von Helmut Angeli Lohnfertiger können nicht auf der Stelle treten. Ihre Kunden erwarten regelmäßige Produktivitätssteigerungen und kontinuierliche Verbesserungen bei Fertigungsprozessen und der Lohnbetrieb muss das eben leisten. Dass dies aber kein Hexenwerk ist, beweist sich am Beispiel der Jung OHG in Vilshofen. Es dürfte in Deutschland nicht gar so viele Frauen geben, die als Geschäftsführerin einen Lohnfertigungsbetrieb leiten. Dipl.-Ing. Gisela Jung ist eine davon. Angesichts der Familiengeschichte ist das aber so verwunderlich nun auch wieder nicht, denn seit 1880, als einer der Ahnen ein Unternehmen mit dem Schwerpunkt Herstellung von Sektkellereimaschinen im Raum Stuttgart gründete, ist die Metallbearbeitung das zentrale Betätigungsfeld der Familie. 1927 ging einer der Enkel ins schwäbische Neuenbürg, und entwickelte und baute unter anderem Gewindeschneidmaschinen. Nach Kriegsende wurde neben den eigenen Produkten dort auch mit der Lohnfertigung begonnen, wobei die ersten NC-gesteuerten Maschinen schon seit 1970 eingesetzt wurden. Wohlgemerkt zu einer Zeit, als in den benachbarten Großbetrieben noch kein Mensch so recht über die Möglichkeiten dieser neuen Technologie nachzudenken bereit war. Seit 1958 gehörte zudem auch die in München Haidhausen ansässige Werkzeugmaschinenfabrik A. Schärfl, ein 1893 gegründeter Produktionsbetrieb für Blechscheren und –stanzen, zum Besitz der Familie. Friedrich Jung, Vater von Gisela Jung, baute den Betrieb ab 1975 in einen modernen (sprich mit CNC-Maschinen ausgerüsteten) Lohnfertigungsbetrieb aus. Gisela Jung, inzwischen diplomierte Maschinenbauingeneurin, blieb es dann vorbehalten, das Unternehmen aus der Landeshauptstadt in niederbayerische Vilshofen zu übersiedeln und als Jung OHG kräftig auszubauen. Heute umfasst das schmucke Gelände Produktionsflächen von mehr als 3.200 qm und beschäftigt zirka 120 Mitarbeiter. Gisela Jung: „Unsere Stärken liegen bei der Herstellung komplexer Teile im mittleren Serienbereich, wobei unsere Kunden vor allem aus den Bereichen Bau- und Nutzfahrzeuge, Antriebstechnik, Elektronik und Maschinen- und Anlagenbau kommen. Wir haben eine über Jahre gewachsene Kundenstruktur, die unsere Termintreue und Qualität schätzt." Und erläutert lachend: „Einen Tag zu früh liefern ist gerade noch erlaubt, einen Tag zu spät ist ein absolutes No Go." Den Leistungsumfang beschreibt Gisela Jung so: „Wir kaufen bei den von unseren Kunden vorgegebenen Gießereien die Rohteile, machen die Logistik, übernehmen die Dispo und Lagerhaltung, inklusive Vorfinanzierung und die Bearbeitung. Wir kaufen als Systemlieferant derzeit monatlich für durchschnittlich 300- und 600.000 € Rohteile ein, in anderen Fällen ist die Gießerei unser Kunde und kauft bei uns lediglich die Bearbeitung zu." Gisela Jung weiter: „Von den großen Abnehmern wird bei Lohnfertigern eine jährliche Produktivitätssteigerung vorausgesetzt." Um diese erreichen zu können, setzt man bei Jung auf moderne Bearbeitungsmaschinen. Gisela Jung: „Wir haben derzeit rund 30 CNC-Maschinen im Einsatz und wenn wir nicht mindestens drei davon pro Jahr ersetzen, laufen wir sehr schnell Gefahr, auf einem veralteten Maschinenpark zu sitzen und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Wir ersetzen derzeit mindestens drei Maschinen pro Jahr und unser ältestes Bearbeitungszentrum ist aus Baujahr 2005." Und weiter: „Wir leisten uns hierbei auch in wirtschaftlich ungünstigeren Zeiten keine Pause, denn wenn wir hier nachlassen, müssten wir in den Folgejahren umso höhere Investitionen tätigen, das kann ein Betrieb unserer Größenordnung dann fast nicht mehr leisten." Für die Fräsbearbeitung werden klassische Hochleistungsmaschinen in Horizontalbauweise eingesetzt, ein Maschinentypus, auf den ansonsten vorzugsweise bei höheren Losgrößen zurückgegriffen wird. Produktionsleiter Richard Gruber umreißt die Vorgaben dabei so: „Unser Ziel war es immer eine Maschinenausstattung zu haben, mit der möglichst universelle Aufgabenstellungen wirtschaftlich abgedeckt werden können. Dazu gehören standardmäßig Werkzeugmagazine mit 80 bis 120 Werkzeugen, ein integrierter Messtaster und Werkzeugbruchkontrolle. Die Vorrichtung bleibt immer auf einer Palette, so dass die Übergabe von einer zur anderen Maschine absolut sicher und zeitnah erfolgen kann." Für die meisten Bearbeitungszentren gibt es redundante Systeme, sprich baugleiche oder ähnliche Maschinen, um hier eine Sicherheit zu schaffen, sollte es einmal zu Problemen auf einer Maschine kommen. „Wir haben früher neben Heller vor allem Bearbeitungszentren eines anderen Herstellers eingesetzt, aber seit 2005 setzen wir überwiegend, in den letzten Jahren ausschließlich Zentren von Heller ein. Die Verfügbarkeit ist höher und der Service ist besser. Zudem haben wir festgestellt, dass bei Heller Maschinen alle vorgegebenen Zeiten Mindestwerte sind und in der Praxis zum Teil deutlich unterschritten werden können, während bei anderen Wettbewerbern schon mal alles passen muss, um auf die angegebenen Werte zu kommen." Ein Beispiel? Richard Gruber: „Wenn beispielsweise bei einer Aufspannmasse von 800 kg eine Span-zu-Span-Zeit von 2,2 Sekunden angegeben ist, dann wird die auch unter ungünstigeren Voraussetzungen erreicht." Heller-Außendienstmitarbeiter Holger Langer ergänzt: „Wenn wir eine mittlere Positionsstreubreite von 6 µm angeben, dann ist das ein Wert, der in aller Regel um 100 und mehr Prozent über der tatsächlichen Streuung liegt. Aber uns ist es lieber, wenn der Anwender sich über die besseren Werte freut, als dass er sich über nicht eingehaltene Vorgaben ärgert." In den letzten sechs Jahren hat die Jung OHG in 18 Heller-Bearbeitungszentren investiert. Das erste –eine MCH 300 – kam 2005, das letzte eine H 4000 vor wenigen Tagen. Richard Gruber: „Die Heller-Zentren, auch die älteren, sind allesamt hochproduktive Maschinen. Vergleichen wir aber die Fertigungszeiten auf Maschinen mit nahezu identischen Verfahrwegen, Beispiel MCi 25 mit einer H 4000, dann wird ein Produktivitätsschub deutlich. Allein durch die besseren Dynamik- und Beschleunigungswerte reduzieren sich die Bearbeitungszeiten um bis zu 10 Prozent." Wichtig dabei, dass alle Vorrichtungen und Programme von den älteren MCi-Zentren ohne größere Probleme auf die neueren Zentren der H-Baureihe übernommen werden können. Zudem brauchen die ,Neuen‘ auch noch weniger Platz. Gisela Jung: „Wo früher drei MCi 16 standen stehen heute vier Maschinen der neuen H-Baureihe. Dabei hat jede für sich sowieso schon höhere Produktivitätswerte, so dass sich beim gleichen Platzbedarf eine Produktivitätssteigerung von 30 und mehr Prozent erreichen lässt." Selbst in der Krise 2009/2010 hat man bei Jung die Investitionstätigkeiten nicht heruntergefahren. Gisela Jung: „Die erhöhte Angebotstätigkeit während der Krise hat gezeigt, dass hinsichtlich der Werkstückgröße auch oberhalb der bis dahin von uns im Aluminiumbereich angebotenen Teilegrößen ein für uns durchaus interessanter Markt ist. Wir haben uns deshalb entschlossen, in eine H 6000 zu investieren. Diese Maschine ist mit einer besonderen Getriebespindel ausgerüstet, die von uns als Pilotanwender auf Herz und Nieren getestet wird. Mit dieser Spindel können wir Dank der schnellen Hochlaufzeiten und hohen Drehzahlen Aluminium zerspanen, können aber gleichzeitig bei Bedarf auf ein hohes Drehmoment zugreifen und bei Bedarf auch Fe-Werkstoffe bearbeiten." Kein Wunder also, dass bei einer Neuinvestition die Heller-Maschinen schon immer mit einem gewissen Bonus starten, denn zum einen will man bei Jung die interne Flexibilität (sprich die freie Wahl auf welcher Maschine will ich bearbeiten), uneingeschränkt erhalten und zum anderen sind die Erfahrungen mit Heller einfach zu gut. So lobt Richard Gruber den Heller-Service: „Einmal davon abgesehen, dass die Heller mit einer sehr hohen Verfügbarkeit arbeiten, sind unsere Erfahrungen mit dem Service außerordentlich gut. Wir jedenfalls fühlen uns wirklich hervorragend betreut." www.jung-cnc.com
www.heller.biz
Halle 12, Stand C04