Es gibt Drehmaschinen die schon ordentlich Fräsen können, oder Fräsmaschinen die sogar echte
Drehbearbeitungen durchführen können. Es werden ständig neue Konzepte entwickelt wie man diese
Bearbeitungen am besten in einer Universalmaschine kombinieren kann.
Die neueste Technik für Komplettbearbeitung hat kürzlich die Firma Index mit ihrer neuen R200 Baureihe vorgestellt. Ein Dreh-Fräs-Zentrum auf dem kein Werkzeugrevolver mehr zum Einsatz kommt. Diese Maschinen haben Werkstückspindel und Gegenspindel, darüber sind zwei Motor-Frässpindeln angeordnet die über ein Kettenmagazin mit Werkzeugen versorgt werden.
Wenn kein Revolver für Drehwerkzeuge mehr vorhanden ist, müssen alle Werkzeuge in der Motor-Frässpindel eingesetzt werden. Damit dies funktioniert, muss die Spindelwelle blockiert werden. Dies kann zum einen durch die reine Frequenzregelung des Motors erfolgen oder durch ein mechanisches Klemmen der Welle.
Bei Diebold-Spindeln wird die Welle hydraulisch geklemmt. Dies setzt voraus dass die Bauteile der Bremse sehr genau gefertigt sind, es muss stets gewährleistet sein, dass nach dem Lösen der Bremse die rotierenden Teile wieder frei laufen und dass nie metallischer Kontakt entsteht. Kontakt würde zum sofortigen Zerstören der Bauteile führen. Außerdem muss das alles sehr fix gehen, denn diese modernen Dreh-Fräs-Zentren wechseln die Werkzeuge so schnell wie ein Bearbeitungszentrum und man erreicht jetzt Span-zu-Span Zeiten von <4 Sekunden.
Diebold führt in seinem Spindelprogramm bereits drei verschiedene Spindelmodelle, die mit einer solchen Bremse ausgestattet sind. Soll also ein Teil in einer Aufspannung gedreht, gefräst, gebohrt, verzahnt (und vielleicht sogar gleich noch gehärtet) werden, sind dazu entsprechende Aggregate in der Maschine notwendig. In einer Dreh-Fräszelle ist immer wenig Platz zwischen den Werkstückspindeln, deshalb müssen die Motorfrässpindeln extrem kurz sein. Am hinteren Ende der Spindel muss deshalb alles sehr kurz und kompakt sein. Aufgrund dieser Forderung nach kurzer Bauform entwickelte Diebold seine eigenen Löseeinheiten und - ebenso wegen Platzgründen - auch eigene Drehdurchführungen für die innere Kühlmittelzuführung. Wir bei Diebold, so Herrmann Diebold, durften nie die einfachen Spindeln bauen, das machen traditionell die Platzhirsche. So haben wir schnell gelernt uns mit kniffligen Sachen auseinanderzusetzen und fühlen uns heute – nicht zuletzt auch wegen der derzeitigen Krise im Standard-Maschinengeschäft - in unserer High-Tech-Nische recht wohl.
HSK-T: gleicher Siegeszug wie HSK?
Um den Nutzen mit den oben beschriebenen Spindeln zu optimieren setzt man bei Diebold auf die neue HSK-T Schnittstelle in der Spindelwelle. Der HSK-T Kegel soll jetzt, nachdem er genormt ist, auch seinen Siegeszug beginnen, so wie ihn der HSK Kegel auf Bearbeitungszentren mit seiner weltweiten Anerkennung gemacht hat.
Beim HSK-T Kegel sind die Breiten der Mitnahmenuten im Werkzeugkegel und der Mitnehmer im Spindelkegel enger toleriert als beim Standard HSK Kegel. Mit dieser Verkleinerung der Toleranz der Mitnehmerbreiten ist gewährleistet, dass ein HSK-T Drehwerkzeug, das in eine Motorfrässpindel eingesetzt wird, immer auf Drehmitte steht.
Exaktes Schnellwechselsystem
Seit rund 2 Jahren ist ein HSK-T Arbeitskreis aktiv, in dem Firmen aus dem Bereich der Werkzeugaufnahmen, der Werkzeugmaschinen, der Werkzeugrevolver, der Werkzeugspannsysteme und der Werkzeugschneiden zusammenarbeiten und nach Lösungen suchen, wie der HSK-T auch in Revolvern von Drehmaschinen zum Einsatz kommen kann. Der Hohlschaftkegel ist bekannt für seine hohe Wechselgenauigkeit die nur wenige µ ausmacht. Diesen Vorteil möchte man auch in die Revolver der Drehmaschine übernehmen um eine exaktes Schnellwechselsystem direkt im Revolver zu haben. Es gibt viele verschiedene Systeme auf dem Markt, mit dem HSK-T Direktspannsystem würde die Vielfalt reduziert zum Wohle aller Beteiligten. Genau so war es, als damals der HSK seinen Siegeszug antrat, heute ist der HSK die bevorzugte Schnittstelle für alle hochgenauen rotierenden Bearbeitungen.
Diebold als Hersteller von Motorfrässpindeln und Hersteller von HSK-Aufnahmen ist aufgrund seiner Erfahrung auf der Spindel- und der Werkzeugseite geradezu prädestiniert, in die Welt der HSK-T Drehwerkzeuge einzusteigen. Für das Messen der Spindelkegel hat Diebold geniale elektromechanische Messdorne entwickelt mit einer Auswertegenauigkeit von 0.0001 mm, so bleiben heute messtechnisch gesehen keine Wünsche mehr offen.
Die HSK-T Werkzeuggruppe des Arbeitskreises HSK-T hat ein Grundprogramm an HSK-T Schneidwerkzeugen zusammengestellt, das von den beteiligten Firmen produziert und zukünftig lagerhaltig geführt werden wird. Diebold ist vom Start weg dabei und konzentriert sich auf die Schnittstelle HSK-T40.Wie oben gesagt, nicht die Masse (HSK63), sondern die High-Tech-Nische HSK-T40.W