von Hubert Winkler Steigende Nachfrage aus der Maschinenbau- und Automotive-Branche bestätigt den Aufwärtstrend. Mit über 100.000 Kunden in Europa hat die Hoffmann Group einen guten Überblick über Nachfrage und Prognosen in unterschiedlichen Branchen. Die NC-Fertigung bat den Geschäftsführenden Gesellschafter der Hoffmann-Holding Bert Bleicher nach seiner Einschätzung der Lage.
Herr Bleicher wie sehen Sie die derzeitige konjunkturelle Situation in der Branche der Zerspaner?
Wir, die Hoffmann Group als Europas führender Systempartner für Qualitätswerkzeuge, rechnen für das Jahr 2010 mit einem soliden Umsatzplus. Grund für die positive Prognose ist der kräftige Anstieg der Bestelleingänge und die entsprechende Umsatzentwicklung seit Jahresbeginn. Dies spiegelt im Wesentlichen auch die sich positiv entwickelnde Lage im gesamten Zerspanungssektor und vor allem in der Automobilindustrie wider.
Wie tief war denn die Delle im letzten Jahr?
Nun von einer Delle konnte man im letzten Jahr wirklich nicht mehr reden. Die Schnelligkeit des Rückgangs und die Fallhöhe glich eher einem Absturz. Im Jahr 2009 hatte die Hoffmann Group einen europaweiten Umsatz von 563,9 Millionen Euro erwirtschaftet. Das entsprach einem Rückgang von 32,2 Prozent. In Deutschland setzte das Unternehmen im gleichen Zeitraum 397,1 Millionen Euro um, 34,1 Prozent weniger als im Jahr davor.
Wie konnten Sie einen derartigen Umsatzeinbruch überhaupt verkraften?
2009 war ein sehr schwieriges Jahr. Wir konnten trotz der herben Umsatzeinbußen mit einer schlanken Organisation, einer breiten Kundenbasis, vorausschauendem Kostenmanagement und unserer Ausrichtung auf Qualität ein positives Ergebnis erreichen und besser als das Branchenumfeld abschneiden. 2010 wird sicherlich noch kein einfaches Jahr, aber der erkennbare Aufschwung stimmt uns optimistisch. Wir heben uns vor allem durch die Kombination von Handels-, Hersteller- und Servicekompetenz ab. 2010 werden wir unsere Servicekompetenz vor allem in der Zerspanung nochmal deutlich ausbauen und damit punkten.
Wie sehen Sie die Entwicklung in anderen Kernbranchen der Industrie?
Als Zulieferunternehmen für die metallverarbeitende Industrie in ganz Europa mit über 115.000 Kunden, 2.000 Mitarbeitern, Präsenz in über 30 Ländern bis nach China, sowie inklusive der eigenen Premiummarke Garant 50.000 Qualitätswerkzeugen im Programm, hat die Hoffmann Group einen guten Einblick in die Nachfragebestände und Prognosen der einzelnen Branchen und nutzt dies für die eigene Disposition. Nach unserer Ansicht findet die Aufwärtsbewegung bei Maschinen- und Automobilbau auch eine breite Abstützung in anderen wichtigen Kundensegmenten wie dem Werkzeug- und Formenbau oder bei Herstellern von Eisen-, Blech- und Metallwaren.
Zeichnen die Auslandsmärkte ähnliche Kurvenverläufe?
Nicht ganz so dramatisch wie bei uns. Strategisch wichtige Auslandsmärkte haben zur Stützung des wirtschaftlich angespannten deutschen Heimmarktes beigetragen: Frankreich, Österreich, Schweiz, Belgien oder auch die Niederlande schnitten besser ab als der deutsche Markt. Der Geschäftseintritt in China und Spanien ist ebenfalls positiv ausgefallen. Das Auslandsgeschäft der Hoffmann Group nimmt aktuell einen Anteil von 30 Prozent ein.
In kriselnden Zeiten werden Marktanteile verschoben. Haben Sie diese Zeit genutzt, sich auf den Aufschwung vorzubereiten?
Die Hoffmann Group investierte auch während der Wirtschaftskrise in den Geschäftsausbau im In- und Ausland. Durch den Ausbau des Logistikzentrums in Nürnberg entstand das mit einer Fläche von 36.000 qm größte und modernste Zentrallager der Branche, welches im Mai 2009 eröffnet wurde, in der tiefsten Krise also. Zudem wurde in einen Neubau in Frankreich investiert. Wir haben trotz wirtschaftlich unsicheren Zeiten verstärkt in Qualität investiert, um unseren Kunden als zuverlässiger Partner zur Seite zu stehen. Die Lieferqualität wurde durch den Ausbau des Logistikzentrums Nürnberg nochmals erhöht und liegt nun bei 99,4 Prozent. Wir haben 2009 dank unserer Bemühungen den begehrten AREVA-Lieferanten-AWARD erhalten.
Woraus schöpften Sie die Mittel für diese beachtlichen Investitionen? Machten die Banken bei Ihnen eine Ausnahme?
(Er lacht) Ich lache nicht wegen der Banken. Nun, unser mittelständisches Unternehmen ist auch aufgrund der hohen Eigenkapitalquote, einer erfolgreichen Geschäftspolitik der letzten Jahre und einer nachhaltigen Unternehmensplanung in einer guten Ausgangslage, die Geschäftsziele zu erreichen und geplante Investitionen auch in schwierigen Zeiten umzusetzen. Sowohl unseren Kunden, unseren Mitarbeitern wie auch dem Unternehmen bietet diese Unabhängigkeit Sicherheit und Planbarkeit.
Mit dem solider werdenden Aufschwung im Visier ist es sicher wieder einfacher geworden zu planen. Was planen Sie also?
In diesem Jahr 2010 investiert das Unternehmen in Service-Angebote und in den Ausbau der technologischen Kompetenz. Ziel ist es, die Premiummarke GARANT und den Fachbereich Zerspanung weiter zu stärken. Neben den bisherigen Dienstleistungen wird es im Bereich Zerspanung ein komplett neues GARANT Serviceangebot aus einer Hand geben. Die bisherigen Services werden gebündelt und erweitert, um die Kundenbedürfnisse noch besser zu erfüllen. 2010 ist sicherlich noch kein einfaches Jahr, aber der sich erkennbar stabilisierende Aufschwung stimmt uns optimistisch.W