von Helmut Angeli Fanuc ist weltweit der unbestrittene Marktführer im Umfeld der CNC-Steuerungen. Eine Position, die für Deutschland erst noch erarbeitet werden muss. Warum dies so ist und welche Strategien und Chancen es auf dem Weg dahin gibt, erläutert Christian Jung, Geschäftsführer Fanuc CNC Deutschland GmbH.
Was in Deutschland früher GE Fanuc respektive Fanuc GE war, ist jetzt Fanuc CNC Deutschland GmbH. Nun darf man davon ausgehen, dass man ja nicht aus lauter Jux und Tollerei eine Umfirmierung in die Wege leitet. Was also waren a) die Gründe und b) was hat sich neben der Namensänderung noch getan?
Nach 23 erfolgreichen Jahren haben GE und Fanuc das Joint Venture freundschaftlich, in beiderseitigem Einvernehmen beendet, da sich Marktsituation und Strategien geändert hatten. Zum zweiten Teil ihrer Frage: am augenfälligsten spiegelt sich die Änderung im Umfeld des Service wider. Durch die Zusammenführung der beiden Firmen in das Unternehmen Fanuc CNC Deutschland hat der Anwender nur noch einen Ansprechpartner. Darüber hinaus profitieren alle Fanuc-Nutzer davon, dass wir durch die Integration jetzt über mehr Manpower verfügen und so unsere Kunden noch schneller bei eventuellen Problemstellungen unterstützen können. Weitere Vorteile ergeben sich aus zahlreichen Synergieeffekten, wie zum Beispiel ergänzendes Know-how, das einen optimalen Mitarbeitereinsatz ermöglicht, und ein erweitertes geografisches Netzwerk mit der Zentrale in Neuhausen sowie Service-Satelliten im gesamten Land.
Die Entwicklung von Fanuc in Deutschland war in den letzten Jahren recht positiv. Was ändert sich jetzt mit dem neuen Geschäftsführer Christian Jung?
Durch das neue Unternehmen und deren Organisationsstruktur sind wir im Bereich Fanuc-Endkunden und -Händler wesentlich besser aufgestellt. Dass es mit meiner Person nun einen neuen Geschäftsführer gibt, ist mehr einer strategischen Neuorientierung geschuldet und belegt die stärkere Gewichtung der Technik.
Wie würden Sie Ihre persönlichen Ziele und Aufgabenstellungen bezüglich Fanuc umschreiben?
Auch wenn heute Fanuc im Umfeld der Steuerungstechnik überall ein Begriff ist, so sind wir nicht der einzige Anbieter. Eine meiner vordringlichsten Aufgaben ist es deshalb, unsere Position in Deutschland weiter auszubauen. Das ist angesichts der starken Wettbewerber hier in Deutschland eine durchaus anspruchsvolle, vor allem aber sehr reizvolle Aufgabenstellung.
Den Marktanteil steigern will sicher auch der angesprochene Wettbewerb. Mit welchen Argumenten können Sie den Kunden davon überzeugen, dass Fanuc die bessere, die richtige Wahl wäre?
Unsere Ansprechpartner sind vor allem die Hersteller von Werkzeugmaschinen. Das ist ein bekanntermaßen sehr exportorientierter Wirtschaftszweig. Wer Maschinen in den asiatischen Bereich oder in den amerikanischen Raum liefert, ist gut beraten, wenn er seine Produkte mit einer Fanuc-CNC anbieten kann. Denn dort ist Fanuc nun einmal die absolute und unangefochtene Nummer 1. Die Akzeptanz für unsere CNC-Steuerungen in diesen Regionen ist enorm, und sehr häufig fordern die Werkzeugmaschinenkäufer unsere Steuerungssysteme. Aber auch in Deutschland steigt die Akzeptanz für Fanuc kontinuierlich. Denn für den Endanwender ist vor allem die Zuverlässigkeit einer Steuerung wichtig.
…nun ist Zuverlässigkeit nicht gerade ein Merkmal, das eine CNC so richtig attraktiv macht.
Aufgepasst Herr Angeli, wenn Sie sich dabei nur einmal nicht täuschen. Der Endkunde will am Ende des Tages möglichst viele Teile in bester Qualität gefertig haben. Nur wenn er viele Teile produziert, kann er auch mit seiner Werkzeugmaschine Geld verdienen. Es ist für mich eine Tatsache, dass es keine andere Steuerung gibt, die es in Sachen Zuverlässigkeit mit einer Fanuc aufnehmen kann. Das ist ein Erfahrungswert, der uns immer wieder vom Markt bestätigt wird…
...auch in der 5-Achsbearbeitung?
Auch in der 5-Achsbearbeitung. Einerseits werden weltweit immer mehr komplexe Werkzeugmaschinen erfolgreich mit Fanuc verkauft und andererseits vertrauen immer mehr deutsche Maschinenhersteller auf unsere 5-Achsen Technologie. Aber lassen Sie mich noch einmal auf die Zuverlässigkeit zurückkommen, denn für den Endkunden ist das mit das wichtigste Argument. Er benötigt eine Steuerung an seiner Werkzeugmaschine, die möglichst schnell und sicher über lange Jahre hinweg arbeitet und das tun unsere Produkte. Derzeit sind in Deutschland über 60.000 Fanuc-Steuerungen im Einsatz und wir erhalten sehr viel positives Feedback.
Wie hoch ist der Marktanteil von Fanuc momentan in Deutschland?
Wir gehen davon aus, dass wir uns in einer Größenordnung von rund 20 Prozent bewegen. Nehmen wir die momentanen Auslieferungen, so liegen wir sogar bei rund 25 Prozent. Der Anteil bei Werkzeugmaschinennutzern ist deutlich höher.
Die deutsche Automobilindustrie war über viele Jahre ein ,weißer Fleck’ in der Verbreitung der Fanuc Steuerungen. Hat sich dies in den letzten Jahren etwas gelockert?
Sicher gibt es bei den reinen Produktions- oder Transferstraßen noch Wachstumspotential. Im Bereich der Schleif- und Sondermaschinen haben sich Fanuc Steuerungen seit langem etabliert und sind kaum noch wegzudenken. Es gibt in Deutschland kaum ein Werk, in dem keine Werkzeugmaschine mit einer Fanuc Steuerung steht. Die Automobilisten haben dadurch Vergleichsmöglichkeiten in Bezug auf Leistung und Zuverlässigkeit. So hat Scania vor kurzem veröffentlicht, warum dort jetzt Fanuc eingesetzt wird. Die Zuverläsigkeit mit Fanuc ausgerüsteten Maschinen war im Vergleich zu anderen Steuerungen deutlich höher. Aber auch die deutschen Werkzeugmaschinen-Hersteller partizipieren von den Fanuc Erfolgen in der Automobil-Industrie in Europa und weltweit. So rüsten beispielsweise einige deutsche Maschinenhersteller aktuell ein neues PSA Motorenwerk in der Nähe von Metz aus.
Das Produktionsvolumen ist in 2009 weltweit bei den Werkzeugmaschinenherstellern in einer noch nie dagewesenen Größenordnung abgestürzt. Der VDW gibt den Rückgang in Deutschland mit rund 64 Prozent, der japanische Verband der Werkzeugmaschinenindustrie spricht gar von mehr als 80 Prozent. Wie sehr hat diese negative Entwicklung auch Fanuc getroffen?
Dass wir als Steuerungslieferant uns von einer derartigen Entwicklung nicht abkoppeln können, ist logisch. Aber für Fanuc ist die Krise seit dem letzten Quartal 2009 Geschichte. Die Produktion arbeitet seitdem an der Kapazitätsgrenze und wir liefern seitdem monatlich über 20.000 Steuerungen aus und sind zudem dabei, unsere Kapazitäten weiter auszubauen. Hier zahlt sich die Internationalität unseres Unternehmens aus. Nur ein Beispiel: Im Oktober 2009, als hierzulande von einer Besserung noch wenig zu spüren war, boomten die Märkte in China, Korea, Taiwan und Indien schon wieder.
Welchen Einfluss hat eigentlich die deutsche Fanuc auf die Entwicklung von Produkten im Stammhaus?
Der deutsche Markt ist der wahrscheinlich anspruchvollste überhaupt. Dr. Inaba hat immer schon betont, welch eine zentrale Rolle Deutschland als Technologievorreiter zukommt und dementsprechend hatte man immer schon ein offenes Ohr für die Anregungen und Wünsche von hier. Mein persönlicher Pluspunkt dabei ist, dass ich drei Jahre im Stammhaus in Japan tätig war. Ich kenne dort alle relevanten Ansprechpartner persönlich und bin mit den Gepflogenheiten in einem japanischen Unternehmen bestens vertraut. Das alles spricht dafür, dass die schon traditionell gute Zusammenarbeit zwischen Neuhausen und der Zentrale künftig noch intensiver und fruchtbarer sein dürfte.
Hierzulande wird derzeit viel und intensiv über das Thema Energieeffizienz diskutiert. Wäre dies beispielsweise nicht auch eine Themenstellung, die man von hier an den Stammsitz weitergeben könnte?
Da kämen wir um etliche Jahre zu spät. Fanuc hat schon vor zehn Jahren dieses Thema aufgegriffen und auch umgesetzt. Dafür hat Fanuc sogar einen Award für besonders energiesparende Produkte erhalten. Damals hat man sich in Japan nur gewundert, dass dieses Thema in Europa nicht stärker nachgefragt beziehungsweise vermarktet wurde. Aufgrund der sehr hohen Energiekosten in Japan arbeitet Fanuc immer an Entwicklungen, um den Energieverbrauch zu senken. W