von Helmut Angeli Die Zeiten für die Hersteller von Werkzeugmaschinen sind alles andere als leicht. Da macht es richtig Laune, wenn man Unternehmen findet, die auch in diesen schwierigen Zeiten noch erfolgreich sind. Wer meint, die gäbe es nicht, den kann ein Besuch der matec in Köngen vom Gegenteil überzeugen.
Die Erfolgsgeschichte des Unternehmen matec ist untrennbar mit der Person Erich Unger verbunden. Sie sind nicht nur Firmengründer und Geschäftsführender Gesellschafter, sondern auch Vertriebsmann Nummer 1 und zugleich wichtigster Konstrukteur. Ist das nicht auch gefährlich, wenn eine einzelne Person in einem Unternehmen nahezu alle zentralen Positionen innehat?
Dass ein Firmengründer in seinem Unternehmen eine wichtige Rolle spielt halte ich für absolut normal. Wenn sich allerdings daraus in der Öffentlichkeit der Eindruck ergeben haben sollte, ich allein bin für den Erfolg matec verantwortlich, dann ist der falsch. Im Unternehmen matec sind heute rund 150 Mitarbeiter beschäftigt und jedem von denen fallen gewisse Aufgaben zu. Und nur wenn jeder an seinem Platz sein Bestes gibt, sind und bleiben wir erfolgreich. Ein Einzelner allein – auch wenn das der Chef ist – kann nicht viel bewegen.
Und nur zur Richtigstellung: Ich bin nicht der „wichtigste Konstrukteur“ im Unternehmen. Mit der klassischen Konstruktion habe ich so gut wie nichts mehr zu tun. Meine wichtigste Aufgabe bei der Maschinenauslegung ist die eines Ideengebers, der mit seiner fast 40-jährigen Verbundenheit zum Werkzeugmaschinenbau natürlich auf einen gewissen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann und den auch gerne und bereitwillig an Jüngere weitergibt.
Stichwort erfolgreich. Der Branchenverband VDW beziffert den durchschnittlichen Umsatzrückgang der Unternehmen mit etwas mehr als 40 Prozent. Nun hört man, dass matec deutlich besser abgeschnitten hat. Gibt es dafür nachvollziehbare Gründe?
Wir haben in der Tat ein deutlich besseres Ergebnis eingefahren. Der wohl ausschlaggebende Grund dafür ist, dass wir uns auf das Marksegment kundenindividuelle Maschinen in höchster Qualität konzentrieren. Darauf kann und will der Anwender auch in für ihn schwierigen Zeiten nicht verzichten, da ja sein eigentlicher Wettbewerbsvorteil darin liegt, ein Teil in besserer Qualität oder günstiger herzustellen als sein Wettbewerber. Werden nur Standardmaschinen eingesetzt, ist es schon deutlich schwieriger sich von der Konkurrenz abzusetzen. Hinzu kommt, dass viel Maschinenkapazität derzeit brachliegt und die Unternehmen diese freien Kapazitäten erst einmal nutzen, ehe sie in neue Maschinen investieren. Das wirkt sich bei den Standardmaschinen deutlich mehr aus, da sich diese oft ohne Einschränkungen gegenseitig ersetzen.
Können Sie das ‚deutlich bessere‘ Ergebnis noch etwas konkretisieren? 10 Prozent, 20 Prozent?
Noch eine Vorbemerkung: Nahezu alle Werkzeugmaschinenbauer haben in 2008 ein historisches Hoch erlebt, die deutschen Hersteller haben noch nie so viele Maschinen gebaut und verkauft wie in dem Jahr. Also muss man einen Rückgang in der vom VDW genannten Größenordnung etwas relativieren. Aber, und das steht außerhalb jeder Diskussion, der deutsche Werkzeugmaschinenbau hat einen dramatischen Einbruch erlebt, dessen Auswirkungen wir alle noch lange spüren werden. Aber ich will Ihre Frage nach der Größenordnung nicht unbeantwortet lassen. Wir haben ein sehr durchwachsenes Jahr hinter uns und werden wohl mit einem Rückgang von etwas mehr als 20 Prozent leben müssen.
Nun ist matec ja nicht der einzige Hersteller, der sich auf kundenorientierte Maschinen kapriziert. Wie unterscheidet sich matec von diesem Wettbewerb?
Ich spreche grundsätzlich nicht über Stärken und Schwächen unserer direkten Wettbewerber. Was uns auszeichnet ist, dass wir gelernt haben, sehr gut zuzuhören, die konkrete Problemstellung unserer Kunden bis ins Detail diskutieren und den daraus entstandenen Forderungskatalog konsequent umsetzen. Und: Wir bauen nicht die zweit- oder drittbeste Lösung, wir suchen immer nach dem Optimum und das setzen wir dann um.
Erlauben sie mir hier leichte Zweifel, denn matec setzt ausschließlich auf das Fahrständerprinzip und es kann doch nicht sein, dass dies immer die wirklich beste Lösung darstellt…
Dann habe ich für den Herrn Angeli eine ganz besondere Überraschung. Wir werden nach dem Gespräch in die Montagehalle gehen und dort steht eine große matec-Portalmaschine mit verfahrbarem Tisch, Palettenwechsler und einem 200er-Werkzeugmagazin das über einen Roboter bedient wird.
Was aber wohl eine Premiere darstellt…
…gut aufgepasst. Aber dies unterstreicht meine Aussage von gerade eben: Wir suchen gemeinsam mit unseren Kunden nach der besten Lösung und wenn das dann keine Fahrständermaschine ist, dann nutzen wir ein anderes Prinzip.
Warum gibt es eigentlich international so wenig Hersteller, die Maschinen nach dem Fahrständerprinzip bauen?
Es ist ja nicht so, dass ausländische Hersteller das nicht auch versuchen. Derzeit ist beispielsweise Yamazaki Mazak dabei eine Baureihe von Fahrständermaschinen zu entwickeln. Andere große japanische Unternehmen haben dies schon versucht. Das Problem dabei ist, dass nach diesem Prinzip gebaute Maschinen erst über Sonderlösungen – Beispiel integrierter Drehtisch – zu wirklich produktiven Einheiten werden. Genau dieses aber ist nicht unbedingt die Stärke von asiatischen Herstellern. Die bauen inzwischen auch sehr gute Standardmaschinen, aber im Bezug auf kundenorientierte Lösungen ist der deutsche Werkzeugmaschinenbau immer noch einsame Spitze.
…Zwischenfrage: Wie viel Maschinen hat matec bislang insgesamt ausgeliefert?
Wir haben seit Gründung des Unternehmens rund 1.100 Maschinen ausgeliefert.
In welche Branche gehen Ihre Maschinen vorwiegend?
Kann man so nicht beantworten. Unsere Maschinen gehen tatsächlich in alle Branchen. In den letzten Monaten haben wir so beispielsweise vor allem Anfragen und Aufträge aus dem Umfeld Energietechnik und dem Werkzeug- und Formenbau bekommen.
Nun ist matec einer der treuesten Kunden der Bosch Steuerungswelt. Die Reihe reicht, wenn ich mich denn recht entsinne, von der CC300 über den Typ Osa bis hin zur derzeitigen aktuellen MTX. Woher kommt die Vorliebe für Bosch Rexroth?
Ich will unseren Wettbewerb nicht unnötig schlau machen, aber es gibt eine Reihe von Anwendungen, da ist die Bosch CNC das Maß aller Dinge. Dieses Steuerung deckt ein sehr breites Anwendungsfeld ab und bietet alle Vorteile einer echten Mehrkanalsteuerung. Zudem ist auf ihr die Fräs- wie Drehgrafik vorhanden. Da gibt es meiner Einschätzung nach keine bessere Steuerung und auch da gilt: Für matec-Kunden nur das Beste.
Abschließende Frage: Wann glauben Sie setzt auch im Werkzeugmaschinengeschäft wieder ein echter Aufwärtstrend ein?
Ich bin kein Prophet. Aber wenn die Entwicklung der letzten Monate weiter anhält, dann geht es der Branche bald wieder deutlich besser.W