von Nikolaus Fecht Die Herose GmbH stellt mit 180 Mitarbeitern Armaturen für Tieftemperaturtechnik und den Druckbehälterbau her. In dem Unternehmen entstehen pro Jahr im Schnitt 400.000 Ventile. Ziel ist es, immer besser zu werden. Lean-Management und Produktions-Controlling sind eine Seite der Schlankheitskur. Maschinenseitig entstehen beispielsweise Einzelteile für die jeweiligen Armaturen zu 90 Prozent auf DMG-Anlagen. Dabei legt Herose Wert auf die höchste Ausbaustufe. Das unterscheidet den Mittelständler Herose von anderen? Nun, es gibt sicherlich kaum ein Unternehmen dieser Größenordnung, das mit Dipl.-Wirtsch.-Ing. Stefan Gil über einen eigenen Experten für Lean-Management und Produktions-Controlling verfügt. Ihm steht Dr.-Ing. Lars Vollmer aus Hannover zur Seite. Der Niedersachse stimmte zunächst die Führungskräfte auf seine 5S-Methode ein. 5S steht dabei für Sortieren, Setzen und Anordnen, Sauberkeit, Standardisierung und Selbstdisziplin. Auch die Werker sind von den einfachen, aber wirksamen Methoden begeistert. Dabei geht es vor allem um ein ständiges Besserwerden – die Grundlage der Lean-Philosophie. Zwei komplette Schränke inzwischen überflüssig Ein Blick auf einen Aspekt der gemeinsamen Schlankheitskur: Den Experten fielen an den Werkzeugmaschinen die Schränke mit den vielen unterschiedlichen Werkzeugen auf, mit denen die Werker arbeiten. Einen Grund nennt der stellvertretende Fertigungsleiter Ingo Rothenpieler: „Wenn ein Mitarbeiter nach einem Inbusschlüssel fragte, erhielt er früher oft einen ganzen Satz." So füllten sich die Schränke. Die pragmatische Lösung: Das Herose-Team legte in Zusammenarbeit mit der Produktion die jeweils notwendigen Betriebsmittel bindend fest. Vorgeformte Schaumstoffeinlagen in den Schubladen sorgen nun beispielsweise dafür, dass sich nur die benötigten Werkzeuge und Hilfsmittel am Arbeitsplatz befinden. Stefan Gil: „Wir haben 80 Prozent der Werkzeuge aussortiert. Schon bei der ersten Maschine wurden dadurch zwei komplette Schränke überflüssig." Neuordnung bedeutet für Herose aber auch bessere und vor allem zuverlässigere Betriebsdaten- und Maschinendatenerfassung (BDE/MDE). Ingo Rothenpieler: „Wir können den Mitarbeitern nicht zumuten, etwa bei einem Werkzeugbruch quer durch die Halle zum Computer zu gehen. Künftig sollen sie derartige Vorkommnisse an dezentralen BDE-Terminals an den Maschinen eingeben." Diese kleinen Touch-Screen-Terminals werden extern an die CNC angeschlossen, melden erst ans eigene System und kommunizieren dann mit der übergeordneten SAP-Anlage. 95 % Lieferzuverlässigkeit Herose will über die dezentralen BDE/MDE-Terminals Gründe für Stillstände genau erfassen, um damit auch im Sinn einer vorbeugenden Instandhaltung ein Condition Monitoring einzuführen. Stefan Gil: „Wir wollen außerdem die Umlaufbestände und Materialkosten senken." Wilfried W. Zschalich, einer der beiden Geschäftsführenden Gesellschafter, ergänzt: „Wir wollen die Produktion flexibilisieren, um auch kleine Losgrößen im Eilauftrag fertigen zu können, ohne laufende Aufträge zu stoppen." Um das Thema flexible Fertigung sorgt sich der Unternehmer bereits seit längerem. Der Norddeutsche hat den Betrieb zusammen mit seinem Sohn Dirk, dem zweiten Geschäftsführenden Gesellschafter, total umgekrempelt: Um für hohe Lieferfähigkeit und Termintreue zu sorgen, gibt es alle wichtigen Anlagen – vom Rechner, Erzeugen von Druckluft, Entfetten, Löten, Schweißen bis hin zum Verpacken mit Papierpolstern – in doppelter Ausführung. Wilfried W. Zschalich: „Unsere Lieferzuverlässigkeit beträgt 95 Prozent. Wir können jetzt schon sogar kleine Losgrößen von fünf Stück innerhalb von fünf Tagen liefern. Wir nehmen dabei auch hohe Nebenzeiten für das Rüsten in Kauf." W