Die OSG-Deutschland GmbH ist am expandieren und fokussiert sich mehr und mehr auf die Bedürfnisse der deutschen Anwender. Mit einem neuen Vollhartmetall-Programm sowie einem kompletten Service rund ums Werkzeug will der Hersteller von Premium-Zerspanwerkzeugen noch flexibler auf die nationalen Anforderungen reagieren. Wir haben mit Yasushi Suzuki über die künftige Ausrichtung des Unternehmens gesprochen. Herr Suzuki, OSG ist in den USA und in Asien, hier speziell natürlich in Japan, ein großer Name und gilt beim Umsatz weltweit als Nummer 4 bei den Werkzeugherstellern. Wie hat das Unternehmen die Wirtschaftskrise überwunden? Natürlich hatten auch wir Umsatzeinbrüche. Wenn man die allerdings exakt für den deutschen Markt analysiert, ergeben sich daraus interessante Erkenntnisse. Im Premium-Segment war es tatsächlich so, dass wir aus Kostengründen Rückgänge verzeichnen mussten. In 2008 wurde von uns aber bereits ein neues Vollhartmetallfräser-Programm, die PlusLine eingeführt. In diesem Bereich hatten wir während der Krise sogar Zuwächse. Entgegen einiger Gerüchte stellen wir aber keine Billigprodukte her, sondern ausschließlich Präzisionswerkzeuge. Und das gilt auch für PlusLine. Was ist das Besondere an PlusLine? Zunächst werden diese Fräser ausschließlich in Deutschland hergestellt. Das heißt, wir können damit die von uns gewohnte Qualität auch zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Es hat sich gezeigt, dass die Anwender in wirtschaftlich schwierigen Zeiten häufig auf kostengünstige Produkte zurückgreifen, und da ist PlusLine eine echte Alternative zu Wettbewerbsprodukten, weil nach wie vor unsere hervorragende Technologie im Hintergrund steht. Unsere Produkte sind ja für lange Standzeiten und hohes Zerspanvolumen bekannt und das konnten wir auch auf die PlusLine-Serie übertragen. Unabhängig davon ist es sicher nicht immer notwendig, mit Premium-Werkzeugen zu arbeiten, das kommt auf den jeweiligen Einsatz an. Man hört, OSG hat sich neu aufgestellt. Was darf man hier im Detail künftig von Ihrem Unternehmen erwarten und wo sehen Sie den Nutzen für Ihre Kunden? Wir, die OSG haben in der Vergangenheit festgestellt, dass es mit uns als japanischem Hersteller in Deutschland hin und wieder zu Berührungsängsten kommt. Da Deutschland für uns in Europa aber der wichtigste Markt ist, mussten wir darauf reagieren. Das sehen Sie allein daran, dass die OSG Deutschland von der OSG Europe ausgegliedert ist. Unsere Entwicklungen aus Deutschland gehen im Anschluss dann nach Italien und Frankreich. Es gehört aber auch zur Unternehmensphilosophie von OSG, dass wir die Zusammenarbeit mit Kunden durch Vertrauen und Service unterstützen wollen. So lag es nahe, die Kundenorientierung weiter zu intensivieren. Das heißt, wir führen seit geraumer Zeit enge Dialoge mit unseren Kunden. Resultierend daraus mussten und konnten wir beispielsweise unsere Lieferzeiten enorm reduzieren. Außerdem konzentrieren wir uns darauf, noch mehr die Qualität beim Nachschleifen sicherzustellen. Und wir sind hier in Eislingen in der Lage, kurzfristig Sonderwerkzeuge herzustellen. Alles in allem lässt sich also sagen, dass wir jetzt den kompletten Service um das Werkzeug aufgebaut haben. Wir sind von diesem Konzept so überzeugt, dass wir es demnächst auch auf den Bereich unserer Bohrer und Stufenwerkzeuge ausdehnen werden. Gibt es denn zwischen Japan und Deutschland so große Unterschiede und heißt das, OSG wird jetzt Made in Germany? Obwohl wir in USA oder Asien sehr erfolgreich sind, besteht in Deutschland noch mehr die Notwendigkeit zu intensiver Kommunikation. Ein anderes Problem ist die Flexibilität. In Deutschland werden hauptsächlich 6er- oder 8er-Schäfte eingesetzt, in Japan aber auch 5er und 7er. Gleiches gilt für die Werkzeuglängen. Während man hier vorrangig mit der Schrumpftechnik arbeitet, kommen in der Asien mehr Spannzangen zum Einsatz. Auf diese Unterschiede muss man sich erst einstellen. Sie sprechen von Neuentwicklungen. Was darf man denn hier von OSG in naher Zukunft erwarten? Ich will da noch nicht zu viel verraten. Wir sind derzeit aber wirklich intensiv dabei, Werkzeuge für die neuen Composite-Werkstoffe in der Luft- und Raumfahrt sowie Automobilindustrie zu entwickeln. Der Werkstoff Titan ist für uns nach wie vor ein Thema. Besonders interessant aber dürfte sein, dass wir uns bislang ausschließlich mit der Entwicklung und Herstellung von Werkzeugen mit Rundschaft beschäftigten. Das wird sich schon 2011 ändern. Hierzu nur ein Stichwort: Hochvorschub- und Kopierfräser. Diese Produkte sind seit Juni 2010 in Japan bereits am Markt. Welche Märkte haben Sie dabei im Blickpunkt? Ich nehme an, die Märkte werden die gleichen sein. Das sind zunächst sicher die Automobil- und Zulieferindustrie, die Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie der Werkzeug- und Formenbau. Ich würde das allerdings nicht auf irgendwelche Märkte beschränken, denn überall da, wo Präzision, zuverlässige Standzeiten und hohes Zerspanvolumen gebraucht werden, sind wir mit unseren Produkten gefragt. OSG ist ja offiziell erst seit 2003 am deutschen Markt. In der kurzen Zeit haben Sie einiges bewegt. Wie soll es denn weitergehen? Es ist richtig, wir haben 2003 mit vier Mitarbeitern begonnen und sind jetzt 35. In 2006 haben wir mit dem Unternehmen EPE begonnen, unseren Service auszubauen und in Deutschland Sonderwerkzeuge herzustellen. Die PlusLine-Serie entstand 2008 und das wird noch nicht das Ende sein. Wir wollen weiter expandieren. Auch in der Fertigung. 2011 werden wir hier nach Eislingen deshalb noch zwei neue Schleifmaschinen bekommen. Mittel- und langfristig stoßen wir hier deshalb in Eislingen sicher an Grenzen, aber bis 2020 sind 80 Mitarbeiter durchaus vorstellbar. W
Zu Ihrer zweiten Frage. Die Technologie, die Hartmetalle, Beschichtungen oder auch die Entwicklung neuer Produkte werden nach wie vor aus Japan kommen, denn da sitzt das Know-how. Die Herstellung von anwenderspezifischen Sonderwerkzeugen, der PlusLine- sowie die ergänzte EPE-Serie finden allerdings künftig ausschließlich in Eislingen statt. Das gilt auch für unterschiedliche Ausführungen oder Modifikationen sowie den Service.