von Helmut Angeli Seit dem Zusammenschluss von Bosch und Indramat zu Bosch Rexroth war es um die CNC-Aktivitäten des Konzerns etwas ruhig geworden. Damit soll es nun vorbei sein. Andreas Jenke, Leiter Vertrieb für die Werkzeugmaschinenbranche, erläuterte uns die Vorteile der MTX-Steuerungsfamilie. Und davon gibt es einige.
Hätte man vor 10, 15 Jahren eine Umfrage gestartet, um die bekanntesten Produzenten von CNC-Steuerungen für Werkzeugmaschinen herauszufinden, dann wären mit Sicherheit sowohl Bosch wie auch Indramat unter den am meisten Genannten gewesen. Würde man heute die gleiche Umfrage durchführen, dann sind Zweifel angebracht , ob denn Bosch Rexroth – quasi als Nachfolger der beiden genannten Hersteller – auf einen nur ansatzweise ähnlichen Bekanntheitsgrad käme. Was ist passiert?
Ihre erste Einschätzung teile ich: Sowohl Indramat als auch die Bosch-Steuerungsfamilie wären sicher unter den am meisten genannten gewesen. Wobei in diesem Zusammenhang auch darauf hingewiesen werden sollte, dass Indramat-Steuerungen damals auf die Hochproduktion gezielt haben und wir deshalb außerhalb des Automotive-Bereiches als Hersteller sehr leistungsfähiger CNC-Produkte nicht so bekannt waren, wie es aufgrund der Stückzahlen und der technologischen Bedeutung angebracht gewesen wäre. Die Wahrnehmung unserer Steuerungsentwicklungen in der breiten Öffentlichkeit hat sich in der Folge etwas verändert. Es ist heute so, dass wir als Bosch Rexroth vor allem in der Hochproduktion und bei den OEM’s als Lieferant innovativer CNC-Steuerungen anerkannt sind; bei den Job-Shops und kleineren mittelständischen Kunden müssen wir noch bekannter werden und arbeiten deshalb vermehrt in Richtung Endkundenakzeptanz.
Die Leistungsfähigkeit und der daraus resultierende Kundennutzen unserer CNC-Produkte ist unbestritten hoch, was sich nicht zuletzt auch daran beweist, dass ein Weltmarktführer wie die Firma Trumpf auf die Rexroth CNC-Steuerungen setzt.
Nun ist es so leicht aber nicht bei den Endkunden zu punkten, denn deren Interesse ist es ja, möglichst wenig unterschiedliche Fabrikate und damit Steuerungsphilosophien im Haus zu haben. Wie wollen Sie denn diesen Kunden überzeugen, dass er sich eine Werkzeugmaschine mit einer CNC von Bosch Rexroth ins Haus holt?
Es gibt Applikationen die beweisen, dass wir bei der Maschinenproduktivität klar die Nase vorne haben. Sprich, die MTX-Steuerungen haben eine höhere Rechenleistung als Produkte unserer wichtigsten Wettbewerber und sind damit logischerweise bei rechenintensiven Prozessen wie zum Beispiel der Freiformflächenbearbeitung deutlich leistungsfähiger. Die SPS-Zykluszeiten sind zudem deutlich niedriger, wodurch sich beispielsweise die Werkzeugwechselzeiten reduzieren und die sich Produktivität der Maschinen insgesamt erhöht.
Kann man dies auch mit Zahlen unterfüttern?
Wir haben beispielsweise eine typische SPS-Zykluszeit zwischen einer und vier Millisekunden für die meisten Anwendungen. Hier liegen unsere wichtigsten Wettbewerber deutlich darüber, teilweise um den Faktor 5. Und dies wirkt sich, wie schon angesprochen, in den Nebenzeiten aus. Zweites Beispiel: Der Interpolationstakt kann bei der neuen MTX advanced bis auf 500 Mikrosekunden heruntergetaktet werden, und das sieht man dann auch an der Oberflächenqualität und Konturgenauigkeit bei der Freiformflächenbearbeitung. Das unterstreicht meine Aussage, dass wir derzeit bei der Performance führend sind. Und: Wir haben eine Bedienoberfläche geschaffen, die sich an moderner Computertechnik orientiert und sich beispielsweise durch die Mehrfenstertechnik vom Wettbewerb abhebt. Damit ist der Übergang von einem Bedienpfad direkt zum nächsten möglich, ohne dass ich wie bisher erst wieder an den Ausgangspunkt zurück muss. Das wiederum heißt, dass ich schneller und einfacher zu einem Ergebnis komme.
Wenn Sie auf die Freiformflächenbearbeitung anheben, heißt dies doch auch, dass Sie vor allem auf einen etablierten Wettbewerber Heidenhain treffen, der dort mit seiner TNC 530i als Benchmark gilt. Wie liegt die MTX hier im Vergleich?
Wir unterscheiden uns hier doch sehr im Anwendungsfokus. Unsere MTX zielt wie gesagt in erster Linie auf Anwendungen in der Hochproduktion – Beispiel ist die Turboladerfertigung: hier hat die MTX eindeutig die Nase vorn.
Mit der MTX micro hat Bosch Rexroth eine Steuerung vorgestellt, die zum einen Eigenentwicklungen wie die Haas-Steuerung und zum anderen die Low-Cost Varianten von beispielsweise Fanuc ablösen könnte. Ist diese Sichtweise korrekt?
Das ist sie. Werkzeugmaschinenhersteller, die Standardmaschinen in der Größenordnung wie Haas ausliefern, sind für jeden Steuerungshersteller interessant. Wir sind sicher, dass wir für den Standardmaschinenmarkt mit der MTX micro ein passendes Produkt anbieten.
Auf der anderen Seite ist es auch richtig, dass sich die MTX micro als Alternative für bestehende Low-Cost Varianten eignet. Bislang ist Fanuc zum Beispiel für einfache Werkzeugmaschinen aus China die unangefochtene Nummer 1. Wir haben den Benchmark klargemacht und rechnen uns gute Chancen aus, in diesem Markt mit unserer MTX micro gut ins Geschäft zu kommen. Wir können neben unserer überzeugenden Funktionalität auch mit attraktiven Preisen aufwarten. Die MTX micro ist als Steuerung für den Massenmarkt konzipiert und dort sind die Anerkennung und die Ergebnisse bislang sehr ermutigend.
Steuerungen für Werkzeugmaschinen ,made in Japan’ bleiben aber doch wohl Wunschdenken…
Die Bindungen einzelner Steuerungshersteller mit den jeweiligen Werkzeugmaschinenunternehmen sind in Japan traditionell sehr eng. Der Markt ist für nichtjapanische Lieferanten weitgehend verschlossen. Ausnahme ist lediglich anspruchsvolle Antriebstechnik, wie sie beispielsweise Toyoda Jtekt in ihren Schleifmaschinen mit den Rexroth Antrieben einsetzt. Diese ganz enge Verzahnung zwischen einem Steuerungslieferanten und einem Maschinenbauer wie in Japan gibt außerhalb Japans eigentlich nicht.
Außerhalb Japans gibt es nicht nur erfolgversprechende Ansätze sondern schon seit Jahren Serien- sowie Projektmaschinen in denen CNC-Technik von Rexroth kontinuierlich zum Einsatz kommt, und deren Zahl wächst stetig.
Gibt es denn schon deutsche Maschinenhersteller, die in der letzten Zeit Interesse signalisiert haben, auf Produkte aus Ihrem Haus zurückzugreifen?
Mehr als das: Wir beliefern in Deutschland bereits über 50 Hersteller von Werkzeugmaschinen erfolgreich mit MTX Systemen. Um einige herauszugreifen: DMG, Trumpf, SW, matec, Wendt, Chiron, Grob, MAG, Mikron, Kellenberger, Bahmüller.
Letzten Endes manifestiert sich der Erfolg von Steuerungen auch über die verkauften Stückzahlen. Wie viel Steuerungen kommen per anno aus dem Hause Bosch Rexroth?
Bei allen Steuerungssystemen zusammengenommen liegt das Aufkommen zwischen 3.000 und 5.000 Systemen im Jahr.
Wie viel davon gehen in die Werkzeugmaschinenindustrie?
Über die Jahre gesehen pendelt sich dieser Wert bei einer Größenordnung von etwa 50 Prozent ein. Wir haben seit 2006 jährlich die Anzahl der in den Markt gehenden MTX-Steuerungen verdoppelt. Wir sehen uns auf einem sehr guten Weg. W