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Große Serien im kleinen Betrieb

Die Wedo Präzisionstechnik GmbH ist auf die Großserienfertigung mit Mehrspindel-Drehautomaten spezialisiert. Ein anspruchsvolles Geschäft. Jedes Jahr fertigt und bearbeitet der Ulmer Mittelständler mit 25 Maschinen und 60 Mitarbeitern rund 35 Millionen Komponenten. Sie werden vor allem in der Automobilindustrie verbaut und sind vielfach sicherheitsrelevant. Das stellt höchste Anforderungen an die Fertigungsorganisation und an die Qualitätsüberwachung. Deshalb hat Wedo seine gesamte Fertigung mit Prozessüberwachungssystemen von Brankamp ausgestattet und vernetzt.



Das unentwegte Klicken in dem kleinen, verglasten Büro muss höllisch gewesen sein. Tick, tick, tick – pausenlos meldeten 25 analoge Zähler die Produktionsmengen direkt aus der Fertigung. Tick, tick, tick. Fast 120.000 Klick-Geräusche pro Tag. 5.000 in der Stunde. Über 80 in der Minute. Tick, tick, tick. Absolut nervtötend. „Das Klicken war Musik in meinen Ohren", widerspricht Hubertus Werz, geschäftsführender Gesellschafter der Wedo Präzisionstechnik GmbH mit Sitz in Ulm. In seinem Büro konnte er selbst bei geschlossener Tür das unermüdliche Ticken der Zähler im Nebenraum hören. Und er hörte es gern. „Solange die Zähler klickten, lief es in der Produktion rund."

Die Zähler aus den Gründertagen der Wedo Präzisionstechnik GmbH gibt es noch heute. Inzwischen sind sie digital. Geräuschlos. Aber eben auch arbeitslos. Wenn Hubertus Werz wissen will, wie es gerade in seiner Fertigung aussieht, braucht er heute nämlich nur noch einen Klick. Einen Mausklick. An seinem Computer kann er jederzeit Echtzeitdaten und umfangreiche Auswertungen aus der Produktion einsehen. „Wir haben unsere gesamte Fertigung mit Factory M von Brankamp vernetzt. Das war der nächste konsequente Schritt in der Fertigungssteuerung", sagt Werz.

Hohe Maschinenverfügbarkeit ist entscheidend

Und die Fertigungssteuerung spielt bei Wedo eine ganz besondere Rolle. Der Maschinenpark des Mittelständlers ist nämlich nahezu lückenlos ausgelastet, gefertigt wird an sechs Tagen pro Woche rund um die Uhr. Jahr für Jahr bringt die Wedo-Mannschaft 7.000 Tonnen Stahl in Form. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Fertigung von Präzisions- und Sicherheitsdrehteilen in Großserien mit einem Durchmesser von 4 bis 54 Millimetern. 15,5 Millionen Euro setzen die rund 60 Mitarbeiter inzwischen pro Jahr damit um. Weil der Maschinenpark so gut ausgelastet ist, kommen allein im laufenden Jahr noch zwei neue Mehrspindler hinzu.

Aufgrund der hohen Auslastung ist die Maschinenverfügbarkeit bei Wedo von jeher besonders wichtig. Das war auch schon bei der Gründung im Jahr 1989 so. Damals hatte der Ulmer Unternehmer Josef Dodel den erfahrenen Fertigungsprofi Werz zum Sprung in die Selbständigkeit animiert. Gemeinsam gründeten die Beiden die Wedo Präzisionstechnik. „Wir hatten keinen Bleistift, keinen Gabelschlüssel, kaum Maschinen und kein Geld", scherzt Hubertus Werz heute über die ersten Tage des erfolgreichen Unternehmens. Schon damals hatte Werz die Maschinenverfügbarkeit und die Ausbringung genau im Blick. „Unsere Maschinen müssen laufen", bringt er es auf den Punkt. Beim Start mit einer Handvoll Mitarbeitern und acht Mehrspindlern wurden bereits die ersten klickenden Zähler in dem Büro über der Fertigung installiert.

„Wir sind dann schnell an einen Punkt gekommen, an dem uns die reinen Zähler nicht mehr reichten. Wir wollten die Maschinen schützen, Werkzeugbrüche frühzeitig erkennen sowie Trends und Verschleißgrenzen sehen, um die Maschinen bei optimaler Leistung zu betreiben und besser planen zu können", sagt Thomas Jungbeck, Assistent der Wedo-Geschäftsleitung. „Deshalb haben wir schon vor 15 Jahren die ersten ProcessMonitoring-Systeme von Brankamp eingeführt."

Werkzeugbruch minimiert

Diese Systeme analysieren mit Spezialsensoren den Fertigungsprozess. Sie ermöglichen so eine optimierte Qualität und verbesserte Nutzungsgrade. Gleichzeitig beugen sie Prozessfehlern vor oder schalten Maschinen bei Fehlfunktionen rechtzeitig ab. Dadurch werden teure Schäden vermieden.

Diese innovative Technologie ist 1977 von der Erkrather Firma Brankamp entwickelt worden. „Fakt ist: Seit wir die Brankamp-Systeme flächendeckend an allen Maschinen einsetzen, haben wir nahezu keinen Werkzeugbruch mehr", so Jungbeck. Einige der ersten Systeme vom Typ Brankamp C90 sind sogar nach 15 Jahren Dauerbetrieb noch im Einsatz. Viele Mehrspindler sind aber auch schon mit der innovativen Nachfolge-Generation, den Modellen der Brankamp ECO 500-Serie, ausgerüstet.

Die ProcessMonitoring-Systeme messen und überwachen die Zerspankräfte von bis zu acht Kanälen mit frei einstellbaren Grenzen. Die Systeme bieten eine umfassende Crash-, Bruch- und Trendüberwachung, die selbst bei komplexen Fertigungsverfahren für außergewöhnliche Geometrien einen optimalen Schutz für Werkzeug und Maschine sicherstellt. Bei sogenannten Prozessentartungen, also etwa einem Werkzeugbruch oder einer Kollision, schalten die Prozessüberwachungs-Systeme die Maschine automatisch ab und minimieren so die möglichen Schäden. Zusätzlich liefern sie dank zahlreicher Zählfunktionen präzise Daten direkt aus der Fertigung, die weit über die Möglichkeiten der analogen Stückzähler aus der Wedo-Gründungsphase hinausgehen.

Echtzeitdaten direkt von der Maschine

Diese Daten sind die Basis der vor gut einem Jahr umgesetzten Fertigungsvernetzung. „Transparenz und Flexibilität sind bei unseren Hauptabnehmern, in der Automobilindustrie, ein Muss. Wir haben jederzeit die Möglichkeit, den Auftragsfortschritt oder auch die Maschinenauslastung in Echtzeit in der Verwaltung abzufragen. Das vereinfacht unsere Planung und ist ein echter Wettbewerbsvorteil", sagt Hubertus Werz.

Zur Analyse der Daten nutzen die Fertigungsprofis die modulare Factory M-Software von Brankamp. Neun Module der innovativen Vernetzungslösung sind bei Wedo im Einsatz. Von der sogenannten Werkstattübersicht, die mit roten und grünen Symbolen anzeigt, welche Maschine aktuell produziert und welche umgerüstet wird, über Produktivitätsberichte bis hin zu artikelbezogenen Auswertungen reicht das Spektrum der gewonnenen Informationen. „Die Bedienung ist wirklich einfach. Sie erfolgt über den Browser und ist mit dem Surfen im Internet vergleichbar", berichtet Thomas Jungbeck von seinen Erfahrungen. Jeden morgen um sieben Uhr wertet die Geschäftsleitung am Bildschirm die Daten aus. „Wir haben unsere Termintreue noch weiter verbessert. Mögliche Engpässe können wir frühzeitig erkennen und gegensteuern. Außerdem können wir schneller und flexibler auf eilige Kundenwünsche reagieren", so Jungbeck.

Schlüsselfaktor Qualität: Null Fehler sind gefordert

Doch nicht nur die optimierte Fertigungssteuerung hat den Ausschlag für die lückenlose Ausstattung mit Brankamp-Systemen bei Wedo gegeben. Auch ein klassisches Bedürfnis der Autobranche spielte eine elementare Rolle: die Null-Fehler-Philosophie. So finden sich Komponenten aus der Produktion des Ulmer Unternehmens beispielsweise in sogenannten Hülsengelenken im Fahrwerk, wo sie hohen spezifischen Belastungen standhalten müssen. Wedo-Teile kommen genauso in modernen Einspritzpumpen zum Einsatz. Auch hier hängt die Fahrzeugsicherheit unmittelbar von der Präzision der Drehteile aus Ulm ab. Deshalb erlauben die Kunden – darunter unter anderem Werke der ZF-Gruppe in sechs Ländern, die Schaeffler Gruppe (LuK) oder auch HYDAC – dem Mittelständler auch bei komplexen Geometrien nur Toleranzen von wenigen μ.

„Qualität ist unser Lebenselixier", bestätigt Hubertus Werz. „Wir haben als kleines Unternehmen aber einen entscheidenden Vorteil. Bei uns fühlt sich noch jeder persönlich für die Produktqualität verantwortlich." Mit den Brankamp-Systemen können die Wedo-Mitarbeiter schon während des Produktionsprozesses erkennen, ob alles rund läuft. So lassen sich beispielsweise Unterschiede in der Materialqualität sofort erkennen, lange bevor Teile beim Kunden sind. Durch die fortlaufende Inprozesskontrolle kann das Team auch die Werkzeugstandzeiten und die Schnittdaten für jede Maschine optimieren. Außerdem können Maschinenstillstandszeiten auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

Dank der Unterstützung durch die Brankamp-Systeme können zwei Mitarbeiter je nach Komplexität der Teile zwischen drei und acht Mehrspindler erfolgreich produzieren lassen. Mit umfangreichen Messverfahren überprüfen sie dabei ständig, ob die produzierten Teile die hohen Anforderungen der Kunden auch wirklich erfüllen. Für jede Produktions-Charge gibt es eine eigene Warenbegleitkarte, die von den Mitarbeitern persönlich unterschrieben wird. „Da unterschreibt niemand, der nicht alles genau geprüft hat", ist Thomas Jungbeck überzeugt.

Auch beim Waschen der Teile, in der Nachbearbeitung, beim Härten, Schleifen oder Verzahnen genügt der Mittelständler Wedo höchsten Anforderungen. „Wir nehmen uns selbst durch die Zertifizierung unserer Prozesse in die Pflicht", sagt Thomas Jungbeck. Und die Zertifikate im Besprechungsraum bei Wedo sind tatsächlich Legion. Hier reiht sich Bilderrahmen an Bilderrahmen. Da hängt die DIN EN ISO 9001:2008, dann die ISO/TS 16949:2009. Direkt daneben die DIN EN ISO 14001:2009. Und auch noch die OHSAS 18001:2007. „Bedingungslose Qualität ist in unserem Metier heute ein Muss. Natürlich muss auch der Preis stimmen. Der dritte wesentliche Punkt ist die Flexibilität. Bei allen drei Punkten hilft uns die Brankamp-Technologie ganz entscheidend", sagt Hubertus Werz. W

www.wedo-ulm.de



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