Der Lengenwanger Spannmittelspezialist Ott-Jakob bietet seinen Kunden unter anderem ein modulares
Komplettprogramm von automatischen Werkzeugspann-Systemen für alle Bereiche und Einsatzzwecke.
Das traditionelle Streben des 1873 gegründeten Unternehmens nach Perfektion und Präzision verbindet sich mit hoher Innovationskraft. Als Weltmarktführer in seinem Metier ist es auch weltweit bei fast allen
Werkzeugmaschinenherstellern präsent.
Langjährige Erfahrung und Zusammenarbeit mit den führenden Maschinen- und Spindelherstellern sowie internationale Kompetenz und federführende Zusammenarbeit mit Universitäten in der Normerstellung bestimmen das Leistungsspektrum. Im engen Kontakt mit den wichtigen Konstrukteuren werden anwenderspezifische Produkte entwickelt für Effizienz und Praxisnähe. In den letzten Jahren konnte der internationale Marktanteil bei modularen Spannsystemen stark ausgebaut werden, sodass trotz sich ausbreitender Krise in allen Abnehmerbranchen 2009 der Neubau einer 5.500 m² großen Produktionshalle dringend notwendig war.
Die Vorreiterrolle bei Entwicklungen in den letzten Jahren sorgte für ein komplettes Produktprogramm von Spanneinheiten bei HSK-, HSK T- und Steilkegelwerkzeugen. Durch die Entwicklung neuer und immer leistungsfähigerer Spannsysteme bestimmen die Lengenwanger den weltweiten Trend. Ott-Jakob ist auch der einzige Hersteller von kompletten Werkzeugspanneinheiten. Dazu gehören viele Varianten von Drehdurchführungen, Löseeinheiten, Einzugskraftmessgeräten und mehr.
Längst hat die Elektronik in diese Komponenten Einzug gehalten. Zum Beispiel ein Beschleunigungssensor mit dem man den Zustand der Werkzeugspannung herauslesen kann. Oder Drehdurchführungen einer neuen Generation, tausendfach bewährt, wurden mit Mikroelektronik ausgestattet um beginnende Leckage zu erkennen und den Verlauf vorauszusehen bevor eine Spindel Schaden nimmt. Auch ist es möglich, mit Temperatur- und Schwingungssensoren weitere Parameter zu erfassen. Mit diesen Informationen ist der Zustand des Systems exakt zu bewerten und vorausschauende Wartung möglich. Das System hilft bei der Entscheidung, ob ein lang laufendes Werkstück noch bis zum Ende bearbeitet werden kann oder wie lange die Anlage bis zur Wartung noch betrieben werden kann. Dazu Hubert Sykora, Prokurist und Leiter Vertrieb und Marketing: „Wir haben in diesem neuen Segment eine tolle Mannschaft aufgebaut, die unseren Kunden ein Rundum-sorglos-Paket anbieten kann. Mit Ott Spannsystemen hat der Kunde alle Optionen, die er sich zukünftig vorstellen kann. Alles ist modular, die Schnittstellen aufeinander abgestimmt und ohne Probleme nachrüstbar. Das Gesamtsystem ist so aufgebaut, dass alles mit Optionen abgedeckt werden kann – und das ist der große Vorteil von Ott, nicht Katalogware, sondern ein individuell abgestimmter Baukasten für jeden Kundenwunsch.“
Die Archimedische Spirale
Für hochdrehende Spindeln bis 80.000 Umdrehungen und kleine Werkzeugdurchmesser hat Ott ein HSK 20-System entwickelt und deckt damit lückenlos die Bandbreite bis HSK A160 ab. Zur EMO in Mailand stellten die Lengenwanger das manuelle Spannsystem HSK T in zwei Lösungsvarianten vor: Das „Quick Change Clamping System“ dient dazu, HSK Werkzeuge manuell in einem Träger aufzunehmen. Vorteil des Systems: Die Betätigungskraft wird durch eine Archimedische Schraube verstärkt, so dass mit einer relativ geringen Winkelbewegung hohe gleichbleibende Spannkräfte erzeugt werden, die selbsthemmend erhalten bleiben. Bei HSK A40 zum Beispiel kann mit einem einfachen Inbusschlüssel locker mehr als das Doppelte der DIN-Einzugskraft erzeugt werden. Liegt dabei der DIN-Standardwert bei 6,8 kN, so erzeugt das Ott-System zwischen 15 und 16 kN. Das führt zu einer besonders steifen Verbindung zu den Werkzeug-Köpfen und den Werkzeugen.
Kleinstes Revolverspannsystem am Markt
Gleichzeitig entwickelte Ott für HSK T das „Compact Clamping System“ mit der gleichen Grundstruktur der Archimedischen Spirale. Es ist gleichermaßen geeignet zum kompakten Einbau in Stern- als auch Scheibenrevolver. Sykora: „Wir sind derzeit der einzige Hersteller, der das kleinste Revolverspannsystem am Markt anbietet. Wir schaffen es, bei 270 mm Schlüsselweite einen Revolver mit automatischen oder manuellen Spannsystemen zu bestücken.“ Er präzisiert: „Auch dieses System sorgt mit Archimedischer Spirale für hohe Einzugskraft und bietet weitere Features in der Form, dass wir eine automatische KSS-Umschaltung konzipiert haben, die beim Stern- als auch Scheibenrevolver erkennt, ob ein angetriebenes oder feststehendes Werkzeug adaptiert wird und dabei die KSS-Führung entsprechend lenkt. Mit der 16er Welle bei angetriebenen Werkzeugen sind hohe Drehmomente übertragbar.
Automatische Messung der Einzugskraft
Als weiteres neues Produkt stellt Ott dem Markt ein kompaktes Einzugskraftmessgerät vor. „Power-Check II“ ist ein Messgerät zum Prüfen der Kraft, mit der das Werkzeug vom Werkzeugspanner in den Spindelkonus eingezogen wird. Die vorgeschriebene Spannkraft ist außerordentlich wichtig für die Bearbeitungsqualität. Der regelmäßige Einsatz des Power-Check erlaubt es, eine Verringerung der Spannkraft frühzeitig zu erkennen, noch bevor sich Probleme bemerkbar machen. Der Power-Check II ist sehr kompakt und kann direkt vom Magazin in die Spindel eingewechselt, die Messungen durchführen. Bei Verdacht, Bedarf oder dauerhaft sind so Zwischenkontrollen der Spannkraft möglich. Der Speicher reicht aus für bis zu 8.000 Messungen mit Angaben über Tag, Einzugskraft, Hülsenposition. Ausgelesen wird über einen USB-Anschluss. Um Batteriekapazität zu sparen, verfällt das System im Magazin in einen „Sleep-Modus“. Eingewechselt wird es wie ein Messtaster. Es ist kompakt und kann ab HSK 25 eingesetzt werden. Mit austauschbaren Adaptern für SK, HSK als auch Capto und KS ist es ein Basisgerät für nahezu alle Schnittstellen.
Hochdrehende Spindelsysteme werden wegen geringerer Masse, höherer Dynamik und besserem Schwingungsverhalten zunehmend mit Gasdruckfedern statt Federpaketen ausgerüstet. Gasdruckfedern schaffen sichere zwei Millionen Lastwechsel. Doch ist es auch hier sinnvoll, mittels Einzugskraftüberwachungssystemen jederzeit den Zustand des Spannsystems und die Kraft der Gasdruckfeder zu messen. Hubert Sykora: „Unsere Spannsätze sind zwar beschichtet, aber trotzdem kann es durch erhöhte Reibung oder andere Einflüsse irgendwann zu Verlusten der Einzugskraft kommen. Es ist also durchaus sinnvoll, beim Einsatz teurer Werkzeuge oder bei der Bearbeitung heikler Werkstücke immer mal wieder die Einzugskraft zu überprüfen.“ W