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Viel Kraft und viel Dynamik

von Helmut Angeli Die CyTec Zylindertechnik GmbH hat bereits in der Vergangenheit des Öfteren erfolgreich gezeigt, wie man Anforderungen aus der Praxis in konkrete Produkte umsetzt. Jüngstes Beispiel: Auf der diesjährigen Metav präsentierte die Jülicher Denkfabrik einen innovativen Koaxial-Doppelrundtisch mit Direktantrieben. Wir sprachen darüber mit der Geschäftsführenden Gesellschafterin Birgit Klement.

Mit einem Produktionsrückgang von über 60 Prozent gehört das Geschäfstjahr 2009 für Unternehmen aus dem Umfeld des Werkzeugmaschinenbaus zu den schwierigsten der letzten Jahrzehnte. Gilt diese Aussage auch für CyTec?

Der zweite Teil ganz sicher. 2009 war für alle Unternehmen der Branche ein ausnehmend schwieriges Jahr. Dies gilt auch für CyTec, allerdings haben wir keinen Einbruch in der genannten Größenordnung zu verzeichnen. Zudem muss man auch festhalten, dass der deutsche Werkzeugmaschinenbau in den Boomjahren 2007 und 2008 bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet war und dies auf Dauer gar nicht hätte durchhalten können. Denken wir nur einmal an die Entwicklungsvorhaben, die durch die hohe Belastung der Konstruktionsabteilungen wegen konkreter Projektaufgaben verzögert wurden.

Dann darf man also annehmen, dass bei CyTec das vergangene Jahr neben dem Tagesgeschäft vor allem auch für neue Entwicklungsvorhaben genutzt hat?

Wir haben in der Tat einen Teil unserer aufgeschobenen Entwicklungsvorhaben realisieren können.

...darunter sicherlich auch den hier auf der Metav erstmals vorgestellten Rundtisch mit zwei koaxialen Aufspannplatten. Worin sehen Sie den Vorteil dieser Technik?

Bei dem Kauf einer Rundtischmaschine steht der Anwender häufig vor dem Problem, den für ihn richtigen Rundtischdurchmesser zu wählen. Insbesondere die Lohnfertiger, also solche Unternehmen, die die Maschine nicht für ein spezielles Produkt kaufen, neigen deshalb oft dazu, sich für größere Bauteile einzurichten, obwohl der momentane Bedarf eher zu einer kleineren Maschine raten würde. Größer ist aber nicht notwendigerweise vielseitiger. Zwar können auf größeren Tischen auch größere und schwerere Bauteile aufgespannt werden, aber die größere Lagerung und die Antriebskonzeption lassen die hier erforderlichen höheren Drehzahlen nicht zu. Den häufigen Nachfragen von Kunden nach „unmöglichen“ Kombinationen aus Drehzahlen und Drehmomenten haben wir als Basis für ein Lastenheft genommen, um den „idealen“ Rundtisch zu entwicklen. Mit unserer Lösung können wir nahezu alle genannten Anforderungen erfüllen. Voraussetzung dafür war die Möglichkeit, zwei unterschiedlich große Rundtische koaxial ineinander zu setzen.

Soll das heißen, dass die Anforderung nach einem Doppelrundtisch direkt aus dem Markt kam?

Nein, nicht direkt. Aber wir haben von mehreren Maschinenherstellern Lastenhefte bekommen, die mit jeweils einem Produkt nicht zu erfüllen waren. Der klassische Zielkonflikt:“ Große Teile - hohes Drehmoment“ gegen „kleine Teile – hohe Drehzahl“ war allgegenwärtig.

Hätte man da keine Optimierung mit besonderen Lagern und ausgefeilter Antriebstechnik finden können?

Wie alle anderen Rundtischhersteller haben wir natürlich auch sehr viel in diese Richtung überlegt. Aber würden Sie an einen Porsche Carrera eine Anhängerkupplung bauen, oder mit einem LKW Rallys fahren? Sicherlich nicht. Unsere Antriebskomponenten und Lager sind so konzipiert, dass man sie ineinander schachteln kann und somit für jede Bauteilgrüße die richtige Kombination aus Drehzahl und Drehmoment erhält.

Das heißt, dass man auch mehr als zwei Tische ineinander schachteln kann?

Ja, genau. Denken Sie doch mal an die alten Küchenherde. Bei denen konnte man die gewünschte Öffnung für die Töpfe mit koaxialen Ringen herstellen. Dies ist auch bei Rundtischen so denkbar. Unsere Patentanmeldung besagt auch: „Mindestens zwei koaxiale Motoren“.

Ab welcher Größe macht es Sinn, diese Technik einzusetzen?

Das können wir derzeit noch nicht genau vorhersagen. Unser Prototyp war 1.800 mm im Außendurchmesser und hatte einen Innentisch von 400 mm. In der Praxis ist sicherlich ein Innendurchmesser von 600 beziehungsweise 800 mm sinnvoller. Nach oben sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Mit unseren Segmentmotoren können wir jeden beliebigen Durchmesser realisieren. Bei der mechanischen Bearbeitung der Lager und der Tischplatten sind wir derzeit noch auf 3 m begrenzt. Aber die Erfahrung der Vergangenheit hat gezeigt, dass wir auch in diesem Punkt noch wachsen müssen.

Können Sie die wichtigsten technischen Daten noch einmal kurz zusammenfassen?

Welche Maschinenkonzepte mit dem Doppelrundtisch möglich sind, zeigt das schwäbische Unternehmen Edel mit seiner Studie „Rotamill“. Bei dieser Maschine werden alle Optionen des Koax-Tisches steuerungstechnisch unterstützt. Als Bearbeitungsaggregate stehen wahlweise Gabelköpfe, Ausspindeleinheiten und Schleifspindeln zur Verfügung. Die Spindeln der Gabelköpfe können darüber hinaus auch noch geklemmt werden, so dass vollwertige Drehoperationen durchgeführt werden können. Zu den wichtigsten Daten: Bei einem Durchmesser des großen Tisches von 1.800 mm sind Drehzahlen von 100 U/min mit den von CyTec entwickelten Speziallagern möglich. Bei einem Werkstückdurchmesser von 1.500 mm ist eine Schnittgeschwindigkeit von etwa 500 m/min erlaubt. Für eine wirtschaftliche Beschleunigung und ausreichende Spantiefe sorgt ein kraftvoller Außenläufer Torquemotor, der mit einer kraftschlüssigen Arretierung versehen ist. Der Tisch kann somit nicht nur für Dreh- und Schleifoperationen eingesetzt werden, sondern auch als Positioniertisch bei Fräsbearbeitungen. Wegen der hohen Auflösung und Genauigkeit des Messsystems kann der Tisch auch als NC-Achse für simultane Fräsbearbeitungen genutzt werden. Der Innentisch wiederum kann in zwei unterschiedlichen Durchmessern ausgeführt werden. Je nach Größenverteilung der Werkstücke empfiehlt sich ein Durchmesser von 600 oder 800 mm. Auch dieser Innentisch verfügt über alle Funktionen einer NC-Rundachse. Um die Flexibilität nochmals zu steigern, besteht optional die Möglichkeit, den Innentisch wechselbar zu gestalten. Automatische Palettenspanner sind genauso möglich wie Mittelteile mit Energiezuführung für Komponenten wie Magnetspannplatten oder Ausspindelköpfe und vieles mehr.

Einige Anwender von Rundtischen benötigen eine Bohrung in der Mitte des Tisches zum Durchstecken von Wellen an den Werkstücken. Was sehen Sie hierfür vor?

Ganz einfach, wir gestalten den inneren Rundtisch herausnehmbar und bieten zum Spannen der Wellenteile geeignete Einsätze an.

Das klingt ja sehr einfach. Gibt es noch andere Ideen für die „unabhängige Mitte“?

Ja natürlich sind wir erst am Anfang mit der Entwicklung von Zusatzkomponenten. Wir sind sicher, dass wir auch dieses Mal wieder eine Menge von Impulsen vom Markt bekommen.W

www.cytec.de

 



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