einer solchen Investition wegen der niedrigen Produktionskosten in Kombination mit hoher Produktivität und Präzision zu würdigen und zu schätzen wissen werden. Das ist eine besondere Herausforderung bei niedrigen Losgrößen, einfach, weil der Prozess nach kurzen Intervallen gestartet und wieder gestoppt werden muss, was außerordentliche Anforderungen an die thermische Stabilität stellt." Noch einmal der Europa-Chef: „Wir haben signifikante Fortschritte bei der Titan- und 5-Achsen-Bearbeitung erreicht, von denen wir auf der EMO 2011 einige präsentieren werden. Nur einmal zwei Beispiele: Mit unserer MAG1 haben wir eine neue Dimension der Hochleistungszerspanung von Aluminium erreicht, zum Beispiel durch die neue 120 KW-Spindel. Darüber hinaus ermöglicht es unsere neue Software für die Hochleistungsbearbeitung, dass Prozesse sich selbst optimieren, was unverzichtbar für die Maximierung der Produktivität ist. Zusätzlich werden wir eine kleinere Version unseres sehr erfolgreichen vertikalen Bear¬beitungszentrums D500 ausstellen – eine Weltpremiere." Kurze Werkzeugwechselzeiten erhöhen Produktivität Das neue vertikale Bearbeitungszentrum D300 zielt auf eine Vielfalt von Märkten ab: Luftfahrt , Werkzeug- und Formenbau, hochwertige Lohnfertigung und Prototyp-Herstellung für die Automobil-, Halbleiter- und optische Industrie. Obwohl sie kleiner als die D500 ist, ist ihr Leistungsprofil durch die hochgeschätzten Eigenschaften der größeren Maschine charakterisiert: hohe Genauigkeit, hohe Geschwindigkeit, sehr gute Dynamik und hohe thermische Stabilität – und sie kombiniert sie mit einfachem Zugang zum Werkstück und kompakter Größe. Die Vorteile der D300 werden bei Makino so aufgelistet: „Die D500 hat sich mit ihrer Geschwindigkeit und Genauigkeit einen guten Ruf erworben, den ihre kleine Schwester aufrecht erhalten wird. Die traditionelle Steifigkeit und Bearbeitungsgenauigkeit der Makino-Maschinen sind wiederum Merkmale dieses kompakteren Modells, wobei zum Beispiel der extrem steife Schwenktisch beidseitig getragen wird und die A/C-Achsen durch einen Motor im Direktantrieb ohne Spiel angetrieben werden. Da die Bearbeitungsgeschwindigkeit nicht allein von der eigentlichen Schnittzeit, sondern auch den Totzeiten abhängt, ist die Werkzeugwechselzeit von 0,7 s der D300 besonders maßgeblich. Der 2-Paletten-APC (Automatischer Palettenwechsler) benötigt 15 s für einen Palettenwechsel." Und weiter: „Die Makino D300 stellt unter Beweis, dass herausragende Leistung in einem vertikalen Bearbeitungszentrum gleichzeitig mit exzellenter Bedienbarkeit und Handhabung kombiniert werden kann. Die automatische Palettenwechselfunktion der Maschine beeinträchtigt den Bedienerbereich in keinster Weise. Das Design der Maschine ermöglicht es dem Kunden, das gewünschte Produktivitätsniveau auszuwählen – von einer Einzelmaschine mit einem flachen Tisch oder Palettentisch bis hin zu einer Maschine, die mit einem Palettenwechsler, Palettenmagazin, Makino-VIP-System oder einem automatischen Werkstück-Palettenwechsler (AWC) und Roboter ausgestattet ist. Die D300 garantiert dem Bediener eine einfache Bestückung dank einer großzügig konstruierten und leichten Bedienertür sowie einfache Bedienung durch die Nähe der Spindel und des Tisches zum Bediener. Der Zugang zum Werkstück ist besonders einfach, da der kompakte Tisch und der Spindelkopf nicht aneinanderstoßen können. Hierbei spielt das schlanke, zylindrische Design des Spindelkopfes eine entscheidende Rolle. Obwohl das Spindeldesign neuartig ist, haben sich seine wichtigsten Komponenten vielfach bewährt. Die Standard HSK-A63 Spindel (15.000 min-1, 120 Nm, 11/22 kW) basiert auf dem praxiserprobten Makino a51-Modell, und die wichtigsten Komponenten der Hochpräzisionsspindel (20.000 min-1, 52 Nm, 11/15 kW) sind von der Makino V33i übernommen worden. Die D300 ist aber nur eine der Neuigkeiten, die auf der EMO präsentiert werden. Wer mehr darüber wissen will, sollte die Ausgabe 10 der NC Fertigung nicht verpassen. W www.makino.de Halle 12 , Stand B36