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Die Zulieferindustrie in Frankreich

von Karl Würzberger Die Midest in Paris ist ein Spiegel der französischen Zulieferbranche. Im November 2009 hat die Veranstaltung fast 1.700 Aussteller aus 37 Ländern sowie rund 37.750 Fachbesucher angezogen. In 2008 belief sich der Gesamtumsatz der französischen Zuliefer-Industrie auf 77,23 Milliarden Euro. Diese Zahl umfasst 32.028 Betriebe mit insgesamt 565.583 Beschäftigten.

Die Angebotsstruktur der französischen Zulieferindustrie ist so ähnlich wie die der gesamten Industrielandschaft des Landes, ohne große Unterschiede nach Betriebsgröße. 82,4 Prozent des Umsatzes wird von Firmen mit über 20 Mitarbeitern getätigt, die 78,4 Prozent der Arbeitnehmer beschäftigen. Allerdings zählen 81 Prozent der Betriebe weniger als 20 Mitarbeiter.

Die Geschäftstätigkeit der Firmen ab 20 Personen ging 2008 gegenüber 2007 stark zurück, obwohl das erste Halbjahr generell noch zufrieden stellend war. Ab September reduzierten sich jedoch die Auftragseingänge, gefolgt von einem regelrechten Absturz im November und Dezember. Für 2008 kann man von 25.960 Betrieben, die weniger als 20 Mitarbeiter haben, ausgehen. Sie erwirtschafteten mit etwa 122.190 Mitarbeitern einen Umsatz von 13,5 Milliarden Euro.

Das Gesamtvolumen der Produktion ging 2008 zwar um fast sechs Prozent zurück, wurde aber teilweise aufgefangen durch leichte Preiserhöhungen am Jahresanfang, die noch zu Zeiten der stark steigenden Rohstoffpreise ausgehandelt wurden. Durchschnittlich stiegen dadurch die Rechnungsbeträge um 1,4 Prozent.

Auch der Zeitraum zwischen Rechnungsstellung und Zahlung hatte einen ausgleichenden Einfluss auf die niedrigeren Produktionszahlen von November und Dezember. Deshalb lag der durchschnittliche Rückgang aller beteiligten Firmen und Branchen bei ‚nur’ 1,25 Prozent. Die fallenden Umsatzzahlen sind jedoch sehr verschieden und reichen von minus 5 Prozent bei der Metallverarbeitung bis +3,61 Prozent beim Werkzeug- und Formenbau.

2009 war für die französisiche Zulieferer ein Krisenjahr

Das erste Trimester 2009 war von einem äußerst niedrigen Geschäftsverlauf geprägt, der teils 30 bis 40 Prozent unter den Zahlen von 2008 lag. Seither steigen die Produktionszahlen wieder ganz leicht an und die letzten veröffentlichen Zahlen zeigen überall einen merklichen Anstieg. Wenn diese Tendenz sich bis Jahresende bewahrheitet, wird das Jahr 2009 mit einem neuen Umsatzminus von 10 bis 11 Prozent enden. Auch hier sind die Zahlen von Sektor zu Sektor sehr unterschiedlich. Mit Ausnahme der Bestückung elektronischer Leiterplatten, die erstaunlicherweise ein Plus von 3 Prozent aufweist, sind alle Zulieferer betroffen. Wie zu erwarten zeichnet sich der schärfste Rückgang in jenen Bereichen ab, die mit der Automobilindustrie zu tun haben, wie zum Beispiel die Stanztechnik mit minus 18 Prozent oder die Drehteileindustrie mit einem Rückgang von über 17 Prozent.

Auch beim Personalbestand, der 2008 für die Unternehmen mit über 20 Mitarbeitern insgesamt etwa 443.400 Beschäftigte betrug, wird mit einem Rückgang von rund 5 Prozent gerechnet.

Referenzbasis ist das Jahr 1998

Zum einfacheren Vergleich werden die Umsatzzahlen von 1998 der französischen Zulieferindustrie als Referenzbasis mit 100 angenommen. Nach einer Spitze 2001 auf 118,4 brachte 2003 den plötzlichen Tiefpunkt von 111,3. Trotz vielbemerkter Unregelmäßigkeiten brachten die folgenden Jahre der Zulieferindustrie einen Aufschwung, der 2007 bei 125,7 Punkten gipfelte.

Wenn die Vorhersagen für 2009 eintreffen, wird das Umsatzniveau unter das der letzten Krise 2003 sinken. Schlimmer noch, wenn man das Produktionsvolumen zu Grunde legt. Der Effekt der steigenden Preise lässt dann nämlich die Kurven noch deutlicher ausschlagen. Zumal die Preise von 2002 bis 2004 gefallen sind, ehe sie dann von 2006 bis 2008 ziemlich steil unter dem Druck der Rohstoff- und Energiekosten anstiegen. Obwohl die Preise 2009 wieder gefallen sind, kann man also davon ausgehen, dass das reale Tätigkeitsniveau 2009 wieder nahe an 100 war. Zehn Jahre für nichts ?

Da keine genauen Angaben über die finanziellen Resultate für 2008 und 2009 vorliegen, beruhen die folgenden Angaben auf sorgfältigen Schätzungen. Im Laufe des Jahres 2008 hat sich die Finanzlage der Zulieferer auf Grund des Geschäftsrückgangs, der wachsenden Konkurrenzsituation und den dadurch fallenden Margen verschlechtert, verstärkt durch die restriktive Bankenpolitik gegenüber den Industrieunternehmen. Trotzdem haben in 2008 die Zulieferunternehmen mit einer Gewinnmarge von 1,3 Prozent vermutlich noch positiv abgeschlossen. Die bereits erwähnten Preissteigerungen zu Jahresbeginn und die fallenden Rohstoff- und Energiepreise haben sich da sicher positiv ausgewirkt.

2009 hingegen wurden die Marktbedingungen weitaus schlechter. Der nochmalige starke Rückgang des Geschäftsverlaufs hat die meisten Zulieferer unter den ‚Break-even’ gedrückt. Und wie immer in solchen Situationen hat der Konkurrenzkampf die Preise sehr gedrückt. Es ist daher zu erwarten, dass viele Firmen in die roten Zahlen kommen werden und insgesamt das Jahresergebnis bei minus 1 Prozent liegen wird.

Situation Export/Import der französischen Zulieferer

Lagen die Exporte der französischen Zulieferer in den 90er Jahren noch unter 20 Prozent, erreichten sie 2005 bereits bemerkenswerte 23,3 Prozent, und landeten 2007 bei stolzen 25,4 Prozent. Die wenigen Zahlen für 2008 zeigen, dass sich diese Tendenz auch bei fallenden Umsatzzahlen weiter fortgesetzt und 25,7 Prozent erreicht hat. Durch die rückläufigen Weltmärkte fällt die französische Exportquote allerdings auf etwa 24,8 Prozent.

Stellt man diesen Zahlen die französischen Zuliefer-Importe gegenüber, so überwiegen diese (im Zeitraum 90er Jahre bis 2008), trotz steigender Exporte. Allerdings hat sich 2009 die Lage verändert und die Importe nehmen schneller ab als die Exporte.

Auch Automotive schwächelt

Die Automobilindustrie ist bei Weitem der größte Kunde der französischen Zulieferindustrie. Bis 2004 war dieser Absatzmarkt stets steigend, ist aber seither stetig rückläufig. 2008 beliefen sich die Aufträge der Automobilbranche nur noch auf 34,2 Prozent gegenüber mehr als 40 Prozent in 2004. In 2009 geht man davon aus, dass der Branchenumsatz unter 33 Prozent fallen wird. Parallel dazu steigen die Umsätze für die Luft- und Raumfahrt sowie die Wehrindustrie auf 15,5 Prozent in 2008 und wahrscheinlich sogar 17 Prozent in 2009. Es ist jedoch anzumerken, dass diese prozentualen Angaben eine volumenmäßige Stagnation verdecken. Das ist für 2008 noch nicht allzu schlecht, für 2009 sind aber praktisch alle Sektoren, Branchen und Märkte rückläufig. Auch wenn die angegebenen Werte mit Vorsicht zu betrachten sind, geben sie doch einen guten Anhaltspunkt zur Struktur der Kundennachfrage.W

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