Von Norbert Schmidt Eigentlich steht es noch gut da, das Bohrwerk von Union. Der Guss ist 1a, die Genauigkeit der 30 Jahre alten Maschine ist in Ordnung. Mit einer CNC-Steuerung und neu geschliffenen Führungen ist sie fast wie neu. Aber jetzt fehlt es an der Sicherheit. Denn die Maschine arbeitet nach der Aufrüstung automatisch ein NC-Programm ab, der Bediener hat nicht mehr alles im Griff. Ein Schutzzaun ist oft die beste Lösung – kostengünstig und hoch effizient.
So lange wir das Bohrwerk als manuell bediente Ma-schine einsetzten“, klärt der Fertigungsleiter auf, „gab es mit der Berufsgenossenschaft keine Probleme.“ Der Werker bediente die Maschine nicht nur – er beherrschte sie. Ganz anders ist die Situation, seit das selbe Bohrwerk mit einer CNC-Steuerung nachgerüstet wurde. Seit dem fährt der Maschinenbediener zwar immer noch auf seiner Kanzel – die Arbeitsspindel in Augenhöhe – mit der Maschine mit, aber er beherrscht sie nicht mehr, weil er ihr im Rahmen der NC-Programmierung Freiraum gewährt. Das ist zwar betriebswirtschaftlich erforderlich, aber sicherheitstechnisch ist es problematisch.
Schutzzaun als Lösung
Der Werker setzt jetzt NC-Programme ein, die er auf seinem Bedientableau aufruft und aktiviert. Dann verfährt die Maschine automatisch mit Eilgang-Geschwindigkeit und Wege-Optimierung – und der Werker hat keinen direkten Einfluss mehr. Hier sind Unfälle im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert, und die Berufsgenossenschaft spielt nicht mehr mit. Sie verlangt Sicherheits-Systeme, die den Menschen vor der Maschine schützt, denn nur sie kann dem Menschen gefährlich werden. Aber die BG legt sich nicht fest, macht keine konkreten Vorgaben. „Zuerst haben wir an ein Lichtschranken-System gedacht“, beschreibt der Fertigungsleiter den Einstieg in die Lösungsfindung, „aber das schützt nur den Eindringling, indem es für die Maschine einen Not-Aus auslöst.“ Und der kann teuer werden. Nicht nur, dass die Maschine wieder neu angefahren werden muss, meist gibt es auch Schäden an Werkstück und Werkzeug – für Einzelfertiger ein Riesenproblem.
„Mit einem Schutzzaun kann so etwas nicht passieren“, markiert Dipl.-Ing. Bodo Tönnigs, geschäftsführender Gesellschafter der GSF Gesellschaft für Stahlbau und Fördertechnik, die Vorzüge seines Systems, „weil er eine physische Barriere darstellt, die nicht so einfach überwunden werden kann.“ Und doch ist es mit einem 1,50 Meter hohen Gartenzaun nicht getan, den jeder Betriebsschlosser aufstellen kann. Denn die Sicherheit hört nicht bei der Hardware Zaun auf, vielmehr fängt sie hier erst richtig an. „Wir liefern komplette Schutzzaun-Systeme“, beschreibt Bodo Tönnigs das Leistungsspektrum der GSF, „individuell angepasst an Wünsche und Bedürfnisse der Kunden – und zwar mechanisch und elektronisch.“
So viel wie nötig und so wenig wie möglich
Da sind die geografischen Gegebenheiten zu berücksich-tigen. Auch eine große Maschine wie ein Lehrenbohrwerk wird nicht großzügig eingezäunt – so viel wie nötig, so wenig wie möglich, heißt die Vorgabe des Produktionsleiters. Dann sind großflächige Zaun-Elemente schnell passé und kleine Winkelstücke gefragt. „Bei großen Maschinen“, macht Bodo Tönnigs auf eine Besonderheit aufmerksam, „können auch schon mal so große Werkstücke bearbeitet werden, für die der Schutzzaun störend ist.“ Dann ist es gut, wenn er sich leicht und schnell entfernen lässt. Die GSF hat sich etwas einfallen lassen, das genau diesen Anforderungen gerecht wird. Es wurden Montagehülsen entwickelt, die im Hallenboden einbetoniert sind, um die Zaunpfosten aufzunehmen.
Während die normalen Pfosten über eine Auflageplatte mit vier Schrauben auf den Hallenboden festgedübelt werden, haben diese speziellen Pfosten noch eine Art Zapfen unten dran, der in die Montagehülse passt. Ihre Auflageplatte hat auch vier Bohrungen für Schrauben – es kommen M-8-Gewinde zum Einsatz – die dann die Verbindung zur Montagehülse herstellen. So können die Pfosten, die bei der Beladung und Bearbeitung sehr großer Werkstücke stören würden, einfach und schnell demontiert und ebenso wieder aufgebaut werden. Natürlich macht diese Lösung nur dann Sinn, wenn die großen Werkstücke selten sind – aber immer wieder vorkommen.
Das GSF-Schutzzaun-System birgt noch einen weiteren Vorteil, der schon bei der ersten Montage zum Tragen kommt: Die Pfosten verfügen über Winkel-Eisen, die 200 mm über dem Boden angeschweißt sind. So kann das Zaunsegment von einem einzigen Mann montiert werden, weil er das Element auf die Winkel-Eisen stellen und oben entspannt mit dem Pfosten verschrauben kann. Dass diese Verbindungs-Schraube nicht herausfallen kann und damit unverlierbar ist, zeigt, wie durchdacht das ganze System ausgelegt ist.
Zaunsegment kann von einzelnem Mann montiert werden
Der Schutzzaun für das Union-Bohrwerk verfügt auch über zwei Türen, eine als Ausgang von Maschine und Steuer-Kanzel, eine als Zugang zum Rüstbereich des Bohrwerks. Beide Türen sind mit Schließ-Systemen ausgerüstet, die es in sich haben. „Das sind hochkomplexe, elektronische Systeme von Euschner“, erläutert Tönnigs das Elektronik-Modul der Tür, „die mit der CNC-Steuerung kommunizieren können.“ Das war der Wunsch des GSF-Kunden: Wenn der Meister in den Arbeitsbereich des Bohrwerks kommen will, drückt er einfach die Taste ‚Anmelden‘. Der Maschinenbediener bekommt diese Meldung auf seinen Steuerungs-Bildschirm und entscheidet, ob sein Ablauf eine Arbeits-Unterbrechnung zulässt. Dann kann der Meister die Taste ‚Tür öffnen‘ drücken und gefahrlos in den Maschinenbereich eintreten. Umgekehrt soll der Maschinenbediener den Arbeitsraum des Bohrwerks verlassen können, wenn er einen lang dauernden Arbeitsgang gestartet hat. Dann kann er von innen an seiner Tür nach Drücken der Taste ‚Tür öffnen‘ gefahrlos den Arbeitsraum verlassen. Sollte jedoch einmal Gefahr im Verzug sein, braucht der Helfer von außen nur mit der roten Türklinke die Tür zu öffnen. Die CNC-Steuerung reagiert auf den Eingriff mit einem Not-Aus und setzt alle Systeme still.
„Mit dieser Lösung wird die BG zufrieden sein“, ist der Fertigungsleiter überzeugt, „und ich kann es auch sein.“ Denn mit der Schutzzaun-Lösung von GSF hat er das Optimum für seine Fertigungs-Situation bekommen.
Und wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus? „Die spielt eigentlich gar keine Rolle“, lautet die Antwort, „denn ohne Schutzzaun dürften wir das Bohrwerk gar nicht betreiben – oder wir müssten mindestens drei Mitarbeiter als ‚Schutzmänner‘ abstellen.“ Und das am Ende für mehrere Tage. Da spielte das Konzept der GSF eine größere Rolle als der Preis: „Wir liefern den bezahlbaren Maß-Anzug in Sachen Sicherheitszaun“, wie Bodo Tönnigs sich ausdrückt. W