von Helmut Angeli Es möchte durchaus sein, dass schon in naher Zukunft nicht mehr entscheidend ist, wer die bessere (oder kostengünstigere) Maschine liefern kann, sondern wer den gesamten Fertigungsprozess besser in den Griff bekommt. Für Michael Hanke, deutsche Geschäftsleitung Bucci Industries, jedenfalls ist die Gesamtverantwortung für Prozesse das Thema der Zukunft. Und er könnte damit durchaus recht haben.
Auf Ihrer Visitenkarte sind Sie ausgewiesen als Geschäftsleitung Bucci Industries. Nun kennt man hierzulande zwar die einzelnen Gruppenmitglieder Iemca und Giuliani, möglicherweise auch noch Sinteco und Riba, aber wer ist Bucci?
Bucci Industries ist die Holding der von Ihnen ja schon aufgeführten einzelnen Mitglieder und in dieser Holding waren bislang lediglich die industriellen Engagements der Familie Bucci zusammengefasst, ohne die möglichen Synergien auszuschöpfen. Und genau dies soll und wird jetzt angegangen. Neben den schon angeführten Mitgliedsfirmen gehört übrigens auch noch der Verpackungsmaschinenhersteller Vire zu dem Verbund.
Wenn Sie schon die Synergien ansprechen, worin liegen die denn konkret?
Mit Bucci Industries sind wir sehr breit aufgestellt und das ist schon ein Umstand, der uns vom Markt abhebt. Wir wollen künftig nicht nur als etablierter Lieferant von beispielsweise Werkzeugmaschinen oder Lademagazinen auftreten, sondern zusätzlich als Prozessbegleiter unserer Kunden. Das heißt, wir wollen bei unseren Kunden den gesamten Prozess vom Rohteilehandling – diesen Part würde dann logischerweise Iemca mit den Ladesystemen und Portalladern übernehmen – über die Bearbeitung – hier käme Giuliani ins Spiel – bis hin zur 100-Prozent Qualitätsprüfung und Montage, hier ist Sinteco der Spezialist, abdecken. Mit diesem Paket heben wir uns vom Wettbewerb ab und bieten unseren Kunden damit auch einen echten Mehrwert.
Wie hat man sich das konkret vorzustellen?
Nehmen wir einmal einen typischen Iemca-Kunden, der Drehteile von der Stange produziert. Nicht selten wird von dem eine 100%-Kontrolle seiner Teile verlangt. Hier ist Bucci der ideale Ansprechpartner, denn neben der Teilezuführung über Stangenlademagazine bieten wir mit Sinteco auch vollautomatische Mess- und Prüfanlagen zur Qualitätskontrolle bis hin zu Palletiersystemen. Wobei ich auch darauf hinweisen möchte, dass Sinteca wie auch Iemca ein hochspezialisiertes Unternehmen mit glänzenden Referenzen ist. Sinteco hat weit über 1.200 Fertigungslinien und Maschinen für die Montage und Qualitätskontrolle weltweit auf dem Markt.
Wir wollen künftig vermehrt als Komplettanbieter auftreten und bieten unseren Kunden über Bucci die Möglichkeit, komplette Fertigungssysteme aus einer Hand zu bekommen, und diese Turn Key Solution mit einem einzigen Ansprechpartner. Wobei die Automatisierung unbestritten eines der beherrschenden Themen heute und in naher Zukunft ist und sein wird. Die Bearbeitungsprozesse an sich sind heute schon in aller Regel weitestgehend ausgereizt, an den reinen Bearbeitungszeiten kann man kaum mehr wirkliche Rationalisierungseffekte realisieren. Wo man meist aber noch wirklich Zeit und damit Geld gewinnen kann, ist im Umfeld der Peripherie. Hier können und werden wir künftig für unsere Kunden einiges an Rationalisierungspotentiale verwirklichen.
Aber derartiges hätte man doch auch in der Vergangenheit schon anbieten können…
…was in Einzelfällen durchaus auch schon so war. Aber die einzelnen Unternehmenseinheiten haben sich in der Vergangenheit sehr viel mehr auf das ihnen eigene Produktspektrum konzentriert und weniger das der gesamten Gruppe im Blick gehabt. Dass dem künftig nicht mehr so ist, verstehe ich als eines meiner wichtigsten Aufgabengebiete.
Damit ist zwar das Unternehmensziel schon weitgehend verdeutlicht, aber so ganz habe ich Bucci noch nicht im Fokus. Können Sie für mich einmal die wichtigsten Kenndaten der Bucci Industries kurz zusammenfassen?
Bucci Industries ist ein familiengeführtes Unternehmen mit weltweit um die 800 Mitarbeiter und seit rund 50 Jahren existent. Die Gruppe gehört übrigens mit einem Umsatz in 2008 von mehr als 80 Millionen Euro nach einer Erhebung der italienischen Fachpresse zu den 50 größten europäischen Unternehmen aus der Werkzeugmaschinenbranche. Auch das, so meine ich, ist für unseren Kunden nicht ganz unwichtig. Denn das kann unser Partner gerne als Beleg dafür nehmen, dass wir auch in fünf oder zehn Jahren noch auf dem Markt sind und ihm bei seinen Aufgabenstellungen helfen.
Eine abschließende Frage: Wann wird der allseits prognostizierte Aufschwung auch die Branchen rund um die Metallbearbeitung erreichen?
Hier verlässliche Aussagen zu treffen ist schwierig bis unmöglich. Aber es ist schon heute spürbar, dass die Branche den Boden erreicht hat und langsam wieder in Tritt kommt. Aber es wird schon noch eine geraume Zeit dauern, bis wir wieder eine Größenordnung wie in den vergangenen Jahren erreichen.W