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Weiter auf Erfolgskurs

von Martin Bauer

Das koreanische Unternehmen Doosan Infracore lud im Frühsommer zur traditionellen „Doosan International Machine Tools“ – kurz DIMF – ein. 2.000 Händler und Großkunden aus aller Welt, davon mehr als 250 aus Europa, konnten über 60 Maschinen bestaunen. Wir sprachen mit Jaejin Ju, Geschäfts- führer von Doosan Infracore Germany, über die Entwicklung und die Zukunftspläne des größten südkoreanischen Werkzeugmaschinen-Herstellers.



Die europäischen Werkzeugmaschinen-Hersteller mussten 2009/2010 mit Rückgängen von minus 60 Prozent, die japanischen mit Rückgängen von minus 80 Prozent leben. Wie hat Doosan Infracore die Krise bewältigt?

Die Krise hat uns ebenso hart getroffen wie unsere Mitbewerber. Wir mussten im ersten Halbjahr 2009 in unseren Produktionsstätten in Korea Kurzarbeit einführen und bei unseren Mitarbeitern Überstunden abbauen lassen. So mussten wir unsere Mitarbeiter bis zu 50 Tage im ersten Halbjahr 2009 nach Hause schicken. Gerade in dieser Zeit haben wir jedoch unseren Schwerpunkt auf die Entwicklung und die Durchleuchtung unserer Prozesse gelegt um für die Zeit nach der Krise gewappnet zu sein und unseren Mitarbeitern ein positives Signal zu geben. So wurden weiterhin Promotion Events durchgeführt und unser Vertriebsnetzwerk stetig ausgebaut. Einen weiteren Schwerpunkt legten wir in die Durchleuchtung der einzelnen Märkte. Diese ergab für uns ein großes Potenzial in China, wo wir seit 2003 mit einer eigenen Produktion vertreten sind und bereits seit Jahren auf den chinesischen Markt angepasste Modelle produzieren. Gegen Ende 2009 stieg dann glücklicherweise die Nachfrage aus China, wo wir aus bereits genannten Gründen sehr stark aufgestellt sind ebenso wie in Korea unserem Heimat Markt. Darüber hinaus wurden Wachstumsstrategien für Märkte wie Indien, Brasilien, Türkei, Osteuropa, Südostasien, etc. festgelegt um ein langfristiges Wachstum zu generieren. All diese Maßnahmen führten dazu, dass wir bereits 2010 wieder die Marke von einer Billion südkoreanischer Won (ca. 900 Millionen US-Dollar) durchbrachen. Technologisch fortgeschrittene Märkte wie Nordamerika und Europa, welche vor der Krise die wichtigsten Märkte von Doosan Infracore waren, erholen sich nun immer schneller. Daher ist es für uns äußerst wichtig diese Märkte mit innovativen und technisch absolut hochwertigen Produkten zu bedienen und die bestehende Produktpalette stetig zu verbessern.

Wie verteilt sich der Umsatz auf die Regionen Asien und Europa und welchen Stellwert hat hierbei der deutsche Markt? Wie ist der Vertrieb in Deutschland organisiert und welche Ziele verfolgt Doosan Infracore hierbei?

Wir erwarten für 2011 eine Umsatzverteilung von 35 Prozent Korea, 23 Prozent China, 18 Prozent Nordamerika, 17 Prozent Europa und sonstige. Für Europa bedeutet dies, dass wir 2011 noch immer unter dem Vorkrisenniveau liegen werden. Da Deutschland in Europa eine herausragende Stellung im Werkzeugmaschinenmarkt einnimmt, sehen wir hier besonderen Handlungsbedarf. Daher bauen wir seit Jahren auf ein zuverlässiges und kompetentes Händlernetzwerk in Deutschland. Wir haben mit den Firmen Jörg Wappler Werkzeugmaschinen e.K, GLM-Service u. Vertrieb GmbH & Co.KG, Mekitech GmbH, Mato Handels GmbH und der Inex Werkzeugmaschinen GmbH ein hervorragendes Netzwerk aufgebaut und sind daher in der Lage weiterhin auf Expansion zu setzen. Alle unsere Händler bieten einen ausgezeichneten Service in Ihrem Vertriebsgebiet an, erarbeiten gemeinsame Marketingkonzepte und Vertriebsstrategien. Hierbei fungiert Doosan als Koordinator. Diese Strategie hat sich als äußerst wirksam erwiesen, so startet in der zweiten Jahreshälfte 2011 eine gemeinsame Marketingkampagne unter dem Motto, „für Bestleistungen in Ihrer Produktion". Außerdem sind wir auf allen wichtigen Messen in Deutschland einheitlich vertreten. Unser Ziel ist es in absehbarer Zeit zu den weltweit drei größten Anbietern von Werkzeugmaschinen zu gehören. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen wir auf hochqualifizierte Mitarbeiter, den stetigen Ausbau unseres Produkt-Portfolios und auf Wachstumsstrategien, die auf die einzelnen regionalen Gebiete zugeschnitten sind.

In Europa werden Maschinen vor allem unter der Vorgabe der Komplettbearbeitung hergestellt (5-Achsen-Verfahrensintegration). Entspricht dies auch den Entwicklungszielen von Doosan Infracore?

Natürlich spielen auch bei uns 5-Achs Bearbeitungszentren eine große Rolle, ebenso wie andere high-end Produkte für technologisch hochentwickelte Märkte, aber auch die mid/low-end Produkte für die Schwellenländer sind enorm wichtig. Um diese unterschiedlichen Bedürfnisse zu decken setzen wir auf verschiedene Strategien. Wichtig ist es hierbei Produkte zu entwickeln, die ein hohes Wachstumspotenzial und eine hohe Marge erwarten lassen. Zur Zeit richten wir unser Augenmerk verstärkt auf den Flugzeugbau, Energietechnik- und Medizintechnik-Sektor. Um in den verschiedenen Märkten auf Veränderungen möglichst schnell reagieren zu können sind wir bestrebt unsere vorhanden Produktionsanlagen stetig weiter auszubauen um dort Kapazitäten für besondere Entwicklungen zu haben. Zusätzlich beobachten wir die einzelnen Märkte sehr genau um jede Veränderung frühzeitig zu erkennen und auf diese präventiv reagieren zu können.

Inzwischen gilt China nicht nur als der weltweit stärkste Absatzmarkt, sondern auch als größter Herstellermarkt. Mit welchen Strategien und Konzepten ist Doosan Infracore auf dem chinesischen Markt präsent? Gleichzeitig wird China ein führender Hersteller von Werkzeugmaschinen – was ändert sich dadurch für Doosan Infracore?

Wir erwarten für den chinesischen Maschinenbau ein Wachstum von mehr als 15 Prozent im Jahresdurchschnitt, wobei wir von einem Marktvolumen von über 90 Mrd. US Dollar nur für die Werkzeugmaschinensparte ausgehen. Diesen wichtigen Markt teilen wir uns mit den bekannten Größen der internationalen Werkzeugmaschinenhersteller und einigen lokalen taiwanesischen Herstellern. Unsere international großen Wettbewerber haben nach unseren Erkenntnissen alle einen Marktanteil von unter fünf Prozent. Unser Marktanteil liegt in China bei knapp unter drei Prozent. In China gibt es keinen eindeutigen Marktführer. Diese besondere Konstellation bietet sehr viele Chancen für die Zukunft. Aktuell haben wir ein Kapazitätsproblem in der Produktion in China. In unserer Anlage können im Jahr ca. 2.000 Maschinen vom Band gehen, allerdings ist die Auslastung schon bei über 100 Prozent. Dieses Problem wird im Moment durch andere Werke in Korea kompensiert. Da wir aber weiterhin von einem Wachstum in China ausgehen, wird mittelfristig der Ausbau der Produktion in China unumgänglich sein. Unser Hauptaugenmerk in China gilt dem Automotive und Baumschienenbereich, die eine große Nachfrage nach Werkzeugmaschinen nach sich ziehen.

Der Aufstieg von Doosan Infracore wurde durch die weltweite Krise unterbrochen. Wird Doosan Infracore dennoch 2015 eine Jahresproduktion von 20.000 Einheiten herstellen können?

Unser Auftragseingang stieg im ersten Quartal des Jahres auf mehr als 1.300 Maschinen pro Monat. Dies ist eine Steigerung um 30 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Die Inlandsnachfrage in Korea hatte im Jahr 2010 den höchsten Stand und der Trend geht nach wie vor nach oben. Ebenfalls ungebrochen ist der Aufwärtstrend im Export nach China und in Schwellenländer. Auch die Auftragseingänge aus Nordamerika und Europa erholen sich deutlich. Dementsprechend ist eines der wichtigsten Themen der Ausbau unserer Kapazitäten. Wir werden durch verbesserte Prozessabläufe und Umstrukturierungen unsere Produktivität auf 1.400 Maschinen im Monat erhöhen. Mittelfristig sind Investitionen in Höhe von ca. 100 Millionen US Dollar für den Ausbau unserer Kapazitäten geplant. Damit sollte eine Jahresproduktion von 20.000 Maschinen gewährleistet sein. W

www.doosaninfracore.com



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