von Tim Bartl Brikettieren lohnt sich. Warum das so ist? Roland Ruf, Geschäftsführer der Ruf GmbH & Co.KG, nennt mit geringeren Lager- und Logistikkosten und der Möglichkeit der Rückgewinnung von Kühlschmierstoffen nur zwei Vorteile der Produkte aus dem Hause Ruf in Zaisertshofen. Wenn dann noch weniger Abbrand beim Wiedereinschmelzen und ein höherer Verkaufserlös als bei losen Spänen hinzukommt, könnte man an dieser Stelle eigentlich aufhören, die Briketts näher zu beschreiben. Aber so einfach wollen wir es Roland Ruf natürlich nicht machen… Herr Ruf, wenn Sie einmal kurz zusammenfassen können, wie man in Zaisertshofen auf die Brikettierung sowohl von organischen Materialien als auch Metallen gekommen ist. Begonnen hat alles 1969 mit meinem Vater und der Gründung eines Forstdienstleistungsunternehmens in der Ortschaft Zaisertshofen, das sich zunächst primär mit der Entrindung von Bäumen befasst hat. Später kam er dann auf die Idee, dass man aus der Rinde eigentlich auch mehr machen kann, nämlich diese zu brikettieren. Da es auf dem Markt allerdings keine seinen Vorstellungen entsprechenden Pressen gab, entwickelte mein Vater bis 1982 die erste Versuchspresse zum Brikettieren von organischen Materialien und brachte sie 1985 auf den Markt. 1988 wurde dann die Rindenverarbeitung in die Hausener Straße ausgelagert und parallel dazu der Maschinenbau am Standort im Ort weiter fortgeführt. 1994 haben wir dann mit dem Bau einer 1.700 m² großen Halle begonnen, in der alle Brikettieranlagen vor ihrer Auslieferung einem 20stündigen Probelauf unterzogen werden.Durch die gestiegene Nachfrage und dem daraus entstandenen Platzmangel haben wir unseren Betrieb in den letzten Jahren kontinuierlich vergrößert und produzieren nun auf insgesamt 10 000m². Soviel zur Geschichte – und heute? Auch heute ist die Firma zu 100 Prozent in Familienhand und wir arbeiten mit 87 Mitarbeitern und zwei Auszubildenden hier am Standort in Zaisertshofen. Aktuell haben wir bisher 109 Länder mit Brikettieranlagen beliefert und zirka 3.000 Maschinen verkauft. Das klingt sehr vielversprechend. Spiegelt sich das dann auch im Umsatz wider? Wir hatten in 2010 einen Umsatz von rund 16 Millionen Euro. Kommen wir nun zu den Metallpressen – welche Reststoffe lassen sich zum Wertstoff ‚umwandeln’ wie es im Ruf-Slogan heißt? Prinzipiell lassen sich alle Metallspäne und viele Schleifschlämme zu Briketts komprimieren, man kann aber allgemein sagen, dass Schleifschlämme schwierig zu verarbeiten sind. Metallische Schleifspäne sind in ihrer Zusammensetzung sehr vielfältig – sie setzen sich sowohl aus dem Abrieb der Werkstücke wie auch einem hohen Anteil an Kühlschmierstoff zusammen. Allerdings liegen gerade hier auch die wirtschaftlichen Chancen. Inwiefern? Insbesondere das Auspressen und Wiederverwenden der hochwertigen Kühlschmierstoffe ist ein nicht zu vernachlässigender Kostenvorteil – beim Brikettieren von feuchten Metallspänen haben wir beispielsweise eine sehr hohe Rückgewinnung von Kühlschmierstoffen und da diese während des Pressverfahrens keiner thermischen Belastung ausgesetzt sind, kann der Kühlschmierstoff ohne additive Aufbereitung direkt in den Filterkreislauf der Produktion zurückgeführt werden. Das heißt, man spart nicht nur an den Betriebsmitteln, sondern auch an den Entsorgungskosten, oder? Genau. Firmen die vorher für ihre Entsorgung bezahlen mussten, können nach der Brikettierung also nicht nur das Kühlschmiermittel oder das Schleiföl wieder verwenden, sparen also an der Wiederbeschaffung der Kühlschmiermittel, sondern können auch noch die Briketts gewinnbringend verkaufen. Und wie sieht es mit den Lager- und Logistikkosten aus? Bei großvolumigen Spänen können wir eine Volumenreduzierung von bis zu 25:1 erreichen, wodurch die Transport- und Lagerkosten deutlich gesenkt werden können. Bei manchen Metallstäuben kommt aber ein anderer Pluspunkt zum Tragen, der nicht zu unterschätzen ist: Es gibt Materialen, die in Staubform hochexplosiv oder leicht entzündlich sind. In Brikettform ist dieses Risiko erheblich reduziert. Welche Besonderheiten weisen denn die Anlagen der Firma Ruf auf? Alle Ruf Brikettieranlagen werden hydraulisch betrieben und sind nach einem Baukastenprinzip kompakt aufgebaut. Sie sind außerdem für einen mannlosen 24-Stunden-Betrieb ausgelegt und können sowohl als zentrale wie auch dezentrale Anlagen eingesetzt werden. Die Kunden profitieren aber auch von unserer langjährigen Erfahrung sowie unserer Flexibilität. Wir passen die Anlagen individuell auf die zu verpressenden Materialien sowie die örtlichen Gegebenheiten der Kunden an, um ein bestmögliches Ergebnis zu gewährleisten. Und die Spänezufuhr? Die Aufgabe des zu verpressenden Materials kann sowohl kontinuierlich als auch diskontinuierlich erfolgen. Ein Rührwerk im Materialtrichter beugt der Brückenbildung vor, über eine Schnecke werden die Späne der Presskammer zugeführt und ein Presskolben verdichtet anschließend das Material… Abschließende Frage: Haben Interessenten eigentlich auch die Möglichkeit Ihre Anlagen zu testen? Da gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen können Interessenten uns unverbindlich Probematerial zuschicken, welches wir dann verpressen und für den Kunden analysieren. Zum anderen vermieten wir Brikettieranlagen. Somit kann sie der Interessent bei sich vor Ort testen und sich selbst davon überzeugen. Entschließt sich daraufhin der Kunde eine unserer Anlagen zu kaufen, liegt die Amortisationszeit oftmals unter 1 Jahr. W